Freitag, 30. Dezember 2011

"Kommunalka"

„….Aber nicht alle Kommunalki – (eine Kommunalka ist eine große, bürgerliche Wohnung der Zarenzeit, in der dann  im Sowjetsystem mehrere Familien gleichzeitig untergebracht wurden)- in einem Haus wurden (nach Ende des Kommunismus) aufgelöst; in meinem Treppenaufgang zum Beispiel blieb eine Kommunalka bestehen. Darin lebten zwei Brüder um die dreißig, die beschlossen, den kapitalistischen Weg einzuschlagen. Sie machten einen Trinkwassergroßhandel auf. Dieses Geschäft warf allem Anschein nach Gewinn ab. Alle Stockwerke in unserem Aufgang waren  mit Zehnliterplastikflaschen zugestellt, denn sie beiden Jungunternehmer hatten keine Lagerräume. Die Brüder veränderten sich: Sie trugen nur noch modische Kleidung und Schuhe, alles sehr schick und italienisch. Doch dann ging die russische Seele mit ihnen durch: Sie schwammen in Geld und begannen zu trinken -  kein Wasser, versteht sich. Sie tranken und tranken; und einer der Brüder trank so viel, dass er starb. Der andere Bruder veranstaltete einen pompösen Leichenschmaus in der Kommunalka. Dabei  - sein Bruder war eben erst unter die Erde gebracht – betrank er sich dermaßen- dass er ins Badezimmer verschwand und ebenfalls starb. In unserem Aufgang war es vorbei mit dem Trinkwasser-Kapitalismus. Weit und breit keine Plastikflaschen mehr....“

Viktor Jerofejew, FAZ 30.10.09, S. 34

Samstag, 24. Dezember 2011

Sonntag, 20. November 2011

Samstag, 12. November 2011

Polk wollt Kong sehen


 

Wie war dein Tag, Schatz?
Von Georg M. Oswald


Fring hatte die Probezeit ohne Probleme überstanden. Polk, sein Chef, war sehr einverstanden mit ihm, wenngleich er fand, Fring übertrieb ein bisschen seine Korrektheit. Auch beim heutigen Geselligkeitsabend stand er mit festgezurrter Krawatte da, jederzeit bereit zu einer angedeuteten Verbeugung. Polk fand, er solle sich ein bisschen mehr zu Hause fühlen. „Was wünschen Sie sich für die nähere Zukunft? Ich meine so allgemein hier im Unternehmen?“, fragte er ihn. „Abgesehen von der Zielerreichung?“, lautete Frings beflissene Gegenfrage. Polk runzelte die Stirn: „Natürlich. Abgesehen von der Zielerreichung.“ „Nun, ich würde zu gerne einmal Herrn Kong persönlich begegnen.“

Kong war der Vorstandsvorsitzende. Fring war ihm noch nie gegenübergestanden, wie viele der anderen sechstausend Mitarbeiter des Unternehmens auch. „Das kommt sicher noch“, sagte Polk, bevor er sich verabschiedete. Fring stand eine Weile alleine in der Nähe des Buffets und lauschte der Musik, die ein eigens engagierter DJ auflegte. Eine Kollegin aus seiner Abteilung sprach ihn an, ob er sich zu ihr an den Tisch setzen wolle. Fring begann ein Gespräch mit ihr über die Zielerreichung, doch die Kollegin schien nicht allzu interessiert. Sie nahm ihn an der Hand und führte ihn auf die Tanzfläche.

Als sie an ihren Platz zurückkehrten, kamen weitere Kollegen hinzu. Sie brachten eine Flasche Wein an den Tisch mit. Fring trank, lauschte der Musik und wippte nun mit dem Fuß dazu. Er wollte noch einmal etwas über die Zielerreichung sagen, aber seine Kollegin zog ihn sogleich ein zweites Mal auf die Tanzfläche, und als er zurückkam, wurde ihm wieder kräftig nachgeschenkt. Fring lockerte seine Krawatte, knöpfte das Hemd auf, trommelte mit den Zeigefingern auf der Tischplatte und trank ein weiteres sogenanntes Gläschen. Das war wirklich ein ausgezeichneter Tropfen und diese Kollegin wirklich ausgesprochen nett. Zigarette? Warum nicht. Fring kam mehr und mehr in Schwung.

Er fand nun, es gab nicht den geringsten Grund, an diesem Abend länger über die Zielerreichung nachzudenken. Man musste ja nicht die ganze Zeit durch die Firma laufen, als habe man einen Stock verschluckt. Wenig später stand er rückwärts gebeugt im Kreis seiner Kollegen mit aufgeknöpftem Hemd, trug die Krawatte als Stirnband und spielte mit zugekniffenen Augen ein ausgedehntes Luftgitarrensolo, als Polk hereinkam und rief: „Fring, gut, dass Sie noch da sind! Stellen Sie sich vor, was sich gerade zufällig für Sie ergeben hat: Kong will Sie sehen! Jetzt gleich in seinem Büro!“

Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 05.11.2011 Seite C1

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Der Kulturwissenschaftler Friedrich Kittler

forderte die „Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften“. 


Kittler: "Gott schuf den Menschen, weil er ihn träumte. Der Mensch aber vergaß Gott und schuf die Maschine, weil er sie träumte. Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts aber hat die Maschine den Menschen vergessen. Wer wollte vorhersagen können, von wem oder was sie träumt?"


Friedrich Kittler 1943 - 2011 

Dienstag, 4. Oktober 2011

"Warum wir uns in die eigenen Ideen verlieben"



Klarer denken

Von Rolf Dobelli

Meine Kochkünste sind bescheiden, das weiß auch meine Frau. Und doch gelingt mir ab und zu ein Gericht, das man als essbar bezeichnen könnte. Vor einigen Wochen kaufte ich zwei Seezungen. Um der Langeweile bekannter Fischsoßen zu entgehen, erfand ich eine neue – eine waghalsige Kombination aus Weißwein, pürierten Pistazien, Honig, geraspelten Orangenschalen und einem Schuss Balsamico. Meine Frau zog die gebratene Seezunge auf den Tellerrand und streifte mit dem Messer die Soße vom Fisch, dazu lächelte sie entschuldigend. Mir hingegen schmeckte die Soße nicht schlecht. Ich erklärte ihr im Detail, welch kühne Kreation sie hier verpasse – was nichts an ihrem Gesichtsausdruck änderte.

Zwei Wochen später gab es wieder Seezunge. Diesmal kochte meine Frau. Sie hatte zwei Soßen parat. Zum einen ihre etablierte Butterschwitze, zum anderen die „Kreation eines französischen Top-Chefs“. Die zweite schmeckte scheußlich. Nach dem Essen gestand sie, dass es sich nicht um die Kreation eines französischen Top-Chefs handelte, sondern um meine eigene Kreation, die ich vor zwei Wochen ausprobiert hatte. Sie wollte mich testen und hatte mich aus Spaß des Not-Invented-Here-Syndroms (NIH-Syndrom) überführt: Man findet alles schlecht, was „nicht hier erfunden“ ist.

Das NIH-Syndrom bringt einen dazu, sich in die eigenen Ideen zu verlieben. Das gilt nicht nur für Fischsoßen, sondern für alle Arten von Lösungen, Geschäftsideen und Erfindungen. Firmen tendieren dazu, intern entwickelte Ideen als besser und wichtiger einzuschätzen als Lösungen von externen Anbietern, selbst wenn diese objektiv besser sind. Ich hatte vor kurzem ein Essen mit dem Geschäftsführer einer Software-Firma, die sich auf Krankenkassen spezialisiert. Er erzählte mir, wie schwierig es sei, seine Software – in puncto Bedienung, Sicherheit und Funktionalität objektiv führend – den potentiellen Kunden schmackhaft zu machen. Die meisten Versicherer seien überzeugt, dass die beste Software genau jene ist, die sie selbst im eigenen Haus, entwickelt haben.

Wenn Menschen zusammenkommen, um Lösungen zu finden, und diese gleich selbst bewerten, lässt sich das NIH-Syndrom schön beobachten. Die eigene Idee ist stets die beste. Sinnvoll ist es deshalb, Teams ins zwei Gruppen aufzuspalten. Die eine Hälfte generiert Ideen, die andere bewertet – danach umgekehrt.

Geschäftsideen, die wir selbst erfunden haben, empfinden wir als erfolgreicher als Geschäftsideen von anderen. Das Syndrom ist verantwortlich für blühendes Unternehmertum. Und leider auch für die größtenteils miserablen Renditen von Start-ups.

In seinem Buch „The Upside of Irrationality“ beschreibt der Psychologe Dan Ariely, wie er das NIH-Syndrom gemessen hat. Im Blog der New York Times bat er Leser, Antworten auf sechs Probleme zu geben. Zum Beispiel: „Wie können Städte den Wasserverbrauch senken, ohne per Gesetz den Verbrauch zu limitieren?“ Die Leser sollten nicht nur Vorschläge machen, sondern ihre eigene Antwort und die Antworten der anderen auf Anwendbarkeit beurteilen. Auch mussten sie angeben, wie viel Freizeit und eigenes Geld sie in die jeweilige Lösung investieren würden. Dazu kam, dass die Leser ihre Antworten aus nur fünfzig Wörtern zusammensetzen durften – was sicherstellte, dass alle mehr oder weniger die gleichen Antworten gaben. Trotzdem: Die eigene Antwort wurde von der Mehrheit für wichtiger und anwendbarer gehalten als die fremden Antworten (die im Grunde die gleichen waren).

Auf gesellschaftlicher Ebene kann das NIH-Syndrom gravierende Auswirkungen haben. Schlaue Lösungen werden nicht übernommen, gerade weil sie aus einer anderen Kultur stammen. Dass der winzige Kanton Appenzell-Innerrhoden den Frauen nie freiwillig das Stimmrecht gegeben hat (es brauchte einen Bundesgerichtsentscheid im Jahr 1990), ist ein verblüffender Fall von NIH. Oder: Noch heute sprechen wir von der „Entdeckung Amerikas“ durch Kolumbus, obwohl Menschen dort schon lange lebten.

Fazit: Wir sind von unseren eigenen Ideen betrunken. Um wieder nüchtern zu werden, halten Sie ab und zu Abstand, und betrachten Sie die Qualität ihrer Einfälle rückblickend. Welche Ideen der letzten zehn Jahre waren wirklich herausragend? Eben.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26.09.2011 Seite 30

Montag, 3. Oktober 2011

"Regierung" wird zu "Irre genug" - Anagramme

Nimmt man ein Wort, schüttelt seine Buchstaben durcheinander und setzt sie neu zusammen, so entstehen merkwürdige Verbindungen, so genannte Anagramme: "Tierschutz" zum Beispiel ergibt "Ist zu Recht", was ja noch Sinn macht. Auch "Regierung" lässt sich schön umstellen: "Irre genug". Aber nicht immer ist die Bedeutung sofort klar, aus "Christdemokraten" etwa wird, etwas rätselhaft: "Dank schmort Tiere", oder auch: "Hacke mordet Stirn". Das ist interpretationsbedürftig und lässt womöglich auf ein kleines mentales Problem der CDU beim Umgang mit Tieren schließen. Tatsächlich hat die Union sich ja vergangene Woche überraschend dafür ausgesprochen, den Tierschutz ins Grundgesetz aufzunehmen, nachdem sie jahrelang dagegen war.

Als Grund gibt sie an, der Tierschutz sei wichtiger geworden, seit den Muslimen das Schächten (Anagramm: "Ach, Stechen") von Tieren erlaubt worden sei, was in der Bevölkerung niemand so recht versteht. Rein zufällig kommt die Erkenntnis der Union zeitnah zur Bundestagswahl ("Bald hast weg uns"), und ob der Tierschutz im Grundgesetz irgendetwas bewirkt, ist eh zweifelhaft. Dass in Bayern der Umweltschutz als Staatsziel in der Verfassung steht, haben ja auch eine Menge Bäume nicht überlebt. Geht es nach dem Anagramm für "Angela Merkel", sollte die Union nicht allzu optimistisch sein: "Klare Maengel".

Sonntag, 2. Oktober 2011

Die doppelte Belastung









Unternehmen haben enorme Kosten durch psychische Störungen. Führungskräfte sollen Abhilfe schaffen – doch sie sind selbst häufig betroffen. Von Leonard Goebel



Irgendwann schnappt die Falle zu. So wie bei Frank Berndt. Der Theologe arbeitete zehn Jahre lang als Führungskraft in einer diakonischen Einrichtung. Er nahm sich die Arbeit zu Herzen: die vielen Aufgaben, die getan werden mussten, die Mitarbeiter, die ohnehin schon überlastet waren. Erst lief er heiß, dann brannte er aus, wie er sich ausdrückt.
Immer mehr Arbeitnehmer leiden unter psychischen Störungen – insbesondere auch leitende Angestellte. Jüngstes Beispiel: Der Fußballtrainer Ralf Rangnick, der wegen eines Erschöpfungssyndroms gestern seinen Rücktritt beim FC Schalke 04 verkündete. Sein Energielevel reiche nicht aus, um erfolgreich zu sein, lautete seine Erklärung. Aber auch unter weniger prominenten Arbeitnehmern hat sich die Zahl derer, die am Burn-out-Syndrom und anderen seelischen Störungen erkranken, seit 1994 mehr als verdoppelt. Zwar wird dies zum Teil auch auf Veränderungen bei der ärztlichen Diagnose zurückgeführt, aber auch die Arbeitsbedingungen in der modernen, digitalisierten und globalisierten Welt tragen nach Ansicht der meisten Fachleute zu der starken Zunahme bei. 36 Prozent der Arbeitnehmer empfinden heute das hohe Arbeitstempo als starke Belastung. Sieben der zehn am häufigsten genannten Belastungen am Arbeitsplatz beziehen sich auf psychische Faktoren.
Führungskräfte sind gleich in doppelter Hinsicht von der Burn-out-Thematik betroffen: Als engagierte Arbeitskräfte, die sich nur selten Pausen gönnen, sind sie oftmals selbst gefährdet – zumal viele Unternehmen inzwischen auch auf den Führungsebenen Personal einsparen und sich der Druck auf die Verbliebenen erhöht hat. Und auf der anderen Seite tragen sie Verantwortung für ihre Mitarbeiter, die sie nicht dauerhaft einer Überbelastung aussetzen dürfen.
Frank Berndt hat diesen Zwiespalt selbst erlebt. Heute hilft er anderen, damit zurechtzukommen. Nachdem er Ende der neunziger Jahre ausgebrannt war, besuchte er eine Führungsakademie und machte eine Fortbildung zum individualpsychologischen Coach. Seit 2005 leitet er hauptberuflich die von ihm gegründete Burn-out-Fachberatung. Er und sein Team bieten Präventionsseminare an und beraten Mitarbeiter in Einzelcoachings.
Eines der Unternehmen, mit denen er zusammengearbeitet hat, ist der IT-Dienstleister Datev. „Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit Stressbewältigung“, sagt der Leiter der Weiterbildungsabteilung der Datev, Knut Eckstein. Die Nachfrage nach Seminaren zum Thema Burn-out sei groß. Mittlerweile würden neue leitende Angestellte sogar verpflichtet, ein Seminar zu dem Thema „Führungskräfte als Gesundheitsmanager“ zu belegen.
Führungskräfte als Gesundheitsmanager, als fürsorgliche Vorgesetzte? Das ist eine große Herausforderung. Denn oft arbeiten sie selbst bis zur Grenze der Belastbarkeit. An mehr als acht Tagen im Jahr gehen leitende Angestellte durchschnittlich krank zur Arbeit. Und dennoch: Sie haben eine Schlüsselrolle bei der Prävention psychischer Erkrankungen.
Werner Kissling, Leiter des Centrums für Disease Management an der TU München, beschäftigt sich schon lange mit dem Phänomen des Burn-out-Syndroms. Sein Institut hat in den vergangenen Jahren 150 Unternehmen betreut. An oberster Stelle steht für Kissling dabei die Schulung von Führungskräften. Sie sollen lernen, was es mit psychischen Störungen auf sich hat, wie sie Anzeichen für ein Ausbrennen erkennen können und wie sie mit Betroffenen umgehen sollten. „Wir versuchen darauf hinzuwirken, dass Führungskräfte nicht von ihren Mitarbeitern verlangen, am Wochenende Mails zu beantworten oder im Urlaub das Handy eingeschaltet zu lassen“, sagt Kissling.
Inzwischen suchen Unternehmen immer häufiger den Rat von Kissling und anderen Experten. „Jahrelang wurde das Thema Burn-out unter den Teppich gekehrt“, sagt er. Besonders in der Wirtschaft wollte man sich damit nicht beschäftigen. Doch Burn-out ist zu einem enormen Kostenfaktor geworden. Das hat zu einem Umdenken geführt. Laut Centrum für Disease Management entstehen einem Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern durch psychische Störungen jedes Jahr Kosten von 2,25 bis 8,25 Millionen Euro.
Doch trotz des steigenden Interesses an Präventionsmaßnahmen nehmen die Fälle psychischer Erkrankungen nicht ab – im Gegenteil. „Der Druck nimmt eher noch zu, als dass er geringer wird“, sagt Hanns Pauli, Arbeitsschutzexperte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Der DGB fordert neben der Einhaltung des regulären Arbeitsschutzes eine größere Anerkennung der Beschäftigten durch die Arbeitgeber – insbesondere durch eine bessere Bezahlung und eine höhere Arbeitsplatzsicherheit.
Dass die Betriebskultur eine wesentliche Rolle für die Vorsorge spielt, zeigte auch eine kürzlich veröffentlichte Studie der AOK. Demnach werden Angestellte, die wenig Anerkennung durch ihre Vorgesetzten erfahren, besonders oft krank. Und das betrifft viele: Mehr als die Hälfte der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK befragten Mitarbeiter werden selten oder nie von ihrem Chef gelobt. Das kann auf Dauer schwere Folgen haben. Denn wer enorm engagiert ist, aber nur wenig zurückbekommt, läuft Gefahr, irgendwann auszubrennen. Das Engagement herunterzufahren schaffen nur wenige.
Frank Berndt spricht dabei von einer Falle: Zu erschöpft, um zu rennen, und zu ängstlich, um auszuruhen. Also wird weitergearbeitet, bis irgendwann der Kollaps kommt. Das ist schlimm für die Betroffenen – und ein riesiges Problem für die Unternehmen. Denn ein männlicher Arbeitnehmer mit einer psychischen Störung fällt im Durchschnitt 44 Arbeitstage aus, eine Arbeitnehmerin 39 Tage. Hinzu kommen die Tage, an denen sie eigentlich nicht mehr arbeitsfähig sind, aber trotzdem zur Arbeit kommen – Präsentismus heißt dieses Verhalten, das zu einer deutlich erhöhten Fehlerzahl führt und den Unternehmen noch mehr schadet als eine frühzeitige Krankschreibung.
Und wenn das Burn-out überwunden ist, treten einige Probleme erst auf: Kollegen, Vorgesetzte und der Betroffene selbst wissen oft nicht, wie sie die Arbeit und den Umgang miteinander nach dem Ausbrennen organisieren sollen. Nach einer Umfrage unter Psychiatern berichtet fast jeder fünfte Patient nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz davon, von seinen Vorgesetzten zur Kündigung gedrängt worden zu sein. Bei fast 40 Prozent der Patienten seien die Vorgesetzten nicht bereit, die Arbeit an die Belastbarkeit des Patienten anzupassen.
Gerade für Führungskräfte ist es schwierig, nach einer seelischen Erkrankung kürzerzutreten oder gar eine Stufe auf der Karriereleiter nach unten zu gehen – vom Abteilungsleiter zum Stellvertreter zum Beispiel. „Das akzeptieren Führungskräfte oft nicht, weil sie das als Statusverlust empfinden“, sagt Ludger Ramme, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Führungskräfteverbandes ULA. Viele entschieden sich dann lieber dafür, ganz aus dem Unternehmen auszuscheiden und manchmal sogar aus dem Beruf.
Dabei ist der Beruf nie die einzige Ursache für ein Ausbrennen, die höchste Rate psychischer Erkrankungen werde laut Werner Kissling vom Centrum für Disease Management bei Arbeitslosen registriert. Und auch Frank Berndt versucht, möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass es nicht die Arbeit ist, die krank macht, sondern die Einstellung dazu. Burn-out-Patienten seien keine Opfer, sondern für sich selbst verantwortlich. „Burn-out ist keine Versagerkrankheit, sondern trifft die Leistungsträger. Aber auch die müssen lernen, dass sie nicht perfekt sind“, sagt er.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.09.2011 Seite C2



Donnerstag, 8. September 2011

Aphoristisches

Was dir an dem anderen als Schwäche erscheint, kann geistig seine Stärke sein.
Was dir als deine eigene Stärke erscheint, kann geistig deine Schwäche sein.

Betrachte Schwäche mit Milde.
Betrachte Stärke mit Sorge.

Nimm der Schwäche Kraft als Zukunftslicht.
Nimm der Stärke Gewordenheit als Vergangenheit.

Sonntag, 4. September 2011

Saturn


Astronomy Picture of the Day

Entdecke den Weltraum! Täglich ein Bild über Astronomie und Raumfahrt aus dem Universum, zusammen mit einer kurzen Erklärung eines Astronomen.
4. September 2011
Siehe Erklärung. Ein Klick auf das Bild lädt die höchstaufgelöste verfügbare Version.
Im Schatten Saturns


Bildcredit: Cassini Imaging Team, SSI, JPL, ESA, NASA

Beschreibung: Im Schatten Saturns geschehen unerwartete Wunder. Die robotische Raumsonde Cassini, die derzeit um Saturn kreist, trat 2006 für 12 Stunden in den Schatten des Riesenplaneten und blickte zurück zur verfinsterten Sonne. Cassini sah eine Ansicht wie kaum eine Zweite. Erstens ist die Nachtseite Saturns offensichtlich teilweise von Licht erhellt, das von seinem eigenen majestätischen Ringsystem reflektiert wird. Weiters erscheinen auf diesem überzeichneten Farbbild die Ringe selbst vor Saturn als dunkle Silhouette, abseits von Saturn jedoch relativ hell, wobei sie das Sonnenlicht leicht streuen. Saturns Ringe sind so stark aufgehellt, dass neue Ringe entdeckt wurden, wenngleich sie auf diesem Bild schwierig zu erkennen sind. Außergewöhnlich detailreich ist jedoch Saturns E-Ring zu sehen - jener Ring, der von den kürzlich entdeckten Eisfontänen des Mondes Enceladus erzeugt wird, und der äußerste, oben sichtbare Ring. Links in weiter Ferne, knapp über den hellen Hauptringen, steht der leicht zu übersehende, blasse, blaue Punkt der Erde.

Montag, 22. August 2011

WAHLEN

"Ich gebe meine Stimme nicht ab!
 Ich behalte meine Stimme!
 Ich erhebe meine Stimme!"


Die letzte Wahl





Montag, 15. August 2011

Träume sind keine Schäume:

Zitate aus ZEIT-online:

"DIE ZEIT: Frau Dr. Voss, einer verbreiteten Vorstellung nach knüpfen Träume eng an das reale Leben an. Stimmt das?

Ursula Voss: Ich bin da mittlerweile skeptisch. Im Rahmen einer Studie haben wir untersucht, wie sich die Träume von körperlich behinderten und nicht behinderten Menschen unterscheiden. 50 Probanden führten Tagebuch über ihre Träume. Vier der Versuchspersonen waren von Geburt an gelähmt, zehn taubstumm und 36 nicht behindert.

Voss: Es war verblüffend. Menschen, die in der Realität noch nie etwas gehört haben, träumten zum Beispiel von den Klängen eines Violinkonzerts. Gelähmte konnten im Traum gehen, Taubstumme hören und sprechen. In einigen Träumen waren Menschen auf einen Rollstuhl angewiesen, doch es handelte sich dabei um Träume von Nichtbehinderten. Auch Taubstummheit spielte manchmal eine Rolle – nicht aber bei taubstummen Probanden. Ein zentraler Bestandteil des realen Lebens behinderter Menschen, ihre Behinderung, kommt in ihren Träumen nicht vor. ..."

"Paul McCartney behauptet, er habe die Melodie für den Beatles-Welthit Yesterday Mitte der 1960er Jahre geträumt."


Quelle: http://www.zeit.de/2011/32/Traeume-Interview-Titel/seite-1


Über Träume:

Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Wissenschaftler, der einem fundamentalen Irrtum unterliegt, durch sein eigenes Schicksal so deutlich auf die Wahrheit hingewiesen wird:

Zitate aus "ZEIT": 
http://www.zeit.de/2011/32/Traeume-Wissenschaft

"Die Renaissance der Traumforschung begann mit heftigem Schwindel. Am 1. Februar 2001 saß Allan Hobson, der einflussreichste Schlafforscher der letzten Jahrzehnte, mit seiner Frau Lia beim Frühstück. Plötzlich drehte sich alles um ihn. Hobson, damals 68, presste seinen Kopf auf den Tisch, um das Gleichgewicht zu halten. Lia, eine Neurologin, erkannte die Symptome eines Schlaganfalls und brachte ihren Mann ins Krankenhaus. Eine Arterie in seinem Hirnstamm war geplatzt.

Der Schlaganfall brachte auch Hobsons Schlaf durcheinander. In den ersten zehn Tagen schlief er überhaupt nicht. Seine Träume blieben noch länger aus. Stattdessen hatte er im Wachen furchtbare Halluzinationen – so als wollte sein Gehirn dringend träumen. Sein erster Traum, 38 Tage nach dem Schlaganfall, kam just in jener Phase, in der er auch das Gehen wieder lernte. Das war kein Zufall, davon ist Hobson überzeugt – erst träumend habe sein Gehirn die grundlegenden Fähigkeiten wiedererlangt. Mittlerweile glaubt er sogar: »Ohne Träume gibt es kein Bewusstsein.«

"Ausgerechnet Allan Hobson! Der Psychiater hatte die Träume einst mit aller Macht den bisherigen Traumdeutern entreißen wollen, er hat sie gar zum sinnlosen Abfallprodukt der Hirntätigkeit degradiert."
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Worüber er allerdings nicht nachdachte, ist, dass seine Träume mit dem neuen Gehenlernen zusammen kamen!

Sonntag, 14. August 2011

"Im Rückblick muss ich sagen, dass der 11. September 2001 ein Einschnitt war. Ich weiß noch genau, dass ich an diesem Tag den bis dahin größten Verlust meiner Karriere gemacht habe, seltsamerweise aber nicht nachdem die Flugzeuge in die Türme geflogen sind, sondern davor. Das ging allen Händlern in unserem Handelshaus so. Es gab da Kursschwankungen, die ich mir nicht erklären konnte und die auch später eigentlich keinen Sinn ergaben, es sei denn, man würde denken, es habe vorher jemand von dem Anschlag gewusst."



FAZ vom 13.August 2011 - S.40

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Börsentagebuch: Montag, 8.8.2011



Börsentagebuch


Aus der Kurve


Er ist ein Day Trader und spekuliert an der Börse. Aber im Moment versteht er sie nicht mehr. Tagebuch einer Woche, in der die Welt angeblich pleitegehen sollte. Aufgezeichnet von Marcus Jauer.

Montag, 8.8.2011

Die ersten Order habe ich noch plaziert, bevor ich am Sonntag ins Bett gegangen bin, das war gegen Mitternacht, als in Asien die Börse öffnete. Zwei Tage zuvor hatte eine große Ratingagentur die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten herabgestuft, und wie wahrscheinlich alle rechnete ich damit, dass die Kurse in dieser Woche fallen würden, wenn nicht sogar einbrechen. Die Frage war nur, um wie viel.

Eigentlich kann es mir egal sein, ob die Kurse steigen oder fallen, mein Ziel besteht darin, in jedem Fall Geld zu verdienen, so oder so. Ich bin Börsenhändler, man könnte auch sagen ein Day Trader, aber den Begriff mag ich nicht so. Ich bin keiner, der nur für den Tag spekuliert. Früher habe ich für Handelshäuser gearbeitet, seit drei Monaten bin ich selbständig und arbeite nur noch mit meinem eigenen Geld. Ich habe mich auf Futures spezialisiert, das sind Termingeschäfte, die man sich wie Wetten vorstellen muss. Man spekuliert darauf, dass ein bestimmter Kurs bis zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einen bestimmten Wert steigt oder fällt, was nicht heißt, dass man das Papier bis zur Fälligkeit halten muss. Normalerweise wird ein Future glattgestellt, sobald der Kurs in die richtige Richtung läuft, das kann nach wenigen Sekunden sein. Das ist einer der Vorteile auf dem Markt für Termingeschäfte, alles geht schnell und direkt. Außerdem ist es billiger, als mit Aktien zu handeln. Man braucht weniger Geld, um mitzuspielen.

Als ich heute Morgen gegen acht den Computer hochgefahren habe, waren die Kurse weniger gefallen, als ich vermutet hatte, ich hab also auch weniger verdient als erhofft. Das ist meistens so. Wenn alle den Weltuntergang erwarten, tritt er nicht ein. Wir haben zwar in den letzten Tagen immer wieder ungewöhnlich stark schwankende Kurse gesehen mit aggressiven Ausschlägen. Aber ich glaube nicht, dass sich das allein damit erklären lässt, dass die Amerikaner so hohe Schulden haben und die Europäer Schwierigkeiten mit ihrer Währung, das sind beides keine Neuigkeiten, auch wenn die Presse seit dem Wochenende alles, was aus dem Finanzbereich kommt, über Liveticker meldet.

Im Moment ist früher Vormittag, und der Dax bewegt sich bisher kaum nach unten. Ich denke, ich halte mich heute erst einmal zurück und schaue aus der zweiten Reihe, ob es zum Ausverkauf kommt. Womöglich beruhigt sich alles ganz schnell wieder und Mitte der Woche reden wir schon über etwas anderes.

Dienstag, 9.8.2001
Ich habe gestern Abend dann noch sehr viel Geld verloren. Ich will nicht sagen, wie viel, aber das war ein rabenschwarzer Tag. Normalerweise steige ich aus, sobald ich mehr verloren habe, als ich an einem guten Tag gewinne. Das ist mein Limit, aber daran habe ich mich gestern nicht gehalten. Bis Mittag sah es noch so aus, als würde sich der Markt stabilisieren, aber dann brachen die Kurse ein, die Anleihen stiegen, es gab ständig neue Höchst- und Tiefststände, und ich bin immer wieder rein. Am Ende hatte ich in nur zwei, drei Stunden das Geld vernichtet, das ich in den letzten drei, vier Wochen verdient habe.

Würde ich noch in einem Handelshaus arbeiten, wäre längst mein Chef gekommen und hätte gefragt, was ich da mache. Es gibt für jeden Händler ein Exit-Limit. Wer das überschreitet, dem schalten sie den Rechner aus. Aber jetzt arbeite ich von zu Hause, ohne Chef, ohne die anderen Händler, die mit mir im Saal sitzen. Das ist weniger Wettbewerb, aber nicht weniger Druck, jetzt geht es ja um mein eigenes Geld. Ich habe einen Arbeitsplatz mit vier Bildschirmen, auf zweien beobachte ich den Markt, auf zweien meine Order, ab und an meldet sich noch der Nachrichtenkanal und bringt News aus der Finanzbranche.

Ich fange meist gegen 8 Uhr an und höre auf, wenn ich genug verdient habe. Normalerweise versuche ich zwischendrin immer wieder aufzustehen, auf die Straße zu gehen, zum Bäcker, um Abstand zu bekommen, aber das habe ich gestern nicht geschafft. Bis ich abends um zehn den Rechner abgeschaltet habe, hatte ich kaum etwas gegessen. Das ist nicht gut. Der Job ist anstrengend, man muss sich konzentrieren. Man beobachtet den Markt und versucht, ein Gefühl dafür zu bekommen, wohin er steuert und wann das Momentum entsteht, wo man handeln muss. Es ist wie beim Fußball. Man sieht, dass das Spiel eine Richtung nimmt, und spürt irgendwann, dass gleich ein Tor fallen müsste, und dann fällt es. Oder es fällt nicht, das Momentum geht vorbei und ein neuer entsteht, weil nun die Chancen für einen Konter steigen.

Aber zurzeit funktioniert das nicht. Es ist, als könne jederzeit alles passieren. Die Kurse und die Nachrichten passen nicht mehr zusammen. Geben die amerikanische Notenbanken oder die europäischen Finanzminister große Entscheidungen bekannt, beschäftigt das die Märkte nur ein, zwei Minuten. Gleichzeitig brechen sie wegen Ereignissen ein, die seit langem bekannt sind. Ich kann mir das nicht erklären. Ich bin seit dreizehn Jahren Börsenhändler, aber gerade scheint mich meine Erfahrung sogar eher zu stören. Ich versuche immer, Muster wiederzuerkennen, aber da sind keine. Als gestern Nachmittag die Kurse fielen, dachte ich, das muss doch irgendwann mal aufhören, es ist doch gar nichts passiert, aber sie fielen immer weiter. Am Ende wurden alle panisch, und ich war mit bis zu sieben Produkten gleichzeitig im Handel. Heute werde ich mich auf jeden Fall zurückhalten. Ich muss erst einmal analysieren, was da überhaupt passiert ist.

Mittwoch, 10.8.2011

Der Tag war für mich schmerzfrei. Ich scheine mich langsam an die Bewegungen zu gewöhnen, aber ich handele im Moment auch sehr kurzfristig. Am Morgen war der Dax noch einmal gefallen, das hatte ich zwar so erst nicht erwartet, war dann aber gut dabei. Ich hab vermutet, dass er danach wieder steigt, aber erst passierte nichts, und dann fiel er wieder. Es klingt für einen Börsenhändler, der im Markt doch ständig mehrere Indikatoren prüft, sicher ein bisschen simpel, wenn er sagt, heute ist der Dax sechshundert Punkte gefallen, also muss er bald auch wieder nach oben gehen, aber die Wahrheit ist im Moment archaisch.

Ich habe Ende der neunziger Jahre angefangen zu handeln. Ich hatte Volkswirtschaft studiert und eine Ausbildung bei einer Investmentbank begonnen, als ein Handelshaus kam und mir anbot, gleich mit richtigem Geld zu arbeiten. Wenn es funktionierte, konnte ich bleiben, wenn nicht, würden sie mich feuern. Mich hat das nicht geschreckt, damals wurden einem die Jobs in der Finanzbranche nur so nachgeworfen. Aber ich hab mich durchgesetzt. Ich habe schnell gelernt, dass man als Händler zwei Eigenschaften haben muss, die sich eigentlich widersprechen. Man muss aggressiv sein und gelassen. Je nachdem, wie diese zwei Eigenschaften sich bei einem verteilen, gehört man eher zu den risikobereiteren Händlern oder zu den vorsichtigeren. Trotzdem, man braucht beide.

Als ich später für ein Handelshaus in einer Steueroase gearbeitet habe, hatte ich zwei Chefs, die zwei vollkommen unterschiedliche Ansätze fuhren. Der eine war eher ein Macho, der überall Gelegenheiten erkannte, oft viel verdiente, nach einer Zeit aber immer auch schwer einbrach. Der andere war ein ruhiger Asiate, der es hasste, Geld zu verlieren, und sich lieber mal ein Geschäft entgehen ließ. Der eine hatte große Ausschläge, der andere nicht, doch über das Jahr haben beide gleich gut verdient. Jeder hat eben seinen Rhythmus. Ich bin eher jemand, bei dem es zwei, drei Wochen läuft, der sich dann zu sicher wähnt und einen Absturz hat. Insofern kenne ich solche Situationen wie am Montag. Ich bin nur froh, dass ich das jetzt noch zwei Tage aufholen kann, sonst wär das Wochenende gelaufen. Aber heute mache ich mal um fünf Schluss und gehe zum Fußballtraining.

Donnerstag, 11.8.2011

Heute ist es gut gelaufen. Ich habe wie seit Dienstag schon den ganzen Tag gescalpt, so nennt man das, wenn einer ohne klare Strategie im Markt liegt und einfach nur schnell kauft und wieder verkauft. Das ist zwar orientierungslos, aber trotzdem anstrengend. Zu Beginn fiel der Dax auf ein neues Tief, dann kamen die Konjunkturdaten aus Amerika, die besser waren als gedacht, und er stieg wieder. Es hätte mich aber auch nicht gewundert, wenn sie gar keinen Effekt gehabt hätten. Insgesamt habe ich 241 Order abgegeben, was heißt, dass ich jeden Future nach etwa einer Minute wieder verkauft habe. Inzwischen habe ich die Verluste vom Montag zur Hälfte wettgemacht. Das hätte ich zum Beispiel auch nicht erwartet.

Die Schwankungen, die wir jetzt sehen, kenne ich eigentlich nur vom Ende der neunziger Jahre. Damals gab es viel weniger Händler, es war viel weniger Geld im Spiel, und die Order wurden fast alle von Menschen abgegeben, wenn auch schon nicht mehr per Telefon. Im Rückblick muss ich sagen, dass der 11. September 2001 ein Einschnitt war. Ich weiß noch genau, dass ich an diesem Tag den bis dahin größten Verlust meiner Karriere gemacht habe, seltsamerweise aber nicht nachdem die Flugzeuge in die Türme geflogen sind, sondern davor. Das ging allen Händlern in unserem Handelshaus so. Es gab da Kursschwankungen, die ich mir nicht erklären konnte und die auch später eigentlich keinen Sinn ergaben, es sei denn, man würde denken, es habe vorher jemand von dem Anschlag gewusst.

Als ökonomisches Ereignis selbst ist der 11. September gar nicht so bedeutend gewesen, aber ab der Zeit danach drückte sehr viel Geld in den Markt, die Umsätze vervielfachten sich, die Gebühren sanken, und nach und nach kamen Computer auf. Heute wird ein Großteil der Order von Rechnern plaziert, die im Millisekunden-Takt miteinander handeln und die Limits, die ihnen einprogrammiert sind, nie überschreiten. Anders als ich sind sie damit nicht so anfällig für Katastrophentage, aber ich bin kein Freund von Computern als Händlern, ich habe mich auch nie bemüht, selbst Programme zu schreiben, wie das einige meiner Kollegen machen.

Ich kenne mich mit Computern nicht aus. Wenn bei mir zu Hause das Internet langsamer wird, bekomme ich eine Warnung. Dann muss ich einen Techniker holen und gehe bis dahin aus dem Markt. Es ist inzwischen alles so miteinander vernetzt, dass sich die Maschinen verselbständigen können und sich gegenseitig runterkaufen wie vor gut einem Jahr, als der Dow Jones plötzlich fast tausend Punkte verlor, ohne dass es einen Grund dafür zu geben schien, bis herauskam, dass es ein Computerfehler war.

Ich kann auch nicht sagen, ob all das - die Computer, das Geld, die Geschwindigkeit - die Bewegungen im Markt beruhigt haben, aber solche Ausschläge wie im Moment hatten wir in den letzten Jahren nur bei wirklichen Einschnitten, beispielsweise als Lehman Brothers pleiteging. Das war eine wichtige Bank, das hatte konkrete Auswirkungen auf die Leute. Die Panik, die jetzt im Markt ist, scheint mit keiner bestimmten Nachricht zusammenzuhängen. Man spürt nur, dass alle ihr Geld zurückziehen, sobald die Kurse fallen.

Freitag, 12.8.2011

Nachdem es in den letzten Tagen Gerüchte um die Kreditwürdigkeit Frankreichs gegeben hatte und eine französische Bank bereits unter Druck geriet, haben gestern Abend vier europäische Länder Leerverkäufe für Bankaktien verboten. Bei einem Leerverkauf setzt der Händler auf fallende Kurse, und die Hoffnung ist, dass der Kurs stabil bleibt, wenn man ihm den Leerverkauf verbietet. Im Moment scheint das aufgegangen zu sein. Die Kurse haben sich konsolidiert, aber ich weiß nicht, ob das lange anhält. Jetzt warten alle darauf, dass die Börse in Amerika öffnet, damit man sieht, wie sich die Spieler positionieren, bevor es über das Wochenende keine Möglichkeit mehr gibt, auf Nachrichten zu reagieren.

Am Ende dieser Woche kann ich sagen, dass sie mir sicher in Erinnerung bleiben wird. Den Kollegen, mit denen ich gesprochen habe, ging es genauso. Einige haben in den letzten Tagen viel Geld verloren, einige viel gewonnen, aber unruhig geschlafen haben sie alle. Ich bin mit meiner Strategie, ohne eigene Meinung richtungslos im Markt zu treiben, um dann immer nur kurzfristig zu reagieren, ab Dienstag ganz gut durchgekommen, ich denke auch, dass das funktionieren wird, bis sich die Kurse wieder beruhigt haben. Dass die Entwicklung aber so wenig mit der realen Nachrichtenlage zusammenhängt, hat es so bisher nicht gegeben. Man kann sich eigentlich auf keinen Indikator mehr verlassen.

Kann sein, dass sich für jemanden, der sich nicht an der Börse bewegt, das Virtuelle an meinem Job, wenn nicht das Sinnentleerte, nur noch verstärkt, während der Bürger mit seinem Steuergeld für die Rettung der Banken einstehen muss, aber so sehe ich das nicht. Ich habe viele Leute gekannt, die bei Lehman Brothers gearbeitet haben und denen nun, wie all den anderen Investmentbankern, Gier unterstellt wird. Aber das waren clevere Burschen, die wollten nichts Böses, die haben nur Instrumente angewendet, die ihnen erlaubt waren, und erlaubt hatte sie ihnen die Regierung. Dieselbe Regierung, die später entschied, dass einige Banken zu groß sind, um sie sterben zu lassen, dabei hatten sie Fehler gemacht wie alle anderen. Wenn ich einen Fehler mache, stand früher im Handelshaus mein Chef hinter mir, ich habe auf die Finger bekommen und daraus gelernt. Die Banken dagegen sind heute mit größerem Risiko im Markt als jemals zuvor.

Meine Eltern sind beide Ärzte. Ich weiß natürlich, dass auch mein Beruf eine ethische Komponente hat. Dazu muss ich mir gar nicht anschauen, wie Termingeschäfte über die Nahrungsmittelpreise in der Dritten Welt bestimmen können. Ich habe solche Geschäfte bislang nicht gemacht, sie sind nicht mein Bereich, aber sie sind erlaubt, und ich bin mit mir übereingekommen, dass ich alles mache, was erlaubt ist. Ich habe Freude an meiner Arbeit.

Donnerstag, 4. August 2011

Deutschland: Eine ernste Kultur

Alle folgenden Zitate sind entnommen dem Buch: GERMAN DREAM, Wolgang Blau, Alysa Selene - dtv


"...Eine ernste Kultur, eine extrem fordernde Kultur, Tiefgang, Themen wie Schicksal, Glaube, Tod...Was entdeckst du, wenn du etwas bis in seine Tiefen erforschst?..desto mehr Angst und Beklemmung wirst du erzeugen...Ihr werdet auf diese Weise niemals Frieden finden...Das ist der Preis, den ihr dafür bezahlt, tiefe Denker und diese tiefe Suche nach Bedeutung hervorzubringen... Eure Tiefe ist eure Kraft...In Deutschland können wir einen Ausdruck für die wirkliche Zukunft finden."
Clotaire Rapaille, Frankreich




"...Die Eltern in Kontinentaleuropa vermitteln ihren Kindern, dass Freiheit untrennbar davon abhängt, wie sehr eine Person in soziale Beziehungen eingebettet ist, welche Lebensqualität und welchen Zugang sie zu ihrer Gemeinschaft hat... es wird oft gesagt, dass Deutschland der wirtschaftliche Motor Europas sei....(es) war seit Ende des 2. Weltkrieges auch der moralische Motor Europas.... Da entwickelt sich gerade eine deutsche Seele, ein seelenvolles Deutschland. Viele meiner deutschen Freunde neigen zu extremem Pessimismus... Niedergeschlagenheit, Zynismus, Verzweiflung..."
Jeremy Rifkin, USA




Bescheidenheit, Effektivität, Ordnung, Kompetenz, Zuverlässigkeit, Struktur, Ordnung, Behörden.... Deutschland könnte das Gewissen der Welt sein: Hilfe für arme Länder, Friedenssicherung, Umwelttechnologie, freiheitliche Politik, Toleranz ...
Simon Aholt, GB




Aber als der Irakkrieg beginnen sollte,... da haben die Deutschen sich stur dagegen gestellt....Deutschland war beispielgebend für ganz Europa. Deutschland war erstmals eine Macht des Friedens...
Galsan Tschinag, Mongolei




...Es sollte dezentralisiert bleiben. abgesehen von der Zeit des Dritten Reiches hat Deutschland im 20. Jahrhundert den Vorteil gehabt, dass es dezentralisiert war. Im 18. Jahrhundert war es ein Vorteil für Frankreich oder England, zentralisiert zu sein. In modernen Zeiten ist es umgekehrt...
Avi Primor, Israel




...Es ist gut, wenn ein Land wie Deutschland an vorderster Front mit dabei ist, der sich entwickelnden Welt zu helfen... Deutschland hat in der Vergangenheit Großes geleistet. Es hat auch Fehler gemacht, aber jeder macht Fehler. Deutschland hat...heute allen Grund sehr, sehr stolz zu sein. Deutschland kann viele andere Länder inspirieren,,,
Wangari Maathai, Kenia

Mittwoch, 3. August 2011

Die Bildung brüderlicher Gemeinschaften

Es ist für mich eine der größten Lebenssorgen, dass es mit dem, was in der Überschrift angesprochen wird, in unserem Zeitalter kaum Fortschritte gegeben hat.

In den über hundert Jahren geisteswissenschaftlicher, theosophischer und anthroposophischer Arbeit
ist Gewaltiges geleistet worden. Auf den praktischen Lebensgebieten von Pädagogik, Landwirtschaft oder Medizin wurden unzählige Einrichtungen begründet. Allerorten arbeiten Menschen in Gruppen zusammen und bemühen sich um ihren geistigen Fortschritt. Das veröffentlichte Schriftgut ist so umfangreich, dass es kaum ein einzelnes Bewusstsein mehr umschließen kann.

 Immer wieder wurden und werden auch Versuche unternommen, dass in Gruppen und Gemeinschaften das Prinzip der Brüderlichkeit praktisch zum Tragen kommt. Oft scheitern diese Bestrebungen. Wir erleben nach wie vor eine gewisse Dominanz des Individualistischen gegenüber dem Prinzip des Gemeinschaftlichen. Oft täuscht auch das scheinbare Funktionieren einer Gemeinschaft darüber hinweg, dass es doch immer wieder einzelne, führende Menschen sind, die einer Gemeinschaft das Gepräge geben und sie als Form bewahren.

Im Grunde ist noch immer die Dimension der Brüderlichkeit als Teil der geistigen Arbeit nicht so ausreichend erfüllt, dass sie auf breiter Ebene zur Bildung stabiler brüderlicher Gemeinschaften führt. Man hat den Eindruck, dass die Kräfte, die aus der Welt heranbranden, den Individualitäten das selbstlose Aufgehen im Gemeinschaftlichen schwer macht. Denn ein gewisses Maß an Selbstlosigkeit ist eine Grundbedingung für das Gelingen einer Gemeinschaft. Außerdem leben hartnäckig viele Urteile, was z.B. den Wert der eigenen Meinung, die Bedeutung von Kritik oder den Umgang mit dem Gegner angeht, auch in den Seelen vieler geistig strebender Menschen. Auch das erschwert eine wahre Gemeinschaftsbildung.

Im Jahre 1905 hält Rudolf Steiner einen Vortrag über die Brüderlichkeit und das Bilden von Bruderschaften (GA 54, alle folgenden Zitate stammen aus dem Vortrag VIII. Bruderschaft und Daseinskampf, Berlin, 23. November 1905 ab Seite 179).

 „Der geisteswissenschaftlich Strebende ist überzeugt, und nicht nur überzeugt, sondern sich ganz klar darüber, dass die tiefe Erkenntnis, die Erkenntnis der geistigen Welt, wenn sie wahrhaft und wirklich den Menschen ergreift, zur Bruderschaft führen muss, dass die edelste Frucht tiefer, innerster Erkenntnis eben diese Bruderschaft ist.“


Rudolf Steiner stellt in diesem Vortrag das Prinzip der Brüderlichkeit dem darwinistischen Dogma vom „Kampf ums Dasein“ und dem Prinzip der Konkurrenz gegnüber.

 „Es wird gerade in gewissen Kreisen immer wieder und wieder auf die fortschrittlich wirkende Kraft des Kampfes hingewiesen, und wie oft können wir es heute noch hören, dass des Menschen Kräfte wachsen am Widerstand, dass der Mensch stark wird an Willen und intellektueller Initiative dadurch, dass er seine Kräfte an dem Gegner messen muss.“

Rudolf Steiner weist dann darauf hin, wie es in unserer mitteleuropäischen Geschichte immer wieder brüderliche Organisationsformen waren, die den eigentlichen Kulturfortschritt bewirkt haben:

„Wir finden dieses Prinzip der Bruderschaft vor allen Dingen in der Art und Weise ausgebildet, wie in den Zeiten vor und nach der Völkerwanderung der Besitz geregelt war. In ausgedehntestem Maße gab es da einen Gemeinbesitz an Grund und Boden. Die Dorfmark,in welcher die Menschen beisammen wohnten, hatte einen gemeinsamen Grundbesitz, und mit Ausnahme des wenigen, was unmittelbar zum Hausgebrauch gehört, mit Ausnahme der Werkzeuge, vielleicht auch eines Gartens, war alles, was Besitz war, gemeinschaftlich. Von Zeit zu Zeit wurde der Grund und Boden von neuem wieder unter den Menschen aufgeteilt, und es zeigte sich, dass diese Stämme dadurch stark geworden waren, dass sie die Bruderschaft in Bezug auf materielle Güter bis zu einer außerordentlichen Höhe getrieben hatten.“


Dann etwas später:


„Wenn wir einige Jahrhunderte weitergehen, finden wir, dass dieses Prinzip uns in außerordentlich fruchtbringender Weise entgegentritt. Das Prinzip der Bruderschaft, wie es ausgeprägt ist in der alten Dorfmark, in den alten Zuständen, wo die Menschen ihre Freiheit im brüderlichen Zusammenleben fanden, drückte sich besonders charakteristisch darin aus, dass man so weit ging, das, was der einzelne besaß, bei seinem Tode auf seinem Grunde zu verbrennen, weil man nichts, was einem einzelnen als Einzelbesitz gehörte, nach dem Tode desselben besitzen wollte. Als mit diesem Prinzip gebrochen worden war infolge verschiedener Verhältnisse, namentlich weil einzelne sich Großgrundbesitz angeeignet hatten und die Menschen in der umliegenden Gegend dadurch zur Leibeigenschaft und zu Frondiensten gezwungen waren, da machte sich das Prinzip der Bruderschaft in einer andern, leuchtenden Weise geltend.“


 Es folgte historisch die Bildung von Handwerker-Gilden:

„Diejenigen, welche gemeinschaftliche, gleichartige Beschäftigungen hatten, schlossen sich zu Vereinigungen zusammen, die man Schwurbruderschaften nannte und die später zu den Gilden auswuchsen. Diese Schwurbruderschaften waren weit mehr als bloße Vereinigungen der gewerblichen oder handeltreibenden Menschen. Sie entwickelten sich aus dem praktischen Leben heraus zu einer moralischen Höhe. Das gegenseitige Sich-Beistehen, die gegenseitige Hilfeleistung war in hohem Maße bei diesen Bruderschaften ausgebildet, und viele Dinge, um die sich heute fast niemand mehr kümmert, waren Gegenstand solchen Beistandes. So leisteten sich zum Beispiel die Angehörigen einer solchen Bruderschaft in der Weise Hilfe, dass sie sich in Krankheitsfällen unterstützten. Es wurden von Tag zu Tag zwei Brüder bestimmt, die am Bette eines kranken Bruders Wache halten mussten. Es wurden die Kranken mit Nahrungsmitteln unterstützt, ja es wurde selbst über den Tod hinaus brüderlich gedacht, indem es als ganz besonders ehrenvoll galt, den zur Bruderschaft Gehörigen in entsprechender Weise zu begraben. Endlich gehörte es auch zur Ehre der Schwurbruderschaft, die Witwen und Waisen zu versorgen. Daraus sehen Sie, wie ein Verständnis für die Moral im Gemeinschaftsleben erwuchs, wie sich diese Moral auf dem Grunde eines Bewußtseins bildete, von dem sich der heutige Mensch schwer eine Vorstellung machen kann. Glauben Sie nicht, dass hier in irgendeiner Weise die gegenwärtigen Verhältnisse getadelt werden sollen. Sie sind notwendig geworden, so wie es auch nötig gewesen ist, dass die mittelalterlichen Verhältnisse in ihrer Art zum Ausdrucke gekommen sind. Verstehen müssen wir nur, dass es auch andere Phasen der Entwickelung gab als die heutige.“


Er schildert dann den menschlichen Organismus, wo die Abermillionen Zellen alle in sinnvoller Weise zusammen arbeiten. Das höhere Wesen der menschlichen Seele findet in diesem Zusammenwirken seinen Ausdruck. Wenn nun einige Menschen zusammenkommen, so können sie auch eine Gemeinschaft bilden, in der ein Höheres seinen Ausdruck finden kann:

„Aber niemals könnte die menschliche Seele hier auf Erden wirken, wenn nicht diese Millionen kleiner Wesen ihre Selbstheit aufgeben und sich in den Dienst des großen, gemeinsamen Wesens stellen würden, das wir als die Seele bezeichnen.“

Fünf Menschen, die zusammen sind, harmonisch miteinander denken und fühlen, sind mehr als 1 + 1 + 1 + 1 + 1 sie sind nicht bloß die Summe aus den fünf, ebensowenig wie unser Körper die Summe aus den fünf Sinnen ist, sondern das Zusammenleben, das Ineinanderleben der Menschen bedeutet etwas ganz Ähnliches, wie das Ineinanderleben der Zellen des menschlichen Körpers. Eine neue, höhere Wesenheit ist mitten unter den fünfen, ja schon unter zweien oder dreien. «Wo zwei oder drei in meinem Namen vereinigt sind, da bin ich mitten unter ihnen.» Es ist nicht der eine und der andere und der dritte, sondern etwas ganz Neues, was durch die Vereinigung` entsteht. Aber es entsteht nur, wenn der einzelne in dem andern lebt, wenn der einzelne seine Kraft nicht bloß aus sich selbst, sondern auch aus den andern schöpft. Das kann aber nur geschehen, wenn er selbstlos in dem andern lebt.“


 Damit sich eine solche brüderliche Gemeinschaft bilden kann sind verschiedene Voraussetzungen nötig:

 1. Der Gegner wird nicht mehr bekämpft, man tritt nur positiv für das eigene Ideal ein.
„Es möchte wohl ein jeder gerne wissen, wie man Daseinskampf und Bruderliebe miteinander vereinigt. Das ist sehr einfach. Wir müssen lernen, den Kampf durch positive Arbeit zu ersetzen, den Kampf, den Krieg zu ersetzen durch das Ideal. Man versteht heute nur noch zu wenig, was das heißt. Man weiß nicht, von welchem Kampf man spricht, denn man spricht im Leben überhaupt nur noch von Kämpfen. Da haben wir den sozialen Kampf, den Kampf um den Frieden, den Kampf um die Emanzipation der Frau, den Kampf um Grund und Boden und so weiter, überall, wohin wir blicken, sehen wir Kampf.
Die geisteswissenschaftliche Weltanschauung strebt nun dahin, an die Stelle dieses Kampfes die positive Arbeit zu setzen. Derjenige, der sich eingelebt hatte in diese Weltanschauung, der weiß, dass das Kämpfen auf keinem Gebiete des Lebens zu einem wirklichen Resultate führt. Suchen Sie das, was sich in Ihrer Erfahrung und vor Ihrer Erkenntnis als das Richtige erweist, in das Leben einzuführen, es geltend zu machen, ohne den Gegner zu bekämpfen.“

2.Man macht sich zum Diener der Mitglieder der Gemeinschaft

„Derjenige wirkt am besten, der nicht seine Meinung durchsetzen will, sondern das, was er seinen Mitbrüdern an den Augen ansieht; der in den Gedanken und Gefühlen der Mitmenschen forscht und sich zu deren Diener macht. Der wirkt am besten innerhalb dieses Kreises,..der die eigene Meinung (zurückzustellen kann).... Wenn wir in dieser Weise zu verstehen suchen, dass unsere besten Kräfte aus der Vereinigung entspringen und dass die Vereinigung nicht bloß als abstrakter Grundsatz festzuhalten, sondern vor allen Dingen in theosophischer Weise bei jedem Handgriffe, in jedem Augenblicke des Lebens zu betätigen ist, dann werden wir vorwärtskommen. Wir dürfen nur keine Ungeduld haben in diesem Vorwärtskommen.“

3.Man hört einander zu

 „Unterdrücken müssen wir also unsere Meinung, um den andern ganz zu hören, nicht bloß das Wort, sondern sogar das Gefühl, auch dann, wenn sich in uns das Gefühl regen sollte, dass es falsch ist, was der andere sagt. Es ist viel kraftvoller, zuhören zu können, solange der andere spricht, als ihm in die Rede zu fallen. Das gibt ein ganz anderes gegenseitiges Verständnis. Sie fühlen dann, wie wenn die Seele des andern Sie durchwärmte, durchleuchtete, wenn Sie ihr in dieser Weise mit absoluter Toleranz entgegentreten. Nicht bloß Freiheit der Person sollen wir gewähren, sondern völlige Freiheit, ja sogar die Freiheit der fremden Meinung sollen wir schätzen."


 4.Wir üben, uns Gedanken der Freundschaft und Liebe zuzusenden:

„Jeder mag sich darin ausbilden, wenn er Zeit dazu findet, seinen Lieben Gedanken der Liebe und Freundschaft zuzusenden. Der Mensch hält das gewöhnlich für etwas Bedeutungsloses. Aber wenn Sie einmal dahin gelangen, einzusehen, dass der Gedanke ebenso gut eine Kraft ist wie die elektrische Welle, die von einem Apparat ausgeht und zum Empfangsapparat überströmt, dann werden Sie auch das Bruderschaftsprinzip besser verstehen, dann wird allmählich das gemeinschaftliche Bewusstsein deutlicher, dann wird es praktisch.“




„Von diesem Gesichtspunkt aus können wir uns klar darüber werden, wie die geisteswissenschaftliche Weltanschauung den Daseinskampf und das Bruderschaftsverhältnis auffasst. Wir wissen ganz genau, dass mancher, der an diesen oder jenen Platz im Leben gestellt ist, einfach unterginge, wenn er nicht mit den Wölfen heulen würde, wenn er diesen Daseinskampf nicht ebenso grausam führen würde wie viele andere. Für denjenigen, der materialistisch denkt, gibt es fast kein Entrinnen aus diesem Daseinskampf. Wir sollen zwar an dem Platze unsere Pflicht tun, an den uns das Karma hingestellt hat. Wir tun aber das Richtige, wenn wir uns klar sind, daß wir viel mehr leisten würden, wenn wir darauf verzichteten, in der unmittelbaren Gegenwart die Erfolge zu sehen, die wir erreichen wollen. Bringen Sie es übers Herz, wenn Sie vielleicht mit blutender Seele im Daseinskampfe stehen, demjenigen, dem Sie wehe getan haben im Daseinskampfe, in liebevoller Gesinnung von Seele zu Seele Ihre Gedanken zuströmen zu lassen, dann werden Sie als Materialist vielleicht denken, Sie haben nichts getan. Nach diesen Auseinandersetzungen aber werden Sie einsehen, dass dies später seine Wirkung haben muss, denn nichts, das wissen wir, ist verloren, was im Geistigen vorgeht.
So können wir manchmal mit zagender Seele, mit Wehmut im Herzen den Daseinskampf aufnehmen und durch unsere Mitarbeit denselben umwandeln. So in diesem Daseinskampfe arbeiten, heißt in praktischer Beziehung den Daseinskampf ändern. Nicht von heute auf morgen ist das möglich, aber daß wir es können, ist außer allem Zweifel. Wenn wir an der eigenen Seele im Sinne der Bruderliebe arbeiten, dann nützen wir dadurch, daß wir uns nützen, am meisten der Menschheit, denn wahr ist es, dass unsere Fähigkeiten entwurzelt sind wie eine aus dem Boden gerissene Pflanze, wenn wir im selbstischen Sondersein verharren. So wenig ein Auge noch ein Auge ist, wenn es aus dem Kopfe gerissen wird, so wenig ist eine menschliche Seele noch eine Menschenseele, wenn sie sich von der menschlichen Gemeinschaft trennt. Und Sie werden sehen, dass wir unsere Talente dann am besten ausbilden, wenn wir in brüderlicher Gemeinschaft leben, dass wir am intensivsten leben, wenn wir im Ganzen wurzeln. Freilich müssen wir abwarten, bis das, was Wurzel schlägt im Ganzen, durch stille Einkehr in sich selbst zur Frucht reift.“



„Geben wir uns in der Bruderschaft auf, so ist dieses Aufgeben, dieses Aufgehen in der Gesamtheit eine Stählung, eine Kräftigung unserer Organe. Wenn wir dann als Mitglied einer solchen Gemeinschaft handeln oder reden, so handelt oder redet in uns nicht die einzelne Seele, sondern der Geist der Gemeinschaft. Das ist das Geheimnis des Fortschritts der zukünftigen Menschheit, aus Gemeinschaften heraus zu wirken.“


 Beginnen wir solche Brüderlichkeit zu üben und neue Gemeinschaften mit einem Menschen, mit zweien, mit dreien oder mit mehreren Menschen zu bilden!

Dienstag, 2. August 2011

Bayern: Der 1. deutsche Kornkreis in 2011

Es handelte sich nicht um die erste Kornkreismeldung in diesem Jahr aus Deutschland, aber es sind die ersten uns bekannten Luftaufnahmen. Viele deutsche Kornkreisfreunde haben sehr lange ausharren müssen, aber es gibt sie noch: “die deutschen Kornkreise”.

deutschland.gif31.7.2010 - Oberschleißheim, Landkreis München, Bayern
Am 31. Juli 2011 entdeckte J. Weber bei einem Überflug mit einer Sportmaschine eine Kornkreisformation in einem Gerstenfeld im oberbayerischen Oberschleißheim, nahe der Olympia-Regattastrecke, nur 3 km nördlich vom Münchener Stadtrand entfernt.
kornkreis_oberschleissheim_00.jpg
kornkreis_oberschleissheim_01.jpgkornkreis_oberschleissheim_04.jpgkornkreis_oberschleissheim_03.jpg
Kurioserweise wurde am 16. Juli 2010 ebenfalls eine Kornkreisformation im Nebenfeld entdeckt. Wir berichteten darüber ::mehr.

Quelle: http://www.fgk.org/?p=4424

Montag, 1. August 2011

Hinweis auf Posts von Oliver Tran Heilmann "astrosophie" :


Die Ordnung: Unwissenschaft

"Eigene Erhöhung über andere Menschen ist ein Irrweg, denn es gibt keine anderen Menschen, alle Wesen sind Körperteile des Einen. Würde das Auge sagen, ich bin doch kein Fuß der im Matsch suhlt, und habe nichts mit ihm gemein, dann wäre die Ordnung gestört und wenn die Ordnung gestört ist, entstehe Krebs. Wenn das Auge vom seinem Fuß weiß und gemeinsam mit ihm geht, kann es vieles noch sehen und das sogar auswählen, mit entscheiden. Und weil der Fuß sich des Auges bedient, geht er einen gescheiten Gang und verunfallt nicht. Gehe ich mit den Zeichen meines Umfeldes oder gehe ich allein. Erkenne ich die Zeichen oder gebe ich die Erkenntnisfähigkeit ab, tausche ich sie mit dem Glauben an die Wissenschaftler..."

Fortsetzung hier: http://www.astrosophie.de/2011/07/die-ordnung-unwissenschaft/



Die Ordnung: Das Sein außerhalb der Lebenszeit

"Wenn du nur hier bist, so machst du schon etwas falsch, denn als Mensch ist nur geboren, wer etwas zu lernen habe. Und du machst es wieder und wieder noch nicht ganz richtig. Sonst wärest du schon tot. Und du kannst es jeden Tag wieder richten und neu beginnen, andernfalls hättest du schon Krebs. Und selbst dann, wenn du eine Krebsdiagnose hast, gäbe es noch Möglichkeiten, zu Ende zu lernen. Erster Schritt des Lernens in einem solchen Fall sei, nicht in ein Krankenhaus zu gehen. Das Sterben ist sicher unangenehm. Es ist ja auch nicht angenehm, geboren zu werden. Aber man vergisst es. Und weil schon Milliarden male gestorben wurde, kann es nicht falsch sein, sonst hätte das Sterben als solches die Evolution nicht überlebt. Und so ist es wichtig, dass die Körper wieder zurückgehen in die Erde. So ist das Gelernte wieder in der Erde und kann erneut aus der Erde quillen und wieder leben und lernen, bei Tag und Nacht. Hier ist es wichtig, zu erkennen, dass du kein Individuum bist, sondern ein Erdteil. Als solches hast du bereits Wissen und Erfahrung der Erde. Alles was du hinzu erfährst, ist nicht das Deinige als Körper, sondern ist eine Ausdrucksform der Einheit...."

Fortsetzung:
http://www.astrosophie.de/2011/07/1048/

(dort siehe weitere Posts...)

Krankheit

„Die Zusammenarbeit mit Rudolf Steiner... hatte sie gelehrt, dass jede Krankheit als Ausgleich von Schicksalsgegebenheiten gesehen werden kann, die auf keinem anderen Wege Klärung erfahren können. ... Er nannte sie auch ..unbewusste - da am Leib sich vollziehende - Schwellen bzw. Initiationserfahrungen. Der Krankheitsbegriff wird dadurch aus der materialistischen Sinnlosigkeit eines Irrtums der Natur und der religiösen Sackgasse einer Strafe für moralische Verfehlungen erlöst und dem Kranken seine evolutive Würde auch im Zustand quälender Hilfsbedürftigkeit zurückgegeben. Kranksein wird, so verstanden, zur Seelen und Geist Erfahrung am eigenen Leib, im eigenen Schicksal...“

(Text von Michaela Glöckler über Ita Wegman; Quelle: http://biographien.kulturimpuls.org/detail.php?&id=756)

Sonntag, 31. Juli 2011

Der Strom guter Gedanken

"Jeder mag sich darin ausbilden, wenn er Zeit dazu findet, seinen Lieben Gedanken der Liebe und Freundschaft zuzusenden. Der Mensch hält das gewöhnlich für etwas Bedeutungsloses. Aber wenn Sie einmal dahin gelangen, einzusehen, daß der Gedanke ebensogut eine Kraft ist wie die elektrische Welle, die von einem Apparat ausgeht und zum Empfangsapparat überströmt, dann werden Sie auch das Bruderschaftsprinzip besser verstehen, dann wird allmählich das gemeinschaftliche Bewußtsein deutlicher, dann wird es praktisch."

( GA54, S.197)
[gefunden bei Ole Blente: http://fvn-rs.net/]

Freitag, 29. Juli 2011

Am Wasserfall (Les Gorges de la Poëta Raisse)

Schäumend stürzt der Bach über die Felsenkante, tosend brodelt es unten im ausgewaschenen Becken und schon strudelt er weiter. Gegen den Sturzfall erhebt sich ein sprühendes Wesen voller Freude leicht in die Höhe, weit über die Wasser empor. Es greift hinab in die Fluten, die dem Tal entgegen eilen, und nimmt etwas leuchtend Goldfischartiges heraus und wirft es gegen den Himmel. Dort breitet es sich wie mit Flügeln aus und fliegt zur Sonnenmutter hinauf. Die nimmt es dankbar lächelnd in ihre warmen Arme. 


Das Wasserfallwesen schäumt über vor Freude und Begeisterung, es jauchzt und jubelt. Und immer wieder mit beiden Händen greift es hinab in die Fluten und wirft zur Sonne dieses Goldglänzende in die Höhe: „Hier, gute Sonnenmutter, nimm dies Gold, das aus dem Menschental zu mir herauf schwimmt in deine liebenden Arme. Es nährt dich. Dann kannst du frisch mit neuer Kraft ins Menschental hinein leuchten, den Menschen Licht und Wärme spendend.“



Doch nicht nur Goldfischartiges strömte den Sturzbach herauf in die Bergeshöhe dem Wasserfall zu. Da waren auch Dunkelfischhaftes oder Schlangen- und Froschformen. Danach griff das Wasserfallwesen nicht. Es öffneten sich die Kalkfelsen-Mäuler und verschlangen sie. 


Aus feinen Kristallen war der Kalkfelsen gewoben, klar und hart und fest. Doch je mehr er von diesem Dunklen verschlang, desto mehr verloren die Kristallstrukturen ihren Glanz. Die Kristalle wurden mürbe und bröselig. Der Fels verlor an Macht und Größe. Er rief dem Wasserfallwesen zu: „O, gib mir doch etwas von dem glänzenden Gold, damit ich nicht ganz vergehen muss.“

„Es ist zu wenig davon da, aus dem Tal steigt immer weniger zu mir empor. Es reicht kaum aus, um die Sonnenmutter zu ernähren. Kann ich sie nicht mehr ausreichend ernähren, wird sie immer blasser und dunkler und kann das Menschental nicht mehr ausreichend erleuchten. Die Menschen werden frieren. Die Frostriesen werden das Land erobern.“


Da meinte der Felsen: „Doch wenn ich vergehe, dann wird auch der Fels vergehen, der dich trägt und stützt. Kein Wasserfall kann mehr fröhlich hinab strudeln! Und du wirst dich damit auch auflösen müssen und keiner wird mehr der Sonnenmutter Goldglänzendes in die Höhe senden können.“ 

Den Wanderer, der dieses Zwiegespräch belauschte, ergriff eine dunkle Verzweiflung: „Wie soll dies weitergehen, wird es Rettung und Hilfe geben? Muss die Sonne verblassen und der Fels vergehen?“





Da fühlte er in sein Herz hinein; und er spürte sein Blut in sich mächtig brausen und fröhlich strudeln. Und er empfand seiner Knochen starke Tragekraft. Und dieses Gefühl ließ es hell und licht in seiner Seele werden; in ihm begann eine kleine Sonne zu scheinen. Und das Erspüren seiner Knochen empfand er, als würden sie dadurch härter, stärker und klarer. Er erlebte den Felsen in sich, unmürbe und unverwittert. 

Nun wusste er, wo die Rettung lag und wie es weitergehen würde. In ihm selbst würde die neue Erde entstehen.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Witze von Viktor E.Frankl

- dem Begründer der Logotherapie (Sinn-Therapie)

"Ein SS-Mann sitzt in der Eisenbahn einem Juden gegenüber. Der packt einen Hering aus und verzehrt ihn, aber den Kopf packt er wieder ein und steckt ihn ein.
"Wozu machen Sie das?", will der SS-Mann wissen.
"Im Kopf ist das Gehirn und das bringe ich meinen Kindern, denn wenn sie das essen, dann werden sie gescheit."
"Können Sie mir den Kopf von dem Hering nicht verkaufen?"
"Warum nicht?"
"Was kostet der?"
"Eine Mark."
"Da haben Sie eine Mark", und der SS-Mann isst den Kopf auf.
Fünf Minuten später beginnt er zu toben: "Sie Saujud, Sie, der ganze Hering kostet 10 Pfennig und Sie verkaufen mir den Kopf für eine Mark!"
Daraufhin der Jude ganz ruhig: "Sehen Sie er beginnt schon zu wirken."
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Die Ursachen muss man bekämpfen, nicht die Folgen:

In der Sommerfrische wird ein Mann jeden Morgen von einem Hahn geweckt, der nur allzu zeitig zu krähen beginnt. Woraufhin der Sommerfrischler in eine Apotheke geht, sich ein Schlafmittel geben lässt und es dann dem Hahn ins Futter mischt.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Von der Wahrheit und dem Brunnen des Lebens

Visionen des Nikolaus von Flüe

Niklaus von Flüe, 1417 bis 1487, Eremit und "Friedensstifter" auf der Tagsatzung in Stans

"Und es erschien eine große Menge von Leuten und hinter den Leuten erschien die Wahrheit, und alle hatten ihr Antlitz von der Wahrheit abgewendet. Und bei allen erschien am Herzen ein großes Gebrechen, es sah aus wie zwei zusammengeballte Fäuste. Und dieses Gebrechen war der "Eigennutz", der verführt die Leute so sehr, dass sie das Antlitz der Wahrheit nicht zu ertragen vermochten, so wenig, wie ein Mensch Feuerflammen zu ertragen vermag. Und vor Angst gingen sie unruhig hin und her..."

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"Da sah er daselbst eine Menge Leute, die taten schwere Arbeit; dazu waren sie sehr arm. Und er stand und schaute ihnen zu und wunderte sich sehr, dass sie so viel Arbeit hatten und doch so arm waren.... Und er sah einen Brunnen, daraus floss dreierlei: Wein,Öl und Honig. Dieser Brunnen floss so schnell wie der Strahlenblitz und machte ein so lautes Getöse, dass der Palast laut erscholl wie ein Horn. Und er verwunderte sich sehr, da die Leute so arm waren und doch niemand hineinging, aus dem Brunnen zu schöpfen, was sie wiederum so leicht hätten tun können, da der Brunnen für alle frei war.

Und er ging zur Türe hinaus. Da sah er die Leute schwere Arbeit tun und sie waren trotzdem arm. Da beobachtete er sie, was sie täten. Da sah er, dass eíner dastand, der hatte einen Zaun aufgestellt mitten durch den Platz. In der Mitte war ein Tor, das hielt er zu mit der Hand und sprach zu den Leuten: "Ich lasse euch weder hinein noch hinaus, es sei denn, ihr zahlt mir eine Geldmünze." Er sah Musikanten, die für die Leute spielten und von ihnen Geld wollten. Er sah Schneider und Schuhmacher und allerlei Handwerksleute, die Geld haben wollten. Doch sie waren alle so arm, dass sie kaum bekamen, was sie wollten. Und er sah niemanden hineingehen, um aus dem Brunnen zu schöpfen...."

Mittwoch, 13. Juli 2011

Übergänge

Es gibt geistige Mächte, die leugnen im Erdenleben, dass der Mensch Geist und Seele besitze. Dafür bleiben ihnen nach dem Tode des Menschen auch nur die physischen Leiber. Diese zerfallen ihnen zu Asche und Erdenstaub. Sie bekommen ein Nichts.

Andere übersinnliche Mächte leugnen den physischen Leib. Sie wollen nur das Geistige. Sie verkennen, dass der Mensch sich bei der Geburt ganz mit dem Erdenleib verbindet. Der Mensch verbirgt sich darin gewissermaßen vor dem Geist. Diesen Mächten, die das Physische verleugnen, verbleibt als Herrschaftsbereich ein undifferenziertes All, ohne den  Menschen.

Im Erdenleben ist der Mensch zu physisch, im Nachtodlich-Vorgeburtlichen zu geistig. Nur in den Übergängen gibt es eine Ausgewogenheit; im Geborenwerden und im Todesvergehen. So wie bei der Morgen- und Abendröte sich die Farbe am herrlichsten offenbart. Die Farbe ist das Kind der Vermählung von Licht und Finsternis.

In allen Lebenssituationen, wo es Übergänge gibt, wo etwas stirbt oder entsteht, da sind wir der Mitte, der Ausgewogenheit, unserem wahren Menschsein am nächsten.

Im kleinen Kind oder kurz vor dem Geborenwerden des Kindes erleben wir den Geist am stärksten; beim Sterbenden oder gerade Verstorbenen erleben wir die Herrlichkeit des Leiblichen, die in der beginnenden Auflösung ihr Wunder zur Offenbarung bringt.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Spaßvogel

Hänschen Spaßvogel trifft Udo Trauerkloß:
"Was ist denn heut' mit Ihnen los?"
Sagt Trauerkloß betrübt drauf später:
"Mir lief 'ne Laus heut' über die Leber."
Drauf Hänschen, aufgelegt zum Blödeln:
"Ach, sie gehör'n wohl zu den Leberknödeln."

Dienstag, 5. Juli 2011

Polaritäten

Waches Bewusstsein und Logik

Das Eine ist die Faszination und Macht der Maschine und der Technik, die ihre Ausprägung heute besonders in der Computertechnologie u.ä. findet. Sie lässt mich nicht frei, sie ist stärker als ich. Sie bleibt außerhalb meinerselbst. Sie nimmt mich nicht auf. Sie bleibt meinem Wesen fremd. Sie wirkt von außen auf mich.
Sie ist die notwendige Folge eines überstark erwachten Bewusstseins und einer mathematischen Logik, die alles durchdringt.





Schlaf und Kraft

Das Andere ist die Sehnsucht nach Natur, nach dem Fremden und Unbekannten, nach dem, worin noch etwas aus alten, vergangenen Zeiten lebt.
Man sucht etwas, wo die Träume oder der Schlaf der Welt noch zu finden sind. Hier empfindet man einen Zufluss an Kraft. Diese Kraft strömt von außen zu mir.
Hier fühle ich mich wie in den warmen Mutterschoß der Natur aufgenommen. Ich kann mich verbinden. Aber ich kann es nur schwer gedanklich erfassen. Ich stehe vor Wundern.
Ich erlebe aber auch, dass ich kein Naturmensch mehr bin und sein kann. Meine wahre Heimat ist die Natur nicht mehr. Nur das Tier ist voll mit seiner Naturumgebung verbunden.
Und je stärker und ursprünglicher das Naturhafte wirkt, desto mehr drängt es mich in eine Art bewusstseinsmäßigen Schlafzustand.

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Die Mitte

Der Mensch pendelt unruhig zwischen diesen Polen hin und her. Er lebt in Spannung zwischen diesen Extremen. Er kann Sinn und Frieden nicht finden. Er kann die beiden Pole nicht zusammenführen. Er fühlt sich zerrissen.
Der Mensch kann sich als Mensch nur in etwas Mittlerem beheimatet fühlen. In dieser Mitte müssen die Kräfte, die hinter der Natur und hinter der Technik stehen, ihren Ausgleich finden. Es müssen das wache Bewusstsein und die naturhafte Kraft sich vereinigen können.

Diese mittlere Qualität findet der Mensch in der geistigen Aktivität. Wobei schon in dem Begriff "geistige Aktivität" die Polarität zum Ausdruck und zugleich auch zum Ausgleich kommt: "geistig" weist auf das Bewusstsein hin; "Aktivität" auf den Kraftanteil.
Und noch gesteigerter erlebt der Mensch die Mitte in der Bemühung um eine vertiefte Meditation bei wachem Bewusstsein.





Kraft und Weisheit im Inneren

Was mir vorher die Natur und das ihr noch Verwandte als Kraft zuströmen ließen, strömt mir nun als Kraft durch meine eigene innere Aktivität zu.
Die Bewusstseinsklarheit und Faszination, die früher über die Technik wie eine Macht auf mich wirkte, finde ich wieder im erkenntnismäßigen Erleben der Weisheit, die alles Sein wie ein helles Licht durchströmt. Ich erschaffe diese Weisheit durch Erkenntnis in mir selbst.
Die Kräfte, die früher von außen mein Leben bestimmten, quellen in neuer und verwandelter Weise mir nun von innen zu.
Es hat sich umgestülpt.