Sonntag, 24. Januar 2010

Die Schulung reiner Wahrnehmung - Michael Bockemühl



Im Goetheanum, 4, 2010 findet sich ein ausführlicher Nachruf von David Hornemann von Laer auf Michael Bockemühl, der vor kurzem verstarb. Zukunftweisend ist die wissenschaftliche Methode des Verstorbenen, die sich dadurch auszeichnet, dass sie den Kunstbetrachter zunächst in das bewusste Wahrnehmen einführt. Eine Schulung des Wahrnehmens, durch die man unterscheiden lernt, was ein wirklicher Sinneseindruck ist und wo sich bereits fertige Gedanken einmischen.
Diese Unterscheidung ist heute eine allgemeine Kulturnotwendigkeit und muss im Zeitalter der Bewusstseinseele nach und nach von allen Menschen errungen werden. Nur so können neue, geistgemäße Erkenntnisse in der Welt fruchtbar werden.

Zur Person (aus Wikipedia):
Michael Bockemühl (* 1943 in Dresden; † 23. Dezember 2009) war ein deutscher Kunstwissenschaftler. Er war Inhaber des Lehrstuhls für Kunstwissenschaft, Ästhetik und Kunstvermittlung an der Fakultät für Kulturreflexion, der privaten Universität Witten/Herdecke
.
Zitat aus einem Prospekt:

Grün im Bild und Grün in der Natur
„… Andererseits hat auch nur der eine Chance, die Natur der
Farbe zu fassen, der sich ihrem Erlebnis aussetzt, sonst niemand.
… inwiefern Natur der Farbe? … insofern die Natur der Farbe ihr
Wesen ist. Auch im Kunstwerk erscheint die Farbe in ihrer Natur –
als ein Stück Natur. Grün im Bild und Grün in der Natur – beides
ist zunächst einmal Grün. Da gibt es keinen wesentlichen Unterschied.
Erst wenn ich auf die Weise achte, wie diese Farbe z.B. in
einer Landschaft erscheint oder wie sie im Kunstwerk gestaltet
wird, kommen Unterschiede in Betracht. …”
Michael Bockemühl

Samstag, 23. Januar 2010

Schalom! Ich wünsche euch Frieden.

Fundsache:

Die einzige Gruppe, der ein spiritueller Mensch angehören darf, ist die Menschheit.

Wenn wir genug Feinfühligkeit entwickeln, dann werden wir notgedrungen Pilger werden müssen, denn keine andere Wahl bleibt, als sich auf eine mystische Suche einzulassen. Unser höchstes Bedürfnis und unser tiefster Wunsch ist dann die innere Arbeit. Es ist eine Forschungsreise ganz anderer Art als jene, die Wüsten bezwingt, Urwälder durchdringt, Berge besteigt. Sie spürt die geheimnisvollen Hinterlande des menschlichen Geistes auf, erklimmt die Gipfel menschlichen Bewusstseins und kehrt dann zurück, um anderen die Ziele zu beschreiben, damit auch sie den Weg dorthin finden können, wenn sie wollen.

(Leider habe ich die Quelle verloren!)

Sonntag, 17. Januar 2010

"Mein Reich ist nur von dieser Welt"

1897 veröffentlichte Selma Lagerlöf den Roman "Die Wunder des Antichrist". Im Mittelpunkt der Handlung steht ein wundertätiges Jesusbild: ein Kindlein mit einer goldenen Krone. Dieses wird gefälscht und in die Krone wird die Inschrift geritzt:"Mein Reich ist nur von dieser Welt" statt "Mein Reich ist nicht von dieser Welt".

Damit spielt Selma Lagerlöf auf die marxistische Heilslehre an:
"Euer Reich ist nur von dieser Welt. Deshalb müsst ihr für dieses Leben sorgen und wie Brüder miteinander leben. Und ihr sollt eure Reichtümer miteinander teilen, damit keiner arm sei. Ihr sollt alle arbeiten, und die Erde soll allen gehören, und ihr sollt alle gleich sein.
Niemand soll hungern, niemand soll zur Üppigkeit verführt werden, und niemand soll Not leiden in seinem Alter.Und euer Bestreben soll das Glück aller sein, denn es wartet euer kein Ersatz. Euer Reich ist nur von dieser Welt!"....
...der Mann begann der Welt eine neue Lehre zu verkünden, die Sozialismus genannt wird, aber in Wirklichkeit das Antichristentum ist.
Und diese Lehre liebt und entsaget und duldet und leidet wie das Christentum, so dass sie alle Ähnlichkeit mit diesem hat, so wie das falsche Christusbild ... auch alle Ähnlichkeit mit dem echten hatte.
Und ebenso wie das falsche Christusbild sagt die neue Lehre:"Mein Reich ist nur von dieser Welt."
Und während das Bild, das die Lehre verkündigte, unbeachtet und unbekannt ist, ist es mit seiner Lehre nicht so; diese geht durch die Welt, um sie zu erlösen und umzuschaffen.
Sie verbreitet sich mit jedem Tag weiter: Sie geht hin über alle Lande; sie hat vielerlei Namen und wirkt dadurch so verführerisch; dass sie allen ihren Anhängern irdisches Glück und Genuss verspricht; deshalb zieht sie mehr Anhänger an sich als irgend sonst etwas seit der Zeit Christi."
(Auszug vom Ende des 3.Kapitels der Einleitung)

Heute ist diese Art von Sozialismus, die damals als Ideologie verbreitet wurde und schließlich zur Staatsform wurde, nicht mehr in dieser Form populär. Sie hat sich verwandelt, sie ist in neue Kostüme geschlüpft. Sie hat die Form der Wohltätigkeit, der sozialen Marktwirtschaft, der Sozialdemokratie, der christlich-sozialen Einstellung, der Spendenaufrufe und Spendengalas und sogar des Umweltschützer-Aktivismus angenommen. Sie alle wollen heute der Menschheit weiterhelfen und sogar die ganze Welt retten und führen sie doch sichtlich täglich tiefer in den Abgrund hinein.
Daneben ist inzwischen die andere Weltbeglückungsreligion getreten: der Kapitalismus mit seiner Waren-Wohlfahrt.

Samstag, 16. Januar 2010

Eine kunsthistorische Anekdote

Maler:Antoine_Wiertz:_Les_Grecs_et_les_Troyens_se_disputant_le_corps_de_Patrocle

"Wenn man nach Brüssel kommt, so trifft man dort das Wiertz‑Museum. Da sind Bilder des Malers Wiertz, und ich glaube nicht, daß es irgendeinen Menschen gebenkann, der nicht im allerhöchsten Maße überrascht wäre von der Eigenart der Bilder des Wiertz. Es sind ja allerdings Bilder, die nicht so gemalt sind, wie andere sie malen, aber sie haben eine außerordentlich eigene Note, sind zuweilen so, daß selbstverständlich der steife Philister sie verrückt finden wird. Nun, das ist ja vielleicht nicht immer ein Maßstab, aber jedenfalls sind auch solche drunter, von denen man im höchsten Maße ergriffen werden kann. Wiertz wurde geboren im Anfange des 19. Jahrhunderts aus armer Familie, war ein armer Kerl, wuchs auch als armer Kerl auf; aber wie durch eine Erleuchtung kam eines Tages über ihn der Gedanke ‑ und nun kam bei ihm zusammen, ich möchte sagen, wirkliche Berufung mit außerordentlicher Eitelkeit, die Dinge können ja zusammenkom men ‑ , er müsse ein Maler werden, größer als Rubens, Fortsetzer von Rubens, er müsse Rubens überrubensen; ein Über‑Rubens müsse er werden. Nicht wahr, man kann ja heute, in der Zeit nach Nietzsche, auch sagen: «Über‑Rubens». ... weiter: hier

Aus: Rudolf Steiner GA 169 S.129/130

Sonntag, 10. Januar 2010

DIE BESTE SCHLANKHEITSKUR


Immer wieder kann man ganz bezaubert sein von der schlichten Weisheit, die in der folgenden Geschichte aus dem " Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes" zum Ausdruck kommt.

Sie stammt aus der übrigens sehr empfehlenswerten Sammlung "Gutenberg"

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Johann Peter Hebel

Der geheilte Patient

Reiche Leute haben trotz ihrer gelben Vögel doch manchmal auch allerlei Lasten und Krankheiten auszustehen, von denen gottlob! der arme Mann nichts weiss; denn es gibt Krankheiten, die nicht in der Luft stecken, sondern in den vollen Schüsseln und Gläsern und in den weichen Sesseln und seidenen Bettern, wie jener hautreiche Amsterdamer ein Wort davon reden kann. Den ganzen Vormittag sass er im Lehnsessel und rauchte Tabak, wenn er nicht zu faul war, oder hatte Maulaffen feil zum Fenster hinaus, ass aber zu Mittag doch wie ein Drescher, und die Nachbarn sagten manchmal: "Windet's draussen oder schnauft der Nachbar so?" - Den ganzen Nachmittag ass und trank er ebenfalls, bald etwas Kaltes, bald etwas Warmes, ohne Hunger und ohne Appetit, aus lauter langer Weile, bis an den Abend, also, dass man bei ihm nie recht sagen konnte, wo das Mittagessen aufhörte, und wo das Nachtessen anfing. Nach dem Nachtessen legte er sich ins Bett und war so müd, als wenn er den ganzen Tag Steine abgeladen oder Holz gespalten hätte. Davon bekam er zuletzt einen dicken Leib, der so unbeholfen war wie ein Maltersack. Essen und Schlaf wollte ihm nimmer schmecken, und er war lange Zeit, wie es manchmal geht, nicht recht gesund und nicht recht krank; wenn man aber ihn selber hörte, so hatte er 365 Krankheiten, nämlich alle Tage eine andere. Alle Ärzte, die in Amsterdam sind, mussten ihm raten. Er verschluckte ganze Feuereimer voll Mixturen und ganze Schaufeln voll Pulver, und Pillen wie Enteneier so gross, und man nannte ihn zuletzt scherzweise nur die zweibeinige Apotheke. Aber alles Doktern half ihm nichts, denn er folgte nicht, was ihm die Ärzte befahlen, sondern sagte: "Foudre, wofür bin ich ein reicher Mann, wenn ich soll leben wie ein Hund, und der Doktor will mich nicht gesund machen für mein Geld?" Endlich hörte er von einem Arzt, der hundert Stund weit wegwohnte, der sei so geschickt, dass die Kranken gesund werden, wenn er sie nur recht anschaue, und der Tod geh' ihm aus dem Weg, wenn er sich sehen lasse. Zu dem Arzt fasste der Mann ein Zutrauen und schrieb ihm seinen Umstand. Der Arzt merkte bald, was ihm fehle, nämlich nicht Arznei, sondern Mässigkeit und Bewegung, und sagte: "Wart', dich will ich bald kuriert haben."

weiter:

hier....http://gutenberg.spiegel.de/

Mittwoch, 6. Januar 2010

Wiedergeburt - ganz nah...

Es folgt ein Bericht über einen Forscher, der in Indien die Erfahrungen von Kindern dokumentiert, die ihre vergangene Inkarnation noch erinnern.

Inzwischen ist es auch so, dass in unserem Kulturraum Kinder deutliche Erinnerungen an frühere Inkarnationen haben. Nur gibt es dafür noch keine ausreichende Bereitschaft der Umwelt, das aufzugreifen. Skepsis ist die Aura, in die die Berichte dieser Kinder heute noch sofort getaucht werden, selbst von Menschen, die theoretisch etwas davon wissen:

NZZ Folio 01/10 -

Du schon wieder?

© David Atkinson, London
Der Glaube an die Wiedergeburt ist in Indien weit verbreitet. Am häufigsten entdecken Kinder zwischen zwei und vier Jahren, dass sie die Inkarnation einer früheren Persönlichkeit sind. Nur wenige Forscher wagen sich daran, diese Fälle wissenschaftlich zu untersuchen.Linktext
Unterwegs mit dem Forscher Kirti S. Rawat, der in Indien mit wissenschaftlichen Methoden Fälle von ­Wiedergeburt untersucht.

Von Mary Roach

Um die Glaubwürdigkeit einer Reinkarnation zu prüfen, befragt der Forscher die betroffenen Familien. Für den Fall von Aishwary spricht, dass beide Familien arm sind. Oft behaupten Leute aus finanziellen Gründen, sie seien die Reinkarnation einer reichen Person. ....weiter..http://www.nzzfolio.ch/

6. Januar 2010 Dreikönigstag

Ein wunderschöner Post ist zu finden unter: A O E A ....

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten:
Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.***
Hiermit klingt die Weihnachtszeit langsam aus. ...... Weiter:....

Freitag, 1. Januar 2010

Sylvester: Früher Geister-Vertreibung - Heute Geist-Erleben

Früher hat man sich bemüht, durch Lärm die Geister zu vertreiben. Man musste sein Ich in Freiheit eben ohne die alten Geister entwickeln.

Heute kehrt sich alles um: Man muss lernen mit dem vollbewussten Ich in der Ruhe den Geist in neuer Weise zu erleben.

Sylvester in moderner Weise zu feiern geht nur in der Ruhe.

Über die Traditionen des Umganges mit sog. Geistern folgender, wohl nicht sehr intelligente Text - aber für einen intelligenten Leser durchaus brauchbar:
Gespenster, Kobolde und Dämonen
Kulturgeschichte und Psychologie des Geister-Glaubens

Ein Feature von Andrea und Justin Westhoff

Silvester: Mit Böllern, Heulern und grellbuntem Feuerwerk wird das neue Jahr begrüßt - ursprünglich sollten Lärm und Licht böse Geister vertreiben. Bis heute gibt es Riten, die mit Geistern, Hexen und Spuk aller Art zu tun haben - von der alemannischen Fasenacht bis zur Walpurgisnacht.

Ausgelassenheit, Lärm und Lichtzauber erfüllen die Silvesternacht, in der das neue Jahr anhebt.

Laut muss es sein und Feuer sollen brennen in dieser Nacht, um die bösen Geister daran zu hindern, mit hinüberzuziehen ins neue Jahr. So ist es Tradition. Bis heute, etwa bei den Perchtenläufen im Süden Bayerns und im Salzburger Land.

"Rauchnächte" heißen sie, die zwölf vom 25. Dezember bis zum Dreikönigstag am 6. Januar, in denen Haus und Hof mit Weihrauch erfüllt werden sollen, um böse Geister zu vertreiben. Denn hier gehen die Perchten um, benannt nach Frau Percht. Der Sage nach Wotans Weib, das mit den Seelen verstorbener Kinder umherzieht. In ihrem Gefolge auch Nachtgeister und Unholde. Frau Percht ist doppelgesichtig, Seelenbegleiterin und Schicksalsfrau. Und um das Geisterheer hinwegzufegen, ziehen die Bürger beim Perchtenlauf mit grausligen Masken lärmend durch Dörfer und Städte.

Doch wie laut die Geister auch vertrieben werden, sie scheinen immer wieder zu kommen - oder waren nie fort?


Dienstag, 29. Dezember 2009

Flüchtlinge in Nordafrika

Mehr als alles, was ich bisher zu diesem Thema gelesen habe, hat mich folgender persönliche Bericht eines Afrikaners bewegt, der sogar mehrfach versucht hat nach Europa zu gelangen und es schließlich auch geschafft hat:

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
In Nordafrika warten schätzungsweise zwei Millionen Menschen darauf, das Meer nach Europa zu überqueren. Und täglich sterben viele bei diesem Versuch. Frank Dumnoi hat es auch versucht. Er hat überlebt. Das ist die Geschichte seiner tragischen Odyssee.

MACHT AUS DER MASCHINE UND DEM INTERNET

Wenn einstmals ein Bauer einen Knecht hatte, eine Kuh und ein Pferd, dann konnte er über diese Wesen bestimmen. Er hatte über sie eine gewisse Macht. Eine viel größere Macht hatte ein König, er konnte über die Menschen in seinem Land bestimmen. Millionen mussten seinen Anordnungen folgen. Wollte er Krieg führen, dann zogen Tausende für ihn ins Feld.

Heute ist diese Form der Machtausübung in westlichen Gesellschaften nur noch in der Wirtschaft möglich. Betriebe werden nach den Strukturen von effizienter Machtausübung geführt. Staatliche Macht wird durch viele Kontrollorgane gefiltert und ist nur indirekt ausübbar. Es ist dies auch keine persönliche Macht mehr, sondern eine anonyme.

Dafür hat der einzelne Mensch eine neue Möglichkeit Macht auszuüben. Es ist die Macht der Maschine. Ein Auto mit hundert "PS" (Pferdestärken) vermittelt dem Benutzer ein dementsprechendes Machtgefühl. Das Unheil, das er mit seiner Maschine anrichten kann, ist auch dementsprechend groß.

Immer, wenn wir eine Maschine benützen, infiltriert sie uns unmerklich mit der Energie, Kraft, Macht, die verborgen hinter ihr oder in ihr wirkt.

Ins Unermessliche wächst die Macht-Suggestion, durch das Internet. Über das Wissen der Menschheit nach Belieben verfügen zu können, hat starke, unbewusste Rückwirkungen auf die einzelnen Individuen. Sie fühlen sich in historisch einzigartiger Weise erhaben über alles. Es steht ihnen alles in der Welt zu Diensten.

Das bedeutet eine neue moralische Aufgabe für die Menschheit.

Montag, 28. Dezember 2009

Weihnachtliche, religiöse Gefühle?

In dieser Zeit ständig schwindender Religiosität kommt es zu merkwürdigen Stimmungen in den menschlichen Seelen. Gerade Menschen, die aus einer gewissen Tradition heraus noch eine Beziehung zum Religiösen hatten, kommen heute in zeit-typische Schwierigkeiten. Intellektuell meinen sie, dass das Religiöse irgendeine Bedeutung hat, aber mit ihrem Denken kommen sie nicht an diese Dimension heran. Mit der Zeit verlieren sich dann auch im Fühlen die letzten Beziehungen zu einer religiösen Welt.
Es bleiben meist noch Reste von pseudo-religiösen Handlungen, wie man sie z.B. beim massenhaften Kirchgang am Heiligen Abend beobachten kann.

Die Menschen können dann noch einige Zeit durch äußere Anregungen, Stimulantien oder Dekorationen in der Seele die Erinnerung an so etwas wie ein weihnachtliches Gefühl künstlich erzeugen - vielleicht auch eher vortäuschen -, aber so eine rechte Befriedigung wird die Seele nicht mehr finden können. Die verbleibenden Gefühle haben mehr den Charakter des Sentimentalen.
Ein Beispiel für solche geradezu dramatische und chaotische moderne Seelenkonstitutionen konnte man in einem Interview mit dem Dirigenten Enoch zu Guttenberg, dem Vater des aufstrebenden neuen Verteidigungsministers, in der Zeitschrift Cicero 1/2001 studieren:

...."Es heißt, Sie seien ein romtreuer Agnostiker. Was muss man darunter verstehen?

Ich gehe jeden Sonntag mit meinen Kindern in die Kirche, und wir beten jeden Abend mit ihnen, weil ich finde, sie können erst für oder gegen etwas entscheiden, wenn sie es kennen. Ich liebe die alte, tridentinische Kirchenliturgie und ich liebe das Evangelium. Es gibt keine schönere Religion als das Christentum mit seinen Gesetzen der Liebe... Doch mein Gehirn ist absolut atheistisch. Ich müsste wirklich lügen, wenn ich sagen würde, ich könnte glauben.

Sie glauben also nicht an die Existenz Gottes?

Nein, die halte ich für völlig ausgeschlossen. ... Am schlimmsten ist für mich der Abschied vom eigenen Glauben. Darunter leide ich täglich..

Wie dirigieren Sie ein Requiem oder die Matthäuspassion, wenn Sie nichts mehr glauben können?

Ja, das ist das Erstaunliche: Die Kunst ist der Ort, an dem ich das alles wiederfinde. Wenn ich die Matthäuspassion dirigiere, dann habe ich vom ersten Ton an auf einmal überhaupt keine Zweifel mehr. Und mit dem letzten Ton ist alles wieder weg. Dann gehe ich raus, hänge den Frack an den Haken und bin verzweifelt..."

Ein Vater, der jeden Abend mit den Kindern betet, ohne an das zu glauben, was er dabei sagt. Welche Gefühle und Empfindungen werden dabei wohl in den Kindern veranlagt? Sie wachsen auf in der Schizophrenie, äußerlich etwas zu tun, zu plappern, was innerlich nicht abgedeckt ist. Sie werden erzogen in der Unwahrheit. So gewöhnen sie sich daran ihr Leben in Unwahrheit zu gestalten.
Das ist ein Bild für vieles, was unsere heutige Kultur auszeichnet: Ein Mensch verkauft ein Produkt, von dem er im Innersten nicht voll überzeugt ist; er arbeitet in einem Beruf oder in einer Firma, und liebt ihn nicht...

Das Leben in Unwahrheit und Lüge gilt es zu überwinden, dann wird man auch die Religion in einem neuen Gewand wiederfinden können.
Man kann den Satz ernst nehmen: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Wer sich auf den Weg macht, in absoluter, konsequenter Wahrheit sein Leben zu gestalten, der findet zum Geiste; oder: der hat ihn schon.

Ein Weg ist es, weil man das Ziel kaum in einem Erdenleben erreicht. Man erlangt dabei zu gleicher Zeit auch das wahre Leben, eine neue Lebenskraft, Gesundheit und Heilung.



Donnerstag, 24. Dezember 2009

Scipios Geist-Traum

Heute wird in der FAZ auf einen alten hellseherischen Text von Scipio hingewiesen. In einer Überarbeitung will ich ihn hier noch einmal veröffentlichen:

Traum Sicipios

von Marcus Tullius Cicero

Der „Somnium Scipionis": Schlussstück des Dialogs "De re publica" von Cicero. Entnommen der Internetseite http://12koerbe.de/pan/qu.htm von Hans Zimmermann. - Stark gekürzt. D.C.


Scipio (Publius Africanus minor -* 185 v. Chr.129 v. Chr.) begegnet im “Traum” seinem Adoptiv-Großvater Africanus maior ( Publius Africanus maior -* 236 v. Chr.183 v. Chr.),und seinem Vater Paulus (Lucius Aemilius Paullus Macedonicus -* um 229 v. Chr.160 v. Chr.) und wird von diesen über seine Schauungen aufgeklärt.


"...Hier zeigte sich mir Africanus maior, mein Großvater. Sobald ich ihn erkannt hatte, fuhr ich allerdings zusammen, aber jener sprach: "Bleib bei Bewusstsein und lass die Furcht fahren, Scipio, mein Enkel, und nimm ins Gedächtnis auf, was ich dir sage."

Hier fragte ich, ob er selbst denn lebe und auch mein Vater Paulus und alle die anderen, die wir für tot hielten.

"Eben die leben", sprach er, "die aus den Körperfesseln wie aus dem Kerker entflohen, während euer sogenanntes Leben nur Tod ist. Siehst du nicht deinen Vater Paulus, wie er zu dir kommt?" Sobald ich diesen erblickte, vergoss ich eine Menge Tränen, jener aber hinderte mich, indem er mich umarmte und küsste, weiter zu weinen.

Und, kaum dass ich meine Tränen verdrückt hatte und wieder zu sprechen fähig war, fragte ich ihn: "Bitte sag mir, heiligster und bester Vater, da dies nun das Leben ist, wie ich Africanus maior sagen höre, was bleibe ich auf Erden? Warum beeile ich mich nicht, zu euch zu kommen?"
"So ist es nicht", antwortete jener. "Denn solange nicht der Gott, dessen Tempel alles dies ist, was du hier erblickst, dich von diesen Wächtern deines Körpers befreit hat, kann dir der Zugang hierher nicht offen stehen.

Die Menschen sind nämlich unter dem Gesetz geschaffen, jenen Ball zu bewachen, den du in diesem Tempel in der Mitte siehst, der Erde genannt wird, und ihnen ist ein Bewusstsein gegeben aus jenen ewigen Feuern, die ihr Gestirne und Sterne nennt, die kugelig und rund, belebt von göttlichen Geistwesen, ihre Kreisbahnen mit erstaunlicher Geschwindigkeit vollenden.

Deshalb musst auch du, Publius, und jeder Frommgesinnte sein Bewusstsein in der Bewachung des Körpers zurückhalten und ohne Geheiß dessen, von dem jenes Bewusstsein euch gegeben ist, dürft ihr nicht aus dem menschlichen Leben davonwandern, damit ihr nicht vor der vom Gott zugewiesenen Menschen-Aufgabe zu fliehen scheint.

Aber so, Scipio Publius, mein Sohn, wie dein Großvater hier, und wie ich, der ich dich gezeugt habe, pflege Gerechtigkeit und fromme Gesinnung. Solch ein Leben ist die Straße zum Himmel und in die Vereinigung all derer, die schon gelebt haben und vom Körper gelöst jenen Ort bewohnen, den du hier siehst", – es war aber dieser Kreis zwischen den Flammen leuchtend in hellstem Glanz -, "den ihr, wie ihr es von den Griechen übernommen habt, Milchstraße nennt."

Von dort aus schien mir, wie ich es betrachtete, alles übrige herrlich und wunderbar. Es gab dort aber Sterne, die wir niemals von diesem Ort aus gesehen haben, und Größenverhältnisse bei ihnen allen, von denen wir keine Ahnung gehabt haben; die Kugeln der Sterne aber übertrafen die Größe der Erde mit Leichtigkeit. Ja die Erde selbst erschien mir so klein, dass es mich unseres Reiches, mit dem wir nur gleichsam einen Punkt von ihr berühren, schämte.

Als ich diese näher betrachtete, fragte der Africanus: "Bitte, wie lange noch wird dein Geist an die Erde geheftet sein? Siehst du nicht, in was für Tempel du gekommen bist? In neun Kreisen oder vielmehr Globen ist alles ineinander verschachtelt, von denen einer der himmlische ist, der äußerste, der alle anderen umfasst, der höchste Gott selbst, der die übrigen beschirmt und zusammenhält; in dem jene befestigt sind, die dort entlangwälzen, die ewigen Umläufe der Sterne.

Ihm untergeben sind sieben, die in Gegenbewegung zum Himmel sich rückwärts drehen.
Darunter allerdings gibt es nichts als Sterbliches und Hinfälliges, außer den Seelen, die als Gabe der Götter dem Menschengeschlecht gegeben sind; oberhalb des Mondes ist alles ewig.

Denn diejenige, die die mittlere und neunte ist, die Erde, bewegt sich nicht und ist die unterste, und auf sie fallen alle Gewichte hinab durch die eigene Neigung."

Als ich dies staunend betrachtete, fragte ich, sobald ich mich wieder gefasst hatte: "Was ist das für ein gewaltiger, süßer Klang, der meine Ohren erfüllt?"

"Es ist jener, der von dem Antrieb und der Bewegung der Sphären selbst hervorgebracht wird. Eben deswegen wird jener höchste sterntragende Himmelsumlauf, dessen Umschwung erregter ist, mit einem hohen und lauten Ton bewegt, mit dem tiefsten Ton aber dieser unterste Mondumlauf; denn die Erde als neunte, die unbeweglich bleibt, hängt in ihrer Stelle,

indem sie den Mittelpunkt der Welt umfasst.

Jene acht Umläufe jedoch, bei denen zwei die gleiche Größe haben, bewirken sieben in Intervall-Abständen auseinandergesetzte Töne; indem gelehrte Menschen dies mit Saiten und Gesängen nachahmten, öffneten sie sich die Rückkehr zu diesem Ort, wie auch andere, die aufgrund ihrer herausragenden Begabungen im menschlichen Leben göttliche Studien betrieben haben.

Von diesem Klang erfüllt sind die Ohren der Menschen taub geworden; und es gibt auch keinen abgestumpfteren Sinn bei euch, wie, wo der Nil in die sogenannten Katadupa herabstürzt von den höchsten Bergen, das Volk, das jenen Ort bewohnt, wegen des lauten Tosens des Gehörssinns entbehrt. Dieser Klang aber ist so laut aufgrund des intensiven Umschwungs des ganzen Alls, dass ihn die Ohren der Menschen nicht fassen können, wie ihr auch nicht in die Sonne geradewegs hineinblicken könnt, und von ihren Strahlen eure Sichtschärfe und euer Augenlicht überwältigt wird."

Über all dies verwundert richtete ich dennoch den Blick unverwandt auf die Erde. Da sprach Africanus: "Ich sehe, dass du Wohnsitz und Stätte der Menschen betrachtest; wenn es dir so klein scheint – wie es ja auch ist, dann blick immer zum Himmlischen auf und schätze jenes Menschliche gering. Denn welche Berühmtheit im Gespräch der Menschen oder welchen erstrebenswerten Ruhm kannst du erlangen? Du siehst, dass man auf Erden an spärlichen und engen Orten wohnt, und an diesen selbst, diesen "Flecken", wo man wohnt, wüste Einöden, dazwischengeschoben, und dass die Leute, die die Erde bewohnen, nicht nur so abgeschirmt sind, dass nichts zwischen ihnen von den einen zu den anderen fließen kann, sondern auch teils abseits, teils quer zu euch, teils auch euch entgegen stehen.

Bei diesen könnt ihr sicherlich keinen Ruhm erwarten."

„Kamaloka“ heißt des Antroposophen

nachtodlicher Höllenofen.

Als Werdender ist er bestrebt,

dass er es lebend schon erlebt.

nach M.Eggert


Mittwoch, 23. Dezember 2009

Die zwei Jesusknaben - Forschungsergebnisse Rudolf Steiners

Heute ist das Weihnachtsfest in seiner wahren Bedeutung immer weniger Menschen zugänglich. Das alles ist eine Folge der Lehren der beiden großen Kirchen über die Jahrhunderte hinweg. Es ist ihnen nicht gelungen, die biblische Lehre zu vertiefen und dadurch den geistigen Sehnsüchten der heutigen Menschheit eine entsprechende geistdurchdrungene religiöse Weltanschauung zu vermitteln.

Sie suchen ihre Rettung in der Verflachung, Relativierung und Anpassung des Evangeliums an ein oberflächliches Bewusstsein. Oder im dogmatischen Hängen an alten Traditionen.

Nur die geisteswissenschaftliche Forschung kann den Menschen heute noch den Zugang zu den Evangelien in einer Weise vermitteln, der heutigen Bewusstseins-Ansprüchen gerecht wird. Rudolf Steiners Erkenntnisse in Zusammenhang mit dem Weihnachtsgeschehen sind dafür ein Beispiel:

Die zwei Jesusknaben

Durch seine geisteswissenschaftlichen Forschungen kam Rudolf Steiner zu der Ansicht, dass zur Zeit der Zeitenwende nicht einer, sondern zwei Jesusknaben geboren worden sind, dernathanische und der salomonische Jesus, die beide dem Geschlecht Davids entstammen:

12 Und David erkannte, daß der HERR ihn zum König über Israel bestätigt und sein Königtum erhöht hatte um seines Volkes Israel willen. 13 Und David nahm noch mehr Frauen und Nebenfrauen in Jerusalem, nachdem er von Hebron gekommen war, und es wurden ihm noch mehr Söhne und Töchter geboren. 14 Dies sind die Namen der Söhne, die ihm zu Jerusalem geboren sind: Schammua, Schobab, Nathan, Salomo, 15 Jibhar, Elischua, Nefeg, Jafia, 16 Elischama, Eljada, Elifelet. (2 Samuel 5,14)

Steiners Angaben über die beiden Jesusknaben mag auf den ersten Blick verblüffend und befremdend erscheinen, doch zeigt sich einer näheren Betrachtung, dass in den Evangelien zwei sehr unterschiedliche Geburtserzählungen gegeben werden. Die Geburtserzählung im Matthäus-Evangelium weicht deutlich von der des Lukas-Evangeliums ab; außerdem sind auch die Geschlechtsregister, die in beiden Evangelien angeben sind - und die im jüdischen Kulturkreis für gewöhnlich sehr gewissenhaft gepflegt wurden - wesentlich voneinander abweichend. Will man also die Evangelien ernst nehmen und nicht nur für phantasievolle Dichtungen nehmen, so entsteht hier immerhin ein gewisser Erklärungsbedarf. Rudolf Steiners Darstellung mag im einzelnen sehr komplex und verwirrend erscheinen - aber das kann vielleicht insoferne wenig verwundern, als es hier um zentralste Ereignisse der Menschheitsentwicklung handelt, die nicht so leicht in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen sind. Knapp zusammenfassend stellt Rudolf Steiner die Sache so dar:

"Man betrachte zunächst Jesus von Nazareth. Dieser hatte ganz besondere Daseinsbedingungen. Im Beginne unserer Zeitrechnung sind zwei Jesus-Knaben geboren worden. Der eine stammte aus der nathanischen Linie des Hauses David, der andere aus der salomonischen Linie desselben Hauses. Diese beiden Knaben waren nicht ganz zu gleicher Zeit geboren, aber doch annähernd. In dem salomonischen Jesus-Knaben, den das Matthäus-Evangelium schildert, inkarnierte sich dieselbe Individualität, die früher als Zarathustra auf der Erde gelebt hat, so daß man in diesem Jesus-Kinde des Matthäus-Evangeliums vor sich hat den wiederverkörperten Zarathustra oder Zoroaster. So wächst heran, wie ihn Matthäus schildert, in diesem Jesus-Knaben bis zum zwölften Jahre die Individualität des Zarathustra. In diesem Jahre verläßt Zarathustra den Körper dieses Knaben und geht hinüber in den Körper des anderen Jesus-Knaben, den das Lukas-Evangelium schildert. Daher wird dieses Kind so plötzlich etwas ganz anderes. Die Eltern erstaunen, als sie es in Jerusalem im Tempel wiederfinden, nachdem in dasselbe der Geist des Zarathustra eingetreten war. Das wird dadurch angedeutet, daß der Knabe, nachdem er verlorengegangen war und in Jerusalem im Tempel wiedergefunden wurde, so gesprochen hat, daß ihn die Eltern nicht wiedererkannten, weil sie dieses Kind - den nathanischen Jesus-Knaben - eben nur so kannten, wie er früher war. Aber als es anfing zu den Schriftgelehrten im Tempel zu reden, da konnte es so sprechen, weil in dasselbe der Geist des Zarathustra eingetreten war. - Bis zum dreißigsten Jahre lebte der Geist des Zarathustra in dem Jesus-Jüngling, der aus der nathanischen Linie des Hauses David stammte. In diesem andern Körper reifte er heran zu einer noch höheren Vollendung. Noch ist zu bemerken, daß in diesem andern Körper, in dem jetzt der Geist des Zarathustra lebte, das Eigentümliche war, daß in dessen Astralleib der Buddha seine Impulse aus der geistigen Welt einstrahlen ließ.

Die morgenländische Tradition ist richtig, daß der Buddha als ein «Bodhisattva» geboren wurde, und erst während seiner Erdenzeit, im neunundzwanzigsten Jahre, zur Buddha-Würde aufgestiegen ist.

Asita, der große indische Weise, kam, als der Gotama Buddha ein kleines Kind war, in den Königspalast des Vaters des Buddha weinend. Dies aus dem Grunde, weil er als Seher hat wissen können, daß dieses Königskind der «Buddha» werden wird, und weil er sich als ein alter Mann fühlte, der es nicht mehr erleben wird, wie der Sohn des Suddhodana zum Buddha werden wird. Dieser Weise wurde in der Zeit des Jesus von Nazareth wiedergeboren. Es ist derselbe, der uns im Lukas-Evangelium als jener Tempelpriester vorgeführt wird, welcher in dem nathanischen Jesus-Knaben den Buddha sich offenbaren sieht. Und weil er dies sah, deshalb sagte er: «Laß, Herr, deinen Diener in Frieden fahren, denn ich habe meinen Meister gesehen!» Was er damals in Indien nicht sehen konnte, das sah er durch den Astralleib dieses Jesus-Knaben, der uns als der des Lukas-Evangeliums entgegentritt: den zum Buddha gewordenen Bodhisattva.

Das alles war notwendig, damit der Leib zustande kommen konnte, welcher dann am Jordan die «Johannes-Taufe» empfing." (Lit.: GA 15)

Jesus ist nicht mit Christus identisch. Der Geist des Christus zog erst mit der Jordan-Taufe in den Jesus ein, der aus dieser doppelten Abstammungslinie hervorgegangen ist.


oder genauer:

"Man betrachte zunächst Jesus von Nazareth. Dieser hatte ganz besondere Daseinsbedingungen.

Im Beginne unserer Zeitrechnung sind zwei Jesus-Knaben geboren worden. Der eine stammte aus

der nathanischen Linie des Hauses David, der andere aus der salomonischen Linie desselben

Hauses. Diese beiden Knaben waren nicht ganz zu gleicher Zeit geboren, aber doch annähernd. In

dem salomonischen Jesus-Knaben, den das Matthäus-Evangelium schildert, inkarnierte sich

dieselbe Individualität, die früher als Zarathustra auf der Erde gelebt hat, so daß man in diesem

Jesus-Kinde des Matthäus-Evangeliums vor sich hat den wiederverkörperten Zarathustra oder

Zoroaster. So wächst heran, wie ihn Matthäus schildert, in diesem Jesus-Knaben bis zum zwölften

Jahre die Individualität des Zarathustra. In diesem Jahre verläßt Zarathustra den Körper dieses

Knaben und geht hinüber in den Körper des anderen Jesus-Knaben, den das Lukas-Evangelium

schildert. Daher wird dieses Kind so plötzlich etwas ganz anderes. Die Eltern erstaunen, als sie es

in Jerusalem im Tempel wiederfinden, nachdem in dasselbe der Geist des Zarathustra eingetreten

war. Das wird dadurch angedeutet, daß der Knabe, nachdem er verlorengegangen war und in

Jerusalem im Tempel wiedergefunden wurde, so gesprochen hat, daß ihn die Eltern nicht

wiedererkannten, weil sie dieses Kind - den nathanischen Jesus-Knaben - eben nur so kannten, wie

er früher war. Aber als es anfing zu den Schriftgelehrten im Tempel zu reden, da konnte es so

sprechen, weil in dasselbe der Geist des Zarathustra eingetreten war. - Bis zum dreißigsten Jahre

lebte der Geist des Zarathustra in dem Jesus-Jüngling, der aus der nathanischen Linie des Hauses

David stammte. In diesem andern Körper reifte er heran zu einer noch höheren Vollendung. Noch ist

zu bemerken, daß in diesem andern Körper, in dem jetzt der Geist des Zarathustra lebte, das

Eigentümliche war, daß in dessen Astralleib der Buddha seine Impulse aus der geistigen Welt

einstrahlen ließ.

Die morgenländische Tradition ist richtig, daß der Buddha als ein «Bodhisattva» geboren wurde,

und erst während seiner Erdenzeit, im neunundzwanzigsten Jahre, zur Buddha-Würde aufgestiegen

ist.

Asita, der große indische Weise, kam, als der Gotama Buddha ein kleines Kind war, in den

Königspalast des Vaters des Buddha weinend. Dies aus dem Grunde, weil er als Seher hat wissen

können, daß dieses Königskind der «Buddha» werden wird, und weil er sich als ein alter Mann

fühlte, der es nicht mehr erleben wird, wie der Sohn des Suddhodana zum Buddha werden wird.

Dieser Weise wurde in der Zeit des Jesus von Nazareth wiedergeboren. Es ist derselbe, der uns im

Lukas-Evangelium als jener Tempelpriester vorgeführt wird, welcher in dem nathanischen Jesus-

Knaben den Buddha sich offenbaren sieht. Und weil er dies sah, deshalb sagte er: «Laß, Herr,

deinen Diener in Frieden fahren, denn ich habe meinen Meister gesehen!» Was er damals in Indien

nicht sehen konnte, das sah er durch den Astralleib dieses Jesus-Knaben, der uns als der des

Lukas-Evangeliums entgegentritt: den zum Buddha gewordenen Bodhisattva.

Das alles war notwendig, damit der Leib zustande kommen konnte, welcher dann am Jordan die

«Johannes-Taufe» empfing." (Lit.: GA 15)

Quelle und Fortsetzung: http://www.anthrowiki.info/ftp/anthroposophie/Christus/Christus_14.pdf

Montag, 21. Dezember 2009

Übel ergeht's dem, der die Wahrheit sagt: Daniel Kehlmann

Aus einem Interview mit der Zeitschrift "Cicero":

"...Ihre Kritik am Regietheater hat sowohl für Zustimmung als auch für heftige Kritik gesorgt. Schon vor dieser Rede sagten Sie des Öfteren: „Sehr vieles, was ich auf deutschen Theaterbühnen sehe, finde ich flach und dumm.“ Was stört Sie am sogenannten Regietheater?

Im Grunde ging es darum, dass an deutschen Theatern eine bestimmte Inszenierungsästhetik Monopolstellung genießt und Beobachter, die sich dagegen äußern, in einer ungeheuerlichen Weise angegriffen werden. Diese Monopolästhetik beansprucht für sich, recht zu haben, weil sie so modern sei und alles andere altmodisch und auch gesellschaftlich reaktionär. Dagegen habe ich mich gewendet. Die Wahrheit eines Textes durch rekonstruktive Maßnahmen wie Kostüme zutage treten zu lassen, ist alles andere als altmodisch und schon gar nicht rückständig. In diesem Sinne habe ich für Offenheit plädiert. Die Reaktionen waren so hilflos hysterisch, dass ich mich dadurch in meiner These bestätigt fühlen muss.

Schon vor einem Jahr haben Sie mit einer Rede über Brecht polarisiert. Dabei hatten Sie lediglich in Erinnerung gerufen, man könne von Glück reden, „dass die Welt nicht so geworden ist, wie Bertolt Brecht sie sich gewünscht hat, denn die seine würde keine freien Wahlen kennen, keine Meinungsfreiheit, keine Freiheit, dorthin zu gehen, wohin man will“. Daraufhin hagelte es Widerspruch. Sind Sie verwundert über die nach wie vor einflussreichen Linken im Kulturbetrieb?
Nein, das hatte ich schon erwartet. In beiden Fällen habe ich mich aber keineswegs gegen linke Politik oder gegen linkes Kulturverständnis wenden wollen. Ich habe eine Haltung kritisiert, die sich als links deklariert, aber nur noch Phrasen und Schemata reproduziert. Das Regietheater hat mit linker Einstellung gar nichts zu tun. Klassisch gesehen würde linke Ästhetik bedeuten, Theater zu machen, das die Massen verstehen. Es ist doch inkonsequent, sich als links zu definieren und gleichzeitig ein Theater zu verlangen, das die Massen ablehnen. Im Fall von Brecht habe ich mich dagegen gewehrt, ihn zu einer Popfigur, zu einer Art Che-Guevara-Poster zu machen. Man muss Brecht ernst nehmen und sich darüber im Klaren sein, wo er sich furchtbar geirrt hat. ..."
Quelle und vollständiges Interview: http://www.cicero.de/97.php?ress_id=7&item=4480

Sonntag, 20. Dezember 2009

Die Heiligen Nächte

Nun sind es nur noch wenige Tage bis zum Beginn der zwölf oder dreizehn Heiligen Nächte. Die Betonung liegt bewusst auf den "Nächten", denn sie sind jetzt wirkungsvoller als die Tage. So wie in alten Zeiten für die Menschheit der Nachtzustand realer war als der Tagzustand, so kehrt das in dieser heiligen Zeit wieder. Wie damit auch etwas wiederkehrt von der stärkeren Geistverbundenheit, die früher für die Menschen noch der Normalzustand war.

Kann man in dieser Weihnachtszeit die Ruhe finden, den Blick dementsprechend mehr nach innen zu wenden und weniger auf die sinnliche Außenwelt hin, dann besteht die Möglichkeit etwas von dieser Geist-Innenwelt zu erleben.

Man kann das Erleben verstärken, indem man bis über Mitternacht noch nicht schlafen geht, die Zeit mit ernsthaften Gesprächen verbringt oder geistdurchdrungene Literatur liest.

Abträglich ist alles, was mehr der Unterhaltung oder dem Sinnengenuss dient: bestimmte Speisen und Getränke, elektrische und elektronische Bild- und Musikerzeugung. Dadurch werden unreale Seelenbilder und sentimentale Stimmungen befördert.

Das Innenleben muss heute durch ein waches, klares, bewusstes Ich erschaffen, beobachtet und bedacht werden. Nur dann hat es einen wahren Lebenswert.

Samstag, 19. Dezember 2009

Ehemaliger Waldorfschüler: Henrik Enderlein



Politik- und Wirtschaftswissenschaftler

* 13. September 1974 in Reutlingen
Henrik Enderlein ist Professor für politische Ökonomie und stellvertretender Dekan an der Hertie School of Governance in Berlin. Seine Kindheit verbrachte er in Tübingen. Sein Abitur absolvierte er 1994 an der Rudolf-Steiner-Schule in Berlin.[1]

Leben

Von 1995 bis 1998 studierte er Politik- und Wirtschaftswissenschaften am Institut d’études politiques de Paris. Dem folgte ein Promotionsstipendium an der Columbia University in New York von 1998 bis1999. Seine Promotion schloss er am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln ab (Doktorvater: Fritz W. Scharpf).

Von 2001 bis 2003 arbeitete er als Ökonom im Bereich Europabeziehungen, Europäische Zentralbank in Frankfurt. Im Jahr 2003 wurde er Juniorprofessor für Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Berlin (FB Wirtschaftswissenschaften und John F. Kennedy Institut). 2005 wurde er an die Gründungsfakultät der Hertie School of Governance berufen. Von 2006 bis 2007 war er Gastprofessor an der Duke University (USA).

(Wikipedia)

Für einen 35jährigen hat Henrik Enderlein bereits eine Menge hinter sich: Waldorfschule, Einserabitur, Ökonomie- und Politik-Studium an Elite-Universitäten in Paris und New York. Danach hat er bei der Max-Planck-Gesellschaft und der Europäischen Zentralbank gearbeitet und wurde Junior-Professor an der Freien Universität. Heute lehrt er an der Hertie School of Governance in Berlin, die junge Führungskräfte für politische, staatliche und gesellschaftliche Institutionen ausbildet. Enderlein ist verheiratet und hat zwei Kinder. Außerdem ist der Sohn des früheren FDP-Politikers und brandenburgischen Wissenschaftsministers Hinrich Enderlein Mitglied der SPD.
Quelle: www.das-tut-man-nicht.de


Freitag, 18. Dezember 2009

Georg Kreisler über heutige Künstler

Gewiss gibt es hervorragende Künstler, die hat es zu allen Zeiten gegeben, aber sie kommen kaum zu Wort. Zu Wort kommen diejenigen, die nicht Kunst produzieren, sondern ihre persönlichen Karrieren…

Diese „Künstler „ bekommen dann auch gute Kritiken, denn vom Dilettantismus verstehen die Kritiker viel…Schließlich verwahrlost das Publikum, und die Gesellschaft verroht, Anzeichen gibt es heute genug…Die Welt wird ärmer, die Künstler ziehen sich zurück, werden immer fremder, und auf allen Seiten entsteht Hass.
Aus: Georg Kreislers Autobiographie „Letzte Lieder“

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Gute Vorsätze


Mit dem Jahreswechsel ist wieder die Zeit der guten Vorsätze gekommen:
Hier eine Meldung der Zeitsschrift "Cicero":

Vorsätze für 2010: Mehr Gesundheit, weniger Stress
Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Krankenversicherung DAK wünschen sich die Deutschen für das neue Jahr weniger Stress und mehr Zeit für die Familie. 59 Prozent der Befragten gaben an, Stress abbauen, 51 Prozent sich mehr um Familie und Freunde kümmern, und 50 Prozent mehr Sport treiben zu wollen. Laut Studie möchte sich jeder zweite der insgesamt 3.010 befragten Bundesbürger in 2010 gesünder ernähren. Mehr Männer als Frauen wollen dabei dem Fernseher, Alkohol und Nikotin den Kampf ansagen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer gab an, dass sie immerhin länger als drei Monate ihren Vorsätzen aus dem vergangenen Jahr treu geblieben sind oder diese noch heute einhalten.


Etwas sehr Geistreiches zu diesem Thema fand ich bei Oscar Wilde in "Das Bildnis des Dorian Gray":
"Die guten Vorsätze kann ich nur als einen nutzlosen Versuch, die Entwicklungsgesetze aufzuhalten, bezeichnen. Ihr Ursprung ist die reine Eitelkeit, ihr Resultat ein absolutes Nichts. Dann und wann verursachen sie uns freilich eine jener luxuriösen, unfruchtbaren Emotionen, die unter Umständen einen gewissen Reiz für uns haben können. Das ist alles, was ich darüber sagen kann. Es sind Schecks, die jemand auf eine Bank ausstellt, auf der er kein Konto hat.

Vielleicht könnte es deshalb einmal ein besserer Vorsatz sein, sich dieses Jahr nichts vorzunehmen.