Dienstag, 30. Juni 2009

Galsan Tschinag

An manchen Persönlichkeiten wird deutlich, wie sich das Bewusstseinsseelenhafte heute in der Welt zeigt. Galsan Tschinag ist ein bekannter mongolischer Autor, der aber auf deutsch schreibt. Einmal äußerte er sinngemäß:

"Als Fleisch und Blut bin ich mongolisch.
Als Glaubenssubjekt bin ich schamanisch.
Als Geistwesen bin ich Deutscher."

Beim freien, modernen Menschen ist die Zugehörigkeit zu einem Volk für sein Bewusstsein nicht mehr ausschlaggebend.



Mehr über ihn auf der Seite des GOETHE-INSTITUTS:

Galsan Tschinag – Literat und Schamane

Galsan Tschinag; Copyright: Unionsverlag/Foto Amélie SchenkDeutsch schreibender Literat, mongolischer Staatsbürger, tuwinischer Schamane: Der Chamisso-Preisträger Galsan Tschinag repräsentiert viele Welten.

Selbst im heutigen Deutschland hört sich "Galsan" fremd an. "Tschinag" selbstverständlich auch. Geradezu exotisch jedoch klingt sein eigentlicher Name: Irgit Schynykbai-Oglu Dshuruk-Uwaa. Aufgewachsen ist dieser mutmaßlich 1943 als jüngster Sohn einer Nomaden-Familie geborene Künstler im westmongolischen Altai-Gebirge. Dort verbringt er auch heute noch den größten Teil seiner Zeit. Denn Galsan Tschinag ist seit einigen Jahren das sogenannte Stammesoberhaupt der turksprachigen Tuwa, einer ethischen Minderheit in der Mongolei. Er ist ein gewiefter Politiker, ein leidenschaftlicher Pferdenarr, ein wortgewandter Schamane und manches mehr. Und quasi nebenbei auch ein anerkannter deutscher Schriftsteller, der bereits 1992 mit dem renommierten Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet wurde. Einem Preis, den bekanntlich nur Dichter erhalten, die herausragende Literatur in deutscher Sprache schreiben – und eine andere Muttersprache haben. Ganz abgesehen davon dürfte es nicht allzuviele Menschen geben, die den "Mongolischen Orden des Roten Arbeiterbanners erhalten haben und ein paar Jahre später das Bundesverdienstkreuz. Der Tuwa-Dokumentarist Tschinag, ein Brückenbauer und Kulturvermittler zwischen Asien und Europa, besitzt beides.

Literarische Anfänge in der DDR

Im Kalten Krieg fing alles an, denn zum sogenannten Ostblock gehörte damals, von der großen Welt nur am Rande beachtet, auch die Mongolische Volksrepublik. Nur wenige ihrer Staatsbürger konnten im befreundeten Ausland studieren. Tschinag war einer von ihnen. Er kam 1962 in die DDR, lernte am angesehenen Leipziger Herder-Institut das lateinische Alphabet und die deutsche Sprache, studierte sogleich Germanistik und lernte bald den Schriftsteller und Pferdeliebhaber Erwin Strittmatter kennen, der sich später für den jungen Autor einsetzte. Nach der Rückkehr in die ferne Heimat arbeitete er als Deutsch-Dozent an der Universität von Ulaanbaatar, bis er wegen "politischer Unzuverlässigkeit" gehen musste. Galsan Tschinag übersetzte weiterhin deutsche Literatur ins Mongolische und ließ seine Verbindungen nach Deutschland nie ganz abreißen. ....

Weiter: http://www.goethe.de/

Freitag, 26. Juni 2009

Ehemalige Waldorfschülerin - Karoline Herfurth

Karoline Herfurth: "Ich mag es, Vokabeln auswendig zu lernen"


Welche Schlüsselqualifikationen sind im Beruf wirklich wichtig? Heute: Schauspielerin Karoline Herfurth, 25, über Lernbereitschaft

In Stellenanzeigen wird von Bewerbern einiges verlangt: Teamfähig sollen sie sein, flexibel und zuverlässig. Doch wie wichtig sind Schlüsselqualifikationen im Job wirklich? Wir fragen bekannte Persönlichkeiten.


jetzt.de: Nach dem Film „Im Winter ein Jahr“ haben sich die Feuilletons vor Lob geradezu überschlagen. Bist du jetzt schon eine vollkommene Schauspielerin?

Karoline Herfurth: Um Gottes Willen, dieses Gefühl habe ich nicht! Und ich hoffe, dass ich das Gefühl, vollkommen zu sein, auch mit 50 nicht haben werde. Das wäre doch sehr langweilig. ...

Du hast eine Waldorfschule besucht. Hat diese Zeit deine Lernbereitschaft geprägt?

Die Waldorfschule hat mir in der Tat die Freiheit gegeben, meine Interessen zu entwickeln und Schwerpunkte zu finden. Dadurch habe ich einen ungeheuren Spaß am Lernen entwickelt. ....




Karoline Herfurth, 25, wurde durch ihre Rollen in "Crazy" und "Mädchen, Mädchen" bekannt. Große Aufmerksamkeit erlangte sie durch ihre Nebenrollen in "Das Parfum" und in "Der Vorleser" an der Seite von Kate Winslet und Ralph Fiennes. Für ihre Rolle der Tanzschülerin Lilli Richter in "Im Winter ein Jahr" erhielt Karoline Herfurth den Bayerischen Filmpreis. Am 10. September 2009 kommt "Berlin 36" in die Kinos. Darin spielt sie die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin (Foto).


Quelle- vollständiger Text:
http://jetzt.sueddeutsche.de/

Sonntag, 21. Juni 2009

Prominente Waldorfschüler


"Fotoserie in der "Süddeutschen"
mit Originaltext - alles Zitate (Auszüge)



"... Waldorfschulen (sind) beliebt: Im Jahr 2007 hatten sie in Deutschland mehr als 80.000 Schüler. Zu den Absolventen der Waldorfschulen zählen auch zahlreiche Prominente, darunter Marie Bäumer, hier als Buhlschaft im Salzburger "Jedermann".

Bäumer war nach eigenen Angaben eine mittelmäßige Schülerin - und eine Niete in allen Naturwissenschaften.

 
Auch Nina Hagen schickte ihre Tochter Cosma Shiva auf eine Waldorfschule. Die esoterischen Ansichten ihrer Mutter teilt die 27-Jährige trotzdem nicht: "Ich bin für den Mittelweg, also nicht zu esoterisch und abgehoben, aber auch nicht zu kühl, geradlinig und rein vernunftgesteuert", sagte sie in einem Interview. Sie sei zwar nicht religiös, glaube aber dennoch gern an etwas. "Auch daran, dass es Jesus und dass es Buddha gab."


(Foto wurde von Google gelöscht :-(  )
Boris Erasmus Palmer, Grüner Oberbürgermeister von Tübingen, machte 1992 sein Abitur an einer Waldorfschule. Auf seiner Homepage schreibt er, er schätze die Waldorfpädagogik vor allem deshalb, weil sie der Persönlichkeitsentwicklung Vorrang vor reinem Faktenwissen einräume. "Aus diesem Grunde betrachte ich es heute als Glücksfall und für meine Entwicklung entscheidendes Ereignis, dass ich die Chance erhielt, eine Waldorfschule zu besuchen."




Schauspielerin Juliane Köhler lobte in Interviews ebenfalls die Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung, die ihr die Waldorfschule gab. Die 43-Jährige meldete auch ihre Tochter auf einer Waldorfschule an.



 Nicht nur Schauspieler zählen zu Waldorf-Absolventen. Eine der bekanntesten Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, die eine Steiner-Schule besuchte, ist Ferdinand Alexander Porsche, genannt "Butzi". Der Sprössling des Porsche-Clans designte den 911er.





Zu den prominenten Waldorf-Schülern zählt auch Heiner Lauterbach. Der Schauspieler machte dort seine Mittlere Reife und besuchte danach die Schauspielschule.

Anders als Lauterbach brach der Schauspieler Robert Stadlober die Waldorfschule noch vor dem Schulabschluss ab. Der Grund: Seine Mutter wollte ihm die Schauspielerei aus Angst um seine Zensuren verbieten. Die Waldorf-Lehrer fürchteten, eine Fernsehkarriere könne ihm die Seele rauben.

Ähnlich wie beim Schauspielerkollegen Stadlober sahen es auch die Lehrer von Martin Semmelrogge nicht gern, dass er neben der Schule noch schauspielerte - Fernsehen galt als schädlich. Deshalb verließ auch er die Schule vorzeitig und nahm lieber Schauspielunterricht.
Der frühere Waldorf-Schüler Kai Wiesinger sieht in der Steiner-Pädagogik die Antwort auf die deutsche Bildungsmisere, wie er in einem Interview betonte.

Auch Michael Ende, Autor von "Momo", "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" und der "Unendlichen Geschichte" besuchte eine Waldorfschule. Die antroposophische Weltanschauung Steiners spiegelt sich auch in seinen Werken wider. Ende hat nach eigenen Aussagen die kompletten Schriften des Waldorfschulen-Gründers gelesen.


Barbara Feltus, Ex-Frau von Boris Becker, war ebenfals eine Waldorfschülerin. Heute arbeitet sie als Schmuckdesignerin und Fernsehschauspielerin.


Der Schauspieler August Diehl, der unter anderem im Kinofilm "Doktor Alemán" zu sehen war, machte sein Abitur an einer Waldorfschule. Dort entdeckte er nach eigenen Angaben die Liebe zur Schauspielerei: Die Schulaufführung der "Räuber" sei für ihn ein Schlüsselerlebnis gewesen. Er habe dabei so viel Spaß gehabt, dass er unbedingt weiter schauspielern wollte.


Auch Wotan Wilke Möhring, von den Eltern nach dem germanischen Schicksalslenker benannt, besuchte eine Waldorfschule. Dort lernte der Schauspieler Geige, entschied sich dann aber doch dafür, als Gitarrist einer Punkband namens Störaktion gegen das Establishment anzuspielen und landete schließlich über einen Umweg bei der Bundeswehr vor der Kamera.

Prominente Waldorfschüler - Ben


Es heißt, Bens Musikalität käme aus seiner Zeit an der Waldorf-Schule.
Quelle:http://www.br-online.de/

Prominente Waldorfschüler - Michael Ende



Kann nicht nur Namen tanzen, sondern auch Bücher schreiben. Der Autor der "Unendlichen Geschichte", Michael Ende.
Quelle:http://www.br-online.de/

Nicanor Perlas

Anthroposophisch orientierte oder inspirierte Menschen im öffentlichen Leben

___________________________________________________________________

Nicanor Perlas will Präsident werden

Kandidatur für philippinische Präsidentenwahlen bekanntgegeben. Armutsbekämpfung vorrangiges Ziel des Kandidaten.
von NNA-Korrespondent Walter Siegfried Hahn

. 20.06.2009 - Nicanor Perlas, 59, hat am 17. Juni in der philippinischen Hauptstadt Manila seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten der Republik Philippinen bekannt gegeben. Die Wahl findet im Frühjahr 2010 an einem bisher noch nicht festgelegten Datum statt.

Perlas hatte sich für den Start seiner Kampagne einen bedeutungsschwangeren Ort ausgesucht: den Heldenplatz in der Nähe der EDSA Avenue, der den Helden der im Februar 1986 siegreichen „Gelben Revolution“ gewidmet ist. Zwei Millionen Menschen waren damals unter Führung der in gelb gekleideten Märtyrer-Witwe Corazon Aquino auf der größten Straße der Hauptstadt aufmarschiert und hatten die 14 Jahre währende Marcos-Diktatur in drei Tagen friedlicher Demonstrationen zu Fall gebracht. Aquino übernahm das Präsidentenamt, Tausende von aus politischen Gründen eingesperrte Philippiner wurden aus den Gefängnissen entlassen, Tausende kamen aus dem Exil zurück. So auch Nicanor Perlas, der seit seiner Ausreise 1978 inzwischen in den USA die Anthroposophie kennengelernt hatte....


Perlas ist Pionier der Anthroposophie und der biologisch- dynamischen Landwirtschaft auf den Philippinen. In unzähligen weiteren Lebensbereichen ist er mit Beiträgen aktiv. So war er von Anfang an beteiligt an der Ausbildung von Waldorflehrern, wird aber auch von der katholischen Bischofskonferenz oder der bedeutendsten Unternehmensberatung OCCI Seminars als Ideengeber gesucht. Mit seiner Autorität erreichte er die Streichung von 32 besonders schädlichen Pestiziden. Und 2001 war er maßgeblich am Sturz des korrupten Präsidenten Estrada beteiligt, was – Ironie des Schickals – der damaligen Vize-Präsidentin Arroyo zur Macht verhalf, die sie bis heute behielt und nun nicht aufgeben will....

Quelle /vollständiger Artikel: http://www.themen-der-zeit.de/

Samstag, 20. Juni 2009

Prominente Waldorfeltern



Bitte auf das Bild klicken, dann wird es größer und lesbar.
Es ist ein Ausschnitt aus der Waldorf-World-List.

Prominente Waldorfschüler - Jens Stoltenberg


Ministerpräsident von Norwegen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

(* 16. März 1959 in Oslo) ist ein norwegischer Politiker der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und der amtierende Ministerpräsident des Königreiches Norwegen. Er führt das Kabinett Stoltenberg II.

Er ist Sohn der norwegischen Politiker Thorvald Stoltenberg und Karin Stoltenberg (geb. Heiberg). Seine Familie stammt ursprünglich aus Norddeutschland (wahrscheinlich Stoltenberg in Holstein) und ist im 17. Jahrhundert nach Norwegen ausgewandert. Stoltenberg ist mit Ingrid Schulerud verheiratet und hat zwei Kinder.

Prominente Waldorfschüler - Rolf Gutbrod



Rolf Gutbrod

Architekt

Quelle: http://www.uni-stuttgart.de/gutbrod


1910
Geburt von Rolf Gutbrod als Sohn des Arztes Dr. Theodor Gutbrod und dessen Frau Eugenie Sofie, geb. Witzemann, am 13. September in Stuttgart.


1920-29
Besuch der Freien Waldorfschule in Stuttgart.
Abschlussexamen des Württembergischen Kultusministeriums.
Längere Aufenthalte in der Schweiz und in England.

Ehemalige Waldorfschülerin - Mosemarie Boyd

Dear Friends,
Welcome to American Women Presidents. Promoting the election of women to the U.S. presidency for almost a decade has been an invaluable experience.
Women have been running for the U.S. presidency since 1870. One of these days, we will succeed. Presidential candidate Hillary Clinton and Vice Presidential nominee Sarah Palin made great progress for us all in 2008.
I would like to take this opportunity to thank everyone who has helped to campaign for a woman for president.
Thank you,
[photo]
Mosemarie Boyd
Founder, American Women Presidents

Freitag, 19. Juni 2009

Ehemaliger Waldorfschüler - Bahman Nirumand

Besonders häufig wird nach den Lebensläufen ehemaliger Waldorfschüler gefragt und im Internet gesucht. Die Skepsis gegenüber Waldorfschulen ist auch nach fast hundert Jahren erfolgreicher pädagogischer Arbeit noch ausgeprägt. Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass eine ganz andere Erziehungsform wirklich möglich ist:

"Wenige Monate vor dem Schah-Besuch am 2. Juni 1967 in Berlin, der so weitreichende Folgen hatte, erschien ein kaum minder wichtiges Buch: „Persien, Modell eines Entwicklungslandes“. Der Autor Bahman Nirumand wurde damit eine Art Vorreiter der APO; sein Lebensweg ist charakteristisch für die engen Bindungen zwischen Deutschland und dem Iran. Er war 1952 mit 14 Jahren aus Teheran gekommen, machte sein Abitur an einer Waldorfschule, promovierte in Literaturwissenschaft und kehrte noch während der Schah-Ära nach Persien zurück, um am Goethe-Institut zu arbeiten. Dort profilierte er sich als Oppositioneller, wurde bedroht, flüchtete nach einem Kontakt mit Hans-Magnus Enzensberger zurück nach Deutschland – und wurde unversehens zu einer der Galionsfiguren des Protests gegen den Schah."
Bahman Nirumand
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/

Sonntag, 14. Juni 2009

Jürgen Gosch, der anthroposophische Grübler

Anthroposophisch orientierte oder inspirierte Menschen im öffentlichen Leben

___________________________________________________________________

Jürgen Gosch 1943-2009

11. Juni 2009, 14:22
  • Artikelbild

    Ein nachdenklicher Grübler: der große deutsche Theaterregisseur Jürgen Gosch.


Der deutsche Theaterregisseur, berühmt als als großer, spröder Unzeitgemäßer, erlag 65-jährig in Berlin seinem Krebsleiden

Berlin - In Jürgen Goschs allerbesten Theaterinszenierungen durfte man als Zuschauer den Eindruck gewinnen, einem seltsam unfertigen Probengeschehen beizuwohnen. Ehe das Spiel begann, nahmen Goschs Schauspieler in der ersten Reihe fußfrei Platz. Die zumeist von Bühnenbildner Johannes Schütz errichteten Guckkästen schienen auf mysteriöse Weise durchlässig. Sie entblößten unvollständige Landschaften, einzig zu dem Zweck geschaffen, von den Darstellern wie auf Durchreise in Besitz genommen zu werden. Gosch-Figuren waren und sind Stiefkinder des Lebens und als solche Untermieter auf Zeit; sie operieren scheinbar spontan und wirken daher häufig ungeschützt, unkunstfertig, undurchschaubar.

.....

Goschs Ruhm als großer, spröder Unzeitgemäßer wuchs rasch an. Als er 1988 als Nachfolger Luc Bondys in das Leitungsteam der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz eintrat, schien der Gipfel erstürmt. Es folgte ein interessant missglückter Macbeth - und ein beispielloses Verrissgewitter, dem der Hochsensible insofern nachgab, als er seine Berliner Funktion 1989 schon wieder niederlegte. ...

Zuletzt - die Nachricht von Goschs lebensgefährlicher Erkrankung hatte schon die Runde gemacht - war Jügen Goschs eminente Kunst der Wirklichkeitsverdichtung längst außer Streit gestellt. Seine Albee- und Tschechow-Inszenierungen am Berliner Deutschen Theater (Onkel Wanja gastierte soeben bei den Wiener Festwochen) waren Hochämter der Schauspielkunst. Schauspielerstars wie Corinna Harfouch und Ulrich Matthes, Ernst Stötzner und Jens Harzer vertrauten sich Gosch mit Haut und Haaren an und warteten zur Belohnung mit Spitzenleistungen an innerer Wahrhaftigkeit auf.

...

Zuletzt war krankheitsbedingt der Plan gescheitert, Gosch die beiden Teile von Goethes Faust an der Wiener Burg inszenieren zu lassen. Die Salzburger Festspiele werden nun überlegen müssen, was sie mit Euripides' Bakchen ohne Gosch heuer anfangen. Doch der Verlust wiegt nicht nur aktuell schwer - er betrifft das allmähliche Verlöschen einer skeptischen, kompromisslosen Theaterkünstlergeneration. Ihr gehörte Jürgen Gosch, der anthroposophisch beschlagene Grübler, an exponierter Stelle an. (Ronald Pohl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.6.2009

Der ganze Text: http://derstandard.at/

"Starben die Menschen in früheren Epochen vor ihrer Zeit, so könnte man in Zukunft auf Menschen treffen, die sich sozusagen selbst überlebt haben."

von Heiko Ernst "Weitergeben"-
gefunden in "Info-Brief" der
Hannoverschen Kassen", S.24 in einem Artikel von Renate Hölzer-Hasselberg "Übergang vom aktiven Arbeitsleben in die Pensionierung".


Weiteres Zitat aus diesem Text:

"C.G. Jung vertrat die Meinung, dass unter allen Patienten (man könnte auch sagen Menschen,R.H.-H.) jenseits der Lebensmitte kein einziger war, dessen endgültiges Problem nicht das der religiösen Einstellung war, dass jeder neurotisch Kranke, letztlich daran leidet, dass er verloren hat, was lebendige Religion ihren Gläubigen zu allen Zeiten gab, und dass keiner wirklich geheilt wurde, der seine religiöse Einstellung nicht wiedererlangte."

Samstag, 13. Juni 2009

Ehemalige Waldorfschülerin - Renate Friedländer

Besonders häufig wird nach den Lebensläufen ehemaliger Waldorfschüler gefragt und im Internet gesucht. Die Skepsis gegenüber Waldorfschulen ist auch nach fast hundert Jahren erfolgreicher pädagogischer Arbeit noch ausgeprägt. Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass eine ganz andere Erziehungsform wirklich möglich ist.


Man kann eine umfangreiche Aufstellung ehemaliger Waldorfschüler und prominenter Waldorf-Eltern finden unter:
http://www.diewaldorfs.waldorf.net/list.html


Es
folgt ein aktueller Bericht über eine Künstlerin, deren Biographie eine insgesamt äußerst bemerkenswert ist:

Sie liebt stilles Beobachten

Von Katja Diepenbruck, 12.06.09

KÖLN - Schon auf der Waldorfschule, damals in Berlin, malte Renate Friedländer leidenschaftlich gern. Nicht nur, was sie sah, sondern auch, was sie als kleines Mädchen beschäftigte, brachte sie bereits als Achtjährige mit Bleistift und Wachskreide zu Papier. Berührend klare, bunte Bilder der Schöpfungsgeschichte, Märchenmotive, eine mit wenigen Bleistiftstrichen skizzierte Kreuzigung.

„Kinderbilder haben meist unten einen grünen, und oben einen blauen Rand, es ist immer noch viel weißes Nichts zwischen Himmel und Erde“, sagt die studierte Kunsterzieherin Friedländer. „Auf der Grundschule brachte man uns etwas Wunderschönes bei: nämlich das ganze Bild mit Farben zu füllen. Selbst unsere Mathematikhefte waren von oben bis unten voll bunter Zeichnungen.“ Ihre ersten Zeichnungen hat die 1929 in Berlin geborene Tochter einer jüdischen Familie ebenso ins Kölnische Stadtmuseum gebracht wie andere, vielfältige Arbeiten aus ihrem bewegten Leben. Blumenaquarelle, Reiseskizzen, Porträts. So erscheint die Ausstellung ihrer Werke, die unter dem Titel „Zwiesprache und Metamorphosen“ gezeigt werden, wie ein Lebenswerk, eine Summe an Erinnerungen aus einem Leben, das auch deutsche Geschichte erzählt. Renate Friedländer, die heute 80 Jahre alt ist, floh 1938 mit ihrer Familie nach England, studierte in Birmingham Malerei und Kunsterziehung, nach ihrer Rückkehr 1964 in Freiburg Kunstgeschichte.....

Fortsetzung hier:Kölner Stadt-Anzeiger

Mittwoch, 10. Juni 2009

Bildquelle: WetterOnline - Blitze erhellen einen Wolkenturm.
Bildquelle: Christian Nötzel - Noch imposanter wirkt das Geschehen von der Stadt Strausberg aus, die nur knapp von dem Unwetter verfehlt wird.


Bildquelle: WetterOnline-Bilderforum - Ein Regenbogen entschädigt für so manchen unpassenden Regenguss.

Montag, 8. Juni 2009

Modernes Sklaventum

Untertitel: Vom Reichtum in Ketten gelegt - Bild-Quelle:http://images.google.de/


Wenn ich meine Arbeit nicht lieben kann, dann gehöre ich zu den unglücklichsten Menschen dieser Welt. Habe ich das Gefühl, dass ich durch äußere Umstände gezwungen werde meine Arbeit zu tun, dann befinde ich mich in einer ähnlichen Lage wie einst ein Sklave oder Leibeigener.

Von daher liegt in der Forderung nach dem Grundeinkommen eine unbedingte Zeitnotwendigkeit.
In der menschlichen Arbeit verwirklicht sich die Individualität des Menschen. Dies kann nur in der Atmosphäre völliger Freiheit gelingen.

Der Zwang, den Lebensunterhalt nur in Zusammenhang mit der eigenen Arbeitstätigkeit verdienen zu können, entwürdigt und entwertet das menschliche Tun.

Im Fühlen der Menschen wird dieses in Zukunft immer stärker werden. Entwickelt sich die Individualität der Menschen immer weiter, dann werden sie mehr und mehr aus den heutigen Zwangssystemen ausbrechen. Sie werden es gar als unmoralisch betrachten, dass Menschen ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Sie werden es so ansehen, wie wir es heute betrachten, wenn ein Mensch seinen Körper verkauft. Man wird auf unsere Zeit dereinst zurückblicken als auf eine Zeit in der der Mensch seinen Geist und seine Seele für Geld eintausche musste, damit er überleben konnte.

In einer nicht zu fernen Zukunft wird man auf unsere Zeit so zurückblicken, wie wir von heute aus auf Zeiten der Leibeigenschaft und Länder mit Sklaverei blicken. Man wird es nicht verstehen können, dass es Menschen gab, die unsere heutigen Arbeitssysteme befürworten konnten und sich sogar freiwillig einfügten.

Dienstag, 2. Juni 2009

Großbritanniens ungeschriebene Verfassung


Es birgt immer etwas Problematisches in sich, wenn Verhaltensregeln, Ordnungen oder ähnliches schriftlich niedergelegt werden. Sie werden dann zu einem starren Korsett, das notwendigerweise in Fällen anzuwenden ist, wo es vielleicht gar nicht passt. Will man etwas schriftlich niederlegen, so müssen die Formulierungen immer in einer gewissen Allgemeinheit gehalten werden, damit sie nicht zum normativen Zwang werden. Auch sollte man mehr der gemeinsamen Gesinnung Ausdruck verleihen, als konkrete Handlungsanweisungen festlegen.


Legt man Wert auf schriftliche Niederlegungen für Gremien oder Gemeinschaften, so sollte man einfach nur beschreiben, was ist und was schon geschieht. Formuliert man etwas, was man theoretisch will oder fordert – was also noch nicht verwirklicht ist - , dann legt man sich eiserne Bandagen an. Wie sich die Dinge in der Zukunft entwickeln, das kann man vorher nicht wissen. Der schöpferische menschliche Geist, wird im lebendigen Lebensprozess immer wieder neue Ideen entwickeln und diese verwirklichen wollen. Durch die vorherige Beschreibung und Festlegung entstehen einheitliche, vergangenheitsorientierte Systeme, die den Individuen ihren schriftlich verfassten Willen aufprägen.


In diesem Zusammenhang ist das Beispiel der britischen, nicht niedergeschriebenen „Verfassung“ interessant. Es folgen Zitate aus einem Interview mit dem ehemaligen Außenminister Sir Malcolm Rifkind in der Zeitschrift BRAND EINS vom 10/08, S.144 ff :

„...Wir haben... ungeschriebene Konventionen – oder nennen Sie es Gepflogenheiten. Dies sind allgemein akzeptierte Regeln, die eingehalten werden, obwohl sie nicht die Form von niedergeschriebenen Gesetzen haben...

....Damit unser System funktioniert, muss es einen Grundkonsens innerhalb der politischen Klasse geben, ein Ziel, über das sich alle einig sind.

....unsere Verfassung ist über Jahrhunderte entstanden. Es war nicht nötig, sie aufzuschreiben. Wir wissen genau, was unsere Verfassung ist: Es sind zahlreiche Regeln, die eingehalten werden müssen.

....Aber dafür ist unsere Verfassung flexibel und veränderbar.... Veränderung ist bei uns einfacher als in anderen Ländern. Und das liegt daran, dass wir kein so festes Korsett haben. ... Wenn es in Großbritannien einen Konsens darüber gibt, dass es an der Zeit ist, etwas zu verändern, dann tun wir das einfach. Auch wenn das lange Debatten mit sich bringen kann. Die müssen dann eben geführt werden. Aber in der Praxis ist das sehr simpel. ...

... Unser Unterhaus könnte an jedem Tag im Jahr das schottische Parlament...überstimmen. Aber in den vergangenen Jahren hat sich eine neue Regel durchgesetzt. Nämlich dass das Unterhaus die Entscheidungen der ... Regionalparlamente respektiert.... Und das ist kein Gesetz, sondern eine Gepflogenheit...

... Es ist Teil unserer Verfassung, dass der Premierminister, wenn er eine Vertrauensabstimmung verliert, zurücktreten muss. Das ist nirgendwo niedergeschrieben. ...

...Wir dürfen keine Regeln festzurren, die sich später nur sehr schwer wieder verändern lassen....

... Seit einigen Jahren ist es eine Gepflogenheit, dass bei grundlegenden Entscheidungen ... ein Referendum nötig ist. Das ist wiederum keine gesetzliche Bedingung, aber es ist ein Instrument, das immer öfter zur Anwendung kommt. ...

Was ist für Sie verfassungswidrig?

Dasselbe, was für Sie verfassungswidrig ist: Dinge, die gegen unsere Gesetze, Regeln und Gepflogenheiten verstoßen. ...

Montag, 1. Juni 2009

Der Priester Wilhelm Hoerner (Jg.1913)

Auszüge aus einem Interview mit Bernhard Steiner - veröffentlicht im "Goetheanum" Nr.22/223 - 09:

...Die Erlebnisse in Gefangenschaft gehören für mich zu dem bedeutendsten Teil meines Lebens. Ich begegnete dort Menschen, welche die Verstandesseele noch gar nicht ausgebildet hatten. So hat mir einmal ein Wachposten die Brille genommen und durchgeschaut und geglaubt, dass er jetzt gescheit wird, weil er dachte, dass Brillen gescheit machen. Dann kam ein anderer und zog mir meinen Füllfederhalter heraus. Ich schraubte die Kappe ab und schrieb ein paar Kratzer auf dem Papier. Dann riss er mir die Füllfeder aus der Hand, hat den Stift auch hingehalten, aber nichts geschah! "Warum schreibt es bei dir und bei mir nicht?" Dann hat er mich verhauen. ...

Wir müssen das 20.Jahrhundert als einen Vernichtungskrieg, der gegen Mitteleuropa gerichtet ist, betrachten. Die Diktatur der Nazis ist ebenso eine Folge des Materialismus wie die kommunistische. Und die Diktatur des Kapitalismus, die wir jetzt haben, ist ebenso schlimm....

Selbstlos müssen wir werden, sonst geht's nicht weiter. Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, wie dieses Alten- und Pflegeheim der Christengemeinschaft, sie werden eingehen - nicht zuletzt auch aus grassierendem Geldmangel!..

Unterscheidung der Geister ist der allererste Sinn. Aber dann auch die Konsequenzen daraus ziehen! Wenn man zu Schamanen geht, kann man keine Geisterunterscheidung betreiben. Ich leide darunter, dass immer wieder Menschen zu mir kommen, die sitzen auf einer alten okkulten Methode fest, die sie nicht loslässt..."

Sonntag, 31. Mai 2009

Wladimir Solowjew und „Die Gelbe Gefahr“II

Nach Solowjew müssen wir selber in Europa die Forderungen, die sich aus einem wahren - nicht kirchenpolitischen - Christentum ergeben, erfüllen damit wir dem standhalten werden, was aus einem erstarkenden China nach Europa heranbranden wird:


"Im Jahre 1890 erschien 1890 der Aufsatz „China und Europa“. Solowjew beschäftigte sich einleitend mit der chinesischen Expansion in Südostasien, Australien und Kalifornien sowie der bevorstehenden Modernisierung der staatlichen und militärischen Macht Chinas und ließ schon in diesem Zusammenhange deutliche Befürchtungen durchblicken. Doch lag der Schwerpunkt seiner Ausführungen auf ganz anderem Gebiet, in der Darstellung der geistigen Welt des Reiches der Mitte und der Art und Weise wie diese die gesellschaftliche Organisation Chinas durchdringe, …
Wenn er chinesische und europäische Kultur als gleichbedeutend ansah, so doch nicht als gleichwertig.

Solowjew hatte sich eine „christlich-europäische Idee des Weltprogresses als des Weges zur Erreichung des wahren Lebens“ gebildet, und im Gegensatz zum Prinzip der unveränderten Bewahrung des Alten in China begründete er die Überlegenheit des Europäertums mit der diesem innewohnenden Forderung: „Wir sollen unser Leben ständig besser und vollkommener gestalten, bis wir jene Lebensfülle erreichen, die alles in sich vereinigt, und bis die Vergangenheit zu einem ewigen und wahrhaft unveränderlichen Leben aufersteht.“

Auch in der chinesischen Lebensordnung liege eine Wahrheit, allerdings eine nicht mehr entwicklungsfähige und der Verkümmerung preisgegebene, die ihre Erfüllung nicht mehr finden könne. Eben diese Erfüllung könnten die Europäer China bieten: „Unermüdlicher Progress als Mittel eines wirklichen Dienens der Ahnen, unaufhörliches Streben zu einer idealen Zukunft als der richtige Weg zur Erweckung der Vergangenheit – das ist die wahre innere Aussöhnung der zwei extremen Kulturen....Doch.. müssen wir selber der vollen Wahrheit treu sein, die das Christentum eröffnet hat. Im widrigen Fall wird China für uns zu keiner Eroberung, sondern zu einer drohenden Gefahr werden … wie es die moslemische Welt für das Europa des Mittelalters gewesen ist.“


Die Kritik an China führte Solowjew also zur europäischen Selbstkritik! In Europa sah er sein Ideal des christlichen Fortschritts nur ungenügend verwirklicht; ... Die „Gelbe Gefahr“ realisierte sich für Solowjew erst dann, wenn Europa sich des Verrats an der Fülle der christlichen Wahrheit schuldig mache. Denn in diesem Falle entgehe den Europäern auch jener „Teil der Wahrheit ... der dem Chinesentum seine Kraft verleiht.

Solowjew schloss seine Betrachtung mit der These: „Unser falscher Konservatismus zerfällt von inneren Widersprüchen wie auch der falsche Progressismus, und die Chinesen werden sich nicht nur als stärker erweisen, sondern sie werden es auch von Rechts wegen sein: sie bleiben sich selbst getreu.

Wenn die europäische christliche Welt sich treu bleibt, d. h. treu den Weltchristentum, so kann China uns nicht gefährlich sein. Wir werden auch den Fernen Osten erobern, aber nicht durch Waffen, sondern durch die geistige Kraft, die einem Bekenntnis der vollen Wahrheit eigen ist und die auf alle Menschenseelen wirkt, welchem Stamm sie auch angehören mögen:“



"...Im Gegensatz zu China betrachtete er Japan als für die westliche Zivilisation gewonnen, und er hielt es für einen seltsamen Anachronismus, dass zu seiner Zeit im Westen auch eine Vorliebe für östliche, buddhistische Religionsformen sich ausbreite...: „Es wäre sonderbar, wenn eine Religion, die Japan hinter sich hat, Europa beleben könnte."

Jiang Zemin im Jahre 1995

"...In der ersten Phase sollte unser Bruttosozialprodukt der Jahres 1990 das Doppelte von dem des Jahres 1980 erreichen...In der zweiten Phase sollte es sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts wiederum verdoppeln, um unserem Volk einen anständigen Lebensstandard zu ermöglichen.

Die dritte Phase wird sich bis in die Mitte des nächsten Jahrhunderts erstrecken, wenn das Bruttosozialprodukt Chinas pro Kopf der Bevölkerung dasjenige eines durchschnittlich entwickelten Landes erreichen ...wird."

Sonntag, 24. Mai 2009

Bundeskanzlerin Merkel

Die folgenden Worte mögen zunächst als Phrase erscheinen, da man sie schon oft gehört hat. Wenn sie aber von Angela Merkel ausgesprochen werden, dann klingen sie anders. Besonders auch, wenn man sie "live" hört. Sie hat persönlich für diese Dinge gekämpft, das klingt mit. Wir haben heute gewissermaßen - wie sonst so oft - nicht einen Parteifunktionär als Kanzler, sondern eher schon fast eine ehem. "Revolutionärin" als Kanzlerin. Man muss bei ihr auf den Unterton hören:


"Bundekanzlerin Angela Merkel hat auf dem Kirchentag bei einer Diskussion über Menschenwürde und Demokratie an die Menschen appelliert, nicht der Gefahr der Konformität zu erliegen. Notwendig sei auch in einem freiheitlichen Rechtsstaat der Mut, für seine Werte und politischen Grundüberzeugung einzustehen. ...

Rückblickend auf den Fall der Mauer vor 20 Jahren würdigte die Kanzlerin am Donnerstag den Einsatz vieler Menschen für den friedlichen Wandel. Denen, die sich in der DDR für Demokratie eingesetzt hätten, gelte es heute Respekt zu zollen. ...

Nach Auffassung von Merkel kann Demokratie nicht von heute auf morgen gelingen. In Deutschland sei sie erst in einem sehr langen Prozess erlernt worden.

Merkels Gesprächspartner, der renommierte britische Zeithistoriker und Publizist, Prof. Timothy Garton Ash, betonte, dass Deutschland ein sehr gutes Land geworden sei, was das politische und rechtsstaatliche System betreffe. Dies liege nicht zuletzt daran, dass die Nazi- und die DDR-Vergangenheit in "exzeptioneller Weise" aufgearbeitet worden sei. Die Geschichte sei sozusagen in „protestantischer Weise“ reflektiert worden.


Ash lehrt in Oxford und Stanford. In den 1970er Jahren lebte er in Ost- und West-Berlin. In seinem Buch „Akte Romeo“ hat er seine Bespitzelung durch die Stasi verarbeitet. "



Quelle: http://www.rundschau-online.de/html/artikel

Samstag, 16. Mai 2009

Saturnwärme

Nach Rudolf Steiner gab es einen allerersten planetaren Zustand der Erde, dieser bestand ganz aus dem Element Wärme. Einen zwergenhaften Rest davon erleben wir in dem heutigen Planeten Saturn.

Nun liest man von Messungen, die ergeben haben, dass dieser heutige Saturn noch immer Wärme ausstrahlt. Wohl wird in dieser Meldung behauptet, dass man herausgefunden habe, woher diese Wärme stamme. Aber auch diese sog. neueste Erkenntnis kann man als reinste Spekulation ansehen, wie fast alles, was bisher von der Wissenschaft über kosmische Vorgänge erfunden wurde. Gerade ist man ja auch schon dabei, die "Schwarze Materie" wieder abzuschaffen, weil sich diese Erfindung wohl nicht so recht bewährt hat. Interessant kann also hier nur sein, dass der Saturn Wärme abstrahle, nicht die Scheinerklärung, woher sie stamme:


"Wissenschaftler der Universität Rostock sind dem Energiehaushalt des Planetenriesen Saturn auf die Spur gekommen. Ein Physikerteam lüftete das Geheimnis, warum der Ringplanet etwa doppelt so viel Energie ins Weltall
abstrahlt, wie er von der Sonne aufnimmt....

Diese wird in Wärme umgewandelt,
die der Saturn dann abstrahlt."

dpa



Montag, 11. Mai 2009

"Die Erschaffung des Weibes"

von Ludwig Fulda


(Nach einer indischen Legende)

Brahma, Schöpfer alles Lebens,
Saß und sann im Weltenmai,
Sann und grübelte vergebens,
(seufzend:)
Wie das "W e i b" zu schaffen sei.
Denn als er den M a n n geschaffen,
Hatte seine Meisterhand
Alle festen alle straffen
Elemente schon verwandt.-
(Fragend:)
Wie das neue Werk beginnen,
Da kein Stoff mehr übrig war?
Erst nach langem, tiefem Sinnen,
Ward's ihm endlich offenbar:
(Tempo)
Und er nahm der Blume Sammet
Und den frommen Blick des Rehs
Und die Glut, die lodernd flammet,
Und den kalten Hauch des Schnees;
Nahm den schlanken Wuchs der Gerte
Und des Windes Flattersucht,
Und des Diamanten Härte
Und die Süßigigkeit der Frucht;
Nahm den zarten Schmelz vom Laube
Und den Flaum vom Sperlingskleid,
(weich:)
Das Gegirr der Turteltaube
(grausam:)
Und des Tigers Grausamkeit;
Und vom morgendlichen Rasen
Nahm er Tränenfluß des Taus,
Nahm die Furchtsamkeit des Hasen
Und die Eitelkeit des Pfaus;
Nahm vom Schilfe das Gezitter
Und des Vollmonds schwelllend Rund
Und des Sonnenstrahles Flitter
Und des Hähers Plappermund;
Nahm der Kletterpflanze Schlingen,
Nahm der Schlange Wellenleib,
(mit gewisser gläubiger Begeisterung:)
Und aus a l l e n diesen Dingen
Schuf der Weltenherr das - "W e i b". -
Und dem Manne zum Genossen
gab er es mit güt'gem Sinn;
(aufgeregt:)

Doch bevor ein Mond verflossen,
Trat der Mann vor Brahma hin,
(verlegen)
Und er sprach: O Herr, das Wesen,
Das du mir so gnadenvoll
Zur Gesellschaft hast erlesen,
Macht mich elend, macht mich toll.
Ach, es p l a p p e r t Tag'und Nächte,
Raubt mir S c h l a f und Z e i t und R u h ',
F o r d e r t viel, doch n i e das
R e c h t e,
Stört und quält mich immerzu.
(verzweifelt:)
Es vergiftet mir mein Leben,
Es zertrümmert mir mein Glück
(flehend:)
D u , der mir das Weib gegeben,
Großiger Brahma, n i m m 's z u r ü c k !
(Erzählend:)
- Brahma tat nach seiner Bitte;
Doch nach einer Woche schon,
trat der Mann mit raschem Schritte
Wiederum vor seinen Thron.
(Furchtsam:)
"Herr", so sprach er scheu beklommen,
"Meines Jammers dich erbarm".
(Als sei es ihm selbst unverständlich:)
Seit mir dies Geschöpf genommen,
Ward mein Leben leer und arm.
(Sinnlich:)
Ach, gedenken muß ich täglich,
Wie dies Wesen tanzt'und sang,
Wie's mich ansah, herzbeweglich
Und mit weichem Arm umschlang,
Die geschmeidig sanften Glieder
Und das liebliche Gesicht.
(Bittend:)
Brahma, gib das Weib mir w i e d e r ,
(jauchzend:)
Meines Lebens Lust und Licht!"
(Erzählend:)
Brahma stillte sein Verlangen
Doch drei Tage kaum vergangen
Kam der Mann mit bleichen Wangen

Abermals zurück und sprach:
(zerknirscht:)
"Sieh mich, Herr, voll bitt'rer Reue!
Ach, ich war ein blinder Tor;
Seit das Weib mir ward aufs n e u e ,
Bin ich ä r m e r als zuvor.
(Entschlossener Trotz:)
Niemals wieder mich betrügen
Wird ihr Lächeln und ihr Kuß
(kleinlaut:)
Winzig klein ist das Vergnügen,
(bedeutungsvoll:)
Riesengroß ist der Verdruß.
Ach, mir blieb kein Hoffnungsschimmer;
Drum erhör'mich, großiger Gott;
(flehend:)
N i m m d a s W e i b m i r a b
f ü r i m m e r ! "
(Streng, zornig:)
Brahma forsch: "Bin ich dein Spott?!
(Befehlend:)
Scher'dich heim! Für deine Klagen
Bleibt mein Ohr fortan verschanzt;
Lern's so gut es geht, ertragen,
Was Du nicht entbehren kannst."
(Seufzend:)
Traurig schlich der Mann von hinnen,
Und im Wandern seufzt'er bang':

"Großiger Brahma, nicht entrinnen

Werd' ich meinem Untergang.
Was du mir heraufbeschworen
Durch das Weib, verschmerz'ich nie;
B e i d e m a l bin ich v e r l o r e n -
M i t ihr - - - oder o h n e sie."

Sonntag, 10. Mai 2009

Religion oder Ethik - eine Anekdote

Quelle:
http://www.welt.de/Pro-Reli-im-Jahre-1912


"Eine gute Woche nach der Abstimmung über Pro Reli haben sich die Wogen in Berlin ein wenig geglättet. Ich muss zugeben, dass ich die Emotionalität des Themas unterschätzt habe. Vielleicht liegt das daran, dass man in meiner Familie seit einigen Generationen ein entspanntes Verhältnis zur Religion pflegt. Mütterlicherseits stamme ich zwar von einem anglikanischen Missionar ab, der in Ceylon elendiglich an einem Fieber starb. Doch meine Mutter hielt mehr von Horoskopen als von der Kirche. Meine Großeltern väterlicherseits waren Berliner "Trotzjuden". Das heißt, sie glaubten nicht an den ganzen Klumpatsch, feierten aber die jüdischen Feste neben den christlichen und blieben Mitglieder der Jüdischen Gemeinde. Sie hätten es als Verrat empfunden, ihre Herkunft, auf die sie einen gewissen Stolz hegten, durch Konversion verleugnen zu wollen.

Als nun mein Onkel Ludwig am Gymnasium in Lichterfelde eingeschult werden sollte, baten die Großeltern, so viel Trotz musste sein, um Dispens vom evangelischen Religionsunterricht. Der Schuldirektor hielt nichts davon: "Aber Herr Posener! Da werden keine alten Märchen erzählt. Ich bitte Sie! Das ist doch nur eine Art allgemeiner Ethikunterricht." (Wir schreiben das Jahr des Herrn 1912.)

Ludwig besuchte also den Religionsunterricht. Die Jüdische Gemeinde bekam Wind davon, war nicht amüsiert und schickte einen Rabbi vorbei, der meinen Großvater zur Rede stellte. Von der Sache mit dem Ethikunterricht war der Rabbi nicht überzeugt: "Soso. Dürfte ich den Knaben sprechen?" Ludwig wurde geholt, und der Rabbi fragte: "Mein Sohn, was hast du im Religionsunterricht gelernt?" Begeistert antwortete der Zehnjährige: "Wir haben gelernt, wie unser Herr Jesus Christus zum Lahmen sagte: Nimm dein Bett und wandele! Und er nahm sein Bett und wandelte!" Damit war es mit dem Ethikunterricht vorbei.

Die Gemeinde schickte einen jungen Mann in die posenersche Villa, der den drei Söhnen der Familie die Thora beibringen sollte. Gleich in der ersten Stunde erklärte er: "Die Geschichten des Alten Testaments sind abergläubischer Unsinn und blutrünstig obendrein. Ich bringe euch lieber etwas Wertvolles bei. Könnt ihr Schach spielen?"

Die Moral von der Geschichte? Keine Ahnung. Vielleicht die, dass man in Berlin die Gretchenfrage schon immer etwas anders beantwortete. Auch dafür liebe ich diese Stadt.

Samstag, 9. Mai 2009

"Freiheit"

Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen äußert sich in "Der Welt" vom 4.Mai 2009 in bemerkenswerter Weise über seinen Begriff von "Freiheit":


"Freiheit heißt nicht, kaufen, was man möchte, und fahren, wohin man will.

Der amerikanische Fehler besteht in der Annahme, Freiheit habe mit der äußerlichen Beziehung zur Welt zu tun, die einen in Ruhe lassen soll, damit man tun kann, was man will.

Tatsächlich hat wahre Freiheit mehr damit zu tun, was in einem vorgeht. Ich halte es für möglich, im Gefängnis frei zu sein. Ich bin wissentlich frei, wenn ich gut arbeite. Dabei bin ich in Wirklichkeit ein beschränkter, zwanghafter, neurotischer Mensch und habe unter diesen Umständen die Freiheit zu nahezu gar nichts, es sei denn, mich an den Schreibtisch zu setzen. Ich mag keine anderen Menschen, ich mag keine Mengen, alles reizt mich, ich will bloß in Ruhe gelassen werden. Tag und Nacht bin ich an die Schwierigkeit des Schreibens gekettet. Es ist ein krankhafter, obsessiver Geisteszustand, und doch gibt es Momente, in denen ich das Gefühl habe, womöglich etwas Wahres über mich selbst auszudrücken, es zu begreifen und vielleicht sogar auf das Papier zu bringen.

Ein Vogel ist nicht frei, wenn er fliegt, sondern wenn er dem Diktat seines inneren Selbst gehorcht."

Mittwoch, 6. Mai 2009

Wissenschaft im Kampf gegen die Religion

Der amerikanische Physiker und Nobelpreisträger Steven Weinberg äußerte seine Einstellung zu Wissenschaft und Religion in einem Interview mit dem Zeit-Magazin am 2.4.2009 in nachfolgender Weise. Damit bringt er in sehr offener und deutlicher Art zum Ausdruck, was sich viele aus bürgerlicher Rücksichtnahme nicht so klar auszudrücken wagen.


Sein Kernsatz:
____________________________________________________________________
Wir Wissenschaftler sollten alles tun, um die Macht der Religion zu schwächen. Dies wird sich schlussendlich vielleicht als unser wichtigster Beitrag zur Zivilisation erweisen
.
__________________________________________________________________________



...Je begreiflicher und das Universum wird, desto sinnloser erscheint es uns auch. Wir finden nichts, was unserem Leben einen objektiven Sinn verleiht. Denn in den Naturgesetzen ist nichts erkennbar, was uns eine besondere Stellung im Universum verleiht. Dies bedeutet nicht, dass ich mein Leben sinnlos finde.Wir können einander lieben und versuchen, die Welt zu verstehen. Doch diesen Sinn müssen wir unserem Leben selber geben. Das Bestreben, das Universum zu verstehen, hebt das menschliche Leben ein wenig über eine Farce hinaus und verleiht ihm einen Hauch von tragischer Würde.

(Der Interviewer: Man könnte es auch als einen Gewinn an Freiheit sehen.)

Wenn Ihnen das gelingt, herzlichen Glückwunsch. Ich könnte es gerne und kann es nicht. Ich empfinde eine gewisse Sehnsucht nach dem vergangenen Zeitalter des Glaubens. Ich fühle mich von der Religion angezogen. Und meine Abneigung rührt gerade daher, dass ich ein Verlangen nach etwas fühle, von dem ich weiß, dass es unwahr ist.

Meine Eltern waren keine besonders gläubigen Juden. Bis zum Alter von vielleicht zwölf Jahren glaubte ich, dass es so etwas wie einen Gott geben müsse, auch wenn ich keiner bestimmten Religion anhing. Dann erschienen mir diese Ideen plötzlich dumm, und dabei ist es geblieben.
Wir Wissenschaftler sollten alles tun, um die Macht der Religion zu schwächen. Dies wird sich schlussendlich vielleicht als unser wichtigster Beitrag zur Zivilisation erweisen. ...

Ich sehe den Niedergang der wissenschaftlich so produktiven Antike im Wesentlichen als ein Werk des erstarkenden Christentums. Der byzantinische Kaiser Justinian I. ließ die platonische Akademie schließen. weil Neugierde als das sicherste Zeichen von Unglauben galt......


(Die Menschen glauben trotzdem. Ich vermute, auch ein Hang zur Religiosität gehört zu unserer Natur. )

Na und? Wir haben auch eine Anlage, uns die Bäuche mit Zucker und Fett vollzuschlagen, und kämpfen dagegen an.


Mehr unter:
http://www.zeit.de/2009/15/Klein-Weinberg-15

Donnerstag, 30. April 2009

"Sommer im April"

Für zwei Tage Sommer im April. Hitzevorschuss. Die Knospen stürzen aus dem Schlaf. Über Nacht sind die Schwalben aus Sizilien zurück, nachtblau noch ist ihr Flügel, hier wird er staubgrau werden. Sie umflattern die Traufe. Die Stare im Kordon wie eine Polizeistaffel staken pickend über die Wiese. Sonntag ahneFülle, ohne Schwüle. Am See die Nachtigall und eine zarte Wasserschlange, die eine mäandrische Strömung hinter sich lässt, das feine schwarze Reptilienhaupt glänzt in der Sonne, es bleibt über Wasser wie beim schwimmenden Hund. Ein erstes Bad im kalten Weiher.

Blanker Himmel mit einem Storch, der über der Wiese kreist. Dass der große Zügler und ich diesen Raum uns teilen, der Reisende und der Bleibende, der Niederschauende und der Aufschauende, zwei sondierende Geschöpfe, gleitend auf zweierlei Art.


Bodo Strauß, Die Fehler des Kopisten - tb S.10


Ein bemerkenswertes Buch...

.
.
.
.

Sonntag, 26. April 2009

Wladimir Solowjew und „Die Gelbe Gefahr“I

Wladimir Solowjew, * 28. Januar 1853 in Moskau; † 13. August 1900. in Uskoje bei Moskau) war ein russischer Religionsphilosoph und Dichter.

Er beschäftigte sich u.a. auch mit der Entwicklung Chinas. Es entsprach ganz der Mentalität Solowjews, dass die vermeintliche Erkenntnis einer „Gelben Gefahr“ ihn wie eine plötzliche Offenbarung überfiel. Mit der ihm eigenen Erzählergabe berichtet er, dass er 1888 bei einer Sitzung der Pariser Geographischen Gesellschaft inmitten eines internationalen, auf Europäer schon, nicht mehr beschränkten Publikums den chinesischen Gesandtschaftssekretär in Paris, Oberst Tschen Ki Tong, Mitarbeiter der „Revue des Deux Mondes“, sprechen hörte. In reinstem Französisch erklärte der gelbe Mann und „wahre Held des Abends“:


„Wir sind fähig und bereit, von euch alles zu nehmen, was wir brauchen, die ganze Technik eurer geistigen und materiellen Kultur; aber wir werden uns keines eurer Glaubensbekenntnisse, keine einzige Idee oder auch nur einen Geschmack aneignen. Wir lieben nur uns, selbst und achten die Stärke. An unserer Kraft zweifeln wir nicht, sie ist fester ab die eurige. Ihr erschöpft euch in unaufhörlichen Versuchen, und wir nutzen die Früchte eurer Versuche zu unserer Verstärkung aus. Wir freuen uns über euren Fortschritt, aber wir brauchen nicht aktiv daran teilzunehmen; wir wollen es auch nicht. Ihr selber bereitet ja die Mittel, die wir gebrauchen, um euch zu bezwingen.“

Solowjew fühlte wie eine fremde, feindliche Welt auf ihn zukam.


Quelle: Die gelbe Gefahr Von Heinz Gollwitzer -
http://books.google.de/

Freitag, 24. April 2009

Die Gemeinschaft steht höher als das Individuum

Vorbemerkung: Zu den weltpolitisch und welthistorisch bedeutsamsten Vorgängen unserer Epoche gehören die Entwicklungen in China und ihre Auswirkungen auf den Westen. Zu diesem Thema wird es in nächster Zeit verschiedene Beiträge auf diesen Seiten geben. Im Überblick können Sie dann immer alle Artikel lesen, wenn Sie das Thema (label oder tag) "China" wählen.

_______________________________________

Zu den wichtigsten Phänomenen Chinas gehört das Gruppen-Prinzip:
Die Gemeinschaft steht höher als das Individuum . Dieses Prinzip gehört zu den Grundideen des Ostens überhaupt.

In einem Artikel in der FAZ vom 28.März 2009 "Der Westen ist nur ein T-Shirt" schreibt Jörg Becker u.a. über die heutige Beziehung Chinas zum Westen:


"Hat sich das Land also seit seiner globalen Marktöffnung kulturell verwestlicht? Je nach Wahrnehmung oder nach der Dimension die man beobachtet, kann diese Frage mit Ja oder Nein beantwortet werden. Einerseits ist eine enorme und sich noch stets weiter dynamisierende westliche Konsumwelt zu beobachten...
Andererseits zeigen alle empirischen Umfragedaten über Werte, dass sich bei den meisten Chinesen an deren traditionellen Auffassungen über die Familie nichts geändert hat. Nach wie vor steht die Gruppe über dem Individuum. Und mag auch das öffentlich sichtbare Leben in den chinesischen Metropolen westlich daherkommen, so sieht das in der privaten Lebenswelt ganz anders aus. Eine komplexe "Verschichtung" zwischen China und dem Westen ist zu beobachten. Es scheint, als ob in China weniger eine Verwestlichung als die Sinisierung des Westens stattfindet. Der Globalisierung des indischen Bollywood dürfte schon bald eine globale chinesische Kulturbewegung folgen. Das Konfuzius-Institut in Berlin ist da ein Anfang."

Dienstag, 21. April 2009

Fürchtet euch nicht, wir (Chinesen) sind bei euch

Vorbemerkung: Zu den weltpolitisch und welthistorisch bedeutsamsten Vorgängen unserer Epoche gehören die Entwicklungen in China und ihre Auswirkungen auf den Westen. Zu diesem Thema wird es in nächster Zeit verschiedene Beiträge auf diesen Seiten geben. Im Überblick können Sie dann immer alle Artikel lesen, wenn Sie das Thema (label oder tag) "China" wählen.

-------------------------------------------------------------------------------------



Eine buchstäblich alte Welt, versunken im Kulturpessimismus: So sieht China Europa. Die Ironie der Geschichte will, dass heute die Chinesen als Missionare auftreten und den Europäern ihre Angst vor der Globalisierung nehmen wollen.

PEKING, 8. März

In der Wirtschaftskrise verschieben sich die globalen Kurse rascher als in ruhigen Zeiten. Wie viel ist heute zum Beispiel Europa wert? Dass sich China in den letzten Wochen auffällig um den alten Kontinent bemüht, kann Verschiedenes bedeuten. In diesen Tagen begann schon die zweite große Einkaufstour chinesischer Investoren, nachdem Ministerpräsident Wen Jiabao zuvor in mehreren europäischen Ländern über die Auswirkungen der Krise gesprochen hatte. Die letzte Delegationsreise hatte deutschen Unternehmen allein Lieferverträge im Wert von rund zehn Milliarden Dollar eingebracht, jetzt soll es um Fusionen und Übernahmen im großen Stil gehen, unter anderem um Volvo. Die Preise sind günstiger geworden in diesen Tagen.

Aber eine gerade veröffentlichte Studie der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften über Europa legt den Schluss nahe, dass es Peking nicht bloß um ein Kostenkalkül geht. Es geht ihm, alteuropäisch gesprochen, um die Seele des Kontinents....


„Viele Europäer“, heißt es in dem Papier, „spüren den Druck, den das Erstarken Chinas ausübt, am eigenen Leib.“ Es wachse die Sorge um die eigene Konkurrenzfähigkeit. ...

Deutschland sei nicht in der Lage, die Vorteile wahrzunehmen, die China ihm und der Welt schon gebracht habe.

...

Vor dem Hintergrund dieser Analyse erscheinen Chinas Bemühungen um Europa in einem größeren Zusammenhang. Wen Jiabao hatte seine Reise zu einer „Tour der Zuversicht“ erklärt, und der Handelsminister Chen Deming interpretierte seine Einkaufstour als Bekenntnis für die Freiheit der Märkte und gegen den Protektionismus. Es sieht so aus, als habe sich China inmitten der Krise eine neue Rolle verordnet: den Auftrag, die Alte Welt von ihrem Pessimismus zu heilen, indem es sie am Schwung seiner trotz allem fortdauernden Aufwärtsbewegung Anteil nehmen lässt. Denn nur wenn Europa seine Globalisierungsfurcht verliert, so mag das Kalkül sein, werden sich seine Vorbehalte gegenüber China legen. Aus Pekinger Sicht würde sich die geläufige Rollenverteilung dadurch geradewegs umkehren: Einem in sich verschlossenen Europa würde plötzlich ein Verkündiger von Öffnung, Rationalität und Markt gegenüberstehen, mit dem niemand gerechnet hätte.

... Denn im gleichen Zug, wie China beim Geschäftemachen Europa die Angst vor der Globalisierung nehmen will, stärkt es seinen eigenen Einfluss in den globalen Beziehungen und Institutionen. Das Gesunden der Weltwirtschaft, erklärte Wen Jiabao in Davos, hänge von der engen Zusammenarbeit der Welt mit China ab. ...

Die Karten werden neu gemischt. Mit der Relativierung der amerikanischen Machtposition sehen chinesische Kommentatoren, etwa in der Parteizeitung „Renmin Ribao“, zum ersten Mal in der Geschichte ein Zeitalter des „globalen multikulturellen und multipolaren Wettbewerbs“ aufziehen, eine Ära der Zusammenarbeit statt der Konfrontation. ...


Die Zusammenarbeit, von der China spricht, dürfte allen noch einiges abverlangen.


MARK SIEMONS

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09.03.2009 Seite 25

Quelle:http://www.faz.net/

Samstag, 18. April 2009

China kauft 100 Hochgeschwindigkeitszüge von Siemens

Vorbemerkung: Zu den weltpolitisch und welthistorisch bedeutsamsten Vorgängen unserer Epoche gehören die Entwicklungen in China und ihre Auswirkungen auf den Westen. Zu diesem Thema wird es in nächster Zeit verschiedene Beiträge auf diesen Seiten geben. Im Überblick können Sie dann immer alle Artikel lesen, wenn Sie das Thema (label oder tag) "China" wählen.

______________________________________

Peter Kirnich

100 Züge der ICE-Weiterentwicklung Velaro rollen demnächst bei zwei chinesischen Partnerfirmen vom Band. Siemens liefert Komponenten wie die Elektroausrüstung, Fahrwerke und Motoren im Wert von 750 Millionen Euro. Der erste der neuen Züge soll Ende 2010 unter anderem auf der 1 318 Kilometer langen Strecke zwischen Peking und Schanghai fahren und es auf Geschwindigkeiten von bis zu 350 Stundenkilometern bringen. Fahrzeit: Vier Stunden. Vor vier Jahren hatte das chinesische Bahnministerium bereits 60 Velaros geordert. Damit wird der Zug mehr und mehr zum Siemens-Verkaufsschlager. Auch zwischen Barcelona und Madrid sowie Moskau und Sankt Petersburg sind die Schnellzüge bereits erfolgreich unterwegs. (pk.)

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/

Montag, 13. April 2009

Abendmahl - früher und heute



In einem Braunschweiger Ausstellungsraum stieß ich heute auf ein Bild "Das Abendmahl" von Ben Willikens.

Es wurde bewusst in Anlehnung an das Abendmahl von Leonardo gestaltet.

Betrachtet man die beiden Bilder nebeneinander, dann kann man daran auch die Entwicklung des menschlichen Seelenlebens durch die Jahrhunderte hindurch erleben:

Was früher lebendig, beseelt und farbig war, ist heute eine leere, farblose Fläche. Alles Erleben von Wesenhaftem ist verschwunden.
Ein Raum, der sich danach sehnt, dass jemand hereinkommen möge.

Donnerstag, 9. April 2009

Karfreitagmorgen

von Christian Morgenstern (1871-1914)


Heute will ein alter Mensch
wiederum zu Grabe sterben,
und der neue soll von ihm
nichts als nur den Willen erben,
nach dem endlichen Gelingen
immer tiefer hinzudringen.

Hilf zu solchem Ziel auch Du
mit dem eignen Stirb und Werde!
Lass uns einig unsre Erde
läutern, edlerm Stoffe zu!
Lass uns, liebes Lebensmein,
einer Sehnsucht Flügel sein!

Freitag, 3. April 2009

PowerPoint

Eine merkwürdige Vortragstechnik hat sich in den letzten Jahren ausgebreitet. Das Publikum starrt auf eine Leinwand und der Vortragende erzählt das Gleiche, was man auf der Leinwand selber schon gelesen hat. Leben, Geist und Spontaneität sind nicht mehr möglich. Der Redner kann auch gar nicht mehr auf das Publikum eingehen, weil er überwiegend Kontakt mit dem Computer und der Leinwand hat:



RICHTIG PRÄSENTIEREN

Besser Denken:

Flipchart statt PowerPoint

Matthias Pöhm ist Trainer für Schlagfertigkeit und Rhetorik.

Computergestützte Präsentationen sind ein probates Einschlafmittel. Dabei kann man sein Publikum mit einfachsten Mitteln begeistern - statt nur die tausendste Folienparade abzuspulen.
Jahrhundertelang wurden Reden weit gehend frei auf der Grundlage von ein paar bewährten Rhetorikregeln gehalten. Dann kam PowerPoint. Seitdem sind Vorträge zwar bunter und verspielter geworden, aber leider auch viel langweiliger. Denn die weit verbreitete Präsen­tationskrücke zwingt jede Rede in eine Struktur, die dem natürlichen Sprach­fluss widerspricht: Sie zerhackt ihn in einzelne Häppchen und verleitet zudem dazu, umständliche Wortmonster zu formulieren. Damit rufen Sie jedoch beim Zuhörer keine Emotionen mehr hervor ...


Quelle: http://www.spektrumverlag.de/artikel/980090

Freitag, 27. März 2009

Papst Benedikt XVI.

Als der jetzige Papst vor einigen Jahren gekrönt wurde, gab es auch in deutschen intellektuellen Kreisen eine gewisse Hoffnung, ja geradezu einen Optimismus. Durch seine breite Bildung und seine intellektuelle Redegewandtheit -man denke an seine Diskussion mit Habermas - hat Ratzinger weite Kreise beeindruckt.

Man sieht daran auch, wie leicht sich Menschen äußerlich beeinflussen lassen. Scheinbar war damals nur wenig im Bewusstsein, welche Rolle er vor seiner Krönung zum Papst in der katholischen Kirche innehatte. Schon immer galt Ratzinger als besonders konservativ und hart in seiner ideologischen Ausrichtung. Und nichts deutete bei ihm darauf hin, dass etwas Positives für die Entwicklung der modernen Menschheit von ihm ausgehen könnte. Die scheinbar demutsvollen, milden, salbungsvollen Worte die er nach der Papstwahl von sich gab, waren innerlich durch sein Wesen, seine Haltung und seine Überzeugungen überhaupt nicht gedeckt.

Dass beim Weltjugendtag in Köln Jugendliche in solchen Massen ihm zujubelten, konnte einen geradezu erschüttern. Ist es so leicht durch äußerlichen Pomp und geschickte Inszenierung noch heute Jugendmassen zu verführen? Ist die Sehnsucht der Jugend nach dem Geiste so gewaltig, dass sie schon diesen kleinen Heilsversprechungen, die Ratzinger macht, Gehör und gar Glauben schenkt?

Manche Zusammenhänge seiner bisherigen Regierungszeit werden in dem folgenden Artikel angesprochen. Besonders wichtig finde ich die letzten der unten zitierten Sätze:

Angst vor Menschen ohne Zweifel

Papst Benedikt XVI.

20.03.2009, 16:48

Von Sonja Zekri


Alles nur Missverständnisse? Papst Benedikt XVI. musste sich einigen Vorwürfen stellen.

Am erstaunlichsten ist die Verwunderung. Als hätte man alles erwartet, nur das nicht. Dass der Papst einen Bischof rehabilitiert, der den Holocaust leugnet zum Beispiel; oder dass er Protestanten, Juden, Orthodoxe wie Menschen zweiter Klasse behandelt und Nicht-Gläubige sogar wie Menschen dritter Klasse; oder dass er damals - der Karikaturenstreit war noch nicht ausgestanden - Muslime durch ein islamfeindliches Zitat aus dem 15. Jahrhundert brüskierte.

Ausgerechnet er, ein deutscher Papst. Dann die Erklärungen: Benedikt XVI. sei schlecht beraten worden. Er habe vielleicht Schlechtes getan, aber Gutes gewollt. Oder: Alles Strategie. Heutzutage müsse der Papst nunmal Kante zeigen, sonst laufen ihm die Gläubigen in Afrika davon, zu Voodoo-Sekten mit schrecklichen Bräuchen. Da kann er sich nicht so lang um die paar aufgeklärten Schäfchen in Europa kümmern. Und natürlich sei er wegen der Missverständnisse getroffen....


Das sind kaum die erlösenden Worte, auf die liberale Katholiken warten. Sie treten aus, in Scharen, zerrissen von einer Spannung, die immer da ist, aber seit dem Einzug Ratzingers in den Vatikan unerträglich geworden ist - der Widerspruch zwischen der Institution Kirche und ihren eigenen persönlichen Werten.

Inzwischen kann man das Ausmaß jenes grotesken Missverständnisses beim Amtsantritt Benedikts XVI. ermessen, als die deutschen Medien sich einem Taumel hingaben: als würde nicht nur ein Deutscher in den Vatikan einziehen, sondern sogar der ganze bundesrepublikanische Prinzipienkanon mit Toleranzgebot, Dialogzwang und Pluralismus, als würde sich der Vatikan in etwas Republikähnliches verwandeln, nur irgendwie feierlicher, glanzvoller, eben römischer. Eines muss man Ratzinger lassen: Nichts davon hatte er je versprochen. Er tut es auch jetzt nicht, da mögen noch so viele zur Gitarre den Lockruf einer Kirche von unten anstimmen.

Josef Ratzingers Lehre war nie gemütlich konservativ, sondern stets kompromisslos reaktionär, und so ist es bis heute geblieben. Damals wie heute gilt ihm der Mensch weniger als die Einheit der Institution, das Prinzip mehr als ein Leben, und die Folgen sind so verheerend wie immer, wenn Ideen wichtiger als Menschen werden. ...
Weiter: http://www.sueddeutsche.de/kultur/679/462298/text/