Dienstag, 27. März 2012

Armutsgefahr

Mit diesen Überschriften erschien die gleiche Nachricht heute in verschiedenen Zeitungen:

"Armutsgefahr in Deutschland erneut gestiegen"
Welt Online

"Deutschland bei Armut im europäischen Mittelfeld"
Berliner Morgenpost

"Deutschland bei Armut unter EU-Durchschnitt"
Märkische Allgemeine

So färbt man die Dinge und gestaltet Meinungsbildung!

Sonntag, 5. Februar 2012

Herbert Vetter: Christliches Heilen durch erkennendes Bewusstsein



Interview mit Herbert Vetter, Goldschmiedemeister und Berater für anthroposophische Heilverfahren.

Text unter "Gedanken zur anthroposophischen Arbeit":

http://orioniden.blogspot.de/2012/02/herbert-vetter-christliches-heilen_08.html


Quelle: http://www.wahrheitssuche.org/geistheilen.html

Donnerstag, 26. Januar 2012

Der "HuKiGa"

Heute, früh morgens auf dem Weg zur Arbeit sehe ich einen jungen Mann mit kleinem Rucksack, der einen Hund ausführte. Der Mann sah aus, als wäre er auch auf dem Weg zur Arbeit.
"Was macht er dann nur mit seinem Hund?", dachte ich mir. "Er bräuchte einen Ort, um seinen Hund tagsüber abzugeben. So etwas wie einen Kindergarten - nur eben für Hunde, damit Berufstätige tagsüber ihre Vierbeiner versorgt wissen könnten."
Während ich dieses neue Unternehmensmodell in Gedanken weiter entwickelte, kam ich an einer roten Ampel zum Stehen. Da fuhr ein klappriger, alter VW-Bus vorbei. Auf ihm stand so etwas wie "HuKiGa - Tagesstätte für Hunde"!

So schnell werden Gedanken Wírklichkeit!



http://www.hukiga.de/

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Sonntag, 22. Januar 2012

Saturn - Die große Überraschung: Es strömt im Sechseck!

Astronomy Picture of the Day

Entdecke den Weltraum! Täglich ein Bild über Astronomie und Raumfahrt aus dem Universum, zusammen mit einer kurzen Erklärung eines Astronomen.
22. Januar 2012
Siehe Erklärung. Ein Klick auf das Bild lädt die höchstaufgelöste verfügbare Version.
Saturns Sechseck kommt ans Licht


Beschreibung: Ob Sie es glauben oder nicht, das hier ist der Nordpol Saturns. Es ist unklar, wie so ein ungewöhnliches, sechseckiges Wolkensystem, das Saturns Nordpol umgibt, entstehen konnte und seine Form behält, oder wie lange es bestehen bleibt....... Planetenwissenschaftler werden sicherlich noch einige Zeit diese äußerst ungewöhnliche Wolkenformation beobachten.

Samstag, 21. Januar 2012

Die Sonnenbahn im Jahreslauf

Astronomy Picture of the Day

Entdecke den Weltraum! Täglich ein Bild über Astronomie und Raumfahrt aus dem Universum, zusammen mit einer kurzen Erklärung eines Astronomen.
21. Januar 2012
Siehe Erklärung. Ein Klick auf das Bild lädt die höchstaufgelöste verfügbare Version.
Tage in der Sonne
Bildcredit und BildrechteRegina Valkenborgh
Beschreibung: Diese Aufnahme von Sonnwende zu Sonnwende wurde sechs Monate lang belichtet und komprimiert die Zeit vom 21. Juni bis 21. Dezember 2011 an einem Standort. Das unkonventionelle,als Solargraph bezeichnete Bild wurde mit einer Lochkamera fotografiert, die aus einer Getränkedose mit einem Stück Fotopapier im Inneren gebastelt wurde. Diese einfache Kamera wird während der gesamten Aufnahmezeit an einem Punkt fixiert und zeichnet jeden Tag kontinuierlich den Sonnenpfad als leuchtende Spur auf, die in das lichtempfindliche Papier gebrannt wird. In diesem Fall wurde der Standort so gewählt, dass er die Kuppeln und das Radioteleskop des Bayfordbury-Observatoriums der Universität Hertfordshire überblickte. Dunkle Lücken in den Tagesbögen werden von Wolkendecken verursacht, während kontinuierliche helle Spuren dem herrlichen Zauber des sonnigen Wetters folgen. Natürlich steht die Sonne anfangs im Juni zur Sommersonnenwende der Nordhalbkugel höher.Wenn dieWintersonnenwende im Dezember näherrückt, sinken die Spuren am Himmel tiefer. Der Herbst letzten Jahres war einer der mildesten, die je in Großbritannien aufgezeichnet wurden, wie die vielen hellen Bögen im tieferen Bereich des Bildes bezeugen.

Gipsarm verändert Gehirn in 16 Tagen

Aus der Sicht der Menschenkunde ist diese Meldung wieder eine grandiose Bestätigung dessen, was man aus der Geisteswissenschaft längst schon weiß:

[Quelle: Spiegel -Online: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,809673,00.html]


iStockphoto

"Eingegipster Arm: Ruhigstellung verändert sensorische und motorische Hirnareale

Nach einem Bruch wird ein Arm in der Regel in Gips ruhiggestellt. Forscher haben beobachtet, dass sich dann schon nach wenigen Tagen bestimmte Hirngebiete verändern. Der Effekt spielt eine wichtige Rolle bei der Therapie von Schlaganfällen.

Mit einem Gipsarm hantiert es sich schlecht. Rechtshänder, deren rechter Arm nach einem Bruch ruhiggestellt ist, müssen wohl oder übel ihren schwächeren linken Arm einsetzen, um den Alltag zu bewältigen. Forscher der Universität Zürich haben nun beobachtet, dass sich dadurch bestimmte Hirngebiete bereits nach 16 Tagen deutlich verändern.

Die Dicke der linksseitigen Hirnareale werde reduziert, diese seien für die Kontrolle der ruhiggelegten rechten Hand zuständig, schreiben Nicki Langer und seine Kollegen im Fachblatt "Neurology". Die Hirnsubstanz der rechten motorischen Areale, welche die linke Hand steuern, wachse hingegen.

Für die Studie wurden zehn Rechtshänder mit gebrochenem rechten Oberarm untersucht. Wegen des Gipses oder einer Schlinge konnten die Versuchspersonen 16 Tage lang ihre rechte Hand nicht oder nur wenig bewegen. Sie benutzten daher für alltägliche Handlungen wie Essen, Zähneputzen oder Schreiben ihre linke Hand.

Die Gehirne der Personen wurden zweimal durch eine Magnet-Resonanz-Tomografie aufgenommen - zuerst 48 Stunden nach der Verletzung, das zweite Mal 16 Tage nach der Ruhigstellung des Armes. Anschließend ermittelten die Forscher die Dicke der Hirnrinde und maßen die Feinmotorik der linken Hand.

"Interessant ist, dass sich während der 16 Tage dauernden Ruhigstellung die Feinmotorik der linken Hand deutlich verbessert hat", berichtet der Neuropsychologe Lutz Jäncke. Die motorische Leistungsverbesserung korreliere mit den anatomischen Veränderungen: Je besser die feinmotorischen Fähigkeiten der linken Hand seien, desto mehr Hirnsubstanz gebe es im rechten motorischen Areal.

Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass dieser Effekt eine wichtige Rolle bei die Therapie von Schlaganfällen spielt. So wird beispielsweise bei bestimmten Therapien der unbeschädigte Arm ruhiggestellt, um den betroffenen Arm zu stärken und das entsprechende Hirnareal für neue Fähigkeiten zu stimulieren. Mediziner sollten bei derartigen Therapien unbedingt die kurzfristigen Veränderungen im Gehirn beachten. Die gezielte Ruhigstellung habe positive Wirkungen auf ein Hirnareal und zugleich negative auf das gegenüberliegende.

hda"

Freitag, 30. Dezember 2011

"Kommunalka"

„….Aber nicht alle Kommunalki – (eine Kommunalka ist eine große, bürgerliche Wohnung der Zarenzeit, in der dann  im Sowjetsystem mehrere Familien gleichzeitig untergebracht wurden)- in einem Haus wurden (nach Ende des Kommunismus) aufgelöst; in meinem Treppenaufgang zum Beispiel blieb eine Kommunalka bestehen. Darin lebten zwei Brüder um die dreißig, die beschlossen, den kapitalistischen Weg einzuschlagen. Sie machten einen Trinkwassergroßhandel auf. Dieses Geschäft warf allem Anschein nach Gewinn ab. Alle Stockwerke in unserem Aufgang waren  mit Zehnliterplastikflaschen zugestellt, denn sie beiden Jungunternehmer hatten keine Lagerräume. Die Brüder veränderten sich: Sie trugen nur noch modische Kleidung und Schuhe, alles sehr schick und italienisch. Doch dann ging die russische Seele mit ihnen durch: Sie schwammen in Geld und begannen zu trinken -  kein Wasser, versteht sich. Sie tranken und tranken; und einer der Brüder trank so viel, dass er starb. Der andere Bruder veranstaltete einen pompösen Leichenschmaus in der Kommunalka. Dabei  - sein Bruder war eben erst unter die Erde gebracht – betrank er sich dermaßen- dass er ins Badezimmer verschwand und ebenfalls starb. In unserem Aufgang war es vorbei mit dem Trinkwasser-Kapitalismus. Weit und breit keine Plastikflaschen mehr....“

Viktor Jerofejew, FAZ 30.10.09, S. 34

Samstag, 24. Dezember 2011

Samstag, 26. November 2011

Sonntag, 20. November 2011

Samstag, 12. November 2011

Witze für Deutschland

Polk wollt Kong sehen


 

Wie war dein Tag, Schatz?
Von Georg M. Oswald


Fring hatte die Probezeit ohne Probleme überstanden. Polk, sein Chef, war sehr einverstanden mit ihm, wenngleich er fand, Fring übertrieb ein bisschen seine Korrektheit. Auch beim heutigen Geselligkeitsabend stand er mit festgezurrter Krawatte da, jederzeit bereit zu einer angedeuteten Verbeugung. Polk fand, er solle sich ein bisschen mehr zu Hause fühlen. „Was wünschen Sie sich für die nähere Zukunft? Ich meine so allgemein hier im Unternehmen?“, fragte er ihn. „Abgesehen von der Zielerreichung?“, lautete Frings beflissene Gegenfrage. Polk runzelte die Stirn: „Natürlich. Abgesehen von der Zielerreichung.“ „Nun, ich würde zu gerne einmal Herrn Kong persönlich begegnen.“

Kong war der Vorstandsvorsitzende. Fring war ihm noch nie gegenübergestanden, wie viele der anderen sechstausend Mitarbeiter des Unternehmens auch. „Das kommt sicher noch“, sagte Polk, bevor er sich verabschiedete. Fring stand eine Weile alleine in der Nähe des Buffets und lauschte der Musik, die ein eigens engagierter DJ auflegte. Eine Kollegin aus seiner Abteilung sprach ihn an, ob er sich zu ihr an den Tisch setzen wolle. Fring begann ein Gespräch mit ihr über die Zielerreichung, doch die Kollegin schien nicht allzu interessiert. Sie nahm ihn an der Hand und führte ihn auf die Tanzfläche.

Als sie an ihren Platz zurückkehrten, kamen weitere Kollegen hinzu. Sie brachten eine Flasche Wein an den Tisch mit. Fring trank, lauschte der Musik und wippte nun mit dem Fuß dazu. Er wollte noch einmal etwas über die Zielerreichung sagen, aber seine Kollegin zog ihn sogleich ein zweites Mal auf die Tanzfläche, und als er zurückkam, wurde ihm wieder kräftig nachgeschenkt. Fring lockerte seine Krawatte, knöpfte das Hemd auf, trommelte mit den Zeigefingern auf der Tischplatte und trank ein weiteres sogenanntes Gläschen. Das war wirklich ein ausgezeichneter Tropfen und diese Kollegin wirklich ausgesprochen nett. Zigarette? Warum nicht. Fring kam mehr und mehr in Schwung.

Er fand nun, es gab nicht den geringsten Grund, an diesem Abend länger über die Zielerreichung nachzudenken. Man musste ja nicht die ganze Zeit durch die Firma laufen, als habe man einen Stock verschluckt. Wenig später stand er rückwärts gebeugt im Kreis seiner Kollegen mit aufgeknöpftem Hemd, trug die Krawatte als Stirnband und spielte mit zugekniffenen Augen ein ausgedehntes Luftgitarrensolo, als Polk hereinkam und rief: „Fring, gut, dass Sie noch da sind! Stellen Sie sich vor, was sich gerade zufällig für Sie ergeben hat: Kong will Sie sehen! Jetzt gleich in seinem Büro!“

Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 05.11.2011 Seite C1

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Der Kulturwissenschaftler Friedrich Kittler

forderte die „Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften“. 


Kittler: "Gott schuf den Menschen, weil er ihn träumte. Der Mensch aber vergaß Gott und schuf die Maschine, weil er sie träumte. Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts aber hat die Maschine den Menschen vergessen. Wer wollte vorhersagen können, von wem oder was sie träumt?"


Friedrich Kittler 1943 - 2011 

Dienstag, 4. Oktober 2011

"Warum wir uns in die eigenen Ideen verlieben"



Klarer denken

Von Rolf Dobelli

Meine Kochkünste sind bescheiden, das weiß auch meine Frau. Und doch gelingt mir ab und zu ein Gericht, das man als essbar bezeichnen könnte. Vor einigen Wochen kaufte ich zwei Seezungen. Um der Langeweile bekannter Fischsoßen zu entgehen, erfand ich eine neue – eine waghalsige Kombination aus Weißwein, pürierten Pistazien, Honig, geraspelten Orangenschalen und einem Schuss Balsamico. Meine Frau zog die gebratene Seezunge auf den Tellerrand und streifte mit dem Messer die Soße vom Fisch, dazu lächelte sie entschuldigend. Mir hingegen schmeckte die Soße nicht schlecht. Ich erklärte ihr im Detail, welch kühne Kreation sie hier verpasse – was nichts an ihrem Gesichtsausdruck änderte.

Zwei Wochen später gab es wieder Seezunge. Diesmal kochte meine Frau. Sie hatte zwei Soßen parat. Zum einen ihre etablierte Butterschwitze, zum anderen die „Kreation eines französischen Top-Chefs“. Die zweite schmeckte scheußlich. Nach dem Essen gestand sie, dass es sich nicht um die Kreation eines französischen Top-Chefs handelte, sondern um meine eigene Kreation, die ich vor zwei Wochen ausprobiert hatte. Sie wollte mich testen und hatte mich aus Spaß des Not-Invented-Here-Syndroms (NIH-Syndrom) überführt: Man findet alles schlecht, was „nicht hier erfunden“ ist.

Das NIH-Syndrom bringt einen dazu, sich in die eigenen Ideen zu verlieben. Das gilt nicht nur für Fischsoßen, sondern für alle Arten von Lösungen, Geschäftsideen und Erfindungen. Firmen tendieren dazu, intern entwickelte Ideen als besser und wichtiger einzuschätzen als Lösungen von externen Anbietern, selbst wenn diese objektiv besser sind. Ich hatte vor kurzem ein Essen mit dem Geschäftsführer einer Software-Firma, die sich auf Krankenkassen spezialisiert. Er erzählte mir, wie schwierig es sei, seine Software – in puncto Bedienung, Sicherheit und Funktionalität objektiv führend – den potentiellen Kunden schmackhaft zu machen. Die meisten Versicherer seien überzeugt, dass die beste Software genau jene ist, die sie selbst im eigenen Haus, entwickelt haben.

Wenn Menschen zusammenkommen, um Lösungen zu finden, und diese gleich selbst bewerten, lässt sich das NIH-Syndrom schön beobachten. Die eigene Idee ist stets die beste. Sinnvoll ist es deshalb, Teams ins zwei Gruppen aufzuspalten. Die eine Hälfte generiert Ideen, die andere bewertet – danach umgekehrt.

Geschäftsideen, die wir selbst erfunden haben, empfinden wir als erfolgreicher als Geschäftsideen von anderen. Das Syndrom ist verantwortlich für blühendes Unternehmertum. Und leider auch für die größtenteils miserablen Renditen von Start-ups.

In seinem Buch „The Upside of Irrationality“ beschreibt der Psychologe Dan Ariely, wie er das NIH-Syndrom gemessen hat. Im Blog der New York Times bat er Leser, Antworten auf sechs Probleme zu geben. Zum Beispiel: „Wie können Städte den Wasserverbrauch senken, ohne per Gesetz den Verbrauch zu limitieren?“ Die Leser sollten nicht nur Vorschläge machen, sondern ihre eigene Antwort und die Antworten der anderen auf Anwendbarkeit beurteilen. Auch mussten sie angeben, wie viel Freizeit und eigenes Geld sie in die jeweilige Lösung investieren würden. Dazu kam, dass die Leser ihre Antworten aus nur fünfzig Wörtern zusammensetzen durften – was sicherstellte, dass alle mehr oder weniger die gleichen Antworten gaben. Trotzdem: Die eigene Antwort wurde von der Mehrheit für wichtiger und anwendbarer gehalten als die fremden Antworten (die im Grunde die gleichen waren).

Auf gesellschaftlicher Ebene kann das NIH-Syndrom gravierende Auswirkungen haben. Schlaue Lösungen werden nicht übernommen, gerade weil sie aus einer anderen Kultur stammen. Dass der winzige Kanton Appenzell-Innerrhoden den Frauen nie freiwillig das Stimmrecht gegeben hat (es brauchte einen Bundesgerichtsentscheid im Jahr 1990), ist ein verblüffender Fall von NIH. Oder: Noch heute sprechen wir von der „Entdeckung Amerikas“ durch Kolumbus, obwohl Menschen dort schon lange lebten.

Fazit: Wir sind von unseren eigenen Ideen betrunken. Um wieder nüchtern zu werden, halten Sie ab und zu Abstand, und betrachten Sie die Qualität ihrer Einfälle rückblickend. Welche Ideen der letzten zehn Jahre waren wirklich herausragend? Eben.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 26.09.2011 Seite 30

Montag, 3. Oktober 2011

"Regierung" wird zu "Irre genug" - Anagramme

Nimmt man ein Wort, schüttelt seine Buchstaben durcheinander und setzt sie neu zusammen, so entstehen merkwürdige Verbindungen, so genannte Anagramme: "Tierschutz" zum Beispiel ergibt "Ist zu Recht", was ja noch Sinn macht. Auch "Regierung" lässt sich schön umstellen: "Irre genug". Aber nicht immer ist die Bedeutung sofort klar, aus "Christdemokraten" etwa wird, etwas rätselhaft: "Dank schmort Tiere", oder auch: "Hacke mordet Stirn". Das ist interpretationsbedürftig und lässt womöglich auf ein kleines mentales Problem der CDU beim Umgang mit Tieren schließen. Tatsächlich hat die Union sich ja vergangene Woche überraschend dafür ausgesprochen, den Tierschutz ins Grundgesetz aufzunehmen, nachdem sie jahrelang dagegen war.

Als Grund gibt sie an, der Tierschutz sei wichtiger geworden, seit den Muslimen das Schächten (Anagramm: "Ach, Stechen") von Tieren erlaubt worden sei, was in der Bevölkerung niemand so recht versteht. Rein zufällig kommt die Erkenntnis der Union zeitnah zur Bundestagswahl ("Bald hast weg uns"), und ob der Tierschutz im Grundgesetz irgendetwas bewirkt, ist eh zweifelhaft. Dass in Bayern der Umweltschutz als Staatsziel in der Verfassung steht, haben ja auch eine Menge Bäume nicht überlebt. Geht es nach dem Anagramm für "Angela Merkel", sollte die Union nicht allzu optimistisch sein: "Klare Maengel".

Sonntag, 2. Oktober 2011

Die doppelte Belastung

 
 

Unternehmen haben enorme Kosten durch psychische Störungen. Führungskräfte sollen Abhilfe schaffen – doch sie sind selbst häufig betroffen. Von Leonard Goebel
Irgendwann schnappt die Falle zu. So wie bei Frank Berndt. Der Theologe arbeitete zehn Jahre lang als Führungskraft in einer diakonischen Einrichtung. Er nahm sich die Arbeit zu Herzen: die vielen Aufgaben, die getan werden mussten, die Mitarbeiter, die ohnehin schon überlastet waren. Erst lief er heiß, dann brannte er aus, wie er sich ausdrückt.
Immer mehr Arbeitnehmer leiden unter psychischen Störungen – insbesondere auch leitende Angestellte. Jüngstes Beispiel: Der Fußballtrainer Ralf Rangnick, der wegen eines Erschöpfungssyndroms gestern seinen Rücktritt beim FC Schalke 04 verkündete. Sein Energielevel reiche nicht aus, um erfolgreich zu sein, lautete seine Erklärung. Aber auch unter weniger prominenten Arbeitnehmern hat sich die Zahl derer, die am Burn-out-Syndrom und anderen seelischen Störungen erkranken, seit 1994 mehr als verdoppelt. Zwar wird dies zum Teil auch auf Veränderungen bei der ärztlichen Diagnose zurückgeführt, aber auch die Arbeitsbedingungen in der modernen, digitalisierten und globalisierten Welt tragen nach Ansicht der meisten Fachleute zu der starken Zunahme bei. 36 Prozent der Arbeitnehmer empfinden heute das hohe Arbeitstempo als starke Belastung. Sieben der zehn am häufigsten genannten Belastungen am Arbeitsplatz beziehen sich auf psychische Faktoren.
Führungskräfte sind gleich in doppelter Hinsicht von der Burn-out-Thematik betroffen: Als engagierte Arbeitskräfte, die sich nur selten Pausen gönnen, sind sie oftmals selbst gefährdet – zumal viele Unternehmen inzwischen auch auf den Führungsebenen Personal einsparen und sich der Druck auf die Verbliebenen erhöht hat. Und auf der anderen Seite tragen sie Verantwortung für ihre Mitarbeiter, die sie nicht dauerhaft einer Überbelastung aussetzen dürfen.
Frank Berndt hat diesen Zwiespalt selbst erlebt. Heute hilft er anderen, damit zurechtzukommen. Nachdem er Ende der neunziger Jahre ausgebrannt war, besuchte er eine Führungsakademie und machte eine Fortbildung zum individualpsychologischen Coach. Seit 2005 leitet er hauptberuflich die von ihm gegründete Burn-out-Fachberatung. Er und sein Team bieten Präventionsseminare an und beraten Mitarbeiter in Einzelcoachings.
Eines der Unternehmen, mit denen er zusammengearbeitet hat, ist der IT-Dienstleister Datev. „Wir beschäftigen uns schon seit vielen Jahren mit Stressbewältigung“, sagt der Leiter der Weiterbildungsabteilung der Datev, Knut Eckstein. Die Nachfrage nach Seminaren zum Thema Burn-out sei groß. Mittlerweile würden neue leitende Angestellte sogar verpflichtet, ein Seminar zu dem Thema „Führungskräfte als Gesundheitsmanager“ zu belegen.
Führungskräfte als Gesundheitsmanager, als fürsorgliche Vorgesetzte? Das ist eine große Herausforderung. Denn oft arbeiten sie selbst bis zur Grenze der Belastbarkeit. An mehr als acht Tagen im Jahr gehen leitende Angestellte durchschnittlich krank zur Arbeit. Und dennoch: Sie haben eine Schlüsselrolle bei der Prävention psychischer Erkrankungen.
Werner Kissling, Leiter des Centrums für Disease Management an der TU München, beschäftigt sich schon lange mit dem Phänomen des Burn-out-Syndroms. Sein Institut hat in den vergangenen Jahren 150 Unternehmen betreut. An oberster Stelle steht für Kissling dabei die Schulung von Führungskräften. Sie sollen lernen, was es mit psychischen Störungen auf sich hat, wie sie Anzeichen für ein Ausbrennen erkennen können und wie sie mit Betroffenen umgehen sollten. „Wir versuchen darauf hinzuwirken, dass Führungskräfte nicht von ihren Mitarbeitern verlangen, am Wochenende Mails zu beantworten oder im Urlaub das Handy eingeschaltet zu lassen“, sagt Kissling.
Inzwischen suchen Unternehmen immer häufiger den Rat von Kissling und anderen Experten. „Jahrelang wurde das Thema Burn-out unter den Teppich gekehrt“, sagt er. Besonders in der Wirtschaft wollte man sich damit nicht beschäftigen. Doch Burn-out ist zu einem enormen Kostenfaktor geworden. Das hat zu einem Umdenken geführt. Laut Centrum für Disease Management entstehen einem Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern durch psychische Störungen jedes Jahr Kosten von 2,25 bis 8,25 Millionen Euro.
Doch trotz des steigenden Interesses an Präventionsmaßnahmen nehmen die Fälle psychischer Erkrankungen nicht ab – im Gegenteil. „Der Druck nimmt eher noch zu, als dass er geringer wird“, sagt Hanns Pauli, Arbeitsschutzexperte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Der DGB fordert neben der Einhaltung des regulären Arbeitsschutzes eine größere Anerkennung der Beschäftigten durch die Arbeitgeber – insbesondere durch eine bessere Bezahlung und eine höhere Arbeitsplatzsicherheit.
Dass die Betriebskultur eine wesentliche Rolle für die Vorsorge spielt, zeigte auch eine kürzlich veröffentlichte Studie der AOK. Demnach werden Angestellte, die wenig Anerkennung durch ihre Vorgesetzten erfahren, besonders oft krank. Und das betrifft viele: Mehr als die Hälfte der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK befragten Mitarbeiter werden selten oder nie von ihrem Chef gelobt. Das kann auf Dauer schwere Folgen haben. Denn wer enorm engagiert ist, aber nur wenig zurückbekommt, läuft Gefahr, irgendwann auszubrennen. Das Engagement herunterzufahren schaffen nur wenige.
Frank Berndt spricht dabei von einer Falle: Zu erschöpft, um zu rennen, und zu ängstlich, um auszuruhen. Also wird weitergearbeitet, bis irgendwann der Kollaps kommt. Das ist schlimm für die Betroffenen – und ein riesiges Problem für die Unternehmen. Denn ein männlicher Arbeitnehmer mit einer psychischen Störung fällt im Durchschnitt 44 Arbeitstage aus, eine Arbeitnehmerin 39 Tage. Hinzu kommen die Tage, an denen sie eigentlich nicht mehr arbeitsfähig sind, aber trotzdem zur Arbeit kommen – Präsentismus heißt dieses Verhalten, das zu einer deutlich erhöhten Fehlerzahl führt und den Unternehmen noch mehr schadet als eine frühzeitige Krankschreibung.
Und wenn das Burn-out überwunden ist, treten einige Probleme erst auf: Kollegen, Vorgesetzte und der Betroffene selbst wissen oft nicht, wie sie die Arbeit und den Umgang miteinander nach dem Ausbrennen organisieren sollen. Nach einer Umfrage unter Psychiatern berichtet fast jeder fünfte Patient nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz davon, von seinen Vorgesetzten zur Kündigung gedrängt worden zu sein. Bei fast 40 Prozent der Patienten seien die Vorgesetzten nicht bereit, die Arbeit an die Belastbarkeit des Patienten anzupassen.
Gerade für Führungskräfte ist es schwierig, nach einer seelischen Erkrankung kürzerzutreten oder gar eine Stufe auf der Karriereleiter nach unten zu gehen – vom Abteilungsleiter zum Stellvertreter zum Beispiel. „Das akzeptieren Führungskräfte oft nicht, weil sie das als Statusverlust empfinden“, sagt Ludger Ramme, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Führungskräfteverbandes ULA. Viele entschieden sich dann lieber dafür, ganz aus dem Unternehmen auszuscheiden und manchmal sogar aus dem Beruf.
Dabei ist der Beruf nie die einzige Ursache für ein Ausbrennen, die höchste Rate psychischer Erkrankungen werde laut Werner Kissling vom Centrum für Disease Management bei Arbeitslosen registriert. Und auch Frank Berndt versucht, möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, dass es nicht die Arbeit ist, die krank macht, sondern die Einstellung dazu. Burn-out-Patienten seien keine Opfer, sondern für sich selbst verantwortlich. „Burn-out ist keine Versagerkrankheit, sondern trifft die Leistungsträger. Aber auch die müssen lernen, dass sie nicht perfekt sind“, sagt er.
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.09.2011 Seite C2
 

Donnerstag, 8. September 2011

Aphoristisches

Was dir an dem anderen als Schwäche erscheint, kann geistig seine Stärke sein.
Was dir als deine eigene Stärke erscheint, kann geistig deine Schwäche sein.

Betrachte Schwäche mit Milde.
Betrachte Stärke mit Sorge.

Nimm der Schwäche Kraft als Zukunftslicht.
Nimm der Stärke Gewordenheit als Vergangenheit.

Sonntag, 4. September 2011

Saturn


Astronomy Picture of the Day

Entdecke den Weltraum! Täglich ein Bild über Astronomie und Raumfahrt aus dem Universum, zusammen mit einer kurzen Erklärung eines Astronomen.
4. September 2011
Siehe Erklärung. Ein Klick auf das Bild lädt die höchstaufgelöste verfügbare Version.
Im Schatten Saturns


Bildcredit: Cassini Imaging Team, SSI, JPL, ESA, NASA

Beschreibung: Im Schatten Saturns geschehen unerwartete Wunder. Die robotische Raumsonde Cassini, die derzeit um Saturn kreist, trat 2006 für 12 Stunden in den Schatten des Riesenplaneten und blickte zurück zur verfinsterten Sonne. Cassini sah eine Ansicht wie kaum eine Zweite. Erstens ist die Nachtseite Saturns offensichtlich teilweise von Licht erhellt, das von seinem eigenen majestätischen Ringsystem reflektiert wird. Weiters erscheinen auf diesem überzeichneten Farbbild die Ringe selbst vor Saturn als dunkle Silhouette, abseits von Saturn jedoch relativ hell, wobei sie das Sonnenlicht leicht streuen. Saturns Ringe sind so stark aufgehellt, dass neue Ringe entdeckt wurden, wenngleich sie auf diesem Bild schwierig zu erkennen sind. Außergewöhnlich detailreich ist jedoch Saturns E-Ring zu sehen - jener Ring, der von den kürzlich entdeckten Eisfontänen des Mondes Enceladus erzeugt wird, und der äußerste, oben sichtbare Ring. Links in weiter Ferne, knapp über den hellen Hauptringen, steht der leicht zu übersehende, blasse, blaue Punkt der Erde.

Montag, 22. August 2011

WAHLEN

"Ich gebe meine Stimme nicht ab!
 Ich behalte meine Stimme!
 Ich erhebe meine Stimme!"


Die letzte Wahl