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Sonntag, 3. Januar 2016

MEINUNGEN


Was sehnen sich doch so viele Menschen danach, Gruppen anzugehören. Selbst das Teilen von Meinungen gerät zur allergrößten Befriedigung. Nicht umsonst beherrschen nur wenige Meinungen zur jeweiligen Sache die öffentliche Diskussion. Wohl streitet man sich erquicklich im Austausch gegensätzlicher Meinungen, und doch sind es überall die gleichen Standpunkte, die aufeinandertreffen.

Gewöhnlich weiß man im Gespräch mit anderen Menschen schon vorher, welche Meinung sie zu einem Thema äußern werden.

Merkwürdig, dass Menschen das Gefühl haben, sie würden ihre Individualität durch das Vertreten einer Meinung betonen. Sie meinen, dass es ihre eigene Meinung sei. Dabei teilen sie doch diese Meinungen mit einem erheblichen Anteil der Bevölkerung.  Und letztendlich kann man alle diese Standpunkte auch in den Medien wiederfinden.

Und gar komisch und lustig wird das Ganze dann, wenn man „Meinungsumfragen“ liest.

Der gleiche Brei wird immerzu neu aufgekocht und umgerührt.

Erst verbreitet man in den Medien eine bestimmte Meinung zu einer Angelegenheit. Dann finanziert man eine Meinungsumfrage und veröffentlicht sie. Und siehe da, die Mehrheit der Bevölkerung ist auch dieser Meinung!  

Und jeder Befragte ist sogar stolz auf seine Meinung, auf seinen „eigenen“ Standpunkt!

Freitag, 23. Oktober 2009

Individuum und Gemeinschaft

Es ist in vielen Gruppen nicht üblich, für den Einzelnen ein wirkliches, menschliches Interesse zu haben.

(Gemeint ist das Interesse im Moment, in dem die Gruppe als Gruppe zusammentritt und zusammenarbeitet, nicht außerhalb dieser Zeit, z.B. in einer Pause oder in der Freizeit. Es ist auch nicht gemeint das Interesse am anderen als privater Mensch, sondern an dem, was er in die Arbeit der Gruppe persönlich hineintragen kann.)

Der Andere ist für die Mitglieder gewöhnlich nur interessant als Teil der Gruppe. Sein menschlicher Wert wird daran gemessen, wie er sich den Prinzipien der Gruppe einfügt. Soweit er als Mensch "persönlich" oder individuell ist, so wirkt dieses Persönliche eher als Störung des Gruppenprinzips.

Das Gruppenprinzip dominiert, dem hat man sich unterzuordnen.

Dieses ist heute für jegliche geistige Entwicklung einer Gemeinschaft hemmend. Damit fesselt sich die Gruppe an die Vergangenheit, wo sie sich als Gemeinschaft konstituierte. Es findet immer nur das bereits Gewordene Anerkennung, nicht das aus dem Geiste einzelner Individuen errungene Neue.

Das neue Gruppenprinzip muss erkannt und erfühlt werden als ein höheres Wesen, dem wir uns in Freiheit und Liebe zuwenden, das uns beseelt in unserem Inneren. Dadurch entsteht erst die rechte Gemeinschaft.

In jeder "Einzelperson" offenbart sich dann dieses höhere, lebendige Gruppenwesen neu und einzigartig.

In den Gruppen alter Art ist es so, dass man das Interesse an der einzelnen Person verliert, wenn es sich nicht zumindest äußerlich dem Kollektiv unterordnet.

Je individueller sich einer äußert und verhält, desto mehr verliert man das Interesse an ihm.

Umgekehrt müsste es heute im Zeitalter der Bewusstseinsseele sein: ... desto wichtiger und interessanter müsste ein solches Mitglied für die Gruppe werden.