Freitag, 12. November 2010

Hinweis:

Widersprüchliches Verhalten

Die Menschen verhalten sich widersprüchlich. Man wird erleben, dass manche Menschen, die viel über gesunde Nahrung reden, dennoch auch bei Aldi einkaufen. Dabei wird ihnen das Widersprüchliche nicht bewusst. Sie denken weiterhin, dass sie sich im Grunde treu an ihre Ideen halten würden.  ...
weiter hier: http://joveniden.blogspot.com/2010/11/widerspruchliches-verhalten.html

Donnerstag, 11. November 2010

Swetlana Geier

Gerade ist Swetlana Geier, eine große Übersetzerin vom Russischen ins Deutsche gestorben. In den Nachrufen konnte man lesen, wie sie beim Übersetzen vorgegangen ist. Ihre Methode ist beispielhaft und überhaupt ein Modell für den lebendigen Umgang mit Sprache und Literatur:

1.Sie lernte viele Texte im Original auswendig.
2. Sie las sie laut und rhythmisch und lauschte nach dem Klang der Sprache.
3, Sie übersetzte ganz frei, nicht Satz für Satz, sondern nach dem Geist des Inhaltes.
4. Sie ließ sich den übersetzten Text von einem Musiker laut vorlesen, lauschte von neuem auf den Klang der Sprache und korrigierte daraufhin, wenn nötig, den Text.
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Aus der FR - NACHRUF SWETLANA GEIER

Die Übersetzerin der Schwergewichte

Swetlana Geier übersetzte die Werke der russischen Literatur-Größen ins Deutsche. Nun ist die in Kiew geborene Schriftstellerin und Übersetzerin gestorben - mit 87. Ihr Credo: «Das Wahre ist das Ganze.»
Swetlana Geier ist tot.
Swetlana Geier ist tot.
FREIBURG –  
Swetlana Geier widmete ihr Leben der Literatur. Mehr als ein halbes Jahrhundert übersetzte sie russische Literatur ins Deutsche, vielfach wurde sie dafür ausgezeichnet. In den vergangenen zwei Jahrzehnten konzentrierte sie sich auf die Romane des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski (1821-81), ihres Lieblingsautors. ...
Geboren wurde Geier in Kiew. Russisch war ihre Heimatsprache, Deutsch lernte sie schon früh. Auf die behütete Kindheit in der frühen Sowjetzeit folgte der politische Terror unter Diktator Josef Stalin. Ihr Vater wurde verhaftet. Zwar kam er nach 18 Monaten frei, doch er starb an den Folgen der Haft. 1941 überfiel Deutschland die Sowjetunion, Kiew wurde besetzt. Mit ihren Deutschkenntnissen arbeitete die Abiturientin Swetlana bei einer deutschen Baufirma. Als die Rote Armee wieder vorrückte und die deutsche Wehrmacht floh, wurden die sprachbegabte junge Frau und ihre Mutter mit nach Deutschland genommen. Zunächst fanden sie sich in einem Lager für Ostarbeiter wieder. 1944 bekam Swetlana einen Studienplatz in Freiburg. Auch die Mutter lebte bis zu ihrem Tod dort.
Swetlana Geier nahm sich als Übersetzerin der Schwergewichte der Literatur an. Dostojewski stand für sie im Mittelpunkt. Zudem übersetzte sie Literatur unter anderem von Leo Tolstoi (1828-1910), Iwan Bunin (1870-1953), Michail Bulgakow (1891-1940), Alexander Puschkin (1799-1837) und Nikolai Gogol (1809-1852) sowie mehrere Romane von Alexander Solschenizyn (1918-2008).
"Nase hoch beim Übersetzen"
Geiers Arbeitsweise war ungewöhnlich. «Nase hoch beim Übersetzen», hatte bereits eine frühe Deutschlehrerin in Kiew die kleine Swetlana gelehrt. Soll heißen: Nicht am Text kleben, «nicht wie eine Gottesanbeterin von links nach rechts an der Zeile entlangkriechen», sondern den gesamten Text im Blick haben. «Das Wahre ist das Ganze», sagte Geier. Also memorierte sie die zu übersetzenden Werke, lernte vielhundertseitige Romane nahezu auswendig.
«Jeden Abend schlage ich nochmals die fünf bis zehn Seiten auf, die ich am nächsten Tag diktieren werde», beschrieb sie ihre Vorgehensweise. Sie scheute sich nicht, altbekannte Titel neu zu definieren und andere Titel zu wählen. Aus «Schuld und Sühne» machte Geier in ihren preisgekrönten Übersetzungen «Verbrechen und Strafe», die «Dämonen» wurden «Böse Geister».
Für Geier war Literatur vor allem gesprochene Sprache. «Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich, dass Sprache nicht auf Holz, auf Papier angewiesen ist.» So wie sie den russischen Klang im Ohr hatte, entstand auch die deutsche Fassung zuerst als gesprochenes Wort. Geier diktierte, auch dies war ungewöhnlich. Eine Hilfskraft schrieb auf der Maschine. Dann las ihr ein pensionierter Musiker den deutschen Text wieder vor, kritisierte. Geier lauschte dem Klang und korrigierte. Ein aufwendiges Verfahren. An Aufträgen hat es ihr trotzdem nie gemangelt.... (dpa)
Quelle: http://www.fr-online.de/kultur/die-uebersetzerin-der-schwergewichte/-/1472786/4818544/-/index.html

Mittwoch, 10. November 2010

Ägypten bei Nacht

"Jeder, siehst du ihn einzeln,
ist leidlich klug und verständig.
Sind sie in der Gruppe,
gleich wird dir ein Dummkopf daraus.

Friedrich Schiller

Dienstag, 9. November 2010

China und die westliche Welt

China ist gewissermaßen organisiert wie ein großer Industriekonzern. Niemals würde man in einem Industriekonzern eine demokratische Wahl eines Vorstandsvorsitzenden zulassen. Alles, aber auch alles hat sich im Konzern der Effektivität des Gewinnstrebens unterzuordnen. So muss sich auch in China alles dem
Gemeinwohl unterordnen.

.

Kaum einer käme auf die Idee, zu fordern, dass das im Industriekonzern anders sein sollte. Jeder ordnet sich unter. So kommt auch kein normaler Chinese darauf, an dem dortigen System etwas Unberechtigtes zu erkennen.
Es besteht dort gewissermaßen ein Einklang des politischen, gesellschaftlichen und des industriellen Systems.



Man kann auch sagen, dass jeder Industriekonzern ein kleines China darstellen muss. Das chinesische Herrschaftssystem befindet sich in seinem Entwicklungniveau etwa auf der Stufe der alten ägyptischen Hochkultur.

Ägyptisches System im Wirtschaftsleben
Die Industrie ist bei uns aber noch immer nach dem Modell dieses uralten Systems organisiert, nach dem ägyptisch-pharaonischen System, das bei uns in Mitteleuropa in der Form der Monarchie noch lange weiter existierte und in der katholischen Kirche bis heute seinen deutlichen Ausdruck findet. Keiner merkt aber, dass es in der Industrie noch überall anerkannt wird. Dieses Modell war aber nur richtig für die ägyptische Zeit vor 4000 - 6000 Jahren.

Griechisches System im politischen Leben
Die Politik wird noch immer nach dem griechischen Modell der Demokratie, wie es vor über 2500 Jahren entwickelt und geübt wurde, organisiert.



Neuzeitliches System im gesellschaftlichen Leben 
Die Gesellschaft aber besteht aus Menschen, die seit etwa 500 Jahren ein ganz anderes, neues Bewusstsein ihres Lebens ausbilden. Wir haben es heute an erster Stelle mit individuellen Menschen zu tun. Menschen, die sich nicht mehr in eine industrielle Zwangs-Monarchie einordnen können, ohne daran zu leiden und krank zu werden.

Menschen, die sich nicht mehr dauerhaft und natürlicherweise in Gemeinschaften eingliedern können und wollen, ohne sich zu reiben und zu entzweien.
Für die heutige, individuelle Bewusstseinsstufe ist weder das gesellschaftliche, das politische System noch das industrielle System passend organisiert.

Forderungen nach Volksentscheid zeigen dieses politische Aufbegehren. Aber auch diese Forderung nimmt unbeholfener Weise immer noch das griechische System zum Vorbild und hat noch kein Modell für diese Zeit des modernen Bewusstseins gefunden.

Auch in dem zu gewissen Zeiten durchaus zeitgemäß organisierten Modell der kollegialen Selbstverwaltung der Waldorfschulen kommt es immer wieder zur Übernahme des überholten demokratischen Modells und damit zum Rückfall in alte Zeiten.

Sonntag, 7. November 2010

Earth at Night

Klicken Sie da doch mal drauf...


Der Wirtschaftskreislauf von Wachsen und Vergehen

Wenn man im Herbst erlebt, wie die Blätter fallen und am Boden das Laub vergeht, dann weiß man, dass aus dem Laub der Humus wird, der den Boden für das weitere Wachstum der Pflanzennatur bildet. Ein wunderbarer Kreislauf aus Leben und Sterben.

Man fühlt sich an den Wirtschaftsprozess erinnert. Das Geld ist wie das Laub. Es wächst quasi im Wirtschaftsprozess heran und vergeht im Konsum- oder auch im Schenkungsprozess. In diesem Vergehen liegt immer die Grundlage für das Weitergedeihen des Wirtschaftslebens. 

Goldenes Laub

Ein bisschen von dem Lebensprozess der Bäume bleibt auch dauerhaft, weil es sich im Wachstum von Holz und Ästen befestigt hat. So wird auch ein gewisser Teil des Geldes in der dauerhaften Sicherung der Existenzgrundlagen von Häusern, Fabriken, Infrastruktur oder Maschinen angelegt.

Auch neue Bäumchen können unter Umständen heranwachsen aus den Samen. Das wären in diesem Vergleich Kredite für Investitionen in neue Unternehmensideen.
Flächenkompostierung

Nur ein Unding wäre das Laub, das nicht vergehen wollte. Das ewig bleiben sollte. Das entspräche einer Anhäufung von Geld, ohne dass es in Investitionen, Neugründungen, Konsum oder Schenkungen gleich nach dem Sommer wieder verginge.

Einer, der Geld als Reichtum anhäufen möchte, käme einem Menschen gleich, der von den Bäumen Laub aus goldenen Talern herabregnen lassen wollte. Diese Laubtaler würden sich auf dem Boden stapeln und häufen, keinen Humus bilden und mit der Zeit den Lebensprozess des Baumes ersticken und ertöten. 

Dünger: Was pflanzen stark macht

Häufen sich also in der Welt Geldmassen in großer Weise an, dann erstickt daran der Geld- und Wirtschaftsprozess.

Es muss dann zu Zwangsverrottungen kommen. Viele goldene Geld-Laubhaufen und die Fabrik-Bäume sterben und vergehen dann aus scheinbar unerklärlichen Gründen.

So mussten in den letzten beiden Jahren eben Billionen an Geldsummen vergehen, Fabriken und Betriebe schließen, damit der Wirtschaftslebensprozess wieder weitergehen konnte.

Freitag, 5. November 2010

Ehemalige Waldorfschülerin: Diana Kerry

Diana Kerry, Schwester des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten John Kerry berichtet über die Zeit, die sie an der Rudolf -Steiner-Schule in Berlin im Jahre 1954 (im Alter von 7) verbrachte, während der Vaters dort als Diplomat beim amerikanischen Konsulat arbeitete:

"Damals gingen wir gemeinsam in die Rudolf-Steiner-Schule, nur ein paar hundert Meter von unserem Haus entfernt. Der Unterricht war auf Deutsch. Ich habe natürlich am Anfang nicht viel mitbekommen. Bei einem Theaterstück, musste ich den Teufel spielen – der hatte keinen Text. Am Ende konnte ich aber das ganze Stück auswendig. Ich habe schnell Deutsch gelernt, auch John kann noch ein paar Worte. Ich glaube, diese Zeit in Berlin hat irgendwie die Weichen für mein Leben gestellt. Ich liebe andere Länder, bin später als Lehrerin jeweils für mehrere Jahre nach Teheran, Paris, Bangkok und Jakarta gegangen." (Der Tagesspiegel, 2. November 2004)

Donnerstag, 4. November 2010

Ehemalige Waldorfschülerin: ISE BOSCH

filia-Gründungsstifterin und Vorstandsfrau – Ise Bosch

„Spendenarbeit ist für mich politische Arbeit, soziales Engagement. Und da bin ich nun mal parteiisch für Frauen."
"Und warum nur für Frauen? Warum grenzen Sie sich so ein? Es gibt doch auch Männer auf der Welt, und Kinder!"

Dieser Frage begegne ich oft, wenn ich von meiner Spendenarbeit erzähle. Sie kommt besonders häufig von Frauen - vielleicht, weil Männer sich nicht trauen, sie zu stellen, weil sie mir nicht zu nahe treten wollen, weil sie nicht das Gefühl haben, genug von der Materie zu verstehen, oder im Gegenteil, weil sie eine andere, feststehende Meinung haben.

"Funding Norm doesn't fund Norma" - wer der Norm entsprechend fördert, vernachlässigt automatisch die Frauen. Nur ein Bruchteil der Fördergelder, die durch Stiftungen vergeben werden, erreichen im Endeffekt Frauen, das zeigen Untersuchungen. Stiftungen bilden das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern ab - auch wenn sie ja eigentlich dazu da sind, die Schwächeren zu unterstützen. Frauen brauchen Förderung. Denn: die allermeisten sozialen Probleme treffen Frauen am härtesten. Armut, Gewalt, Migration, Bildung... Weltweit. Finden Sie Gegenbeispiele?! Ich finde nicht viele.

Kinder sind unsere Zukunft. Und wer Kinder effektiv fördern will, sollte deren Mütter und Erzieherinnen fördern. Überall auf der Welt ist das so. Selbst die Weltbank richtet seit geraumer Zeit ihre Förderung gezielt an Frauen (zumindest auf dem Papier).

Das sind Argumente. Argumente überzeugen in meiner Erfahrung sehr oft nicht - weil hinter der Frage mehr steht als eine Frage, die eine Antwort sucht - ein Stück Lebensgeschichte nämlich, und die will zuerst verstanden sein. Hier ist meine:

Als ich im Studium in den USA den Feminismus, die Frauenforschung kennenlernte, wandelte sich meine Sicht der Gesellschaft insgesamt. Ich arbeitete ehrenamtlich in Frauenprojekten und lernte, was es bedeutet, gute Ideen, Motivation, aber zu wenig Geld zu haben. Ich arbeitete mit bei frauenpolitischen Initiativen und bekam es satt, immer unterfinanziert zu sein. Ich bediente die Kasse bei Frauenkonzerten und hörte die Gästinnen über die hohen Eintrittspreise schimpfen - und wusste doch, viele dieser Frauen HABEN Geld, sie sind nur nicht gewohnt, es bewusst einzusetzen. Wer Frauenkultur will, muss in sie investieren. Ich überprüfte meine eigenen Einstellungen zum Reichtum, der so wenig mit meinem Lebensstil zusammenpasste. Und ich ließ mir von Freundinnen sagen: "put your money where your mouth is".

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland begann ich das umzusetzen. Der erste Schritt war die eigene Steuerberaterin - um mich selbst zu zwingen, die geerbte und mit der Familie verflochtene Vermögenslage zu durchschauen. Da guter Rat durch andere Erbinnen extrem wohltuend und inspirierend ist, gründeten wir gemeinsam „Pecunia e.V.“, das Erbinnen-Netzwerk. Und weil wir sozial aktiv werden wollten mit dem geerbten Geld, entstand filia.die frauenstiftung. .... Quelle: http://www.filia-frauenstiftung.de/inhalt/philanthropinnen-und-feminismus/filia-stifterinnen/ise-bosch.html

Mittwoch, 3. November 2010

Schule in USA

In diesem Bericht eines Austauschschülers erfährt man mehr über Amerika als in einem ganzen Jahr durch eine Tageszeitung:

Austausch-Log USA


Maximilian Lüderwaldt, 17, staunte nicht schlecht, als an seiner Schule eine Art Massen-Outing stattfand. Und als er einem Deutsch-Kurs von seiner Heimat erzählte, traute er seinen Ohren kaum.

Da zappt man in seinem Auslandsjahr ab und an mal durch das amerikanische Fernsehen, und alles, was man sieht, sind entweder besonders glückliche oder total am Boden zerstörte Teenager. Und dann geht man am nächsten Tag in die Schule und sieht das ganze wieder - diesmal im echten Leben.

Den sogenannten Challenge Day, der vor Kurzem auch an meiner Schule über die Bühne ging, veranstalten Mitarbeiter eines Projektteams. Sie bauen durch ihre eigenen dramatischen Lebensgeschichten eine emotionale Stimmung auf, und im Laufe des Tages ist es an den Schülern, sich in diversen Gesprächsrunden und Aktivitäten immer weiter zu öffnen und ebenfalls über schlimme Erlebnisse in ihrem Leben zu erzählen.


Etwa 80 Prozent der Schüler plaudern ihr ganzes Privatleben aus. Am Schluss weiß die ganze Schule über die Probleme und Problemchen aller Bescheid. Es wird dramatisch, Mobber entschuldigen sich bei den Gemobbten, Freundschaften werden versprochen, vor allem fließen Tränen. Am nächsten Tag in der Schule ist alles wieder wie vorher.




Footballstars, die keinen Cent verdienen


Die meisten Schüler sind begeistert, Gefühle ausdrücken und große Emotionen sind hier in - das kommt einem als Deutschen in dem Ausmaß etwas fremd vor. Doch genau das sind die spannenden Momente in einem Auslandsjahr: das Beobachten von Kulturunterschieden.


Was in Deutschland der Fußball jede Woche aufs Neue schafft, gilt hier für American Football. Ich besuchte mit meiner Gastfamilie das Footballmatch zweier Universitäten, Ohio State University gegen Indiana University in Columbus. Das Stadion dort, in der Hauptstadt meines Heimatstaats Ohio, ist das sechstgrößte Stadion der Welt. Sitzt man auf der Tribüne und blickt auf das Meer von rotgekleideten Menschen, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus.


Die Spieler, die bei jedem Spiel über 100.000 Zuschauer anlocken, sind zwar Stars - doch sie verdienen keinen Cent. Sie trainieren und spielen aus "Liebe zum Sport und ihrer Universität", so das Leitbild. Vor dem Spiel findet in der ganzen Stadt sogenanntes "tailgating" statt: Schon am Tag zuvor sichern sich Fans Plätze mit ihren Zelten, Hot-Dog-Grillern und Fernsehern, um am nächsten Tag das Event zu feiern. Das Spiel als solches wird kaum verfolgt, Football ist vor allem ein soziales Event, "to socialize", wie das Zauberwort der Amerikaner heißt.


Keine Chance dem "dirty dancing"


Ein besonderes Event für US-Teenager ist Homecoming, ein meist im Oktober über die Bühne gehender festlicher Anlass mit Sportereignis und Tanz. Wer mit wem in welcher Gruppe mit welcher Kleidung zum Essen ausgeht und danach gemeinsam zum Tanz fährt, beherrscht schon Wochen vor dem Ereignis alle Gespräche in der Schule.


Mädchen zittern, ob sie wohl ein Junge für ein Homecoming-Date fragen wird; es wird eine Homecoming-Queen gewählt; Gruppen werden gebildet. Die Schule sorgt sich derweil um den Tanzstil ihrer Schüler. Meine Schule handhabt das weniger strikt. Eine andere Schule, nicht weit von hier entfernt, filmt die Schüler live beim Tanz, und Eltern verfolgen das Gefilmte - um dem dirty dancing, wie es hier genannt wird, einen Riegel vorzuschieben.


Ein Vorurteil lautet, Amerikaner lebten in ihrer eigenen Welt, und alles, was nicht ihr Land betreffe, interessiere sie auch nicht, außer vielleicht ein paar Kriegsberichte. In dem Ort, in dem ich lebe, trifft das nicht zu. Als ich aber eine andere Highschool besuchte, um dort zu Schülern in deren Deutschunterricht zu sprechen, hörte ich das erste Mal die klassischen Fragen, die angeblich jeder Austauschschüler einmal über sich ergehen lassen muss.


Eine Schülerin kriegte sich vor Staunen gar nicht mehr ein, als ich ihre Frage bejahte, ob es in Deutschland Internet gebe. Als die Lehrerin hinzufügte, dass ich sogar ein Facebook-Profil hätte, hörte das Mädchen endgültig auf, meinen Worten zu glauben - "das kann doch nun wirklich nicht sein".

Montag, 1. November 2010

Architekt: Stefan Behnisch - ehemaliger Waldorfschüler

Born 1957 Stuttgart
1964 - 1976 Freie Waldorfschule in Stuttgart
1976 - 1979 Studies in Philosophy, Philosophische Hochschule der Jesuiten, Munich
1978 Bakkalaureus Artius of Philosophy
1977 - 1979 Studies in Economic Sciences, Ludwig Maximilians University, Munich
1979 - 1987 Studies in Architecture, University of Karlsruhe
1984 - 1985 Works at Stephen Woolley & Associates, Architects in Venice, California/USA
1987 - 1989 with Behnisch & Partner, Stuttgart


Behnisch Architekten


Norddeutsche Landesbank am Friedrichswall, Hannover, 2002



Behnisch Architekten ist ein weltweit agierendes Architekturbüro mit einem breiten Leistungsspektrum. Das Architekturbüro Behnisch Architekten bearbeitet sowohl für öffentliche, als auch für private Auftraggeber Projekte in allen Bereichen von Schulen und Universitäten über Wohnbauten, Verwaltungsgebäude, Museen und Konzerthallen bis zu Sportanlagen und Schwimmbädern.

Das Stuttgarter Büro Behnisch Architekten wurde 1989 von Stefan Behnisch gegründet, ursprünglich als Zweigbüro von Behnisch & Partner, dem Büro von Günter Behnisch.

1991, zwei Jahre nach der Gründung, wurde das Büro unabhängig und begann, Projekte nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland zu realisieren. 1999 wurde ein weiteres Büro in Los Angeles, Kalifornien, gegründet und 2007 folgte ein drittes in Boston, Massachusetts.

Seit 2005 firmiert das Büro als Behnisch Architekten. Vorher verwendete Namen spiegelten die jeweiligen Partnerschaften wider, zum Beispiel Behnisch, Behnisch & Partner. Geleitet wird das Büro von Stefan Behnisch, David Cook und Martin Haas, die Büros in den USA – Behnisch Architects, Inc. in Los Angeles und Behnisch Studio East in Boston – von Stefan Behnisch und Christof Jantzen. Zusammen beschäftigen die drei Büros gut 90 Mitarbeiter.

Stefan Behnisch: „Aufträge von Diktatoren lehne ich ab“

Stefan Behnisch wurde die Architektur in die Wiege gelegt: Sein Vater Günther Behnisch erlangte mit dem Bau des Olympiageländes in München weltweite Bekanntheit. Aber auch Stefan Behnisch ist mittlerweile sehr gut im Geschäft. Im Interview erklärt der Schwabe, warum er Aufträge von Diktatoren ablehnt, nicht an Genieskizzen glaubt und wie er Machtdemonstrationen des Kapitals einschätzt.

Herr Behnisch, Ihr Vater hat mit den Anlagen für die Olympischen Spiele 1972 in München Architekturgeschichte geschrieben. Sie haben erst Philosophie studiert, und sind dann schließlich doch Architekt geworden. Warum?

Als ich auf das Abitur zugesegelt bin, ist jeder davon ausgegangen, dass ich Architektur studiere. Warum, weiß ich nicht. Denn Architektur ist ja keine Erbkrankheit. Und ich habe dann einfach nicht Architektur studiert. Philosophie hat mich interessiert und ich habe es als Studium generale bei den Jesuiten studiert, obwohl ich gar nicht katholisch bin. Parallel dazu habe ich noch Volkswirtschaft gehört. Mein Traum war es eigentlich, Journalist zu werden. Die Architektur hat mich aber nie losgelassen. In meinem Freundeskreis waren einige Architekten. Und dann kam ich zu der Überzeugung, aus Prinzip nicht Architektur zu studieren, ist genauso unsinnig, wie aus Prinzip Architektur zu studieren, und habe mich in Karlsruhe eingeschrieben.

War es eher von Vorteil oder Nachteil, den Namen Behnisch zu tragen?

Natürlich hatte es Vorteile. An der Uni ist das noch untergegangen, da ich zu einer Zeit studierte, in der sich alle mit Vornamen ansprachen. Meine Kommilitonen und Professoren haben fast das gesamte Grundstudium gebraucht, um herauszufinden, welcher von den Stefans "der Behnisch" ist. Ich habe jedenfalls nie mitbekommen, dass es hieß, da kommt der Behnisch, der Schnösel. Später, im Büro meines Vaters war die Situation schwieriger, da durch meine Anwesenheit immer ein zweiter Behnisch im Büro war. Mein Vorteil war aber, dass ich fließend Englisch und Französisch gesprochen habe, was damals noch nicht so üblich war. So kam es, dass ich Auslandsprojekte bearbeitet habe, wie zum Beispiel die Bewerbung Istanbuls für die Olympischen Spiele 2000.

Wie und wann sind Sie dann aus seinem Schatten getreten?

Mein Vater und ich haben recht schnell festgestellt, dass wir am besten örtlich getrennt voneinander arbeiten können. Im Jahr 1989 gründete ich dann mit seiner Unterstützung erst einen Büroableger in Stuttgart, der 1991 selbstständig wurde. Viele Jahre war mein Vater stiller Partner in meinem Büro. Inhaltlich haben wir viele Jahre zusammengearbeitet. Die Büros agierten jedoch nach außen und organisatorisch völlig unabhängig. Der Name Behnisch hat uns von Anfang an großes Vertrauen bei den Auftraggebern gebracht. Viele haben unsere Gesellschafterstruktur aber auch einfach nicht durchschaut. Wir sind durch Wettbewerbserfolge sehr schnell gewachsen. Nach zwei Jahren hatten wir schon 80 Mitarbeiter.

Die deutsche Automobilindustrie hat sich mit dem Porsche- und dem Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart und der BMW-Welt in München eigene Landmarken gesetzt. Wie bewerten Sie das?

Das sind Machtdemonstrationen des Kapitals. Früher haben sich andere Institutionen, wie die Kirchen, die Aristokratie, später dann der Staat so dargestellt. Heute hat die Industrie die finanziellen Mittel für solche Bauwerke. Dass die Institutionen, die über die finanziellen Mittel verfügen, kulturelle Wahrzeichen setzen, finde ich in Ordnung. Die großen Familien der Renaissance haben auch nichts anderes getan. Dies hat sich im Lauf der Geschichte schon oft geändert, und ich bin gespannt, wer der Nächste sein wird. Man sollte immer im Auge behalten, dass das Kapital in den jeweiligen Zeiten das Schaffen des kulturell Großen erst ermöglicht hat.

Hat die deutsche Wirtschaft die Architektur wiederentdeckt?

Nein, ich glaube nicht, dass die deutsche Wirtschaft die Architektur als kulturellen Wert entdeckt hat. Wie sollte sie auch. Kulturelle Werte wurden zumindest in der Architektur nur selten als solche ohne Eigennutz geschaffen. Auch im Barock, in der Renaissance standen handfeste wirtschaftliche Interessen Pate für die Schaffung großartiger Bauten. Die Wirtschaft hat vielmehr erkannt, dass die Architektur ein guter Träger für das Image eines Unternehmens sein und damit zum Erfolg beitragen kann.

Welchen Stellenwert hat die Architektur in Deutschland insgesamt?

Einen geringen, wenn wir die Architektur als kulturelles Schaffen betrachten. Das sehen Sie auch daran, dass die Architektur im Bundesbauministerium hinter dem Schienennetz angesiedelt ist. Einen Bundesbauminister Tiefensee mag man persönlich sehr wertschätzen, von Architektur hat er aber wenig Ahnung. In der Politik wird Architektur bloß als Infrastruktur gesehen. Und wenn es um "große Architektur" geht, bedienen wir uns gerne ausländischer Architekten, was an sich in Ordnung wäre, würde es reziprok ähnlich gehandhabt. In den USA, in Frankreich oder den Niederlanden ist man da wesentlich selbstbewusster und entspannter. Wir leben hier mit einem politischen Systemfehler.

Sonntag, 31. Oktober 2010

1000 Jahre Michaeliskirche - Hildesheim

Zu den großen Bauwerken Norddeutschlands gehört die Kirche St. Michael in Hildesheim. Diese ist ganz mit dem Namen des Bischof Bernward verbunden.
Im Zuge der 1000-jährigen Wiederkehr des Gündungsdatums wurde sie renoviert.

Wie eine Trutzburg liegt sie auf einer leichten Anhöhe mitten in der Stadt



Ein großer Innenraum eröffnet sich in klaren, erhabenen romanischen Formen:

Datei:Hildesheim St Michael.jpg

In dieser Kirche befindet sich im Westen eine Krypta, in der der Sarkophag des Bernward aufbewahrt ist:



Mittwoch, 27. Oktober 2010

Stimmen zur Waldorferziehung:

"Wenn ich ein Kind im schulpflichtigen Alter hätte, würde ich es zu einer Waldorfschule schicken." 

Saul Bellow, Autor, Nobelpreisträger sb.jpg
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"Soweit ich persönlich eine Reihe von Waldorfschüler kenne, kann ich sagen, dass sie der Realisierung ihrer eigenen Potentiale näher kommen, als praktisch jeder den ich kenne."
Joseph Weizenbaum, Ph.D., Professor, Massachusetts Institute of Technology,
Autor, Computer Power and Human Reason 
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07.03.08

In Memorian: Joseph Weizenbaum (1923 - 2008)

weizenbaum-zurich-eth-2007-028-breit.jpg
Am Radio erreicht uns heute die Botschaft, dass der Computer Pionier Joseph Weizenbaum kürzlich verstorben ist. Weizenbaum war ein High-Tech Dissident. Ich hatte Gelegenheit, ihn im letzten Sommer an der ETH Zürich zu treffen. Zum ersten und letzten Mal.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Ehemaliger Waldorfschüler - Odd Nerdrum

From Wikipedia, the free encyclopedia

Odd Nerdrum



Born April 8, 1944 (age 66) Sweden, Nationality Norwegian

Odd Nerdrum (born April 8, 1944 in Sweden), is a Norwegian figurative painter. The style and themes in Nerdrum's work, based onanecdote and narrative place him in direct conflict with the abstraction and conceptual art considered acceptable in much of his native Norway.

Nerdrum creates six to eight paintings per year that have been categorized as: Still life paintings of small objects like bricks, portraits and self portraits whose subjects are dressed as if from some other time and place, and large paintings, allegorical in nature that present a sense of the apocalyptic, and again reference another time.[1]

Nerdrum claims that his art should be understood as kitsch rather than art as such. "On Kitsch", a manifesto composed by Nerdrum describes the distinction he makes between kitsch and art.

Return of the Sun, 1986-1995, 41 3/4" X 63 1/2", Oil on Canvas

Biography

Early education


Nerdrum began his formal education in 1951 in Oslo, in a private Rudolf Steiner school rather than in the standard, public school system. This education would set Odd apart from his contemporaries. The system was based on anthroposophy that saw mankind as once living in harmony with the universe but now existing in a lesser state of rationality. Through spiritual or esoteric practice, Steiner believed mankind could find its way back to a connection with higher realities and to renewed harmony with the universe. Learning for students was often kinesthetic, for example, through dramatic enactments of history and fantasy, and through musical exercises that were reminiscent of the patterns found on ancient Greek vases, depicting figures moving in parallel patterns. These parallel patterns could be found in later Nerdrum work, as can a sensibility for iconographic images and costume.

Jens Bjørneboe, a grade school mentor said Nerdrum even at that age exhibited tendencies of innate talent and industry, but also impatience with those with less abilities than himself.[3]

Artistic study


Nerdrum began study at the Art Academy of Oslo, but became dissatisfied with the direction of modern art, and began to teach himself how to paint in a Neo Baroque style, with the guidance of Rembrandt's technique and work as a primary influence. Of the impact he felt on seeing two of Rembrandt's paintings Batavernes Oath of Claudius Civilis, and Simon bless the baby Jesus, Nerdrum says it was "Pervasive. Like finding home. I can say I found a home in this picture,... The strange thing with Rembrandt is the confidence he inspires - like when you warm your hands on a stove. Without Rembrandt [we][art] would have been so poor,"[4] By abandoning the accepted path of modern art, Nerdrum placed himself in direct opposition to most aspects of the school, including his primary painting instructor, his fellow students, and a curriculum designed to present Norway as a country with an up-to-date artistic culture. He, in his own words was chased from the academy after a two-year period like a "scroungy mutt". Years later Nerdrum said,

RUDOLF STEINER IN PRAG

"Zur Geschichte der tschechischen anthroposophischen Bewegung

von Zdenek Varna

Die geistige Atmosphäre einer Stadt Prag gehört zu jenen Städten, die mit dem Lebenswerk Rudolf Steiners eng verbunden sind. Prag war eines der ersten Zentren der anthroposophischen Bewegung überhaupt und kann für sich sogar in Anspruch nehmen, die außerhalb rein deutschsprachiger Gebiete von Rudolf Steiner am häufigsten besuchte Stadt gewesen zu sein. Wie verschiedene Zeitgenossen bezeugten, kam Rudolf Steiner sehr gerne an diesen Ort, ja er liebte die «Goldene Stadt» und sprach sich verschiedentlich dankbar darüber aus, dass seine Vorträge hier eine so positive Aufnahme fänden. Zweifellos war in diesem Zusammenhang auch die besondere Aura dieser Stadt von Bedeutung, einer Stadt mit einer tausendjährigen geistigen Tradition, in der die Kulturströme aus allen Himmelsrichtungen Europas zusammentrafen und wieder in sie hinausstrahlten. Rudolf Steiner hat sich gegenüber seiner Gastgeberin Ida Freund, als er vom Fenster ihres Hauses das eindrucksvolle Panorama des Hradschins erblickte, eingehend über die hohe Geistigkeit dieser Stadt ausgesprochen. Er kannte sich schon bald sehr gut aus in den engen Gassen der Altstadt und schätzte ihre Sehenswürdigkeiten. Besonders die Wenzelskapelle im St. Veits-Dom und ihre mystische Beziehung zur Kreuzkapelle auf dem Karlstein haben ihn tief angesprochen. Dasselbe gilt auch für das alte Uhrwerk am Prager Rathaus mit den defilierenden Aposteln, dessen sagenhaften Ursprung er in den am 25. und 27. Januar 1916 in Berlin gehaltenen Vorträgen (in «Notwendigkeit und Freiheit im Weltengeschehen und im menschlichen Handeln», GA 166) ausführlich besprach. Auch die Goldene Gasse auf dem Hradschin mit ihren winzigen Häuschen und ihrer alchymistischen Tradition hat ihn bezaubert und inspiriert.


Zu dieser geistigen Atmosphäre der Stadt, in der sich Rudolf Steiner so wohl fühlte, haben viele geschichtliche Faktoren beigetragen: Die ersten Heiligen im frühen Mittelalter, vor allem die michaelische Gestalt des hl. Wenzels; die mystischen Stimmungen in der Regierungszeit des - so die Worte Rudolf Steiners - «letzten eingeweihten Kaisers», Karl IV., die in vielen Bauten ihre deutlichen  Spuren hinterlassen haben; die bewegte Epoche von Jan Hus, des ersten Repräsentanten der tschechischen Bewusstseinsseele und die hussitischen Kämpfe um die Freiheit des Gewissens; das Streben der Böhmischen Brüder um ein reineres Christentum und endlich das Ende des 16. und der Anfang des 17. Jahrhunderts, die Zeit von John Dee, Tycho de Brabe, Johannes Kepler, J. A. Comenius u. a., als Prag zum Zentrum der alchymistischen und rosenkreuzerischen Bestrebungen wurde."

Montag, 25. Oktober 2010

Geomantie in Prag

Quelle: http://www.geomantie.net/article/read/5783.html

Geopunkturkreise

Ankerpunkte für eine neue Kulturbildung, Teil 4:
Die Steinkreise im botanischen Garten von Prag

von Jan Tajbos erschienen in Hagia Chora 29/2008
Seit vielen Jahren erforscht eine Geomantie-Gruppe in Prag die Stadtlandschaft der Hauptstadt Tschechiens. Gemeinsam mit Marko Pogačnik wurden bereits Lithopunkurprojekte verwirklicht. Im Sommer 2007 wurde die Stadt im Rahmen des Projekts „Ganzheit“ durch zwei neu errichtete Steinkreise in das weltweit im Entstehen begriffene Netz der Geopunkturkreise eingebunden.
Das Projekt „Ganzheit“ entstand im Jahr 2006 in Prag. Es ist ein Konzept für eine Reihe kreativer Aktivitäten, durch die Menschen zu einem harmonischen Leben inspiriert werden sollen. Im Jahr 2007 fanden unter diesem Motto vor allem Veranstaltungen statt, bei denen man die Natur erfahren und geomantische Landschaftsphänomene in der tschechischen Republik kennenlernen konnte. Für mich sind diese Phänomene ein bedeutender Bestandteile einer Ganzheit, nämlich der Ganzheit der Natur unseres Planeten. So unternahmen wir geo mantische Seminare und Wanderungen im Erzgebirge, bei denen wir die ursprünglichen Kräfte der Erde in der Landschaft wahrzunehmen lernten. Aus dem Erz gebirge schöpft Tschechien die wichtigsten Impulse und Qualitäten für das Leben des Landes. An einer dieser Veranstaltungen, die von Ana Pogaˇcnik geleitet wurde, hatten erstmals auch deutschsprachige Freunde teilgenommen.
Bereits seit vielen Jahren arbeiten Menschen in Prag geomantisch, viele wurden inspiriert durch die Arbeit des slowenischen Künstlers Marko Pogaˇcnik, der in den Jahren 2003 und 2006 in Prag ein Lithopunkturprojekt realisiert hat. Im Sommer 2007 sollte der Kosmos der tschechischen und Prager Landschaft nun im Sinn der „Ganzheit“ weiter gestärkt werden. Gemeinsam mit dem Verein „Cultura In Forma Bohemia e. V.“, dem Botanischen Garten im Prager Stadtviertel Troja und Marko Pogaˇcnik entstand die Idee, einen Steinkreis zu verwirklichen, der das Prager Lithopunkturprojekt in einen planetaren Zusammenhang einbinden würde – die Verwirklichung eines Geopunkturkreises. Geopunkturkreise, von denen in dieser Zeitschrift bereits mehrmals die Rede war (siehe Ausgabe 23, 24 und 25), sollen anders als übliche Lithopunktursteine nicht nur in ihrer Region geomantisch wirken, sondern sich in einen globalen Zusammenhang einklinken und gemeinsam mit anderen Geopunkturkreisen weltweit ihren heilsamen Einfluss auf den Planeten entfalten. Die ersten beiden solcher Steinkreise wurden in Zagreb, Kroatien, und in Tamera, Portugal, realisiert.
In den Jahren zuvor war es schwierig, von offizieller Seite Erlaubis für die Erdheilungs- und Lithopunkturprojekte zu erhalten. Aber als ich der Leitung des Botanischen Gartens erklärte, dass ihr Gelände auf einem bedeutenden Ort der Prager Landschaft liegt, und dass es erstrebenswert wäre, damit etwas zu unternehmen, stieß ich erfreulicherweise auf offene Ohren. Vielleicht war meine Überzeugungskraft in der Zeit, seit ich im Jahr 2000 erstmals mit Geomantie in Berührung gekommen war, gewachsen, vielleicht war auch einfach die Zeit reif für ein solches Projekt.

Der "Spezialfall" - von Rolf Dobelli

FAZ  - Klarer Denken
Warum Sie gut aufpassen sollten, wann immer das Wort Spezialfall fällt

Gehrer will abnehmen. Er setzt auf die XYZ-Diät. Jeden Morgen stellt er sich auf die Waage. Hat er im Vergleich zum Vortag an Gewicht verloren, erlaubt er sich ein Lächeln und schreibt das Resultat dem Erfolg der Diät zu. Hat er zugenommen, tut er es als normale Fluktuation ab und vergisst es. Monatelang lebt er in der Illusion, die XYZ-Diät funktioniere, obwohl sein Gewicht etwa konstant bleibt. Gehrer ist Opfer des Confirmation Bias (Bestätigungsfehler) – einer harmlosen Form davon.

Der Confirmation Bias ist der Vater aller Denkfehler – die Tendenz, neue Informationen so zu interpretieren, dass sie mit unseren bestehenden Theorien, Weltanschauungen und Überzeugungen kompatibel sind. Anders ausgedrückt: Neue Informationen, die im Widerspruch zu unseren bisherigen Ansichten stehen (in der Folge als Disconfirming Evidence bezeichnet, da ein passender deutscher Ausdruck fehlt), filtern wir aus. Das ist gefährlich. Tatsachen hören nicht auf zu existieren, nur weil sie ignoriert werden.

In der Wirtschaft wütet der Confirmation Bias besonders heftig. Ein Beispiel: Der Aufsichtsrat beschließt eine neue Strategie. In der Folge werden sämtliche Anzeichen für einen Erfolg dieser Strategie euphorisch gefeiert. Wo man auch hinschaut, es gibt reichlich Hinweise, dass sie funktioniert. Gegenteilige Indizien gibt es zwar auch, doch werden sie entweder gar nicht gesehen oder kurzerhand als „Spezialfälle“ und „unvorhersehbare Schwierigkeiten“ abgetan. Der Aufsichtsrat ist gegenüber Disconfirming Evidence blind.

...
Wie viel Überwindung es kostet, die eigene Theorie in Frage zu stellen, zeigt das folgende Experiment. Ein Professor legte seinen Studenten die Zahlenreihe „2, 4, 6“ vor. Sie mussten die zugrundeliegende Regel herausfinden, die sich der Professor auf die Rückseite eines Papierblatts geschrieben hatte. Die Probanden sollten eine nächste Zahl angeben, worauf er entweder mit „passt auf die Regel“ oder „passt nicht auf die Regel“ antworten würde. Dabei durften sie so viele Zahlen nennen, wie sie wollten, aber nur einmal raten, wie die Regel lautet. Die meisten Studenten sagten „8“, der Professor antwortete mit „passt auf die Regel“. Um sicherzugehen, probierten sie es noch mit „10“, „12“ und „14“. Der Professor antwortete jedes Mal: „Passt auf die Regel“. Daraufhin zogen die Studenten den Schluss: „Die Regel lautet: Addiere 2 zur letzten Zahl.“ Der Professor schüttelte den Kopf: „Das ist nicht die Regel, die auf der Rückseite dieses Blattes steht.“

Ein einziger gewiefter Student ging anders an die Aufgabe heran. Er probierte es mit „4“. Der Professor sagte: „Passt nicht auf die Regel.“ „7?“ „Passt auf die Regel.“ Der Student versuchte es weiter mit allerlei verschieden Zahlen: 24, 0, 9, -43. Offenbar hatte er eine Idee, und er versuchte, sie zu falsifizieren. Schließlich sagte er: „Die Regel lautet: Die nächste Zahl muss höher sein als die vorherige.“ Der Professor drehte das Blatt Papier um, und das war genau, was darauf stand. Was unterschied den findigen Kopf von seinen Mitstudenten? Während sie bloß ihre Theorie bestätigt haben wollten, suchte er nach Disconfirming Evidence. Schön für ihn und halb so schlimm für die anderen, mögen Sie denken. Aber auf den Confirmation Bias hereinzufallen ist kein intellektuelles Kavaliersdelikt.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.10.2010 Seite 29

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So gut, richtig und interessant dies einerseits ist, so wenig kann man diese Regel generell gelten lassen. Für manche Forschungsgebiete, z.B. um das Wesen einer Sache zu erfassen, wird man viele widersprüchliche Beobachtungen machen. Man muss dann beginnen auch gegensätzliche Symptome zu gewichten, unwesentliches auszufiltern, um zum Kern der Sache zu kommen. 
Auch neue, zukünftige Tendenzen kann man nicht auf diese Weise erfassen. Sie treten zunächst vereinzelt auf und müssen mühsam aufgefunden werden.




Samstag, 23. Oktober 2010

Vyscherad

Zu den eindrucksvollsten Orten von Prag gehört der Vyscherad. Hoch erhebt sich dieser Hügel mit einer Kathedrale und weiteren Bauten und Befestigungsanlagen direkt über dem Moldauufer.
Mit diesem Ort verbinden sich für die Stadt und das Land wichtige Mythen, auf die in dem Beitrag unten eingegangen wird:

Quelle : 
http://www.radio.cz/de/rubrik/spazier/fuerstin-libussa-und-vysehrad

Fürstin Libussa und der Prager Vysehrad

Von Martina Schneibergova.
Vysehrad - St.-Peter- und Paulus-KircheVysehrad - St.-Peter- und Paulus-Kirche...Verhältnismäßig ausführlich erzählt der Chronist Kosmas über Libussa und ihre Schwestern, die Töchter des Herrschers Krok waren. ...
Die älteste von Kroks Töchtern, Kazi, wurde traditionsgemäß für eine hervorragende Ärztin gehalten, die mit Heilkräutern verschiedene Krankheiten zu kurieren wusste. ...
Die zweite der Töchter, Teta, war Fürstin. ...Die dritte Schwester, Libussa, war - wie der Chronist betont, was das Alter betrifft, die jüngste, was jedoch ihre Weisheit anbelangt die älteste der Schwestern. Sie soll eine einzigartige Frau gewesen sein, die schlagfertig zu reden wusste. Alle Töchter Kroks hatten ihre eigenen Sitze - die nach ihnen benannten Burgen Kazin, Tetin und Libusin. Kosmas schrieb, dass Libussa ihre berühmte Prophezeiung über die Stadt Prag in der Gemeinde Libussin unweit von Kladno ausgesprochen hat.
...Nach Jirasek hatte die legendäre böhmische Fürstin Libussa auf dem Felsen über der Moldau ihren Sitz. Libussas Vater Krok hatte diesen Platz bestimmt. Da Libussa besonders begabt war, wurde sie Nachfolgerin ihres Vaters im Herrscheramt. ...
Libussa als Seherin zeigte ihren Boten den Platz, wo sie den böhmischen Fürsten treffen würden. Die Boten ließen sich von Libussas Pferd führen und fanden einen Pflüger namens Premysl. Seitdem herrschte er und seine Nachkommen - die Premysliden - über den Stamm der Tschechen. Libussa wurde als Seherin verehrt und sie hatte in einer Vision den Ort für die Gründung Prags bezeichnet und der Stadt eine große Zukunft prophezeit.
Vysehrad - St.-Peter- und Paulus-KircheVysehrad - St.-Peter- und Paulus-KircheSoweit also die Sagen, die mit Libussa und dem Vysehrad verbunden sind. In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts und im 11. Jahrhundert war der Vysehrad eine bedeutende Burg der böhmischen premyslidischen Fürsten. Die Blütezeit erlebte der Vysehrad unter dem böhmischen Fürsten und dem späteren ersten böhmischen König Vratislav im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts. Streitigkeiten mit seinem Bruder, dem Bischof Gebhart, bewogen Vratislav zur Übersiedlung von der Prager Burg auf den Vysehrad, wo er ein Stiftskapitel errichtete, das nicht dem Prager Bischof, sondern direkt ...





Sagenhafte Gründerin Prags und Ahnherrin des Geschlechts der Przemysliden.
Sie war die Tochter des Fürsten Krok und der Baumnymphe Niva (Krokowka). Das Leben der Mutter war als Baumnymphe (Hamadryade) sympathetisch mit dem Leben einer Eiche verbunden: „... altert die Eiche, die das Los des Schicksals zur Mitgenossin des Lebens mir zugeteilt hat, so altern wir mit ihr; und stirbt sie ab, so sterben wir dahin und schlafen gleich den Sterblichen einen Todesschlaf“ (Musäus). Daher bat Niva den Knappen Krokus, das Leben des Baumes, das so eng mit dem ihren verbunden war, zu schützen. Sie gebar Krokus drei Töchter, denen sie übernatürliche Gaben vererbte: Kasza, der ältesten, die geheime Kunde der Kräuter und Arzneien, Tetka die Gabe der Zauberei und Libussa, der jüngsten, männlichen Tatendrang und Klugheit. Durch Niva gewinnt Krokus grosse Weisheit, so dass ihn die Tschechen zu ihrem König wählen. Als die Eiche vom Blitz getroffen wird, muss Niva sterben. Kurze Zeit danach stirbt auch Krokus und Libussa wird seine Nachfolgerin. Die Tschechen aber wünschen einen Mann zum König. Libussa sieht voraus, dass der künftige König das Volk unterdrücken werde, aber sie beteiligt sich an der Suche nach ihrem zukünftigen Gemahl und Herrscher; ihr weisses Pferd werde ihn finden. Der Schimmel bleibt vor einem pflügenden Bauern namens Primislaus stehen, der den Ruf annimmt. Auf Libussas Rat gründet er die Stadt Prag, die einer grossen Zukunft entgegengeht.
Die Sage wird zuerst in der lateinischen Chronik des Cosmas von Prag um 1125 erzählt. Hier werden volkstümliche Motive bewusst zu einer Geschichte des Geschlechts der Przemysliden zusammengefügt, das durch seine Abkunft von einem naturmagischen Wesen, der mit übernatürlichen Gaben versehenen Nymphe, seine Exklusivität nachweist (Melusine). Diese Sage wird in der tschechischen Reimchronik des Domherrn Dahmil Anfang des 14. Jh.s noch erweitert. Auf ihr fusst die Chronik des Wenzeslaus Hajek von Libotschan (1539), die schliesslich zur Grundlage der Biographie des Herrschergeschlechts und der Geschichte des tschechischen Volkes wird, die mit all ihren sagenhaften Zügen bis zum Ende des 18. Jh.s als historisch angesehen wurde.







  




"Gott lebt im eigenen Innern"
Die Goldenen Sprüche des Pythagoras (Teil V)
XIII.
Weh' über die Blinden, die Gott nicht im eigenen Innern erleben,
Die nicht begreifen, dass nur durch den eigenen Geist sie sich vom Übel erlösen!
Wie Räder, von fremden Kräften getrieben, gezogen, eilen sie hierhin und dorthin
Ohne Ruh, immer den Zwiespalt im Herzen, der sie verfolgt, wohin sie auch wandern...
... Erst wenn sie die innere Einheit errungen, sind sie von Leid und Notwendigkeit frei!

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Tagung in Prag:

ROSE UND KREUZ

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Die Anthroposophische Gesellschaft lädt zu einer Konferenz vom 18. bis 21. November 2010 in Prag ein. Es ist die Fortsetzung der erfolgreichen Reihe von Konferenzen "Rose und Kreuz" in Europa. Auf der Tagesordnung stehen Themen wie die großen Versuchungen: Okkultismus Aspekte des Nationalsozialismus und Bolschewismus (Markus Osterrieder) oder das Phänomen des Jahres 2012: Wahrheit oder Übertreibung? (Terry Boardman). Das vollständige Programm finden Sie unten zum Download.