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Sonntag, 3. Januar 2016

MEINUNGEN


Was sehnen sich doch so viele Menschen danach, Gruppen anzugehören. Selbst das Teilen von Meinungen gerät zur allergrößten Befriedigung. Nicht umsonst beherrschen nur wenige Meinungen zur jeweiligen Sache die öffentliche Diskussion. Wohl streitet man sich erquicklich im Austausch gegensätzlicher Meinungen, und doch sind es überall die gleichen Standpunkte, die aufeinandertreffen.

Gewöhnlich weiß man im Gespräch mit anderen Menschen schon vorher, welche Meinung sie zu einem Thema äußern werden.

Merkwürdig, dass Menschen das Gefühl haben, sie würden ihre Individualität durch das Vertreten einer Meinung betonen. Sie meinen, dass es ihre eigene Meinung sei. Dabei teilen sie doch diese Meinungen mit einem erheblichen Anteil der Bevölkerung.  Und letztendlich kann man alle diese Standpunkte auch in den Medien wiederfinden.

Und gar komisch und lustig wird das Ganze dann, wenn man „Meinungsumfragen“ liest.

Der gleiche Brei wird immerzu neu aufgekocht und umgerührt.

Erst verbreitet man in den Medien eine bestimmte Meinung zu einer Angelegenheit. Dann finanziert man eine Meinungsumfrage und veröffentlicht sie. Und siehe da, die Mehrheit der Bevölkerung ist auch dieser Meinung!  

Und jeder Befragte ist sogar stolz auf seine Meinung, auf seinen „eigenen“ Standpunkt!

Montag, 28. Dezember 2015

POLEN

Von unserem westlichen oder mitteleuropäischen Standpunkt aus betrachtet ist es natürlich nicht akzeptabel, was in Polen gerade passiert.

Wenn man allerdings die Sache aus polnischer Sicht betrachtet, dann kann man auch Verständnis entwickeln. Die wechselvolle spezifische Geschichte in diesem Land hat die Volksseele wund gemacht.

Wir können kaum ermessen, wie schwer es für die Menschen dort ist, diesen mächtigen, vielleicht sogar unberechenbaren Nachbarn zu haben. Wenn sich dieser Bär nur einmal im Schlafe herumwälzt, dann kann er leicht einen seiner kleinen Nachbarn erdrücken.

Die Flüchtlingssituation zu bewältigen ist für einen solchen "jungen" Staat viel schwerer als für ein gefestiges, wirtschaftlich prosperierendes Staatsgefüge.

Das alles macht den Leuten Angst. Und Angst verführt bei allen Menschen und Gruppen zu Aktionen und Reaktionen, die gewöhnlich unangemessen erscheinen können.
Wenn man nur sieht, wie sich manche Leute hier ihre Grundtücke absichern, aus Angst. Dann kann man verstehen, dass auch Regierungen etwas ähnliches tun.

Und wie schnell und leicht die öffentliche Meinung umschwenkt, das kann man wöchentlich selbst in unserem Land beobachten. Wobei die Menschen auch hier immer nur den Meinungsmachern folgen. Es sind nie ihre eigenen persönlichen Überzeugungen, sondern es ist alles ein Nachplappern.

Meinungsumfragen sind so ziemlich das Überflüssigste und Unwahrhaftigste, was es gibt, man kann die Ergebnisse immer schon vorher wissen.
Sie sind ein Machtinstrument.



Montag, 22. August 2011

WAHLEN

"Ich gebe meine Stimme nicht ab!
 Ich behalte meine Stimme!
 Ich erhebe meine Stimme!"




Donnerstag, 28. April 2011

Rudolf Steiner zur Demokratie und zur Unabhängigkeit der Abgeordneten:

"Interessant ist es, wie 1910 einer den schönen Satz geschrieben hat: daß es dem GroßkapiIalismus gelungen ist, aus der Demokratie das wunderbarste, wirksamste, biegsamste Werkzeug zur Ausbeutung der Gesamtheit zu machen. Man bildet sich gewöhnlich ein, die Finanzleute seien Gegner der Demokratie - schreibt der betreffende Mann -; ein Grundirrtum. Vielmehr sind sie deren Leiter und deren bewußte Förderer. Denn diese — die Demokratie nämlich — bildet die spanische Wand, hinter welcher sie ihre Ausbeutungsmethode verbergen, und in ihr finden sie das beste Verteidigungsmittel gegen die etwaige Em­pörung des Volkes.

Da hat einmal einer, der aufgewacht ist, gesehen, wie es nicht dar­auf ankommt, von Demokratie zu deklamieren, sondern wie es darauf ankommt, die Wirklichkeit zu durchschauen, nichts auf alle solche Schlagworte zu geben, sondern zu sehen, was wirklich ist. Heute wäre dies ganz besonders notwendig, denn man würde dann sehen, von wie wenigen Zentren aus die Ereignisse heute eigentlich gelenkt und ge­leitet werden, die so furchtbar, so blutig über die ganze Menschheit hin walten. Darauf wird man nicht kommen, wenn man immer in dem Irrwahn lebt, die Völker bekämpfen sich; wenn man sich immer ein­lullen läßt von der europäischen und amerikanischen Presse über irgend­welche Beziehungen, die in den gegenwärtigen Ereignissen zwischen den Völkern sein sollen. Das alles, was da gesagt wird über Antagonis­mus und Gegensätzlichkeiten der Völker, das ist dazu da, um über die wahren Gründe den Schleier zu breiten. Denn nicht dadurch, daß man von Worten heute zehrt, um diese Ereignisse zu erklären, kommt man zu irgendeinem Resultat, sondern dadurch, daß man auf die konkreten Persönlichkeiten hinzeigt. Das wird nur manchmal unbequem. Und derselbe Mann, der diese Sätze niedergeschrieben hat 1910, der aufge­wacht ist, der hat auch in demselben Buche eine höchst unangenehme Rechnung angestellt. Er hat nämlich eine Liste aufgestellt von fünf­undfünfzig Männern, die in Wirklichkeit Frankreich beherrschen und ausbeuten. Diese Liste gibt es in dem Buche «La Democratie et les Financiers» 1910, von Francis Delaisi, von demselben Mann, der das ja mittlerweile berühmt gewordene Buch «La Guerre qui vient» ge­schrieben hat, das letztere 1912, das Buch «La Democratie et les Finan­ciers» 1910. In diesem Buche finden Sie Sätze von fundamentaler Be­deutung. Da ist einmal ein Mensch aufgewacht gegenüber der Wirk­lichkeit. In diesem Buche «Die Demokratie und die Finanzwelt» liegen Impulse, um vieles von dem zu durchschauen, was heute durchschaut werden sollte, vieles aber auch zu zerhauen von dem, was als Nebel über die Gehirne der Menschen hin zum Fluten gebracht wird. Auch über diese Dinge muß man sich entschließen, die Wirklichkeit ins Auge zu fassen.
Natürlich ist das Buch unberücksichtigt geblieben. Aber in diesem Buche werden gewisse Fragen aufgeworfen, die heute in der ganzen Welt aufgeworfen werden sollten, weil sie manches über die Wirklichkeit lehren würden, die man so begraben will unter all den Deklamationen von Demokratie und Autokratie und was die Schlagworte alle sind. In diesem Buche finden Sie zum Beispiel auch eine sehr schöne Darstellung von der üblen Lage, in der eigentlich ein Parlamentarier ist. Nicht wahr, die Menschen glauben, so ein Parlamentarier stimmt nach seiner Überzeugung ab. Aber würde man alle die Fäden kennen, durch die ein solcher Parlamentarier zusammenhängt mit der Wirklichkeit, dann würde man erst wissen, warum er in einem Fall ja und im andern Fall nein sagt. Denn gewisse Fragen müssen aufgeworfen werden. Delaisi wirft sie auf. Zum Beispiel wirft er die Frage auf, indem er einen Parlamentarier ins Auge faßt: Auf welche Seite soll sich der arme Mann stellen? Das Volk zahlt ihm jährlich dreitausend Francs Diäten, die Aktionäre dreißigtausend Francs! - Die Frage stellen, heißt sie schon beantworten. Also der gute arme Mann bekommt vom Volk seine dreitausend Francs Diäten, von den Aktionären dreißigtausend! Nicht wahr, es ist ein sehr schöner Beweis, zeugt manchmal von großem Scharfsinn, zu sagen: Wie schön ist es doch, daß einmal in einem Parlament ein Sozialist, ein Volksmann wie Millerand einen Platz gefunden hat! Es ist etwas Großartiges, daß solche Errungenschaft möglich geworden ist. Delaisi frägt etwas anderes. Er frägt: Wie steht es mit der Unabhängigkeit eines Menschen wie Millerand, der jährlich dreißigtausend Francs als Vertreter von Versicherungsgesellschaften verdiente?

Da ist einmal einer aufgewacht; der weiß ganz gut, wie die Fäden gehen von den Taten eines solchen Mannes in die verschiedenen Versicherungsgesellschaften hinein. Aber solche Dinge, die heute im Wachzustand über die Wirklichkeit erzählt werden, die werden eben nicht berücksichtigt. Man kann natürlich sehr schön den Menschen von der Demokratie der westlichen Welten deklamieren. Wenn man ihnen aber die Wahrheit sagen wollte, müßte man ihnen sagen: Der so und so heißt, macht es so, und der so und so heißt, macht es so. — Und da rechnet Delaisi fünfundfünfzig Männer heraus, nicht eine Demokratie, sondern fünfundfünfzig bestimmte Männer, von denen er sagt, daß sie Frank­reich beherrschen und ausbeuten. Da ist man auf die realen Tatsachen gekommen, denn auch im gewöhnlichen Leben muss der Sinn erwachen für reale Tatsachen."

Freitag, 22. April 2011

VOLKSABSTIMMUNG

Eine der ersten Volksabstimmungen fand unter Pontius Pilatus statt


Was vor etwa 1978 in Jerusalem sich vor dem Palast des Pilatus abspielte, war unter anderem auch ein politischer Vorgang.
Es drückt sich darin etwas aus, was auch für unsere heutigen Politiker noch gilt: Man kann nicht frei handeln, auch nicht nach der Vernunft, sondern man unterliegt Zwängen, denen man sich kaum entgegenstellen kann.

Pilatus stellte dem Volk die Frage, wen es begnadigen würde. Es entschied sich für die Kreuzigung Christi und die Freilassung eines Mörders. Die Menge ließ sich von Emotionen leiten. Sie handelte gegen alle Vernunft. Sie verhinderte das Gute und förderte das Böse.

Diese Gefahr ist bis heute nicht beseitigt. Medien und Parteien versuchen die Emotionen der Menschen zu erreichen, anzustacheln und auszunutzen. Diese Emotionen haben wenig mit einem vernünftigen Denken oder Handeln zu tun. Diese Emotionen wehen wie ein Wind über eine ganze Nation hinweg, in alle Menschenseelen hinein. Nur einzelne Individuen können sich gegen das Emotionale stellen. Die Menge kann es nicht. Der Mensch braucht eine gewisse Stärke, um sich emotionalen Trends zu widersetzen. Wer ihnen nicht folgt, der wird verurteilt und geächtet.

Das ist der Mangel der Demokratie von heute, dass sie nach Mehrheiten entscheidet. Über Vernunft ist aber nicht mehrheitlich entscheidbar. Vernunft braucht eine besondere Weitsicht, Ausdauer, Überschau. Die hat nie die Masse, sondern die haben immer nur wenige, vorausschauende, nachdenkende Menschen. Später, nach Jahrzehnten, wenn die Wirkungen eintreten, dann werden mehr Menschen das Postitive oder Negative einer Entscheidung beurteilen können.

Erst wenn auf demokratischem Wege es gelingt, wirklich fähige, vernunft-orientierte Menschen in Fürhrungsstellungen zu bringen, dann wird auch das Politische in ein ruhigeres Fahrwasser kommen.

Unsere heutige Demokratievorstellung, auch die Forderung nach mehr Volksabstimmungen, geht davon aus, dass alle Menschen völlig selbstbewusste, selbstkritische, verantwortungsbewusste, geistig unabhhängige, nicht-autoritätsgläubige Individuen sind.  Die Veranlagung dazu ist heute in den westlichen Nationen vorhanden, aber der Lebensführung der Menschen entspricht es noch nicht. Es gibt Mainstreams denen bestimmte Bevölkerungsgruppen immer unkritisch folgen.

Mittwoch, 24. November 2010

Boris Palmer - ehemaliger Waldorfschüler

Oberbürgermeister von Tübingen

Er selbst schreibt auf seiner Internetseite www.borispalmer.de in seinem Lebenslauf über seine Zeit als Waldorfschüler:


"SCHULE

"Erziehung zur Freiheit" lautet ein Schlagwort der Waldorfschulbewegung. Die meisten Schlagwörter überzeichnen einen Sachverhalt, so auch hier, denn zur Freiheit erziehen, das ist ein Widerspruch in sich. Anstöße zur Entwicklung einer freien Persönlichkeit geben, das ist allerdings möglich. Die Waldorfschule zeichnet sich eben dadurch aus, daß sie diesem hohen Ziel den Vorrang gegenüber der Vermittlung nackten Faktenwissens gibt und zuvörderst aus diesem Grunde betrachte ich es heute als Glücksfall und für meine Entwicklung entscheidendes Ereignis, daß ich die Chance erhielt, eine Waldorfschule zu 
besuchen.


Natürlich wußte ich davon noch nichts, als ich mit sieben Jahren erstmals die Freie Waldorfschule Engelberg betrat, ich hegte einfach nur eine große Vorfreude auf die Schule. Schon bald fühlte ich mich sehr wohl in meiner neuen Umgebung und sah in meiner Klassenlehrerin, Frau Kreßler, eine zweite Mutter. Ich freute mich auf jeden Schultag, lauschte mit Begeisterung den Erzählungen unserer Lehrerin und durchlebte die
Schicksale der verschiedensten Märchenfiguren - noch heute habe ich die Bilder vor mir, die meine Phantasie damals zeichnete. Nach und nach hielten auch Fächer Einzug in den Unterricht, die intellektuell Forderungen stellten, und hier konnte ich immer mehr meine Begabungen ausspielen. Lesen hatte ich ohnehin schon vor der Einschulung gelernt, und besonders im Rechnen wurde ich zum Klassenprimus. Bei all dem bemühte ich mich stets, meiner geliebten Lehrerin zu gefallen, die Hausaufgaben wurden immer erledigt, und wo es Arbeit gab, bot ich stets meine Hilfe an. Nur in den musischen und praktischen Fächern hatte ich meine liebe Müh', doch das ließ sich ertragen, hielt ich dies sowieso für Frauensache.


Mit Beginn der fünften Klasse zerbrach die Kinderwelt allmählich, im gleichen Maße, wie ich im Elternhaus vereinsamte, distanzierte ich mich auch von meiner Schule, von Frau Kreßler und den Klassenkameraden. Aus der Verehrung für die Lehrerin wurde massive Opposition, mein fortschreitender Wissensstand ermöglichte es mir, ihre fachlichen Defizite zu erkennen, die nun ihr unschätzbares Talent im Umgang mit Kindern überdeckten. Innerhalb der Klasse wurde ich zum Sonderling, an dem man zwar nicht vorbeikonnte, den man aber auch nicht mehr als nötig einband. Umso mehr trachtete ich danach, durch Vermehrung meines
Wissensvorsprungs meine Position zu festigen. Doch Befriedigung erwuchs daraus in der Schule nicht, in der siebten Klasse führte ich ein Aufnahmegespräch an einem Gymnasium, und nur die Angst vor dem Unbekannten verhinderte einen Wechsel.


Heute bin ich sehr froh über diese Entwicklung, denn schon bald setzte ein grundlegender Wandel ein. Meine Lehrer erkannten sehr wohl, daß es mir an Aufgaben und Zielen mangelte, da ich die Anforderungen im Unterricht nicht als solche empfand. So stellte mir Herr Peter, mein künftiger Mathematiklehrer, Sonderaufgaben mit dem Stoff höherer Klassen und ich durfte früher als sonst jemand, eine Beleuchterkarriere an unserer Bühne beginnen.


Setze ich sonst voraus, daß die Eigenarten einer Waldorfschule dem geschätzten Leser bekannt sind, so muß ich dies wohl etwas näher erläutern. In der achten und zwölften Klasse werden an unserer Schule sogenannte Klassenspiele aufgeführt, von Shakespeare über Goethe und Schiller bis Zuckmayer und Wilder reicht das Programm. Dazu gibt es an unserer Schule zwei Bühnen, den großen und kleinen Saal, die jeweils mit einer semiprofessionellen Beleuchtungstechnik ausgestattet sind. Herr Morris, mein Englischlehrer, kümmert sich noch heute um deren Einsatz, und so lernte ich damals bei ihm das Handwerk, Theater ins rechte Licht zu setzen. Gleich meine erste große Aufgabe war es, den Kopf des Mephisto in Goethes Faust, den Herr Rüttinger 1987 mit einer zwölften Klasse inszenierte, über fünf Stunden mittels eines Verfolgers in ein grünliches Licht zu setzen. Auf eine Entfernung von zwanzig Metern nicht so einfach!


Viel wichtiger als die technischen und künstlerischen Fertigkeiten, die ich mir als Beleuchter in fünf Jahren erworben habe, waren aber die Kontaktmöglichkeiten, die sich daraus ergaben. Denn die Klassenspiele sind mit eine der Einrichtungen, die die besondere Zusammengehörigkeit der Oberstufe an einer Waldorfschule ermöglichen. Und ich war nun bei Proben und Aufführungen aller Spiele dabei! So fand ich endlich eine Möglichkeit, mich in das soziale Gefüge der Schule einzubringen, und ich hatte sehr großen Spaß daran, ergriff die Chance mit brennendem Eifer. Durch die Freundschaft zu den Beleuchtern meiner Vorgängergeneration, mit denen ich noch heute eng verbunden bin, wurde mir das Tor zur ganzen Oberstufe geöffnet, bald sah man mich nur noch bei den 12ern stehen, wo ich doch gerade in die 9.Klasse gekommen war. So wandelte ich mich vom arroganten Eigenbrötler in der eigenen Klasse zum engagierten Oberstufenschüler.


Zudem konnte ich nun auch meinen Wissensdurst in der Schule besser stillen, denn vom ersten Tag der Oberstufe kehrte ein ganz neuer Arbeitsstil ein, endlich wurde ich in meinen Paradefächern wieder gefordert. Zu meinem neuen Klassenbetreuer, Herrn Schneider, fand ich bald ein noch tieferes Verhältnis als am Anfang meiner Schulzeit zu Frau Kreßler. War es damals kindliche Liebe, so brachte ich ihm nun die aufrichtige Zuneigung eines jungen Erwachsenen entgegen und spürte bald, daß er diese erwiderte, wir verstanden uns glänzend. Der Umbruch war geschafft, ich ging wieder gerne zur Schule, und immer mehr nahm sie mein ganzes Denken und Fühlen ein, ich engagierte mich fast ausnahmslos bei allen Unternehmungen der Schule, und so kam es auch, daß ich dazu stieß, als im Sommer 1988 eine neue Schülerzeitung gegründet werden sollte. Zunächst agierte ich zurückhaltend, übernahm nur wenige Artikel und die Aufgabe, das Layout herzustellen. Gemeinsam mit Ivar, einem jener älteren Beleuchter, arbeitete ich 24 Stunden daran, dann hatten wir die erste Ausgabe des "Steinschlag" vor uns. Welch ein Gefühl, endlich das fertige Heft in Händen zu halten! Von der Nächsten Ausgabe an brachte ich mich auch hier voll ein, immer besser sollte das Heft werden, und bis zur Ausgabe 8 oblag mir die Gestaltung des Heftes, arbeitete ein Team von Freunden in unvergeßlichen Wochen oft tagelang ohne Schlaf an diesem Layout. Ein wenig flüchtete ich aus der von Streit zerrütteten Welt der Eltern in die heile Welt meiner Schule, hier fand ich Anerkennung, Aufgabe und Befriedigung. Unmöglich, all die Klassenspiele, Bälle, Martinsmärkte, Jahresabschlüsse und Vorträge zu erwähnen, zu denen ich in die Schule eilte, kaum eine Veranstaltung, die nicht einen Beleuchter gebrauchen konnte.


Obwohl all diese Aktivitäten sehr zeitaufwendig waren, hatte ich noch genügend Kapazitäten für die Schule frei. In den naturwissenschaftlichen Fächern, aber auch in Geschichte und Deutsch war es für mich selbstverständlich, stets unter den Besten zu sein. Doch anders als in den vorausgegangenen Jahren veranlaßte mich dies nicht mehr zu herablassenden Bemerkungen gegenüber Schwächeren, ich bemühte mich,vom hohen Roß herabzusteigen und erkannte, daß die bessere intellektuelle Ausstattung noch lange keinen besseren Menschen macht.


Sehr hilfreich war mir dabei, daß man an Waldorfschulen großen Wert auf den praktischen Unterricht legt, und hier konnte ich erleben, wo meine Schwächen lagen, daß die meisten Klassenkameraden mir in dieser Hinsicht viel voraus hatten. Wenngleich ich mir heute sage, daß ich im praktischen Unterricht gerade deswegen viel gelernt habe, weil ich dafür nur wenig Talent mitbrachte, waren dies damals natürlich nicht unbedingt meine Lieblingsfächer, so daß ich im elften Schuljahr aus einer einfachen Überlegung heraus eine Entscheidung traf, die mir heute sehr wichtig ist: Aus dem Stundenplan ging hervor, daß zwei Wochenstunden entweder mit einem praktisch-künstlerischen Fach oder mit Latein zu belegen waren. Nun hatte ich in der siebten Klasse, in der der Lateinunterricht beginnt aus reinem Protest die Bitten meiner Klassenlehrerin abgelehnt, in die Lateinklasse einzutreten. Doch kurz entschlossen, fragte ich nun Herrn Stülpnagel, den Lateinlehrer unserer Schule, ob ich wohl versuchsweise noch jetzt in die Riege der Lateinschüler aufgenommen werden könne. Angesichts fehlender Präzedenzfälle hielt er dies für gewagt, doch ebenso für den Versuch wert. In eineinhalb Jahren bereitete ich mich daher auf die schriftliche Prüfung vor, und wenn ich auch oft mit mir selbst kämpfen mußte, faszinierte mich diese Sprache doch immer mehr, der Geist einer alten Zeit sprach durch sie zu mir. Diese Faszination machte es mir schließlich leicht, auch die Prüfung zu bestehen und nach nur zwei Jahren das kleine Latinum in den Händen zu halten.


Natürlich war das zwölfte Schuljahr, das letzte der Waldorfschule vor dem staatlich geprägten Abiturjahr, dadurch nicht ausgefüllt. Ganz im Gegenteil, nie nahm ich an mehr Aktivitäten teil: Im Herbst brachte meine Klasse "Die Heiratsvermittlerin" zur Aufführung, im Frühjahr standen gemeinsame Jahresarbeit und Walldorfabschluß an, wir gingen auf Klassenreise, der Schulchor führte die Carmina Burana auf und noch immer betätigte ich mich als Beleuchter und schrieb Artikel für die Schülerzeitung. Allmählich kündigte sich aber auch das nächste Jahr an, das ganz andere Schwerpunkte setzen sollte. Immer zielstrebiger ging man auf Abituraufgaben zu und mit großer Genugtuung registrierte ich, daß ich nun in der Lage war, Grundkursaufgaben der Mathematik vollständig zu lösen. Dadurch wußte ich endlich, für welchen der beiden einzigen zur Wahl stehenden Leistungskurse ich mich entscheiden sollte, der Mathematik, nicht der englischen Sprache, sollte mein Hauptaugenmerk im letzten Schuljahr gelten.




Unaufhaltsam rückte es näher, und im August des Jahres 1991 saßen wir erstmals in neuer Mischung beieinander, die Schüler der einstigen Parallelklassen, die sich für das Abitur qualifiziert hatten. Es dauerte nur wenigen Wochen, bis sich ein starker Zusammenhalt in der neuen Klasse gebildet hatte, geeint durch das gemeinsame Ziel, das uns voll beanspruchte, fanden wir zueinander. An die Stelle eines sinnlosen Konkurrenzkampfes setzten wir gemeinsames Lernen, hielten so dem Prüfungsdruck stand und knüpften echte Freundschaften. Für mich stand dabei ganz klar die Backbench im Vordergrund, die letzte Reihe, in der vier Jungs aus dem Mathe LK saßen, Ralf, genannt "Ray, der Marxist", Wolfgang, genannt "Wolle, der Wurstfabrikant", Johannes, genannt "Hannes der Marlboroman" und ich, die "1,0". Ich habe mich nie mehr so wohl in einer Gruppe gefühlt, wie in diesem Jahr in unserer Klasse. Die Zeit verging schließlich wie im Flug, und die meisten von uns konnten zufrieden auf ein schönes und erfolgreiches Jahr zurückblicken, wir hatten uns nicht unterkriegen lassen.


Ich denke ebenso gerne an mein Abiturjahr zurück, wie an die Oberstufenzeit. Kein Wunder also, daß ich nach dem erfolgreichen Abschluß meiner Schulzeit nicht nur fröhlich gestimmt war. Dies bedeutete für mich zugleich die Trennung vom bislang wichtigsten Abschnitt meines Lebens, von der Schule, die zum Inbegriff meiner Jugend geworden ist. Schon bald mußte ich erkennen, daß Idealismus und Engagement, Tugenden, die ich an meiner Schule als prägend empfand, in der heutigen Gesellschaft weitaus weniger verbreitet sind, als ich gehofft hatte. Ich bemerkte erst jetzt, wie andersartig ich als Waldorfschüler die Welt sah, wie anders ich fühlte und dachte. Mit meinen Mitschülern und Lehrern hatte mich eine Art Grundkonsens verbunden, der nun völlig fehlte. Ich hatte deswegen manche Krise zu bestehen, doch mein Wille im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten gesellschaftliche Veränderungen zu erstreben, ist noch immer ungebrochen - welchen Sinn könnte das Leben sonst bieten? ....

Mittwoch, 29. September 2010

Bushs Rede zur "Freiheit"

Zufällig fand ich dieser Tage diese damals berühmt gewordene Rede von George W. Bush wieder.
Sie ist ein Dokument, das den Anspruch der USA bestätigt, sich über alle Völker der Welt zu stellen; deren Politik und Systeme nach den eigenen Maßstäben zu beurteilen und notfalls als Weltpolizist beliebig militärisch einzugreifen. Der Begriff "Freiheit" wird hier zur Waffe gegen den politischen Feind umgeschmiedet.

Der amerikanische Präsident George W. Bush hat in seiner Antrittsrede nach der Vereidigung zur zweiten Amtszeit (20. Januar 2005)  sein Streben nach einer Welt dargelegt, in der alle Menschen in Freiheit und Frieden leben. Bush sagte in Auszügen (nach einer dpa-Übersetzung):


freedom picture

„So lange in Regionen dieser Welt Groll und Tyrannei herrschen, die empfänglich sind für Ideologien, die Hass schüren und Mord entschuldigen, wird die Gewalt wachsen und sich in destruktiver Macht vervielfachen. Es gibt nur eine Kraft in der Geschichte, die die Herrschaft von Hass und Groll brechen, die Anmaßung von Tyrannen entlarven und die Hoffnung der Aufrechten und Toleranten belohnen kann: das ist die Kraft der menschlichen Freiheit.” (...) 
„Das Überleben der Freiheit in unserem Land hängt immer mehr vom Erfolg der Freiheit in anderen Ländern ab. Die beste Hoffnung für Frieden in unserer Welt ist die Ausbreitung von Freiheit in aller Welt.” (...) 
„Es ist die Politik der Vereinigten Staaten, demokratische Bewegungen und Institutionen in jedem Land und jeder Kultur zu suchen ihre Entwicklung zu unterstützen, mit dem Endziel, die Tyrannei in der Welt zu beenden.” (...) 
„Amerikas Einfluss ist nicht unbegrenzt. Aber zum Glück für die Unterdrückten ist der Einfluss bedeutend und wir werden ihn im Einsatz für die Freiheit selbstbewusst anwenden.” (...) 
„Amerika spricht heute zu den Völkern dieser Welt: Alle, die in Tyrannei und Hoffnungslosigkeit leben, sollen wissen: die Vereinigten Staaten werden eure Unterdrückung oder die Ausflüchte eurer Unterdrücker nicht hinnehmen. Wenn ihr für Frieden einsteht, stehen wir hinter euch. Demokratische Reformer, denen Unterdrückung, Gefängnis oder Exil droht: Amerika sieht euch als das, was ihr seid: die künftigen Anführer eures befreiten Landes.” (...) 
„Alle Verbündeten der USA sollen wissen, dass wir ihre Freundschaft honorieren. Wir brauchen euren Rat, wir sind auf eure Hilfe angewiesen. Gezänk unter freien Nationen ist das Hauptziel der Feinde der Freiheit. Gemeinsame Anstrengungen der freien Nationen, um die Demokratie zu fördern, sind der Beginn der Niederlage unserer Feinde.” (...) 
„Weil wir in der großen Befreiungstradition dieses Landes handelten, haben Millionen von Menschen die Freiheit erlangt. Und weil Hoffnung Hoffnung weckt, werden Millionen weitere Freiheit finden. ... Eines Tages wird das ungezügelte Feuer der Freiheit auch die dunkelsten Ecken unserer Welt erreichen.” (...) 
„Wir gehen voran mit dem festen Vertrauen, dass die Freiheit letzten Endes triumphiert. (...) Nicht, weil wir uns für eine auserwählte Nation halten, Gott bewegt und entscheidet nach seinem eigenen Willen. Wir haben das Vertrauen, weil die Freiheit die dauerhafte Hoffnung der Menschheit ist ...” 
Text: dpa

Samstag, 11. September 2010

Politische Scheinheiligkeit

BERLIN ERLEICHTERT ÜBER DEN RÜCKZUG SARRAZINS

Bundesregierung: Wir haben keinen Einfluss geübt
(Schlagzeilen in der FAZ, 11.9.2010)


Egal, was man von den Gedanken Sarrazins hält, deutlich wird an diesem Fall, wie schnell man einem Menschen heute der Garaus machen kann, ganz ohne Polizei, Gerichte oder Inquisition. Die Nation verhält sich wie ein Kollektiv, das schlicht und einfach den "Übeltäter" einkesselt und ihn auf diese Weise kaltstellt.

Als Anthroposoph, der sich in freier Erkenntnisbildung schult, weiß man nur zu gut, wie es in Wahrheit um die "Meinungsfreiheit" in der heutigen Welt bestellt ist. Es ist in Wirklichkeit noch immer wie zu Galileis Zeiten. Wird etwas geäußert, was der herrschenden Meinung widerspricht, so ist es um diesen Menschen geschehen. Er wird nicht unbedingt mehr leiblich hingerichtet. Heute ist es mehr eine seelische-geistige Hinrichtung, die erfolgt.
Wichtig ist nur, dass man das weiß und von daher möglichst still hält und sich gut überlegt, wo und wie man was sagt.

Weitere Pressemeldungen:

Das hält keiner aus

Sarrazin erklärt sich in Potsdam / Von Michael Müller

Potsdam, 10. September. Es ist kurz nach 20 Uhr an diesem Donnerstagabend, als Thilo Sarrazin den Potsdamer Nikolaisaal betritt. Er ist umringt von schwarzgekleideten Leibwächtern, die nach den Morddrohungen der vergangenen Tage sein Leben schützen sollen.....




Zur Strecke gebracht

Von Berthold Kohler

Thilo Sarrazin ist der Aufforderung seiner Kritiker aus Staat und Partei gefolgt und hat sich selbst als Problem "abgeschafft". Von einem "freiwilligen" Rückzug können aber nur Zyniker sprechen. Von der "Menschenverachtung" über ....


Unabhängigkeit

Leider hatte die Deutsche Bundesbank dem Druck aus Berlin eilfertig nachgegeben und zunächst eine Abberufung ihres in politische Ungnade gefallenen Vorstandsmitglieds Sarrazin in die Wege geleitet....



Landtag lehnt Sarrazins Thesen einhellig ab

Landtag einig beim Reizthema Integration: Sarrazin hat unrecht....


„Zweifelhaftes Verfahren gegen Sarrazin“

Der Freiburger Staatsrechtslehrer Schoch hat Bedenken gegen das Verfahren der Abberufung Thilo Sarrazins aus dem Bundesbankvorstand. In der F.A.Z. schreibt Schoch, die Initiative dazu hätte vom Bundesrat ausgehen müssen. Bundespräsident und Kanzlerin erweckten den Anschein von „Befangenheit“.

Donnerstag, 18. März 2010

ZEITFRAGEN Nationalismus

Es gab Zeiten, wo es durchaus seine Berechtigung hatte, dass man die Zugehörigkeit zu einem Volk gewissermaßen als höchste Instanz betrachtete und dem alles unterordnete. Mit dem Heraufkommen der Neuzeit entwickelte sich jedoch gerade im naturwissenschaftlichen Bereich eine neue Denkart. Diese Denkart hat nichts mehr zu tun mit einem speziellen Volkscharakter, sie ist international, menschheitlich. Die Schwierigkeiten treten nach Rudolf Steiner nun dadurch auf, dass die Menschen in ihrem Gefühlsleben mit der rasanten Entwicklung des modernen Gedankenlebens nicht mitkommen:

„Dieser Gang der Entwicklung drückt sich ja insbesonders im alleräußersten materiellen Geschehen aus : im mechanischen Geschehen…Denn ob eine Eisenbahn oder eine ähnliche Einrichtung in England, in Russland, in China oder in Japan gebaut wird, die Gesetze nach denen dies geschieht, die Kenntnisse, die man dazu braucht, sind überall dieselben…so dass in der Tat auf diesem Gebiete ein internationales Prinzip in allerumfänglichster Weise Platz gegriffen hat…

Weil der materielle Fortschritt gewissermaßen vorausgeeilt ist dem guten Willen zur geistigen Erkenntnis, so ist dem Menschen dieser materielle Fortschritt, und namentlich alles, was aus diesem Fortschritt an Leidenschaften, an Impulsen in den Seelen sich ergibt, über den Kopf gewachsen....

Dass im 19.Jahrhundert innerhalb der miteinander lebenden Nationalitäten der Nationalismus solche Blüten treiben konnte, wie er sie getrieben hat, das ist die starke, große Anomalie, und sie zeigt, dass die Menschen mit ihrer Seelenentwicklung der materiellen Entwickelung nicht nachgekommen sind.“

Rudolf Steiner, Kosmische und menschliche Geschichte (GA 174)- 6.1.1917

Mittwoch, 3. März 2010

Eltern an Waldorfschulen

Klaus von Dohnanyi

Aus: "Erziehungskunst" März 2010

Klaus von Dohnanyi, ehemaliger Bürgermeister von Hamburg zum Thema »Elternsein an Waldorfschulen«

Klaus von Dohnanyi, ehemaliger Bürgermeister von Hamburg

Aufwachsen und Erwachsenwerden heißt: Lernen. Aber »Lernen« ist mehr als »Wissen«.

Es bedeutet eben auch Erfahrung zu sammeln im Umgang mit Menschen und Natur. Und beide, Menschen und Natur, sind ja mehr als Genome und Strukturen. Das besondere Bemühen der Waldorfschulen, den jungen Menschen einen breiten und tieferen Blick auf eine Welt jenseits des »Wissens« zu ermöglichen, dieses Bemühen war es, das mich für meine Kinder und für die Bildungspolitik insgesamt stets mit der Waldorfpädagogik verbunden hat.

Quelle: http://www.erziehungskunst.de/artikel/eltern-schule/elternsein-an-waldorfschulen-2/


Eltern an Waldorfschulen

Lukas Beckmann, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen Bundestagsfraktion

Aus: "Erziehungskunst" März 2010

zum Thema »Elternsein an Waldorfschulen«

Lukas Beckmann, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen Bundestagsfraktion

Waldorfschule bedeutet für mich,

  • dass mein Kind an einer guten Schule ist (was mich täglich beruhigt), in der Lehrer und Lehrerinnen unterrichten, die ihren Beruf als Berufung verstehen und ihren Unterricht frei gestalten;
  • dass mein Kind zu Freiheit, Eigenständigkeit und sozialer Kompetenz erzogen wird;
  • dass Erfahrung durch praktisches Tun im Unterricht eine wichtige Rolle spielt und nicht nur auf die Vermittlung von Wissen geachtet wird;
  • dass über einen Zeitraum von vielen Jahren die Leistungen und Fähigkeiten der Kinder von den Lehrern entwicklungsorientiert in Worten beschrieben und nicht in Zensuren festgeschrieben werden;
  • dass meinem Kind Raum und Zeit gelassen wird, seine eigene Persönlichkeit zu finden und zu entwickeln;
  • dass Lehrer Gesprächspartner sind für Eltern;
  • dass ich mit anderen Eltern im Rahmen der Selbstverwaltung Einfluss nehmen kann auf die Qualität und Weiterentwicklung der Schule.
Quelle: http://www.erziehungskunst.de/artikel/eltern-schule/elternsein-an-waldorfschulen-4/

Sonntag, 16. August 2009

Diese Frage stellt man sich immer wieder:

Die Welt befindet sich an einem politischen Wendepunkt, aber etwas fehlt, klagt Dominic Sandbrook: „Die große Idee. ...

Warum haben unsere politischen Führer – intelligente, nachdenkliche Männer und Frauen, die an den besten Institutionen Britanniens ausgebildet wurden – so schmerzlich und enttäuschend wenige neue Ideen?“ Ein Grund ist der Werdegang heutiger
Politiker, meint er. „Moderne Politiker treten von einer exklusiven Blase in die nächste. Wir haben heute eine Art Schmalspur-Version der französischen Ecole Nationale d’Administration.

So entsteht eine politische Klasse, die in Oxford und Cambridge ausgebildet wurde, ein paar Jahre als Berater gearbeitet hat und dann in sichere Positionen und Jobs in Ministerien katapultiert wird – eine Welt, in der Ideen keine große Rolle spielen“.

The New Statesman, 10. August 2009