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Freitag, 9. Januar 2009

33 Jahre irreale Finanzwirtschaft

Rudolf Steiner weist darauf hin, dass man für eine reale Geschichtsbetrachtung den Rhythmus von etwa 33 Jahren beachten solle. Ein gewisser Impuls zeigt seine Folgen gewöhnlich nach 33 Jahren. Dies entspricht der Dauer des Jesus-Christus-Lebens: Weihnachten setzt den Impuls, Ostern 33 Jahre später zeigt die Folge. Das gilt leider auch für negative Entwicklungen:

Zur Finanzkrise des Jahres 2008 findet man z.B. folgende Meldung:



1975
Der erste «Interest Rate Future»
wird von der Chicago Board of
Trade ausgegeben. Dies ist das
erste Future, dem kein festes
(reales) Produkt zugrunde liegt.



Also hat etwa im Jahre 1975 die Finanzwirtschaft den Boden der Realität verlassen:
"Dies ist das erste Future, dem kein festes(reales) Produkt zugrunde liegt."

Samstag, 25. Oktober 2008

Geld - Ware -Arbeit

Aus der Tatsache, dass Geld nur ein Gegenwert für Waren sein kann, geht dann logisch auch hervor, dass man menschliche Arbeit nicht mit Geld bezahlen kann. In seiner Arbeit lebt der Mensch mit seiner ganzen Wesenheit. Für Arbeit bezahlt zu werden, ist wie ein Verkaufen der eigenen Seele. Unbewusst oder heute auch oft schon bewusst leiden viele Menschen unter dieser Tatsache, da sie sich in ihrer Menschenwürde verletzt fühlen. Es wird sicher eine Zeit kommen, wo man dieses Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit ähnlichen Gefühlen betrachten wird, wie sie sich einstellen, wenn man heute auf die Sklaverei sieht:

„... Innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsform hat sich diese Arbeit dem sozialen Organismus so eingegliedert, dass sie durch den Arbeitgeber wie eine Ware dem Arbeitnehmer abgekauft wird. Ein Tausch wird eingegangen zwischen Geld (als Repräsentant der Waren) und Arbeit. Aber ein solcher Tausch kann sich in Wirklichkeit gar nicht vollziehen. Er scheint sich nur zu vollziehen. In Wirklichkeit nimmt der Arbeitgeber von dem Arbeiter Waren entgegen, die nur entstehen können, wenn der Arbeiter seine Arbeitskraft für die Entstehung hingibt. Aus dem Gegenwert dieser Waren erhält der Arbeiter einen Anteil, der Arbeitgeber den andern. Die Produktion der Waren erfolgt durch das Zusammenwirken des Arbeitgebers und Arbeitnehmers. Das Produkt des gemeinsamen Wirkens geht erst in den Kreislauf des Wirtschaftslebens über. Zur Herstellung des Produktes ist ein Rechtsverhältnis zwischen Arbeiter und Unternehmer notwendig. Dieses kann aber durch die kapitalistische Wirtschaftsart in ein solches verwandelt werden, welches durch die wirtschaftliche ワbermacht des Arbeitgebers über den Arbeiter bedingt ist. Im gesunden sozialen Organismus muss zutage treten, dass die Arbeit nicht bezahlt werden kann. Denn diese kann nicht im Vergleich mit einer Ware einen wirtschaftlichen Wert erhalten. Einen solchen hat erst die durch Arbeit hervorgebrachte Ware im Vergleich mit andern Waren. Die Art, wie, und das Maß, in dem ein Mensch für den Bestand des sozialen Organismus zu arbeiten hat, müssen aus seiner Fähigkeit heraus und aus den Bedingungen eines menschenwürdigen Daseins geregelt werden. Das kann nur geschehen, wenn diese Regelung von dem politischen Staate aus in Unabhängigkeit von den Verwaltungen des Wirtschaftslebens geschieht. ...“

Aus: Rudolf Steiner, Kernpunkte der sozialen Frage, S.77 f

Da Geld ein Gegenwert für Ware ist, so muss es sich auch mit der Ware verändern. Die Ware wird alt, verbraucht sich, wird weniger wert. Das Gleiche muss auch mit dem Geld geschehen:

"Just dasjenige, was Geld ist, das ist etwas, was merkwürdigerweise im volkswirtschaftlichen Leben, trotzdem es ganz in Äquivalenz steht mit den anderen volkswirtschaftlichen Elementen, sich nicht abnutzt. Radikal können Sie sich das dadurch vorstellen, dass Sie sich zum Beispiel denken: Ich habe für, sagen wir, fünfhundert Franken Kartoffeln. Wenn ich für diese fünfhundert Franken Kartoffeln habe, so muss ich dafür sorgen, dass ich sie losbringe, das heißt ich muss etwas tun, dass ich sie losbringe. Und nach einiger Zeit sind sie eben nicht mehr da. sind sie verbraucht, sind sie weg. Wenn das Geld in Äquivalenz steht mit den Gütern, mit den bearbeiteten Gütern, so müsste es sich abnützen. Das Geld müsste, genauso wie die anderen Güter, sich abnützen. Das heißt, wenn wir nicht abnutzbares Geld im volkswirtschaftlichen Körper drinnen haben, dann verschaffen wir unter Umständen dem Geld einen Vorteil gegenüber den abnützbaren Güter.Das ist außerordentlich wichtig. Und es wird erst ganz wichtig, wenn man folgendes bedenkt: Wenn man bedenkt, was ich anwenden muss, wenn ich, sagen wir, nach fünfzehn Jahren durch meine ganze Betätigung so weit gekommen sein soll, dass ich dadurch, dass ich heute eine Menge Kartoffeln habe, dann die doppelte Menge Kartoffeln habe, von den Kartoffeln, die es dann geben wird; und wenn man nun bedenkt, wie wenig jemand als einzelne Persönlichkeit zu tun braucht, wenn er heute in Geld fünfhundert Franken hat, um das Doppelte zu haben in fünfzehn Jahren! Es genügt, wenn er gar nichts tut, wenn er seine gesamte Arbeitskraft dem sozialen Organismus entzieht und die anderen arbeiten lässt, dass er beleiht und die anderen arbeiten lässt. Wenn er mittlerweile nicht selber für den Verbrauch sorgt: das Geld hat es nicht nötig, sich abzunutzen. Dadurch wird aber sehr viel von dem, was dann empfunden wird als eine soziale, sagen wir Unrichtigkeit, erst in den sozialen Körper hineingebracht."

Aus: Rudolf Steiner, Nationalökonomischer Kurs, GA 340 ,Seite 164 f


Freitag, 24. Oktober 2008

Finanzwirtschaft

Im Rahmen des Nationalökonomischen Kurses weist Rudolf Steiner am 1.August 1922 auf den Grundzug des modernen Geldwesens hin:

(Unterstreichungen D.C.)


„Die Blütezeit, ich möchte sagen, das klassische Zeitalter des Leihkapitals trat eigentlich erst im 19.Jahrhundert, und zwar erst eigentlich gegen das zweite Drittel des 19.Jahrhunderts ein. Und damit ist dann zu verzeichnen in der geschichtlichen Entwickelung das Heraufkommen derjenigen Institutionen, die namentlich dem Beleihen dienen, das Heraufkommen des Bankwesens. So dass das klassische Zeitalter des Leihkapitals und damit die Entfaltung des Bankwesens in die letzten zwei Drittel des 19.Jahrhunderts und in die ersten Jahrzehnte des 20.Jahrhunderts fällt. Mit der Entwickelung des Bankwesens entwickelt sich immer mehr und mehr die Beleihung als dasjenige, was, ich möchte sagen, nun als ein erster Faktor eintritt in den volkswirtschaftlichen Prozess. Aber dabei hat sich zu gleicher Zeit etwas ganz Besonderes gezeigt, gerade beim Beleihen, nämlich das, dass nun durch das Beleihen im großen Stil unter der Ausbreitung des Bankwesens dem Menschen die Herrschaft über die Geldzirkulation eigentlich entzogen worden ist, dass nach und nach der Zirkulationsprozess des Geldes ein solcher geworden ist, der sich ja, ich finde keinen andern Ausdruck , der sich unpersönlich abspielt; so dass, was ich schon erwähnt habe im ersten Vortrag, tatsächlich die Zeit heraufgezogen ist, wo das Geld nun selber wirtschaftet, und der Mensch bald droben, bald drunten ist, je nachdem er in diesen ganzen Strom der Geldwirtschaft hineingezogen wird. Er wird es nämlich viel mehr, als er es eigentlich denkt; denn es hat sich die Geldzirkulation gerade im Laufe der letzten Jahrzehnte des 19.Jahrhunderts verobjektiviert, ist unpersönlich geworden. ... Da fangen diese volkswirtschaftlichen Impulse an, rein finanzwirtschaftliche Impulse zu werden durch das Bankwesen. Damit wird das Ganze nicht nur unpersönlich, sondern sogar unnatürlich; es wird alles in die sich selbst bewegende Geldströmung hineingezogen. Geldwirtschaft ohne natürliches und persönliches Subjekt, das ist dasjenige, wo hintendiert hat gegen das Ende des 19.Jahrhunderts das, was ursprünglich durchaus vom persönlichen und vom natürlichen Subjekt getragen war.“

Aus Rudolf Steiner, Nationalökonomischer Kurs, GA 340 , S. 137 f

Samstag, 11. Oktober 2008

Nationalökonomie

Angesichts der heutigen Vorgänge auf dem Finanzmarkt ist es empfehlenswert, sich wieder einmal den "Nationalökonomischen Kurs" von Rudolf Steiner vorzunehmen. Was man da findet, lässt erwarten, dass im Wirtschaftsbereich noch einiges zu tun ist.

Wenn Rudolf Steiner hier immer von "Natur" und von "Grund und Boden" spricht, so gilt das in eingeschränktem Maße auch für die auf dem Grund und Boden stehende Immobilie:


Wenn Kapital zu niedrigem Zins für den Kauf von Grund und Boden verliehen wird, dann wird dieser nicht billiger, sondern teuerer...

... In allen Ländern, in denen die Hypothekengesetzgebung dahin geht, dass sich das Kapital mit der Natur (Grund und Boden) verbinden kann, bekommen wir das Stauen des Kapitals...

Statt dass das Kapital verbraucht werde, ...das heißt ... verschwinde, entsteht eine wertbildende Bewegung, die dem volkswirtschaftlichen Prozess schädlich ist...eine der schlimmsten Stauungen im volkswirtschaftlichen Prozess ist diejenige, wo Kapital sich einfach mit der Natur verbindet. ... Je mehr Hypotheken auf etwas lasten, desto teuerer muss es dann bezahlt werden. Es wird fortwährend erhöht der Wert. Ja, ist denn das aber – die Höherwertigkeit von Grund und Boden – ist das eine Wirklichkeit? Es ist ja gar keine Wirklichkeit. .... der Grund und Boden als solcher werterhöht gedacht, ist ein Unding, ein völliges Unding ...(es) ist nicht ein wirklicher Wert, sondern ein Scheinwert. Und darauf kommt es an, dass man auch innerhalb des volkswirtschaftlichen Prozesses endlich begreifen lernt, was wirkliche Werte sind und was Scheinwerte sind.“



"Nationalökonomischer Kurs", Rudolf Steiner, Dornach 28.Juli 1922

GA 340 - S.72 ff