Sonntag, 31. Juli 2011

Der Strom guter Gedanken

"Jeder mag sich darin ausbilden, wenn er Zeit dazu findet, seinen Lieben Gedanken der Liebe und Freundschaft zuzusenden. Der Mensch hält das gewöhnlich für etwas Bedeutungsloses. Aber wenn Sie einmal dahin gelangen, einzusehen, daß der Gedanke ebensogut eine Kraft ist wie die elektrische Welle, die von einem Apparat ausgeht und zum Empfangsapparat überströmt, dann werden Sie auch das Bruderschaftsprinzip besser verstehen, dann wird allmählich das gemeinschaftliche Bewußtsein deutlicher, dann wird es praktisch."

( GA54, S.197)
[gefunden bei Ole Blente: http://fvn-rs.net/]

Freitag, 29. Juli 2011

Am Wasserfall (Les Gorges de la Poëta Raisse)

Schäumend stürzt der Bach über die Felsenkante, tosend brodelt es unten im ausgewaschenen Becken und schon strudelt er weiter. Gegen den Sturzfall erhebt sich ein sprühendes Wesen voller Freude leicht in die Höhe, weit über die Wasser empor. Es greift hinab in die Fluten, die dem Tal entgegen eilen, und nimmt etwas leuchtend Goldfischartiges heraus und wirft es gegen den Himmel. Dort breitet es sich wie mit Flügeln aus und fliegt zur Sonnenmutter hinauf. Die nimmt es dankbar lächelnd in ihre warmen Arme. 


Das Wasserfallwesen schäumt über vor Freude und Begeisterung, es jauchzt und jubelt. Und immer wieder mit beiden Händen greift es hinab in die Fluten und wirft zur Sonne dieses Goldglänzende in die Höhe: „Hier, gute Sonnenmutter, nimm dies Gold, das aus dem Menschental zu mir herauf schwimmt in deine liebenden Arme. Es nährt dich. Dann kannst du frisch mit neuer Kraft ins Menschental hinein leuchten, den Menschen Licht und Wärme spendend.“



Doch nicht nur Goldfischartiges strömte den Sturzbach herauf in die Bergeshöhe dem Wasserfall zu. Da waren auch Dunkelfischhaftes oder Schlangen- und Froschformen. Danach griff das Wasserfallwesen nicht. Es öffneten sich die Kalkfelsen-Mäuler und verschlangen sie. 


Aus feinen Kristallen war der Kalkfelsen gewoben, klar und hart und fest. Doch je mehr er von diesem Dunklen verschlang, desto mehr verloren die Kristallstrukturen ihren Glanz. Die Kristalle wurden mürbe und bröselig. Der Fels verlor an Macht und Größe. Er rief dem Wasserfallwesen zu: „O, gib mir doch etwas von dem glänzenden Gold, damit ich nicht ganz vergehen muss.“

„Es ist zu wenig davon da, aus dem Tal steigt immer weniger zu mir empor. Es reicht kaum aus, um die Sonnenmutter zu ernähren. Kann ich sie nicht mehr ausreichend ernähren, wird sie immer blasser und dunkler und kann das Menschental nicht mehr ausreichend erleuchten. Die Menschen werden frieren. Die Frostriesen werden das Land erobern.“


Da meinte der Felsen: „Doch wenn ich vergehe, dann wird auch der Fels vergehen, der dich trägt und stützt. Kein Wasserfall kann mehr fröhlich hinab strudeln! Und du wirst dich damit auch auflösen müssen und keiner wird mehr der Sonnenmutter Goldglänzendes in die Höhe senden können.“ 

Den Wanderer, der dieses Zwiegespräch belauschte, ergriff eine dunkle Verzweiflung: „Wie soll dies weitergehen, wird es Rettung und Hilfe geben? Muss die Sonne verblassen und der Fels vergehen?“





Da fühlte er in sein Herz hinein; und er spürte sein Blut in sich mächtig brausen und fröhlich strudeln. Und er empfand seiner Knochen starke Tragekraft. Und dieses Gefühl ließ es hell und licht in seiner Seele werden; in ihm begann eine kleine Sonne zu scheinen. Und das Erspüren seiner Knochen empfand er, als würden sie dadurch härter, stärker und klarer. Er erlebte den Felsen in sich, unmürbe und unverwittert. 

Nun wusste er, wo die Rettung lag und wie es weitergehen würde. In ihm selbst würde die neue Erde entstehen.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Witze von Viktor E.Frankl

- dem Begründer der Logotherapie (Sinn-Therapie)

"Ein SS-Mann sitzt in der Eisenbahn einem Juden gegenüber. Der packt einen Hering aus und verzehrt ihn, aber den Kopf packt er wieder ein und steckt ihn ein.
"Wozu machen Sie das?", will der SS-Mann wissen.
"Im Kopf ist das Gehirn und das bringe ich meinen Kindern, denn wenn sie das essen, dann werden sie gescheit."
"Können Sie mir den Kopf von dem Hering nicht verkaufen?"
"Warum nicht?"
"Was kostet der?"
"Eine Mark."
"Da haben Sie eine Mark", und der SS-Mann isst den Kopf auf.
Fünf Minuten später beginnt er zu toben: "Sie Saujud, Sie, der ganze Hering kostet 10 Pfennig und Sie verkaufen mir den Kopf für eine Mark!"
Daraufhin der Jude ganz ruhig: "Sehen Sie er beginnt schon zu wirken."
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Die Ursachen muss man bekämpfen, nicht die Folgen:

In der Sommerfrische wird ein Mann jeden Morgen von einem Hahn geweckt, der nur allzu zeitig zu krähen beginnt. Woraufhin der Sommerfrischler in eine Apotheke geht, sich ein Schlafmittel geben lässt und es dann dem Hahn ins Futter mischt.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Von der Wahrheit und dem Brunnen des Lebens

Visionen des Nikolaus von Flüe

Niklaus von Flüe, 1417 bis 1487, Eremit und "Friedensstifter" auf der Tagsatzung in Stans

"Und es erschien eine große Menge von Leuten und hinter den Leuten erschien die Wahrheit, und alle hatten ihr Antlitz von der Wahrheit abgewendet. Und bei allen erschien am Herzen ein großes Gebrechen, es sah aus wie zwei zusammengeballte Fäuste. Und dieses Gebrechen war der "Eigennutz", der verführt die Leute so sehr, dass sie das Antlitz der Wahrheit nicht zu ertragen vermochten, so wenig, wie ein Mensch Feuerflammen zu ertragen vermag. Und vor Angst gingen sie unruhig hin und her..."

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"Da sah er daselbst eine Menge Leute, die taten schwere Arbeit; dazu waren sie sehr arm. Und er stand und schaute ihnen zu und wunderte sich sehr, dass sie so viel Arbeit hatten und doch so arm waren.... Und er sah einen Brunnen, daraus floss dreierlei: Wein,Öl und Honig. Dieser Brunnen floss so schnell wie der Strahlenblitz und machte ein so lautes Getöse, dass der Palast laut erscholl wie ein Horn. Und er verwunderte sich sehr, da die Leute so arm waren und doch niemand hineinging, aus dem Brunnen zu schöpfen, was sie wiederum so leicht hätten tun können, da der Brunnen für alle frei war.

Und er ging zur Türe hinaus. Da sah er die Leute schwere Arbeit tun und sie waren trotzdem arm. Da beobachtete er sie, was sie täten. Da sah er, dass eíner dastand, der hatte einen Zaun aufgestellt mitten durch den Platz. In der Mitte war ein Tor, das hielt er zu mit der Hand und sprach zu den Leuten: "Ich lasse euch weder hinein noch hinaus, es sei denn, ihr zahlt mir eine Geldmünze." Er sah Musikanten, die für die Leute spielten und von ihnen Geld wollten. Er sah Schneider und Schuhmacher und allerlei Handwerksleute, die Geld haben wollten. Doch sie waren alle so arm, dass sie kaum bekamen, was sie wollten. Und er sah niemanden hineingehen, um aus dem Brunnen zu schöpfen...."

Mittwoch, 13. Juli 2011

Übergänge

Es gibt geistige Mächte, die leugnen im Erdenleben, dass der Mensch Geist und Seele besitze. Dafür bleiben ihnen nach dem Tode des Menschen auch nur die physischen Leiber. Diese zerfallen ihnen zu Asche und Erdenstaub. Sie bekommen ein Nichts.

Andere übersinnliche Mächte leugnen den physischen Leib. Sie wollen nur das Geistige. Sie verkennen, dass der Mensch sich bei der Geburt ganz mit dem Erdenleib verbindet. Der Mensch verbirgt sich darin gewissermaßen vor dem Geist. Diesen Mächten, die das Physische verleugnen, verbleibt als Herrschaftsbereich ein undifferenziertes All, ohne den  Menschen.

Im Erdenleben ist der Mensch zu physisch, im Nachtodlich-Vorgeburtlichen zu geistig. Nur in den Übergängen gibt es eine Ausgewogenheit; im Geborenwerden und im Todesvergehen. So wie bei der Morgen- und Abendröte sich die Farbe am herrlichsten offenbart. Die Farbe ist das Kind der Vermählung von Licht und Finsternis.

In allen Lebenssituationen, wo es Übergänge gibt, wo etwas stirbt oder entsteht, da sind wir der Mitte, der Ausgewogenheit, unserem wahren Menschsein am nächsten.

Im kleinen Kind oder kurz vor dem Geborenwerden des Kindes erleben wir den Geist am stärksten; beim Sterbenden oder gerade Verstorbenen erleben wir die Herrlichkeit des Leiblichen, die in der beginnenden Auflösung ihr Wunder zur Offenbarung bringt.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Spaßvogel

Hänschen Spaßvogel trifft Udo Trauerkloß:
"Was ist denn heut' mit Ihnen los?"
Sagt Trauerkloß betrübt drauf später:
"Mir lief 'ne Laus heut' über die Leber."
Drauf Hänschen, aufgelegt zum Blödeln:
"Ach, sie gehör'n wohl zu den Leberknödeln."

Dienstag, 5. Juli 2011

Polaritäten

Waches Bewusstsein und Logik

Das Eine ist die Faszination und Macht der Maschine und der Technik, die ihre Ausprägung heute besonders in der Computertechnologie u.ä. findet. Sie lässt mich nicht frei, sie ist stärker als ich. Sie bleibt außerhalb meinerselbst. Sie nimmt mich nicht auf. Sie bleibt meinem Wesen fremd. Sie wirkt von außen auf mich.
Sie ist die notwendige Folge eines überstark erwachten Bewusstseins und einer mathematischen Logik, die alles durchdringt.





Schlaf und Kraft

Das Andere ist die Sehnsucht nach Natur, nach dem Fremden und Unbekannten, nach dem, worin noch etwas aus alten, vergangenen Zeiten lebt.
Man sucht etwas, wo die Träume oder der Schlaf der Welt noch zu finden sind. Hier empfindet man einen Zufluss an Kraft. Diese Kraft strömt von außen zu mir.
Hier fühle ich mich wie in den warmen Mutterschoß der Natur aufgenommen. Ich kann mich verbinden. Aber ich kann es nur schwer gedanklich erfassen. Ich stehe vor Wundern.
Ich erlebe aber auch, dass ich kein Naturmensch mehr bin und sein kann. Meine wahre Heimat ist die Natur nicht mehr. Nur das Tier ist voll mit seiner Naturumgebung verbunden.
Und je stärker und ursprünglicher das Naturhafte wirkt, desto mehr drängt es mich in eine Art bewusstseinsmäßigen Schlafzustand.

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Die Mitte

Der Mensch pendelt unruhig zwischen diesen Polen hin und her. Er lebt in Spannung zwischen diesen Extremen. Er kann Sinn und Frieden nicht finden. Er kann die beiden Pole nicht zusammenführen. Er fühlt sich zerrissen.
Der Mensch kann sich als Mensch nur in etwas Mittlerem beheimatet fühlen. In dieser Mitte müssen die Kräfte, die hinter der Natur und hinter der Technik stehen, ihren Ausgleich finden. Es müssen das wache Bewusstsein und die naturhafte Kraft sich vereinigen können.

Diese mittlere Qualität findet der Mensch in der geistigen Aktivität. Wobei schon in dem Begriff "geistige Aktivität" die Polarität zum Ausdruck und zugleich auch zum Ausgleich kommt: "geistig" weist auf das Bewusstsein hin; "Aktivität" auf den Kraftanteil.
Und noch gesteigerter erlebt der Mensch die Mitte in der Bemühung um eine vertiefte Meditation bei wachem Bewusstsein.





Kraft und Weisheit im Inneren

Was mir vorher die Natur und das ihr noch Verwandte als Kraft zuströmen ließen, strömt mir nun als Kraft durch meine eigene innere Aktivität zu.
Die Bewusstseinsklarheit und Faszination, die früher über die Technik wie eine Macht auf mich wirkte, finde ich wieder im erkenntnismäßigen Erleben der Weisheit, die alles Sein wie ein helles Licht durchströmt. Ich erschaffe diese Weisheit durch Erkenntnis in mir selbst.
Die Kräfte, die früher von außen mein Leben bestimmten, quellen in neuer und verwandelter Weise mir nun von innen zu.
Es hat sich umgestülpt.

Sonntag, 3. Juli 2011