Sonntag, 29. Dezember 2019

Aphoristisches am 29.12.2019

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Oh, Heiland, deine Arzenei
ist bitter stets, doch wirkungsvoll.
Täglich nehm' ich ergeben sie,
weil ich genesen soll.
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Bei Gott gilt viel der Gute Wille;
er wird unser scheiternd Streben segnen.
Wenn du in Demut lernst und Stille,
dann lässt er Gold von oben regnen.
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Die Hirten kamen in den Stall,
den Weltenhirt' voll Liebe anzusehen.
Die Könige, sie eilten schnell,
den Weisheitskönig zu verstehen.
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Mein Wort ist wie ein Schwert,
nicht Frieden bringt's zuhauf,
dort, wo es wird gehört,
da bäumt sich alles auf.
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Nur Große können Großes fassen.
Kleinmütige werden mich hassen.


Freitag, 20. Dezember 2019

Die letzte Besucherin

Weihnachtsgeschichte

Es war in Bethlehem, am Ende einer langen Nacht. Fast schon dämmerte der Morgen, die Sterne waren am Verblassen und soeben hatte der letzte Besucher den Stall verlassen.
Maria hatte noch einmal das Stroh aufgeschüttet und endlich war das Kind eingeschlafen.
Doch wer schläft denn in der Weihnachtsnacht?
Langsam und leise öffnete sich die Stalltüre, aufgestoßen durch einen Lufthauch mehr denn durch Menschenhand, und eine Frau stand auf der Schwelle und so alt und so runzlig, dass in ihrem Gesicht der Mund wie eine weitere Runzel schien.
Erdig war die Frau und in Lumpen gehüllt, krumm und uralt.
Maria erschrak. Ob mit dieser Frau eine böse Fee­ eingetreten sein mochte? Sie schien aus einer ­anderen Zeit zu kommen. Eine eigentümliche Würde und Weisheit gingen von ihr aus.
Zum Glück schlief Jesus und schien von allem nichts zu merken. Esel und Rind kauten friedlich ihr Stroh und blickten gelassen zur Besucherin, die näher kam. Die Tiere schauten, als ob sie sie schon längst kennen würden.
Maria aber ließ sie nicht aus den Augen. Jeder Schritt, den die Alte tat, schien ihr eine Ewigkeit zu dauern. Die Frau näherte sich langsam der Krippe.
Da öffnete Jesus seine Augen und mit Erstaunen, Verwunderung, Unglauben, gar Entsetzen sah Maria, dass die Augen ihres Kindes genau dieselben waren wie die Augen der uralten Frau, erfüllt von derselben Hoffnung, umstrahlt von demselben Glanz. Die Alte bückte sich über die Krippe, ihre Hand suchte etwas in ihren Tüchern und Lumpen.
Maria beobachtete sie noch voller Unruhe, und die Tiere schauten, als ob sie wüssten, was ­geschehen würde.
Endlich, nach langer Zeit, zog die Frau etwas hervor, hielt es verborgen in ihrer Hand, und dann legte sie es zum Kind in die Krippe.
Nach all den Schätzen der Weisen und den Gaben der Hirten, was mochte wohl ihr Geschenk sein?
Maria konnte es nicht erkennen. Sie sah nur den vom Alter gekrümmten Rücken, der sich noch weiter über die Krippe beugte. Esel und Rind sahen ihre Gabe und schienen nicht erstaunt zu sein.
Es dauerte Ewigkeiten, dann erhob sich die alte Frau, wie erleichtert von einem schweren Gewicht, das sie zu Boden gedrückt hatte. Sie richtete sich auf, ihre Schultern waren nun nicht mehr gekrümmt und ihr Gesicht schien verjüngt, strahlend, wunderschön. Leise verschwand sie durch die Stalltüre in die Nacht hinaus, aus der sie gekommen war. Nun konnte Maria ihr geheimnisvolles Geschenk sehen.
Es war ein kleiner roter Apfel.
Eva war gekommen aus uralter Zeit, und sie hatte die Weisheit des Anfangs mitgebracht, und all die Entwicklungen seither. Sie hatte die Sehnsucht der Menschen gebracht und ihr Leid, sie hatte derenLebensfreude mitgebracht und ihr Versagen.
Das alles hatte sie im Apfel dem Kind hingelegt.
Und nun glänzte der Apfel in der Hand des Kindes,­ das geboren war, Uraltes mit Zukünftigem zu verbinden, den Himmel mit der Erde, Gott mit den Menschen.

Jerome+Jean Tharaud

Freitag, 13. Dezember 2019

Der Bettler

Ein Junge aus meiner 8. Klasse beschäftigte sich mit der väterlichen Heimat, Türkei:

"Mein Vater erzählte mir folgende Geschichte:
Als er ein Kind war, stand ein Bettler vor der Haustür und fragte nach einem Stück Brot. Meine Oma (seine Mutter) sagte daraufhin, er solle kurz warten und sie begann ein leckeres Essen zu kochen. Mein Vater wollte auch etwas davon haben, aber meine Oma sagte, dass erst der Gast davon essen solle. 
- Das beste Essen für den Gast, auch wenn er ein Bettler ist.
- Nicht nur in der Bibel, sondern auch im Koran gilt Gastfreundschaft als heilige Pflicht."

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Die Krückstöcke


Als ich heute den Nachbarn mit zwei Krücken ("Gehhilfen" muss man ja jetzt sagen) die Straße entlang humpeln sag, da dachte ich mir: Ja, so humpeln wir eigentlich alle recht und schlecht durchs Leben. 

Die eine Krücke ist die physische Welt, auf die wir uns doch immer wieder abstützen, und die andere Krücke ist unser mühsam zusammengebasteltes Meinungspaket über die Dinge in dieser Welt.

Freitag, 6. Dezember 2019

Laufen lernen

"... Berlins Panda-Zwillinge....Bis dahin müssen die Mini-Bären weiter eifrig Laufen üben. Das Hochstemmen mit den Vorderbeinen gelingt beiden schon recht routiniert. " 

Die meisten Tiere können instiktiv recht schnell ihre artspezifische Bewegungsart. Dass Tiere erst mühsam etwas lernen müssen, das ist schon eine höhere, menschennahe Qualität.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

"In everything that has to be done, is an element of fun."

aus "Mary Poppins"
frei übersetzt:

"In allem, was wir machen müssen
können wir ein wenig Spaß begrüßen!

Freitag, 29. November 2019

Dienstag, 15. Oktober 2019

IST URTEILEN SÜNDE ?

"Seit dem Mauerfall habe ich beobachtet, wie sich unter Westdeutschen eine Haltung etablierte, die sich selbst wohl als Ausdruck von Empathie und Noblesse verstand:
Wir mögen nicht das Verhalten von Leuten beurteilen, in deren Lage wir nie waren. Auch dazu findet sich bei Hannah Arendt Erhellendes. In einer Vorlesung zu Fragen der Ethik heißt es sinngemäß:

Mit der Indifferenz, der weitverbreiteten Tendenz, das Urteilen überhaupt zu verweigern, fange das Böse an."

Aus: Wolfgang Hegewald, Von Abgehauenen und Daheim- und Zurückgebliebenen - FAZ, 28.9.10, S. 18

Montag, 30. September 2019

DIE GEISTIGE WELT UND DIE WELTKLUGE PROFESSORIN

Auszug aus einem Artikel in DER ZEIT:


Bericht eines Motorad-Verunfallten


.......
Reflexartiges Reißen am Bremshebel

Die Sekunde des Entsetzens vom Auftauchen des aus der Kurve hervorschießenden Sportwagens bis zum Knall hatte sich gedehnt, als hätte jemand vorübergehend das Universum angehalten. Zeit genug, um zu denken, dass gleich alles vorbei sein kann. War es das jetzt? Für immer dunkel? Reflexartiges Reißen am Bremshebel. Krachen. Gegen den Lenker geschleuderter Unterleib. Abflug nach vorn mit dem Kopf voran. Im Augenwinkel das hochgewirbelte Motorrad. Blitzender Schmerz beim Aufprall des Helms in der Windschutzscheibe. Das Poltern des Körpers auf der Fahrzeugfront. Dann lag er vor dem Auto wie eine Crashtest-Puppe, das nachhallende Echo des Einschlags im Kopf.

In der Nacht zuvor war er aus einem Traum hochgeschreckt, ein Traum wie noch nie. Da war etwas gewesen, das versucht hatte, ihn zu greifen. Immer wieder hatte es sich aus einer dunklen Tiefe heraus nach ihm gestreckt, um ihn in die Finsternis hinabzuziehen. Ein langer Kampf. Hatte er sich mit Mühe befreit, wurde er aufs neue gepackt, bis zum erlösenden Aufwachen um drei in der Frühe. Für eine Viertelstunde schaltete er das Licht an im Zimmer der Herberge, um den Traum loszuwerden in dieser letzten Nacht am Ende einer Tour entlang der Route des Grandes Alpes. Vorahnungen, Übersinnliches? „Zufall“, meinte die Neurologie-Professorin, der er Wochen später von dem Traum erzählte. „Am besten, Sie vergessen es einfach.“

 .......

"Bin ich jetzt tot?"

Freitag, 27. September 2019

Wort Spiel

Do NOT FALL!

Sonst  NOTFALL!

Sonntag, 11. August 2019

WIDERSPIEGELUNG

Das Sich-tätig-Kümmern um das Häusliche, von innen und außen, spiegelt wieder den Umgang mit unserem Körper.

Das  Sich-fleißig-Betätigen im Garten, spiegelt sich wieder im Umgang mit unserer Seele.

Das  Sich-innig-Bemühen um die Welt um uns herum, außerhalb des Gartentores, spiegelt die eigne geistige Arbeit wieder.




Mittwoch, 6. März 2019

Schädliche Wirkungen von Handys auf Kinder

Anekdote

Bei der Begrüßung stellt sich morgens die ganze Klasse hin und sollte eigentlich völlig zur Ruhe kommen. Ein gewisser Teil der Schüler zappelt dann immer noch mit seinen Händen irgendwie herum.
Der Lehrer: „Manche Leute sagen, dass das vom Handy käme, dass die Finger so nervös würden!“
Antwort wie aus einem Munde von zwei Ober-Hände-Zappelphilippinen, die nun gerade am allerwenigsten mit Handys zu tun haben: „Aber wir haben doch gar kein Handy!“

Freitag, 22. Februar 2019

WEIHNACHTEN 2018

Es ist ein wunderliches Weben

in diesen Tagen zu erleben:

Die Dunkelheit, sie ist so licht,

die zarte Luft erfüllt so dicht,

die Stille gar so innig klingt,

und in der Kälte
Herzenswärme schwingt.

Wenn uns so nah
die fernste Ewigkeit,

dann wissen wir:

Es wirkt der Geist
der Weihnachtszeit.