Sonntag, 31. Mai 2009

Wladimir Solowjew und „Die Gelbe Gefahr“II

Nach Solowjew müssen wir selber in Europa die Forderungen, die sich aus einem wahren - nicht kirchenpolitischen - Christentum ergeben, erfüllen damit wir dem standhalten werden, was aus einem erstarkenden China nach Europa heranbranden wird:


"Im Jahre 1890 erschien 1890 der Aufsatz „China und Europa“. Solowjew beschäftigte sich einleitend mit der chinesischen Expansion in Südostasien, Australien und Kalifornien sowie der bevorstehenden Modernisierung der staatlichen und militärischen Macht Chinas und ließ schon in diesem Zusammenhange deutliche Befürchtungen durchblicken. Doch lag der Schwerpunkt seiner Ausführungen auf ganz anderem Gebiet, in der Darstellung der geistigen Welt des Reiches der Mitte und der Art und Weise wie diese die gesellschaftliche Organisation Chinas durchdringe, …
Wenn er chinesische und europäische Kultur als gleichbedeutend ansah, so doch nicht als gleichwertig.

Solowjew hatte sich eine „christlich-europäische Idee des Weltprogresses als des Weges zur Erreichung des wahren Lebens“ gebildet, und im Gegensatz zum Prinzip der unveränderten Bewahrung des Alten in China begründete er die Überlegenheit des Europäertums mit der diesem innewohnenden Forderung: „Wir sollen unser Leben ständig besser und vollkommener gestalten, bis wir jene Lebensfülle erreichen, die alles in sich vereinigt, und bis die Vergangenheit zu einem ewigen und wahrhaft unveränderlichen Leben aufersteht.“

Auch in der chinesischen Lebensordnung liege eine Wahrheit, allerdings eine nicht mehr entwicklungsfähige und der Verkümmerung preisgegebene, die ihre Erfüllung nicht mehr finden könne. Eben diese Erfüllung könnten die Europäer China bieten: „Unermüdlicher Progress als Mittel eines wirklichen Dienens der Ahnen, unaufhörliches Streben zu einer idealen Zukunft als der richtige Weg zur Erweckung der Vergangenheit – das ist die wahre innere Aussöhnung der zwei extremen Kulturen....Doch.. müssen wir selber der vollen Wahrheit treu sein, die das Christentum eröffnet hat. Im widrigen Fall wird China für uns zu keiner Eroberung, sondern zu einer drohenden Gefahr werden … wie es die moslemische Welt für das Europa des Mittelalters gewesen ist.“


Die Kritik an China führte Solowjew also zur europäischen Selbstkritik! In Europa sah er sein Ideal des christlichen Fortschritts nur ungenügend verwirklicht; ... Die „Gelbe Gefahr“ realisierte sich für Solowjew erst dann, wenn Europa sich des Verrats an der Fülle der christlichen Wahrheit schuldig mache. Denn in diesem Falle entgehe den Europäern auch jener „Teil der Wahrheit ... der dem Chinesentum seine Kraft verleiht.

Solowjew schloss seine Betrachtung mit der These: „Unser falscher Konservatismus zerfällt von inneren Widersprüchen wie auch der falsche Progressismus, und die Chinesen werden sich nicht nur als stärker erweisen, sondern sie werden es auch von Rechts wegen sein: sie bleiben sich selbst getreu.

Wenn die europäische christliche Welt sich treu bleibt, d. h. treu den Weltchristentum, so kann China uns nicht gefährlich sein. Wir werden auch den Fernen Osten erobern, aber nicht durch Waffen, sondern durch die geistige Kraft, die einem Bekenntnis der vollen Wahrheit eigen ist und die auf alle Menschenseelen wirkt, welchem Stamm sie auch angehören mögen:“



"...Im Gegensatz zu China betrachtete er Japan als für die westliche Zivilisation gewonnen, und er hielt es für einen seltsamen Anachronismus, dass zu seiner Zeit im Westen auch eine Vorliebe für östliche, buddhistische Religionsformen sich ausbreite...: „Es wäre sonderbar, wenn eine Religion, die Japan hinter sich hat, Europa beleben könnte."

Jiang Zemin im Jahre 1995

"...In der ersten Phase sollte unser Bruttosozialprodukt der Jahres 1990 das Doppelte von dem des Jahres 1980 erreichen...In der zweiten Phase sollte es sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts wiederum verdoppeln, um unserem Volk einen anständigen Lebensstandard zu ermöglichen.

Die dritte Phase wird sich bis in die Mitte des nächsten Jahrhunderts erstrecken, wenn das Bruttosozialprodukt Chinas pro Kopf der Bevölkerung dasjenige eines durchschnittlich entwickelten Landes erreichen ...wird."

Sonntag, 24. Mai 2009

Bundeskanzlerin Merkel

Die folgenden Worte mögen zunächst als Phrase erscheinen, da man sie schon oft gehört hat. Wenn sie aber von Angela Merkel ausgesprochen werden, dann klingen sie anders. Besonders auch, wenn man sie "live" hört. Sie hat persönlich für diese Dinge gekämpft, das klingt mit. Wir haben heute gewissermaßen - wie sonst so oft - nicht einen Parteifunktionär als Kanzler, sondern eher schon fast eine ehem. "Revolutionärin" als Kanzlerin. Man muss bei ihr auf den Unterton hören:


"Bundekanzlerin Angela Merkel hat auf dem Kirchentag bei einer Diskussion über Menschenwürde und Demokratie an die Menschen appelliert, nicht der Gefahr der Konformität zu erliegen. Notwendig sei auch in einem freiheitlichen Rechtsstaat der Mut, für seine Werte und politischen Grundüberzeugung einzustehen. ...

Rückblickend auf den Fall der Mauer vor 20 Jahren würdigte die Kanzlerin am Donnerstag den Einsatz vieler Menschen für den friedlichen Wandel. Denen, die sich in der DDR für Demokratie eingesetzt hätten, gelte es heute Respekt zu zollen. ...

Nach Auffassung von Merkel kann Demokratie nicht von heute auf morgen gelingen. In Deutschland sei sie erst in einem sehr langen Prozess erlernt worden.

Merkels Gesprächspartner, der renommierte britische Zeithistoriker und Publizist, Prof. Timothy Garton Ash, betonte, dass Deutschland ein sehr gutes Land geworden sei, was das politische und rechtsstaatliche System betreffe. Dies liege nicht zuletzt daran, dass die Nazi- und die DDR-Vergangenheit in "exzeptioneller Weise" aufgearbeitet worden sei. Die Geschichte sei sozusagen in „protestantischer Weise“ reflektiert worden.


Ash lehrt in Oxford und Stanford. In den 1970er Jahren lebte er in Ost- und West-Berlin. In seinem Buch „Akte Romeo“ hat er seine Bespitzelung durch die Stasi verarbeitet. "



Quelle: http://www.rundschau-online.de/html/artikel

Samstag, 16. Mai 2009

Saturnwärme

Nach Rudolf Steiner gab es einen allerersten planetaren Zustand der Erde, dieser bestand ganz aus dem Element Wärme. Einen zwergenhaften Rest davon erleben wir in dem heutigen Planeten Saturn.

Nun liest man von Messungen, die ergeben haben, dass dieser heutige Saturn noch immer Wärme ausstrahlt. Wohl wird in dieser Meldung behauptet, dass man herausgefunden habe, woher diese Wärme stamme. Aber auch diese sog. neueste Erkenntnis kann man als reinste Spekulation ansehen, wie fast alles, was bisher von der Wissenschaft über kosmische Vorgänge erfunden wurde. Gerade ist man ja auch schon dabei, die "Schwarze Materie" wieder abzuschaffen, weil sich diese Erfindung wohl nicht so recht bewährt hat. Interessant kann also hier nur sein, dass der Saturn Wärme abstrahle, nicht die Scheinerklärung, woher sie stamme:


"Wissenschaftler der Universität Rostock sind dem Energiehaushalt des Planetenriesen Saturn auf die Spur gekommen. Ein Physikerteam lüftete das Geheimnis, warum der Ringplanet etwa doppelt so viel Energie ins Weltall
abstrahlt, wie er von der Sonne aufnimmt....

Diese wird in Wärme umgewandelt,
die der Saturn dann abstrahlt."

dpa



Montag, 11. Mai 2009

"Die Erschaffung des Weibes"

von Ludwig Fulda


(Nach einer indischen Legende)

Brahma, Schöpfer alles Lebens,
Saß und sann im Weltenmai,
Sann und grübelte vergebens,
(seufzend:)
Wie das "W e i b" zu schaffen sei.
Denn als er den M a n n geschaffen,
Hatte seine Meisterhand
Alle festen alle straffen
Elemente schon verwandt.-
(Fragend:)
Wie das neue Werk beginnen,
Da kein Stoff mehr übrig war?
Erst nach langem, tiefem Sinnen,
Ward's ihm endlich offenbar:
(Tempo)
Und er nahm der Blume Sammet
Und den frommen Blick des Rehs
Und die Glut, die lodernd flammet,
Und den kalten Hauch des Schnees;
Nahm den schlanken Wuchs der Gerte
Und des Windes Flattersucht,
Und des Diamanten Härte
Und die Süßigigkeit der Frucht;
Nahm den zarten Schmelz vom Laube
Und den Flaum vom Sperlingskleid,
(weich:)
Das Gegirr der Turteltaube
(grausam:)
Und des Tigers Grausamkeit;
Und vom morgendlichen Rasen
Nahm er Tränenfluß des Taus,
Nahm die Furchtsamkeit des Hasen
Und die Eitelkeit des Pfaus;
Nahm vom Schilfe das Gezitter
Und des Vollmonds schwelllend Rund
Und des Sonnenstrahles Flitter
Und des Hähers Plappermund;
Nahm der Kletterpflanze Schlingen,
Nahm der Schlange Wellenleib,
(mit gewisser gläubiger Begeisterung:)
Und aus a l l e n diesen Dingen
Schuf der Weltenherr das - "W e i b". -
Und dem Manne zum Genossen
gab er es mit güt'gem Sinn;
(aufgeregt:)

Doch bevor ein Mond verflossen,
Trat der Mann vor Brahma hin,
(verlegen)
Und er sprach: O Herr, das Wesen,
Das du mir so gnadenvoll
Zur Gesellschaft hast erlesen,
Macht mich elend, macht mich toll.
Ach, es p l a p p e r t Tag'und Nächte,
Raubt mir S c h l a f und Z e i t und R u h ',
F o r d e r t viel, doch n i e das
R e c h t e,
Stört und quält mich immerzu.
(verzweifelt:)
Es vergiftet mir mein Leben,
Es zertrümmert mir mein Glück
(flehend:)
D u , der mir das Weib gegeben,
Großiger Brahma, n i m m 's z u r ü c k !
(Erzählend:)
- Brahma tat nach seiner Bitte;
Doch nach einer Woche schon,
trat der Mann mit raschem Schritte
Wiederum vor seinen Thron.
(Furchtsam:)
"Herr", so sprach er scheu beklommen,
"Meines Jammers dich erbarm".
(Als sei es ihm selbst unverständlich:)
Seit mir dies Geschöpf genommen,
Ward mein Leben leer und arm.
(Sinnlich:)
Ach, gedenken muß ich täglich,
Wie dies Wesen tanzt'und sang,
Wie's mich ansah, herzbeweglich
Und mit weichem Arm umschlang,
Die geschmeidig sanften Glieder
Und das liebliche Gesicht.
(Bittend:)
Brahma, gib das Weib mir w i e d e r ,
(jauchzend:)
Meines Lebens Lust und Licht!"
(Erzählend:)
Brahma stillte sein Verlangen
Doch drei Tage kaum vergangen
Kam der Mann mit bleichen Wangen

Abermals zurück und sprach:
(zerknirscht:)
"Sieh mich, Herr, voll bitt'rer Reue!
Ach, ich war ein blinder Tor;
Seit das Weib mir ward aufs n e u e ,
Bin ich ä r m e r als zuvor.
(Entschlossener Trotz:)
Niemals wieder mich betrügen
Wird ihr Lächeln und ihr Kuß
(kleinlaut:)
Winzig klein ist das Vergnügen,
(bedeutungsvoll:)
Riesengroß ist der Verdruß.
Ach, mir blieb kein Hoffnungsschimmer;
Drum erhör'mich, großiger Gott;
(flehend:)
N i m m d a s W e i b m i r a b
f ü r i m m e r ! "
(Streng, zornig:)
Brahma forsch: "Bin ich dein Spott?!
(Befehlend:)
Scher'dich heim! Für deine Klagen
Bleibt mein Ohr fortan verschanzt;
Lern's so gut es geht, ertragen,
Was Du nicht entbehren kannst."
(Seufzend:)
Traurig schlich der Mann von hinnen,
Und im Wandern seufzt'er bang':

"Großiger Brahma, nicht entrinnen

Werd' ich meinem Untergang.
Was du mir heraufbeschworen
Durch das Weib, verschmerz'ich nie;
B e i d e m a l bin ich v e r l o r e n -
M i t ihr - - - oder o h n e sie."

Sonntag, 10. Mai 2009

Religion oder Ethik - eine Anekdote

Quelle:
http://www.welt.de/Pro-Reli-im-Jahre-1912


"Eine gute Woche nach der Abstimmung über Pro Reli haben sich die Wogen in Berlin ein wenig geglättet. Ich muss zugeben, dass ich die Emotionalität des Themas unterschätzt habe. Vielleicht liegt das daran, dass man in meiner Familie seit einigen Generationen ein entspanntes Verhältnis zur Religion pflegt. Mütterlicherseits stamme ich zwar von einem anglikanischen Missionar ab, der in Ceylon elendiglich an einem Fieber starb. Doch meine Mutter hielt mehr von Horoskopen als von der Kirche. Meine Großeltern väterlicherseits waren Berliner "Trotzjuden". Das heißt, sie glaubten nicht an den ganzen Klumpatsch, feierten aber die jüdischen Feste neben den christlichen und blieben Mitglieder der Jüdischen Gemeinde. Sie hätten es als Verrat empfunden, ihre Herkunft, auf die sie einen gewissen Stolz hegten, durch Konversion verleugnen zu wollen.

Als nun mein Onkel Ludwig am Gymnasium in Lichterfelde eingeschult werden sollte, baten die Großeltern, so viel Trotz musste sein, um Dispens vom evangelischen Religionsunterricht. Der Schuldirektor hielt nichts davon: "Aber Herr Posener! Da werden keine alten Märchen erzählt. Ich bitte Sie! Das ist doch nur eine Art allgemeiner Ethikunterricht." (Wir schreiben das Jahr des Herrn 1912.)

Ludwig besuchte also den Religionsunterricht. Die Jüdische Gemeinde bekam Wind davon, war nicht amüsiert und schickte einen Rabbi vorbei, der meinen Großvater zur Rede stellte. Von der Sache mit dem Ethikunterricht war der Rabbi nicht überzeugt: "Soso. Dürfte ich den Knaben sprechen?" Ludwig wurde geholt, und der Rabbi fragte: "Mein Sohn, was hast du im Religionsunterricht gelernt?" Begeistert antwortete der Zehnjährige: "Wir haben gelernt, wie unser Herr Jesus Christus zum Lahmen sagte: Nimm dein Bett und wandele! Und er nahm sein Bett und wandelte!" Damit war es mit dem Ethikunterricht vorbei.

Die Gemeinde schickte einen jungen Mann in die posenersche Villa, der den drei Söhnen der Familie die Thora beibringen sollte. Gleich in der ersten Stunde erklärte er: "Die Geschichten des Alten Testaments sind abergläubischer Unsinn und blutrünstig obendrein. Ich bringe euch lieber etwas Wertvolles bei. Könnt ihr Schach spielen?"

Die Moral von der Geschichte? Keine Ahnung. Vielleicht die, dass man in Berlin die Gretchenfrage schon immer etwas anders beantwortete. Auch dafür liebe ich diese Stadt.

Samstag, 9. Mai 2009

"Freiheit"

Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen äußert sich in "Der Welt" vom 4.Mai 2009 in bemerkenswerter Weise über seinen Begriff von "Freiheit":


"Freiheit heißt nicht, kaufen, was man möchte, und fahren, wohin man will.

Der amerikanische Fehler besteht in der Annahme, Freiheit habe mit der äußerlichen Beziehung zur Welt zu tun, die einen in Ruhe lassen soll, damit man tun kann, was man will.

Tatsächlich hat wahre Freiheit mehr damit zu tun, was in einem vorgeht. Ich halte es für möglich, im Gefängnis frei zu sein. Ich bin wissentlich frei, wenn ich gut arbeite. Dabei bin ich in Wirklichkeit ein beschränkter, zwanghafter, neurotischer Mensch und habe unter diesen Umständen die Freiheit zu nahezu gar nichts, es sei denn, mich an den Schreibtisch zu setzen. Ich mag keine anderen Menschen, ich mag keine Mengen, alles reizt mich, ich will bloß in Ruhe gelassen werden. Tag und Nacht bin ich an die Schwierigkeit des Schreibens gekettet. Es ist ein krankhafter, obsessiver Geisteszustand, und doch gibt es Momente, in denen ich das Gefühl habe, womöglich etwas Wahres über mich selbst auszudrücken, es zu begreifen und vielleicht sogar auf das Papier zu bringen.

Ein Vogel ist nicht frei, wenn er fliegt, sondern wenn er dem Diktat seines inneren Selbst gehorcht."

Mittwoch, 6. Mai 2009

Wissenschaft im Kampf gegen die Religion

Der amerikanische Physiker und Nobelpreisträger Steven Weinberg äußerte seine Einstellung zu Wissenschaft und Religion in einem Interview mit dem Zeit-Magazin am 2.4.2009 in nachfolgender Weise. Damit bringt er in sehr offener und deutlicher Art zum Ausdruck, was sich viele aus bürgerlicher Rücksichtnahme nicht so klar auszudrücken wagen.


Sein Kernsatz:
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Wir Wissenschaftler sollten alles tun, um die Macht der Religion zu schwächen. Dies wird sich schlussendlich vielleicht als unser wichtigster Beitrag zur Zivilisation erweisen
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...Je begreiflicher und das Universum wird, desto sinnloser erscheint es uns auch. Wir finden nichts, was unserem Leben einen objektiven Sinn verleiht. Denn in den Naturgesetzen ist nichts erkennbar, was uns eine besondere Stellung im Universum verleiht. Dies bedeutet nicht, dass ich mein Leben sinnlos finde.Wir können einander lieben und versuchen, die Welt zu verstehen. Doch diesen Sinn müssen wir unserem Leben selber geben. Das Bestreben, das Universum zu verstehen, hebt das menschliche Leben ein wenig über eine Farce hinaus und verleiht ihm einen Hauch von tragischer Würde.

(Der Interviewer: Man könnte es auch als einen Gewinn an Freiheit sehen.)

Wenn Ihnen das gelingt, herzlichen Glückwunsch. Ich könnte es gerne und kann es nicht. Ich empfinde eine gewisse Sehnsucht nach dem vergangenen Zeitalter des Glaubens. Ich fühle mich von der Religion angezogen. Und meine Abneigung rührt gerade daher, dass ich ein Verlangen nach etwas fühle, von dem ich weiß, dass es unwahr ist.

Meine Eltern waren keine besonders gläubigen Juden. Bis zum Alter von vielleicht zwölf Jahren glaubte ich, dass es so etwas wie einen Gott geben müsse, auch wenn ich keiner bestimmten Religion anhing. Dann erschienen mir diese Ideen plötzlich dumm, und dabei ist es geblieben.
Wir Wissenschaftler sollten alles tun, um die Macht der Religion zu schwächen. Dies wird sich schlussendlich vielleicht als unser wichtigster Beitrag zur Zivilisation erweisen. ...

Ich sehe den Niedergang der wissenschaftlich so produktiven Antike im Wesentlichen als ein Werk des erstarkenden Christentums. Der byzantinische Kaiser Justinian I. ließ die platonische Akademie schließen. weil Neugierde als das sicherste Zeichen von Unglauben galt......


(Die Menschen glauben trotzdem. Ich vermute, auch ein Hang zur Religiosität gehört zu unserer Natur. )

Na und? Wir haben auch eine Anlage, uns die Bäuche mit Zucker und Fett vollzuschlagen, und kämpfen dagegen an.


Mehr unter:
http://www.zeit.de/2009/15/Klein-Weinberg-15