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Montag, 15. August 2011

Über Träume:

Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Wissenschaftler, der einem fundamentalen Irrtum unterliegt, durch sein eigenes Schicksal so deutlich auf die Wahrheit hingewiesen wird:

Zitate aus "ZEIT": 
http://www.zeit.de/2011/32/Traeume-Wissenschaft

"Die Renaissance der Traumforschung begann mit heftigem Schwindel. Am 1. Februar 2001 saß Allan Hobson, der einflussreichste Schlafforscher der letzten Jahrzehnte, mit seiner Frau Lia beim Frühstück. Plötzlich drehte sich alles um ihn. Hobson, damals 68, presste seinen Kopf auf den Tisch, um das Gleichgewicht zu halten. Lia, eine Neurologin, erkannte die Symptome eines Schlaganfalls und brachte ihren Mann ins Krankenhaus. Eine Arterie in seinem Hirnstamm war geplatzt.

Der Schlaganfall brachte auch Hobsons Schlaf durcheinander. In den ersten zehn Tagen schlief er überhaupt nicht. Seine Träume blieben noch länger aus. Stattdessen hatte er im Wachen furchtbare Halluzinationen – so als wollte sein Gehirn dringend träumen. Sein erster Traum, 38 Tage nach dem Schlaganfall, kam just in jener Phase, in der er auch das Gehen wieder lernte. Das war kein Zufall, davon ist Hobson überzeugt – erst träumend habe sein Gehirn die grundlegenden Fähigkeiten wiedererlangt. Mittlerweile glaubt er sogar: »Ohne Träume gibt es kein Bewusstsein.«

"Ausgerechnet Allan Hobson! Der Psychiater hatte die Träume einst mit aller Macht den bisherigen Traumdeutern entreißen wollen, er hat sie gar zum sinnlosen Abfallprodukt der Hirntätigkeit degradiert."
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Worüber er allerdings nicht nachdachte, ist, dass seine Träume mit dem neuen Gehenlernen zusammen kamen!

Samstag, 7. Mai 2011

Gewicht und Gegengewicht

Vor 150 Jahren
Das M.I.T. und Rudolf Steiner

Wenn man sich zwei Waagschalen an einer Balkenwaage vorstellt, und man legt auf die eine Schale ein Gewicht, so wird dieses durch ein Gegengewicht ins Gleichgewicht gebracht.
Auch in der Welt braucht es bei allem dieses Prinzip. Gäbe es immer nur die eine Seite der Medaille, dann würde die Welt aus dem Gleichgewicht geraten.
Der heutige Materialismus, das Finanzsystem, die Macht der Ökonomie braucht ein Gegengewicht, dieses muss spirituell-geistiger Natur sein.

Vor 150 Jahren, am 10.April 1861 wurde das M.I.T., Massachusetts Institute of Technologie, gegründet. Es ist wohl die größte intellektuelle Schmiede heutiger technischer Errungenschaften auf der Welt. Dort arbeitete Alexander Graham Bell an der Entwicklung des Telefons, Tim Berners-Lee am World Wide Web und Noam Chomsky an der modernen Linguistik. Die chemische Industrie, die Biotechnologie, die Rüstungsindustrie usw. auf der ganzen Welt sähen völlig anders aus, wenn es die Forschungen und Entwicklungen M.I.T. nicht gäbe.

Im Februar 1861 wurde Rudolf Steiner geboren, die von ihm entwickelte Geisteswissenschaft und mit ihr der Goetheanismus, stellt das notwendige Gegengewicht im Zeitenlauf dar.


Sonntag, 30. Mai 2010

MALER UND INFORMATIKER

David Gelernter

David Gelernter wird als einer der berühmtesten Computerwissenschaftler unserer Zeit betrachtet. Er habe wesentlich zur Entwicklung des WWW beigetragen. In der FAZ vom 29.Mai 2010 wird ein Interview mit ihm veröffentlicht. Dieses gibt viel tiefere Einblicke in die Wirklichkeit von Technik und Wissenschaft als alle gelehrten Bücher darüber.

Es wird von ihm bestätigt, dass der wirklich innovative Wissenschaftler Künstler sein muss. Er selber sei an erster Stelle Maler, nur an zweiter sei er Techniker. Wissenschaft muss mit der Welt in einer Beziehung stehen. Die Welt ist nicht wissenschaftlich-technisch organisiert, sondern nach Schönheit und Ästhetik. Jede Pflanze, jedes Tier ist in sich ein vollkommenes Geschöpf, welches in voller Harmonie aller seiner Teile gestaltet ist. Diese Harmonie empfinden wir als Schönheit.

Nun einige Auszüge aus dem Interview:

Ja, ich bin Maler geworden

Der Meister der Softwareentwicklung ist selbst ein Künstler: Warum es für David Gelernter keinen Unterschied zwischen Malerei und Computerwissenschaft gibt.

NEW HAVEN, 28. Mai

Erst kam die Malerei, dann der Computer. In seinen eigenen Worten hört es sich noch dramatischer an: "Ich habe gemalt, bevor ich schreiben konnte. Die Malerei ist meine erste Sprache. Sie ist mir zweite Natur. Ich habe immer in Bildern und Farben gedacht."

„Ein erfolgreicher Technologe muss die gleichen ästhetischen Fähigkeiten besitzen wie ein erfolgreicher Künstler. Das war für mich eine interessante Überraschung." Heute weiß er längst, dass Kunst und Computer mehr verbindet als unterscheidet. "Ich bin wirklich nur in der Lage, eine einzige Sache zu tun, und ich tue das immer auf dieselbe Weise. Ich denke in Bildern und über Bilder nach. Auch wenn es um Computer und Software geht."

Gelernter strebt danach, ohne Rücksicht auf konkrete Ingenieurprobleme Software auf einem Niveau zu entwickeln, das ästhetischen Maßstäben standhält. Er will sie menschlich, geistig formen. Aber auch einen Imperativ des Talmuds hat er dabei im Sinn. Er zitiert aus dem Kopf: "Die Tora zu studieren in praktischer Beschäftigung mit der Welt ist voller Schönheit." Er denkt also an Schönheit, wenn er Software entwickelt? Wie einen Blitz lässt er die Antwort einschlagen: "Yes!"

Schönheit führt zur Wahrheit

Alle ernsthaften Ingenieure, Physiker, Mathematiker, so versichert er, ließen sich von Schönheit leiten. "Schönheit bestimmt ihr Tun, sie ist der überwältigende Impuls ihres Lebens." Ergibt sich aus ihr automatisch dann das Nützliche? Wieder holt Gelernter weit aus: "So wie das Universum funktioniert, führt Schönheit zur Wahrheit, aber nicht unbedingt zur utilitaristischen. Doch dem Mathematiker, der an einem Beweis arbeitet, dem Physiker, der nach einer Welttheorie sucht, dem Softwaredesigner, der aus komplizierter Software eine einfache und elegante Version herstellen will, weist Schönheit den richtigen Weg."... (Jordan Meijas)

Dienstag, 18. August 2009

„Wurzeltage“ kein Gewinn für die Weinprobe


"Britische Supermarktketten benutzen schon lange biodynamischen Pflanzkalender

LONDON (NNA). Der biodynamische Aussaat- und Pflanzkalender von Maria Thun ist vermutlich eines der best gehüteten Geheimnisse des Weinhandels. Schon lange arbeiten die großen britischen Supermarktketten nach einem Bericht der Zeitung „The Guardian“ mit dem Kalender, wenn sie Kritiker zu Weinverkostungen einladen.

„Der biodynamische Kalender ist sehr bekannt unter den Leuten, die im Weinhandel arbeiten und sie benutzen ihn schon seit Jahrzehnten“, erläuterte Mary Rochester Gearing, Öffentlichkeitsarbeiterin bei der Tesco-Kette, gegenüber NNA. „Tesco hat ihn in den vergangenen Jahren immer berücksichtigt, wenn wir einen Termin für die Presse festlegen mussten, das macht Marks & Spencer auch so und zwar schon lange“, fügte sie hinzu.

Der Kalender von Maria Thun wird in der biodynamischen Landwirtschaft von den Landwirten verwendet, um den besten Zeitpunkt für Aussaat, Schnitt und Ernte von verschiedenen Feldfrüchten zu bestimmen. Er basiert auf dem Zyklus des Mondes und auf Planetenkonstellationen. Die Tage werden als Frucht, Blüte, Blatt- oder Wurzeltage benannt entsprechend diesen astronomischen Beziehungen. Es gibt auch einen separaten Kalender für Weinkonsumenten.

„Obwohl die biodynamischen Praktiken mit der Arbeit auf dem Feld zu tun haben und dem Weinbau – zum Beispiel die Winzer in Burgund arbeiten damit – geht die Theorie auch dahin, dass der Wein an bestimmten Tagen mehr von seinem Geschmack zeigt als an anderen,“ erklärt Mary Rochester Gearing. „Grundsätzlich macht es Sinn, die Weine dann zu präsentieren, wenn sie am besten schmecken, deswegen versuchen wir immer, unsere Verkostungen an den Blüten- oder Fruchttagen zu veranstalten“.

Unabhängig vom Einsatz des Thun-Kalenders bietet der Supermarktriese Bioweine auch in seinem Sortiment an. „Das ist aber mehr eine Entscheidung der Produzenten und basiert weniger auf der Nachfrage unserer Käufer. Wir stellen das in unserer Werbung auch weniger heraus, weil es eher Verwirrung stiften würde und die Kunden auch nicht in ihrer Kaufentscheidung beeinflusst“, sagte Mary Rochester Gearing gegenüber NNA."...


Fortsetzung:

http://www.nna-news.org/news/

Mittwoch, 6. Mai 2009

Wissenschaft im Kampf gegen die Religion

Der amerikanische Physiker und Nobelpreisträger Steven Weinberg äußerte seine Einstellung zu Wissenschaft und Religion in einem Interview mit dem Zeit-Magazin am 2.4.2009 in nachfolgender Weise. Damit bringt er in sehr offener und deutlicher Art zum Ausdruck, was sich viele aus bürgerlicher Rücksichtnahme nicht so klar auszudrücken wagen.


Sein Kernsatz:
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Wir Wissenschaftler sollten alles tun, um die Macht der Religion zu schwächen. Dies wird sich schlussendlich vielleicht als unser wichtigster Beitrag zur Zivilisation erweisen
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...Je begreiflicher und das Universum wird, desto sinnloser erscheint es uns auch. Wir finden nichts, was unserem Leben einen objektiven Sinn verleiht. Denn in den Naturgesetzen ist nichts erkennbar, was uns eine besondere Stellung im Universum verleiht. Dies bedeutet nicht, dass ich mein Leben sinnlos finde.Wir können einander lieben und versuchen, die Welt zu verstehen. Doch diesen Sinn müssen wir unserem Leben selber geben. Das Bestreben, das Universum zu verstehen, hebt das menschliche Leben ein wenig über eine Farce hinaus und verleiht ihm einen Hauch von tragischer Würde.

(Der Interviewer: Man könnte es auch als einen Gewinn an Freiheit sehen.)

Wenn Ihnen das gelingt, herzlichen Glückwunsch. Ich könnte es gerne und kann es nicht. Ich empfinde eine gewisse Sehnsucht nach dem vergangenen Zeitalter des Glaubens. Ich fühle mich von der Religion angezogen. Und meine Abneigung rührt gerade daher, dass ich ein Verlangen nach etwas fühle, von dem ich weiß, dass es unwahr ist.

Meine Eltern waren keine besonders gläubigen Juden. Bis zum Alter von vielleicht zwölf Jahren glaubte ich, dass es so etwas wie einen Gott geben müsse, auch wenn ich keiner bestimmten Religion anhing. Dann erschienen mir diese Ideen plötzlich dumm, und dabei ist es geblieben.
Wir Wissenschaftler sollten alles tun, um die Macht der Religion zu schwächen. Dies wird sich schlussendlich vielleicht als unser wichtigster Beitrag zur Zivilisation erweisen. ...

Ich sehe den Niedergang der wissenschaftlich so produktiven Antike im Wesentlichen als ein Werk des erstarkenden Christentums. Der byzantinische Kaiser Justinian I. ließ die platonische Akademie schließen. weil Neugierde als das sicherste Zeichen von Unglauben galt......


(Die Menschen glauben trotzdem. Ich vermute, auch ein Hang zur Religiosität gehört zu unserer Natur. )

Na und? Wir haben auch eine Anlage, uns die Bäuche mit Zucker und Fett vollzuschlagen, und kämpfen dagegen an.


Mehr unter:
http://www.zeit.de/2009/15/Klein-Weinberg-15

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Neurobiologie : Ein Gespräch mit dem Hirnforscher Wolf Singer |

Bei diesem Veröffentlichungssystem im Internet muss man eigentlich die Beiträge immer rückwärts lesen. Also dieser Beitrag folgt auf den Beitrag, den man weiter unten findet und schließt sich an diesen an. Im konkreten Fall ist die Geschichte von Manfred Kyber "Nachruhm" gemeint. Dort wird von einem Forscher erzählt. Anschließend kann man dieses Interview mit einem der bedeutendsten Wissenschaftler der Welt lesen und seine Verbindungslinien ziehen. Hier finden Sie deutlich noch das Mäntelchen einer abstrakt gewordenen christlich, bürgerlichen Ethik angezogen. Manchmal blitzt dann die wahre Denkart unter diesem Mätelchen hervor:
Bei Mönchen kann das "Jesus-Syndrom" auftreten, das ist eine Krankheit... doch lesen Sie selbst:


Neurobiologie : Ein Gespräch mit dem Hirnforscher Wolf Singer |
"ZEIT ONLINE"


Ein Gespräch mit dem Hirnforscher Wolf Singer über Erfahrungen bei der Meditation und die Neurobiologie des Religiösen


DIE ZEIT: Professor Singer, Sie haben mit dem buddhistischen Mönch Matthieu Ricard einen Dialog über Hirnforschung und Meditation publiziert. Neuerdings meditieren Sie auch selbst. Wird der Hirnforscher Singer zum Esoteriker?
Wolf Singer: Nein (lacht). Mein Interesse an der Meditation hat zwei Gründe: Zum einen war ich einfach neugierig; zum anderen hatte ich vor einigen Jahren eine Phase, in der ich beruflich enorm belastet war und viel zu viel am Hals hatte. Da entstand der dringende Wunsch nach einer Auszeit. Also habe ich mich zu einer zehntägigen Zen-Übungsperiode angemeldet, einem »Sesshin« – ohne zu wissen, worauf ich mich einließ. Tatsächlich waren diese zehn Tage ein hartes Regime: Schweigen, keinerlei äußere Reize, stundenlanges Sitzen vor der Wand, konzentriert auf die Haltung, die Atmung, den gegenwärtigen Moment. Aber es war eindrucksvoll.
ZEIT: »Sesshin« heißt wörtlich »vertraut werden mit dem eigenen Geist«. Was hat diese Erfahrung bei Ihnen bewirkt?
Singer: Ich hatte es hier am Institut niemand erzählt. Aber Mitarbeiter haben mich später bei der Weihnachtsfeier gefragt, wo ich denn den Sommer verbracht hätte. Ich sei so anders gewesen, so ruhig. Ich habe auch selbst bemerkt, dass nach dem Sesshin manches anders war. Plötzlich fuhr ich auf der rechten Spur der Autobahn, brauchte kein Radio und war eigentlich ganz glücklich mit mir. Und im Institut habe ich versucht, dieses pathologische Tasksharing, bei dem man fünf Dinge gleichzeitig tut, zu durchbrechen. Das hat aber nicht lange angehalten.
ZEIT: Was passiert während der Meditation neurobiologisch im Gehirn?

Singer: Bislang gibt es leider wenig aussagekräftige Studien darüber. Aber es ist klar, dass man in der Meditation einen mentalen Zustand erreicht, der sich von demjenigen im Alltag deutlich unterscheidet. Bei mir hat sich zum Beispiel einmal die sogenannte okulare Rivalität verändert, der Wechselrhythmus zwischen beiden Augen. Normalerweise läuft der im Sekundentakt, mal schaut man mit dem einen, mal mit dem anderen Auge, ohne dass einem dies bewusst wäre. Doch in der Meditation veränderte sich mein Gesichtsfeld, plötzlich fehlte die eine Blickrichtung, dann die andere. Der Wechselrhythmus hatte sich so extrem verlangsamt, dass ich ihn wahrnehmen konnte.
ZEIT: Was hat der Neuroforscher Singer aus den Erfahrungen des Meditierenden Singer über das Gehirn gelernt?
Singer: Man kann viel darüber lernen, wie das Gesamtsystem im Grundzustand arbeitet. Man erlebt, was passiert, wenn einen nichts zwingt zu reagieren, sondern wenn sich einfach entfalten kann, was in diesem System alles steckt. In diesem Default-Zustand stellt sich ein Gefühl des »In-der-Welt-Seins« ein. Diese Erfahrung entspricht mit Sicherheit getreuer der Persönlichkeit, die man ist, als das, was man erlebt, wenn man ständig von Tagesereignissen getrieben wird.
ZEIT: Haben Sie sich auch schon früher für religiöse Praktiken interessiert?
Singer: Ich habe mal eine Zeit bei den Eremitenmönchen auf dem Berg Athos zugebracht. In der Fastenzeit vor Ostern haben sich die Mönche alle zwei Stunden aufwecken lassen und gemeinsam gesungen, was mit starker Hyperventilation einherging. Schließlich berichteten sie, dass sie ein großes Licht sahen, Stimmen hörten und in Kontakt kamen mit der Welt der Gottheit. Solche Halluzinationen sind das Ergebnis von Schlafentzug und Hyperventilation. Auch das Jesus-Syndrom kann dann auftreten.
ZEIT: Das Jesus-Syndrom?
Singer: Es ist ein Krankheitsbild, bei dem im temporalen Bereich des Gehirns Epilepsien auftreten. Das führt nicht zu großen Anfällen, sie sind von außen kaum zu sehen, aber man bemerkt sie, wenn man die Hirnströme misst. Die Patienten berichten dabei häufig von einem wunderbaren Gefühl, das sich in ihnen ausbreite: Plötzlich stimme alles mit allem überein. Sie beschreiben dieses Gefühl so, wie Religionsstifter die Erleuchtung beschreiben. Der Hirnforscher aber weiß: Da krampft ein Stück Gehirn, das normalerweise als eine Art innerer Zensor fungiert. Es überprüft, ob Hirnzustände kohärent sind. Wenn sich dieses Areal selbstständig macht, entsteht eben genau dieses versöhnliche Gefühl.
ZEIT: Heißt das: Jedes Erleben eines solchen Einsseins, der Versöhnung, ist krankhaft?
Singer: Nein, überhaupt nicht. Man kann ja denselben Zustand auch ganz real herstellen, indem man zum Beispiel Konflikte wirklich beseitigt. Und das, vermute ich, kann man durch solche mentalen Praktiken durchaus fördern.
ZEIT: Wie vertragen sich Ihre Meditationserlebnisse mit Ihrer eigenen christlichen Religion?
Singer: Für mich hat diese Art der Meditation überhaupt keine religiöse Konnotation. Ich weiß, dass man sie benutzen kann, um Erfahrungen zu machen, die man gern einer metaphysischen Dimension zuschreibt. Meister Eckhart hat ja als christlicher Mystiker einst Praktiken zur Erfassung des Transzendentalen vorgeschlagen, die der buddhistischen Meditation ganz nahe sind.
Zeit: Sind Sie Christ, Buddhist oder Atheist?
Singer: Ich bin zwar tatsächlich in manchen intuitiven Auffassungen, etwa darüber, wie die Welt strukturiert ist, gewissen Interpretationen des Buddhismus nahe. Allerdings würde ich mich nicht als Buddhist bezeichnen. Denn ich bin natürlich als integriertes Mitglied dieser abendländischen Gesellschaft massiv geprägt von christlichen Glaubens- und Wertevorstellungen.
ZEIT: Glauben Sie an einen persönlichen Gott?
Singer: Als Naturwissenschaftler kann ich die konkreten Ausformungen dieses Glaubenssystems oft nicht nachvollziehen. Zwar halte ich es für möglich, dass ich etwa durch das Beten eine Selffulfilling Prophecy in Gang setze und mich in einen Zustand bringe, in dem ich das Gewünschte tatsächlich irgendwann erreiche. Aber ich habe erhebliche Schwierigkeiten mit dem Gedanken, dass eine wie auch immer geartete, für mich unsichtbare Gottheit alles durchdringt, das Geschehen auf der Erde steuert und sich auch noch um mich persönlich kümmert.
ZEIT: Also sind Sie Atheist?
Singer: Nein, auch nicht. Denn ich weiß natürlich, dass es jenseits des Begreifbaren noch Dimensionen gibt, für die ich keinen Namen habe.
ZEIT: Für einen nüchternen Kopf wie Sie muss es doch irritierend sein, dass sich bis heute religiöse Glaubensüberzeugungen halten, die dem wissenschaftlichen Denken zutiefst zuwiderlaufen. Wie erklären Sie sich das?
Singer: Wir haben unsere Religionssysteme alle erfunden. Dafür sprechen schon die kulturspezifischen Ausprägungen. Wir sind aufgrund des Soseins unseres Gehirns darauf festgelegt, Ursachen für Phänomene zu suchen. Und da es viele Wirkungen in der Welt gibt, deren Ursachen wir nicht ergründen können, liegt es nahe, sie einem höheren Wesen zuzuschreiben. Das erlaubt eine weitere hochwirksame Projektion: Denn nun kann man Verhaltensweisen, die sich in der Erfahrung als sinnvoll herausgestellt haben (nicht zu töten, zu lügen, zu stehlen), als Verordnung dieser höheren Instanz deklarieren. Dadurch entzieht man sie der menschlichen Verfügbarkeit – und das ist ein sehr effizientes Mittel, um Gruppen auf einen gleichen Kodex einzuschwören. Das hat sich offenbar im Laufe der kulturellen Evolution enorm bewährt.
ZEIT: Die religiösen Gebote sind für Sie so etwas wie kollektive Erfahrung?
Singer: Ja, und zwar über die Generationen hinweg. Das christliche Gebot zum Beispiel, die andere Wange hinzuhalten: Das Individuum mag von solchen Verhaltensweisen nicht profitieren; doch die Gesellschaft tut es im Laufe ihrer Geschichte sehr wohl. Das kann durchaus nach dem darwinistischen Prinzip geschehen sein. Mag sein, dass gerade die Gruppen überlebten, die altruistische Verhaltensnormen so kodiert haben. Denn eine religiöse Begründung ist eine schnelle methodische Abkürzung. Darüber muss man nicht lange diskutieren, das wird so gemacht, weil es in der Bibel steht. Natürlich hat dieses Prinzip auch seine Schattenseiten. Was im Namen der Religion alles an Schrecklichem geschah – das wird dann genauso wenig hinterfragt.
ZEIT: Kann man sich eine aufgeklärte Religion vorstellen, ohne Intoleranz und Fanatismus?
Singer: Die Frage ist, ob man moralische Werte nicht auch anders verankern kann als religiös. Ich würde denken ja. Unsere Rechtssysteme tun das ja schon. Man müsste, glaube ich, auch bereit sein, zuzugeben, dass man nicht durch schieres Nachdenken jede Lebenssituation im moralischen Sinne entscheiden kann. Und sicher spielt das Wort Demut eine große Rolle. Vielleicht kann man durch mentale Praktiken wie die Meditation Menschen dazu bringen, Einsichten zu gewinnen, die es ihnen erlauben, über den schnöden rationalen Egoismus hinauszusehen.
ZEIT: In der Meditation geht es für Sie also nicht um verzückte Erleuchtung, sondern eher darum, sich selbst so zu sehen, wie man wirklich ist?
Singer: Viel zu viele Leute tun nur so, als sei in ihrem Leben alles in Ordnung. Auf diese Weise ernährt sich ein System, das jenem gleicht, das die Hochglanzpostillen verbreiten. Würde man seine Fehler öfter offenlegen, käme vielleicht mehr Demut in die Welt und mehr Verständnis; auch mehr Toleranz und Dialogbereitschaft. Es ist ja wahnsinnig anstrengend, diese Potemkinschen Dörfer aufrecht zu erhalten.
ZEIT: Deshalb haben auch Religionsstifter immer wieder die Heuchelei ihrer Zeit angeprangert. Doch oft sind aus diesen Impulsen ihrerseits religiöse Systeme entstanden, die einen gewaltigen sozialen Druck aufbauten.
Singer: Rückhaltlos ehrlich zu sein, mit sich selbst und den anderen, ist eben schwer. Ich vermute, diese Mechanismen, von denen Sie sprechen, sind zutiefst menschlich. Ein ideales System, mit dem man allen Schwierigkeiten aus dem Weg geht, gibt es nicht.
ZEIT: Ist vielleicht auch das eine tiefe religiöse Erkenntnis: zu merken, dass es den idealen Pfad zum Heil nicht gibt?
Singer: Ja. Und dennoch nicht zu resignieren – das ist das Kunststück.
Das Gespräch führte Ulrich Schnabel. Zudem ist es Teil des Buches "Die Vermessung des Glaubens" (s.u.)

Zur Person:

Wolf Singer
Wolf Singer, 65, ist einer der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands und Mitglied der päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Vergangenes Wochenende sollte Singer in Berlin mit dem Dalai Lama diskutieren – doch der musste krankheitsbedingt absagen.Als Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung will Singer einen aufgeklärten Humanismus fördern. Obwohl der Forscher Religiosität mithilfe der Evolutions- und Neurobiologie erklärt und die Willensfreiheit anzweifelt, hält er religiöse Riten für nützlich.

Freitag, 12. September 2008

Allergien- der Mensch verträgt das Natürliche nicht mehr

Inzwischen bestätigt die Wissenschaft, was einem der gesunde Menschenverstand längst sagte. Das Auftreten der Allergien hat etwas mit der Lebensführung der Menschen zu tun. Interessant ist dabei in dieser Meldung, dass schon die Lebensführung der Mutter entscheidend für das Auftreten dieser Erkrankungen sei.

Es sind viele Kräfte heute wirksam, die das Verhältnis zwischen Mensch und Natur stören. Obwohl eine gewisse Art sentimentaler Naturbegeisterung eher größer geworden ist. Aber man erlebt z.B. immer mehr Kinder, die beim Gang durch den Wald Angst haben, die leckeren Heidelbeeren zu essen.

Oder es werden die Häuser immer stärker mit künstlichen Materialien eingepackt, so dass die natürlichen Kräfte völlig zurückgehalten werden. Im Auto erlebt die Klimaanlage eine immer stärkere Beliebtheit. Wieder eine neue Möglichkeit, sich in eine künstliche Klimaatmosphäre zu versetzen. Die ganze Kulturentwicklung geht dahin, den Menschen immer weiter von seiner natürlichen Umgebung zu isolieren und ihn in Kunstwelten zu versetzen. Das geht dann soweit, dass eben der Organismus immer mehr irritiert wird, wenn er dann mit der wirklichen Welt in Berührung kommt. Vielleicht entstehen so neue Zeiten, wo Menschen ganz und gar nur noch in künstlichen Umgebungen leben können.

Landleben schützt schon Ungeborene vor Asthma



Ärzte Zeitung online, 29.08

GENF (dpa). Das Landleben schützt offensichtlich bereits ungeborene Kinder vor Asthma. Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft Kontakt zu Tieren, Getreide oder Heu hatten, bekommen im späteren Leben seltener allergische Atemweg- und Hauterkrankungen.

Für einen optimalen Schutz vor diesen Beschwerden sei aber ein anhaltender Kontakt zu Nutztieren oder Getreide nötig. Das berichten Wissenschaftler aus Neuseeland und Deutschland im "European Respiratory Journal" (32, 2008, 603).

Aus früheren Untersuchungen war bereits bekannt, dass Kinder, die sich häufig auf dem Land aufhalten, seltener unter allergischen Erkrankungen leiden. Vor allem der Verzehr frischer Kuhmilch und der Aufenthalt in Kuhställen wurde für den beobachteten Schutz verantwortlich gemacht. Das Phänomen wurde als Bauernhof-Effekt bekannt. Dr. Jeroen Douwes von der Massey Universität in Wellington in Neuseeland und seine Mitarbeiter bestätigten mit ihrer Untersuchung nun zunächst, dass Kinder von Bauern tatsächlich seltener an Asthma und ähnlichen Allergien erkranken als Stadtkinder.

Darüber hinaus ergab ihre Befragung von insgesamt 2509 Bauernfamilien und 1001 Stadtfamilien, dass die schützende Wirkung bereits während der Schwangerschaft auf die ungeborenen Kinder übertragen wird. Wie das geschieht, ist bisher unklar. Die Kinder litten jedenfalls deutlich seltener an Asthma, Heuschnupfen und sogenannten atopischen Ekzemen. Am stärksten reduzierte sich das Risiko für Kinder, die selbst später auch auf dem Land lebten.

Samstag, 23. August 2008

"Spukhafte Fernwirkung"

MYSTERIÖSES QUANTENPHÄNOMEN


Seit einigen Jahren beschäftigt die Atomwissenschaftler ein Phänomen. Vielleicht kann man es im Bilde so ausdrücken: Man teilt so etwas wie einen Apfel, entfernt dann die beiden Apfelhälften voneinander und beißt in die eine Hälfte hinein. Nun beobachtet man, dass man den Biss ganz identisch in der anderen Hälfte, die etwas entfernt liegt, auch sehen kann, obwohl da niemand hineingebissen hat. Man nennt diesen Vorgang treffender Weise "spukhafte Fernwirkung".
Das alles bewegt sich in der Wissenschaft auf winzigster subatomarer Ebene und die Teilchen existieren auch nur für Bruchteile einer Sekunde.

Und nun kam die neueste Meldung, dass man festgestellt hat, dass die Übertragung dieser Form von der einen Apfelhälfte auch die andere, in der Wissenschaft spricht man von der Übertragung der Information, mit schnellerer Geschwindigkeit geschieht als mit der Lichtgeschwindigkeit. Die Geschwindigkeit sei 10 000 mal größer. Man fragt sich, wie schnell die "Gleichzeitigkeit" wäre.

Ein vergleichbares Phänomen wird von einem Heilpraktiker berichtet. Er bewahrt sich Blut seiner Patienten auf. Nun kann er jederzeit an diesem konservierten Blut feststellen, was sich aktuell in dem lebenden Blut im Patienten verändert hat. Also das aufbewahrte Blut bleibt in "spukhafter" Verbindung zum Patienten.


Hier nun die erwähnte Meldung aus "Spiegel online":

"Einsteins Spuk ist Tausende Male schneller als das Licht

Von Holger Dambeck

Wie schnell ist sofort? Physiker haben diese Frage jetzt in einem Experiment untersucht. Ergebnis: Der mysteriöse Informationsaustausch zwischen verschränkten Photonen, von Einstein als "spukhafte Fernwirkung" verspottet, ist 10.000-mal schneller als das Licht. Mindestens.

Der Physiker Nicolas Gisin ist schonungslos ehrlich, wenn er über sein jüngstes Experiment spricht: "Ehrlich gesagt, das Ganze ergibt keinen Sinn." Er habe keine schlüssige Erklärung für das, was er und seine Kollegen von der Universität Genf beobachtet haben.

Gisins Team hat versucht, die Geschwindigkeit der sogenannten spukhaften Fernwirkung zu messen. So hat Albert Einstein das nicht nur ihm mysteriös erscheinende Phänomen der Quantenverschränkung bezeichnet. Es besagt, dass die Quantenzustände zweier Teilchen auch in großem Abstand voneinander identisch sein können, so als stünden sie permanent in Verbindung....


Ändert das eine Teilchen seinen Zustand, so geschieht dies augenblicklich auch bei dem anderen - so die Theorie der Verschränkung. Die Frage ist, wie so etwas überhaupt möglich sein soll. Reist die Nachricht über den geänderten Quantenzustand mit unendlicher Geschwindigkeit von einem Teilchen zum anderen? Dies würde der von Einstein entwickelten Relativitätstheorie widersprechen, nach der sich nichts schneller als das Licht ausbreiten oder bewegen kann.

....die Quanteninformation (breitet sich) mindestens 10.000 Mal schneller aus als das Licht, schreiben die Forscher....

....Wann auch immer die Messung in den 24 Stunden stattfand - stets hatte sie das gleiche Ergebnis.

"Das ist sehr mysteriös"

Was hat die Welt nun über die "spukhafte Fernwirkung" gelernt? Das Experiment liefert eine Untergrenze für die angenommene Ausbreitung von Quanteninformationen. Das Phänomen der Verschränkung wird dadurch aber kaum klarer - das sagen die Forscher selbst. Branciard findet es nach wie vor "sehr mysteriös".

Die Studie zeige, wie die Quantenmechanik der alltäglichen Wahrnehmung der Welt widerspreche, sagt Gisin der Nachrichten-Website des Magazins "Nature". "Unser Experiment legt den Finger in die Wunde."


Sonntag, 13. April 2008

Vom Schmecken

Rudolf Steiner , Die Kunst des Erziehens – GA 311, S. 27


.. Wenn nun der Zahnwechsel sich vollzogen hat, dann ist das Kind nicht mehr in demselben Grade Sinnesorgan wie früher. Es nimmt schon ab von dem Lebensalter zwischen dem dritten und vierten Jahre; aber bis dahin hat ja das Kind ganz besondere Eigentümlichkeiten, die man eigentlich meistens gar nicht kennt. Wenn Sie etwas essen, etwas Süßes oder Saures, so spüren Sie das an Zunge und Gaumen. Wenn das Kind Milch trinkt, spürt es den Milchgeschmack durch den ganzen Körper hindurch, denn es ist auch Sinnesorgan in bezug auf das Schmecken. Es schmeckt durch den ganzen Körper durch

Die Pädagogische Praxis - GA 306 , S. 42

...Wenn wir zum Beispiel als erwachsener Mensch Zuckerl lutschen, was wir ja eigentlich nicht sollten, dann bedeutet das eigentlich nur eine Annehmlichkeit für die Zunge, für den Gaumen; weiter nach dem Körper hinein hört es auf. Das Kind ist in einer anderen Lage; da setzt sich der Geschmack weiter fort . .. Was sich später in unsere Sinnesorgane geflüchtet hat an unserer Körperoberfläche, das lebt im Kinde im ganzen Organismus.

Natürlich müssen Sie diese Dinge nicht grob nehmen, aber im wesentlichen sind sie schon vorhanden, Und sie sind so vorhanden, dass sie auch die äußere Physiologie einmal .... wird nachweisen können. ...


Nun hat man festgestellt, dass der Magen und der Darmbereich wirklich „riechen und schmecken“ kann. Auf wissenschaftlich ausgedrückt klingt das so:


Forscher entschlüsseln Geheimnis der Gewürze

...Die Forscher entdeckten, dass die Rezeptoren für Thymol und Eugenol, den Aromastoffen des Thymians und der Gewürznelken, nicht nur in der Nase vorkommen, sondern auch in den so genannten Sensorzellen der Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt. In ihren Experimenten stimulierten sie diese Sensorzellen mit den Gewürzen und beobachteten dabei eine Erhöhung der interzellulären Kalzium-Konzentration, die wiederum zu einer Freisetzung des Botenstoffes Serotonin führte. Durch Serotonin werden im Verdauungstrakt die Muskelbewegungen und die Sekretion von Verdauungssäften gesteuert. ....

Kritisch sehen die Münchener Forscher allerdings die tägliche Allgegenwart von Aromastoffen in Nahrungsmitteln, Kosmetika und Waschmitteln: Sie könnten für Reizdarmbeschwerden verantwortlich sein.“

Quelle: http://www.uni-muenchen.de

Sonntag, 6. April 2008

Woher die Ideen kommen

Die Inspiration der Wissenschaft

Im Alltagsbetrieb unserer materialistischen Weltanschauung vergisst man oft, die Dinge in ihrer Realität zu betrachten. Es ist eine weit verbreitete Vorstellung, dass die Ideen von Menschen direkt hervorgebracht oder erzeugt werden.


Wenn man jedoch die Wege mancher Naturwissenschaftler studiert, dann wird man immer wieder darauf gestoßen, dass die Ideenwelt zum Menschen kommt, wenn er sich ihr nähern will.

Hier eines der bekanntesten Beispiele für diese Tatsache:

"Ourobourosschlange in der Nacht"

FAZ 5.April 2008
Von Holger Appel

Vor Friedrich August Kekulés Theorie gab es nur vage Vorstellungen, wie die Atome in einem Molekül miteinander verknüpft sind. Viele Chemiker zu seiner Zeit dachten, dass die Strukturen von Molekülen nicht erkennbar sein konnten, da Reaktionen die Struktur unvorhersagbar verändern würden. Kekulé untersuchte verschiedene Kohlenstoffverbindungen, insbesondere Benzol, dessen Struktur lange ein Rätsel blieb. Dann ereilte ihn 1890 ein Wachtraum.


In der Nacht der Entdeckung habe er an seinem Schreibtisch gesessen und im Halbschlaf das Funkenspiel des Kaminfeuers betrachtet, berichtete der Chemiker. Mit einem Male habe ein Traum die lang gesuchte Lösung gebracht: Er habe die Kohlenstoff- und Wasserstoffatome vor seinen Augen tanzen gesehen. In diesem Traum sei ihm das alte, alchimistische Symbol der Ourobourosschlange erschienen, deren Kopf in den eigenen Schwanz beißt. In der Folge stellte er die Benzol-Theorie auf, mit der er die bis dahin rätselhafte Struktur des Benzols als einen aus sechs Kohlenstoffatomen bestehenden symmetrischen Ring erklärte – ein Durchbruch für die Chemie im Verständnis komplexer Kohlenstoffverbindungen.

Dienstag, 18. März 2008

Meditation lässt das Gehirn wachsen - Vedamagazin - Veda, Ayurveda, Meditation, Vastu, News

Meditation lässt das Gehirn wachsen - Vedamagazin - Veda, Ayurveda, Meditation, Vastu, News:

"'Unsere Resultate deuten darauf hin, dass Meditation auf Erfahrung basierende strukturelle Änderungen am Gehirn hervorrufen kann,' sagt Sara Lazar, PhD, vom psychiatrischen Neuroimaging-Forschungsprogramm, die Leiterin der Studie. 'Wir fanden auch Beweise dafür, dass Meditation den alterungsbedingten Abbau bestimmter Bereiche des Gehirns verlangsamen kann'."

Samstag, 16. Februar 2008

Gehirn und Bewusstsein

Dieser Artikel wurde im Jahre 2004 verfasst - fand aber kein Forum der Veröffentlichung

Seit einiger Zeit ist wieder einmal ein Geisteskampf aufgeflammt, der seit dem Siegeszug des Materialismus immer wieder die Wissenschaftler entzweit hat. Es geht um die Frage des Zusammenhangs zwischen unserem menschlichen Bewusstsein und dem physischen Gehirn. Die grandiosen heutigen Möglichkeiten in die kleinsten, ja allerkleinsten, molekularen Abläufe im Gehirn mit technischen Apparaten hineinzuschauen, haben die Debatte um den Ursprung des menschlichen Bewusstseins wieder heftig aufleben lassen. Man hat ja inzwischen herausgefunden, dass es zu jeder Denkbetätigung, ja auch zu bestimmten Charakteranlagen etwas Entsprechendes in den biologischen Vorgängen und in den Strukturen des Gehirns gibt. Und eine Gruppe von Wissenschaftlern geht nach wie vor davon aus, dass alle Bewusstseinsvorgänge ihren Ursprung im physischen Gehirn haben. Ihre modernen Forschungen scheinen das mit erdrückendem Gewicht zu beweisen. Dagegen haben die Verfechter der menschlichen Freiheit bzw. der Unabhängigkeit des Bewusstseins von den Gehirnstrukturen einen schweren Stand.

Nun erschien mitten in dieser Auseinandersetzung im Frühjahr diesen Jahres in einer überregionalen deutschen Tageszeitung ein außerordentlich bemerkenswerter Leserbrief. Ein Professor schildert darin, dass er einmal in Zusammenhang mit der oben erwähnten Debatte von eben dieser Tageszeitung des Auftrag bekommen hatte, einen Artikel über das menschliche Bewusstsein zu schreiben. Das Thema sollte folgendermaßen lauten: „Kann der Geist erkranken?“* Er erzählt nun in diesem Leserbrief, wie er sich an die Arbeit machen wollte, aber der Artikel gelang nicht. So sehr er sein Gehirn auch zermarterte, es wollten nicht die rechten Worte in die Feder fließen. Als er schließlich verzweifelt seine Bemühungen aufgab und zum Telefonhörer griff, um der Zeitungs-Redaktion mitzuteilen, dass er nicht in der Lage sei, diesen Artikel zu schreiben, „ ...da geschah das Unglaubliche: Ich ‚sah’ mit einem ‚inneren Auge’ den ganzen Beitrag vor mir. Er war fertig, alles war ‚geschrieben’, ich brauchte es nur noch ‚abzuschreiben’. Aber sofort! Ich schrieb das Ganze in einem Zug ohne nachzudenken. Und war überrascht! Das war etwas anderes, als ich mir ausgedacht hatte. Es war gut, doch ‚ich’ hatte das nicht geschrieben, es war mir zugefallen – von woher?

Also während dieser Mensch sich mit seinem Denken, seinem wachen, bewussten, intellektuellen Denken bemüht, einen Artikel über den „Geist“ zu schreiben, scheitert er mit eben diesem Denken, er kommt nicht weiter. Als er dann aufgibt, kommt es zu einem Durchbruch: Er sieht den ganzen Inhalt vor sich oder in sich. Natürlich stammt dieser Inhalt von einer anderen Ebene als derjenigen, auf der er sich vorher mit seinem alltäglichen Denken bewegt hat. Aber dennoch haben beide Ebenen nichts mit der äußeren sinnlichen Welt zu tun, sondern haben rein innerlichen, geistigen Charakter. Die Schilderungen dieses Leserbriefschreibers veranschaulichen auf sehr exakte Weise bestimmte geistige Phänomene in unserem Bewusstsein.

Wir müssen in uns zwei Bewusstseinsebenen deutlich unterscheiden. Auf der einen Ebene, nennen wir sie die untere, sind wir mit unserem ich-geführten Denken tätig, von der anderen, nennen wir sie die höhere, kommt uns etwas zu, von dem wir das Gefühl haben können, dass wir es nicht selbst geschaffen haben. Auf der unteren Ebene empfinden wir uns als aktiv Schaffende, auf der höheren Ebene ist unser Ich wie passiv empfangend. Aber auf beiden Ebenen geht es um das gleiche Thema. Auf der unteren Ebene findet meine bewusste Bemühung um einen Inhalt statt, von der höheren Ebene kommt die Antwort zum gleichen Thema, nur eben anders als „ich“ sie erwartet hatte. Gleichwohl kann man erleben, dass man die geschenkte Antwort mit seinem ganzen wachen Bewusstsein durchdringen und denkerisch nachvollziehen kann. Die Antwort ist auf keinen Fall absonderlich, unlogisch oder gewissermaßen vom Inhalt her „mystisch“. Sie ist allerdings gewöhnlich nicht so, wie man bisher seine Gedanken üblicherweise formte, sondern es lebt meist etwas Neues in einer solchen eingegebenen Antwort.

Um zu einem vertieften Verständnis dieser beiden Ebenen zu gelangen, sei es gestattet einen bildhaften Vergleich anzuführen. Bei unserer denkerischen Betätigung ist es sinnvoll, wie ein Gärtner vorzugehen. Dieser sät zunächst, dann gießt er die Saat, düngt und pflegt sie sorgfältig. Schließlich erntet er die Früchte. Aber er kann die Früchte nicht selbst hervorbringen. Sie werden ihm gewissermaßen durch die Naturkräfte geschenkt. Seine eigene pflegende, helfende Tätigkeit ist etwas ganz anderes als das, was in der Pflanze geschieht. Die eine Ebene, die untere, ist also die Arbeit des Gärtners, gleichwohl ist sein Bestreben und Ziel, Früchte zu bekommen. Die andere, die höhere Ebene ist der Lebensprozess der Pflanze, der mit den ganzen Natur- und Himmelskräften zusammenhängt und der die Früchte hervorbringen lässt.

Genau so arbeitet unser Bewusstsein: Wir sind zum einen aktiv denkerisch tätig, wir nehmen Informationen auf, wir lassen unsere Gedanken um einen Gegenstand kreisen, wir denken Gedanken, die wir anderswo aufgenommen haben, nach, wir konzentrieren uns, wir machen Gedankenübungen usw. Das entspricht der pflegerischen Tätigkeit des Gärtners. Aber es wäre eine Täuschung, wenn wir denken würden, dass wir so wirklich etwas Neues, Eigenständiges hervorbrächten. Und dieser Täuschung unterliegt gewissermaßen unserer ganze Kultur. Ein Gärtner könnte selbst nur rote Tomaten hervorbringen, wenn er sie aus Ton formte und dann rot anmalte. Dann wären sie aber tot und ungenießbar. Ähnlich verhält es sich mit den allermeisten Produkten der herrschenden Denkkultur, sie haben kein wirkliches Leben in sich und für den sensibel empfindenden Menschen sind sie auch ungenießbar. Eine andere Tatsache, der wir in unserem alltäglichen Leben auch häufig begegnen lässt sich vergleichsweise so ausdrücken: Der Gärtner ginge auf den Markt und kaufte dort, die von anderen produzierten Tomaten; dann hätte er sie aber nicht selbst erzeugt. Auch das entspricht unserem heutigen Geistesleben: Man wiederholt immer in neuen Anordnungen die gleichen Gedanken, die irgendwann einmal irgendjemand geäußert hat und die somit zu dem allgemein anerkannten bürgerlichen Gedankengut gehören.

Nun zur zweiten, höheren Ebene. Dort reift etwas heran, während wir uns auf der unteren Ebene abmühen, was uns dann in einem bestimmten Moment wie durch eine Eingebung zukommt.

Nur dadurch, dass wir häufig sehr ungenau im Beobachten unserer Bewusstseinsvorgänge sind, unterscheiden wir diese beiden Ebenen nicht. Aus einem gewissen Hochmut heraus denken wir, wir würden selbst innerlich geistig alles hervorbringen, indem wir denkerisch tätig sind. Es ist dies der gleiche Irrtum wie der, dem der Gärtner erliegen würde, wenn er meinte, er selbst brächte die Früchte hervor, die er anbaute.

Aber wie die Sonnenkraft erst die Früchte reifen lässt, so bescheint eine höhere Geisteskraft unsere Gedankenkeime. Es braucht dann nur etwas Geduld, Ruhe, Konzentration und auch schließlich eine völlige Zurücknahme des logischen-intellektuellen Denkens, damit die andere Ebene sich äußern kann. Der Schreiber des Leserbriefes empfand es so, als ob er sein „Ich“ aufgeben musste, um die höhere Eingebung zu erhalten: Erst im Moment der ‚Ich-Aufgabe’ brach das inzwischen ohne mein Zutun von einer unbewussten Instanz Verfasste durch. Mir scheint, dass ‚tiefere’ Schichten des Gehirns mit ‚tieferer’ Einsicht sich gegenüber dem Ich-Bewusstsein durchgesetzt hatten.“ Natürlich kann nicht von einer Aufgabe des „Ichs“ die Rede sein. Das wäre nur richtig, wenn man das wach-bewusste Denken mit dem eigenen Ich gleichsetzen würde. Sinnvoller ist es, das Denken als ein Werkzeug oder eine Betätigungsart des Ichs anzusehen. Denn man erlebt, dass das Ich überall mit dabei ist, entweder aktiv schaffend oder auch passiv empfangend. Dieses Ich beurteilt jeweils auch, die Qualität der eigenen Denkleistung. Das Ich des Autors zeigte sich z.B. in dem Leserbrief unzufrieden mit den Denkergebnissen, es spürte, dass die Ergebnisse nicht dem entsprachen, was es auf einer anderen Ebene erlebte oder ahnte.

Wir kommen hier nun mehr in die Sphäre des Empfindens und Fühlens. Von einer höheren Warte blicken wir, blickt unser Ich, auf unsere Taten und Worte, und wir wissen oder fühlen, ob sie gut waren oder nicht, ob ein Text gelungen ist oder nicht. Nur können wir oft dieses Urteil nicht klar formulieren. Es ist gewissermaßen eine innere Gewissheit für uns, wenn ein gesprochenes Wort, ein geschriebener Text, eine vollbrachte Tat einer anderen Instanz in uns nicht gerecht wird. Zwischen dem Inneren und dem Äußeren bleibt dann eine Diskrepanz, die wir nur ahnen oder fühlen, aber weniger mit logischen Begriffen begründen können. Wenn nun aber etwas aus dieser höheren Sphäre uns direkt zukommt, in das logische Wachbewusstsein eintritt, dann haben wir das Gefühl, dass wir ganz damit identisch sein können.

Auch dieses fühlte der Autor des Leserbriefes und deshalb kommt gegen Ende seines Textes noch eine ganz besondere Wendung. Er ist auf der Suche nach einer Erklärung für das ihm sehr merkwürdig vorkommende Phänomen der unerwarteten Eingebung. Er spürt, dass es im menschlichen Organismus noch ein Organ gibt, das vielleicht eine höhere Funktion erfüllt als das Gehirn, nur dass wir eben nicht mit unserem vollen Bewusstsein mit diesem Organ arbeiten können. Deshalb schreibt er nun: „Hatte mein kreatives ‚Herz’ das Steuer übernommen?“ Der Autor erwähnt das Herz als denjenigen Ort, von dem ihm die Eingebung zugekommen sein könnte. Das ist ein großer Gedanke. Das Herz wäre damit in gewissem Sinne ein höheres „Denk“-Organ als das Gehirn.

Man könnte anders herum auch sagen: Setzen wir bewusst das Herzorgan für unsere innere Bewusstseinsarbeit ein, dann erreichen wir eine ganz andere Ebene. Wenn wir die Denkprodukte unseres Gehirns absinken lassen in unseren Gefühlsbereich, sie mit Herzensliebe durchdringen, mit der Herzens-Begeisterung durchwärmen, gleichsam vom Herzensbereich ausbrüten lassen, dann kann darin unserer höheres Ich in Zusammenhang mit anderen Geistesmächten walten, und wir erhalten diejenigen Gedankeneingebungen, die unsere Welt heute so dringend braucht. Wir erleben so, dass wir nicht mehr nur das schon längst Gedachte, die eigentlich erstorbenen, alten Gedanken wiedergeben, sondern dass wir die neuen, lebendigen, zukünftigen Gedanken aussprechen lernen. Die Debatte über das Gehirn müsste erweitert werden um eine Debatte über den Zusammenhang zwischen unserem Bewusstsein und dem Herz-Organ.

Dieter Centmayer, Braunschweig

*„Ich schrieb mich ab“, Professor Dr. Dieter Dieterich, Blankenheim, FAZ 23.03.04

Samstag, 2. Februar 2008

Denken in Bewegung

Man denkt immer, man denkt mit dem Kopf...
Nein!

"Wenn ihn ein Problem quält, geht er wandern. Dabei kommen ihm die besten Ideen.
Der Spieltheoretiker Reinhard Selten ist bislang der einzige Deutsche, der mit dem Ökonomie-Nobelpreis ausgezeichent wurde."

FAZ 2./3. Feb. 2008

Samstag, 12. Januar 2008

Wilhelm Busch

Aus:

Kritik des Herzens

Wilhelm Busch

1914

Sie stritten sich beim Wein herum,
Was das nun wieder wäre;
Das mit dem Darwin wär gar zu dumm
Und wider die menschliche Ehre.

Sie tranken manchen Humpen aus,
Sie stolperten aus den Thüren,
Sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus
Gekrochen auf allen Vieren.