Samstag, 25. Juli 2009

Botho Strauß, Die Fehler des Kopisten

Es ist ein merkwürdiges Phänomen bei diesem Dichter: Es ist, als würden aus einem harten, verkrusteten Wüstenboden, plötzlich immer wieder die schönsten Wunderblumen hervorbrechen. So taucht in seinem Werk z.B. dieses Buch auf; und auch in diesem Buch brechen immer wieder die geistreichsten Bemerkungen auf. Als würde der Dichter die Schwelle zu einer vertieftenen Selbsterkenntnis oder manchmal gar noch einer anderen Bewusstseins-Sphäre überschreiten. Dafür einige Beispiele:


"Wie fehlt mir ein Frager jetzt!
Man muss alle wesentlichen Fragen an sich selber richten. Was von anderen kommt, sind ausschließlich Bagtellfragen. Sie fragen ihr Fräglein. ...

Wer weiß oder ahnte auch nur, welcher Frage ein Mensch in einem bestimmten Augenblick bedarf? Beinahe jede im Umgangston gestellte Frage enthält eine Schutzfunktion, die davor bewahrt, die entscheidende, die ersehnte, die wirklich naheliegende Frage zu sein." (S.37 f)

"Wenn ich Diu (seinen Sohn) nach dem Vorlesen im Bett, sobald er allein ist, sein Gebet sprechen höre, denke ich... um wieviel sinnvoller ist es, das Leben im Vertrauen zu begründen statt im Misstrauen, das mit dem Sturz des Heiligen allzu früh geweckt wird und sich rasch ausbreitet, fortfrisst bis in die Liebe. Während aber das Kind sich im Ganzen aufwärts richtet, blicken die Älteren nur gerührt zu ihm herab, statt von ihm zu lernen." (S.43)

Sonntag, 19. Juli 2009

Ein gewaltiges Grabmal


Am Samstag 18.7.2009 veröffentlichte die Braunschweiger Zeitung einen Artikel von Klaus Herrmann "Nur der Herzog betrat den Dom durch die Tür oberhalb des hohen Chores".

Darin beschreibt er, dass der heutige Haupt-Kirchenraum einzig und allein als Grablege diente. Gottesdienste fanden nur im hohen Chor statt: "Der hohe Chor war seine Familienkapelle. Das Hauptschiff des Gotteshauses war die Grablege, wie man die Begräbnisstätte damals nannte. Das Volk versammelte sich in anderen Kirchen."

Wenn man die Westminster Abbey in London besucht, dann hat man davon noch einen realen Eindruck. Der Kirchenraum ist fast überfüllt mit Grabdenkmälern bedeutender Menschen von den Königen und Königinnen bis hin zu Newton, dem ein besonders herausragendes Denkmal gewidmet ist.

Waren schon die Pyramiden ein gewaltiges Grabmal, so wurde diese Tradition im Kirchenbau fortgesetzt. Schon die ersten Christen versammelten sich in den Katakomben bei den Resten der Verstorbenen.

Was mag sich darin aussprechen? Religion und Gottesdienst immer in Verbindung mit dem Grab, mit dem Tod? Ist man so immer an die heilige Menschheitsaufgabe erinnert, den Tod zu überwinden? Vom Tode zur Auferstehung.

Donnerstag, 16. Juli 2009

Ehemaliger Waldorfschüler - Götz Rehn

Entrepreneur des Jahres 2005

Von Simon Hage und Claus G. Schmalholz

3. Teil: Alnatura - der Körner-Krämer

Der Körner-Krämer

Sieger Handel: Alnatura GmbH

Unternehmenschefs sehen gemeinhin anders aus. Auf der Homepage zeigt sich Alnatura-Gründer Götz E. Rehn ganz wie es das Klischee verlangt: ein freundlicher Herr mit schütterem Haar. Über dem dicken Wollpulli trägt er eine grobe Schürze, in den Händen hält er einen Strauch Tomaten, natürlich Bio-Tomaten.

  Götz E. Rehn , Gründer und geschäftsf. Gesellschafter der Alnatura GmbH
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Götz E. Rehn, Gründer und geschäftsf. Gesellschafter der Alnatura GmbH

Mitte der 80er Jahre trat Rehn mit seiner Firma Alnatura an, eine Alternative zu bieten zu den herkömmlichen Einkaufshäusern und ihren Produktpaletten.

Rehn, geboren 1950 in Freiburg, arbeitete nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre beim Nestlé-Konzern, zuletzt als Produktgruppenleiter Schokolade für die Bereiche Deutschland und Europa.

Das Bio-Unternehmen Alnatura gründete er 1984, als der Großteil der Bevölkerung noch nicht in Vollkornriegel beißen mochte. Drei Jahre später eröffnete der einstige Waldorfschüler seinen ersten Supermarkt in Mannheim.

Inzwischen gibt es 20 Filialen in ganz Westdeutschland. Und die Expansion ist längst nicht abgeschlossen. Die Zielmarke für die Zukunft liegt bei etwa 40 Bio-Märkten. Auch in die konventionellen Drogerie- und Supermärkte hat Rehn mit seinen rund 550 verschiedenen Naturprodukten, von Tees bis Teigwaren, längst Einzug gehalten: Alnatura-Artikel gibt es unter anderem auch bei Budni, in den dm-Drogeriemärkten, bei Hit und Feneberg.

Der Erfolg schlägt sich spürbar in den Geschäftszahlen nieder: Der Netto-Umsatz hat sich von rund 45 auf 117 Millionen Euro zwischen den Jahren 2000 und 2004 mehr als verdoppelt, der Vorsteuergewinn gar vervierfacht, von 1,4 auf 5,5 Millionen Euro. Bei solchen Wachstumsraten braucht Rehn ständig zusätzliche Fachkräfte und bildete daher zuletzt stets zwischen 14 und 21 Leuten aus. Bemerkenswert: 16 der 25 Führungspositionen im Unternehmen sind mit Frauen besetzt. Das schaffen nicht einmal die Grünen.

Auch sonst tut Rehn alles, um sein Unternehmen als Vorzeigebetrieb zu etablieren: Den Strom für den Betrieb des Unternehmens bezieht Alnatura ausschließlich aus Wasserkraftwerken. Und die hauseigenen Kindertextilien werden mit Bio-Baumwolle aus Ägypten angefertigt. Dadurch schafft Rehn nach eigenen Angaben 200 Arbeitsplätze im Land der Pyramiden.

Preiswertes Outsourcing auf Kosten heimischer Arbeitsplätze? Nein, denn auch in Deutschland stieg die Zahl der festangestellten Alnatura-Mitarbeiter seit dem Jahr 2000 von 180 auf 280. So hat der Mann mit der Schürze also allen Grund, weiterhin freundlich dreinzublicken.

Quelle :http://www.manager-magazin.de/

Montag, 13. Juli 2009

Handeln heißt leben

Jean-Marie Guyau

1854 - 1888

Auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe stehen gebliebene Geschöpfe betätigen sich nur in wenigen bestimmten Richtungen; dann ruhen sie sich aus, vergeuden ihre Kraft in absoluter Untätigkeit, wie z.B. der Jagdhund, der bis zu dem Augenblick der Jagd schläft. Die höheren Wesen dagegen erholen sich durch die Verschiedenheit der Arbeit, wie ein Feld sich ausruht durch die Fruchtfolge. Das Ziel, das man bei einer bewussten Regelung der menschlichen Aktivität verfolgen muss, besteht also in der äußersten Beschränkung der Perioden der Brache auf das Notwendige. Handeln heißt leben; mehr handeln, heißt das innere Leben steigern. Von diesem Gesichtspunkte aus sind Untätigkeit und Trägheit die schlimmsten Laster; das sittliche Ideal muss Tätigkeit in all der Mannigfaltigkeit ihrer Erscheinungsformen sein, wenigstens der Formen, die sich nicht gegenseitig aufheben, oder die nicht einen dauernden Kraftverlust hervorbringen.

aus: Sittlichkeit ohne Pflicht (1885)

Sonntag, 12. Juli 2009

Du mußt dein Leben ändern - Über Anthropotechnik


Peter Sloterdijk (-aktiver Link)

Du mußt dein Leben ändern


Was man von der Anthroposophie her längst weiß, darauf ist inzwischen auch Deutschlands Fernseh-Philosoph gekommen. Obwohl ich das Buch nicht kenne, so scheint es mir doch für Menschen, die noch nicht Übende sind, recht empfehlenswert.

Andererseits ist es recht bemerkenswert, dass ein solches Buch erscheint und damit die Öffentlichkeit auf eine Tatsache hinweist, die an der Zeit ist.

"Der Mensch als Übender, als sich durch Übungen selbst erzeugendes Wesen", in diesem Satz ist eine bedeutsame Weisheit enthalten.


"ISBN: 978-3-518-41995-3
Erschienen: 24.03.2009
Gebunden, 723 Seiten

Inhalt

In seinem neuen großen Essay über die Natur des Menschen betreibt Peter Sloterdijk Märchen-Kritik: Als Kritik des Märchens von der Rückkehr der Religion könnte man seine Thesen verstehen. Doch nicht die Religion kehrt zurück. Es verschafft sich vielmehr etwas ganz Fundamentales in der Gegenwart Raum: Der Mensch als Übender, als sich durch Übungen selbst erzeugendes Wesen. Rainer Maria Rilke hat den Antrieb zu solchen Exerzitien zu Beginn des 20. Jahrhunderts in die Form gefaßt: »Du mußt dein Leben ändern.«

In seinem Plädoyer für die Ausweitung der Übungszone des einzelnen wie der Gesellschaft entwirft Peter Sloterdijk eine grundlegende und grundlegend neue Anthropologie. Den Kern seiner Wissenschaft vom Menschen bildet die Einsicht von der Selbstbildung alles Humanen. Seine Aktivitäten wirken unablässig auf ihn zurück: die Arbeit auf den Arbeiter, die Kommunikation auf den Kommunizierenden, die Gefühle auf den Fühlenden ... Es sind die ausdrücklich übenden Menschen, die diese Existenzweise am deutlichsten verkörpern: Bauern, Arbeiter, Krieger, Schreiber, Yogi, Rhetoren, Instrumentalvirtuosen oder Models. Ihre Trainingspläne und Höchstleistungen versammelt dieses Buch zu einer vergnüglich-instruktiven Lektüre von den Übungen, die erforderlich sind, ein Mensch zu sein."

Ehemaliger Waldorfschüler - Wolfgang Porsche


Wolfgang Porsche gilt als Diplomat der Porsche-Eignerfamilien



Von Marco Dalan Und Nikolaus Doll 12. Juli 2009, 04:00 Uhr

Wolfgang Porsche muss im endlosen Übernahmepoker des Sportwagenbauers mit VW bald Entscheidungen treffen, die den Ausgang bestimmen werden. Eines steht schon jetzt fest: Es wird am Ende Verlierer geben

Wolfgang Porsche gilt als Diplomat der Porsche-Eignerfamilien. Doch nun wird er auch seine harte Seite zeigen müssen

Die Stimme ist freundlich, das Lächeln weicht nicht aus seinem Gesicht. Auch nicht bei eher unangenehmen Fragen. "Diese Diskussion führen wir nicht in der Öffentlichkeit", sagt Wolfgang Porsche, als er auf den Machtkampf zwischen Porsche und VW, zwischen ihm und seinem Cousin Ferdinand Piëch angesprochen wird. Das war Mitte Mai auf der Hauptversammlung der Volkswagen-Tochter Audi. Wolfgang Porsche saß in der ersten Reihe des Audi-Forums in Neckarsulm und ließ sich in aller Seelenruhe fotografieren.

Der 66-jährige Porsche-Aufsichtsratsvorsitzende hat weder das aufbrausende Temperament von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking noch die Härte eines Ferdinand Piëch, der dem Aufsichtsrat von Volkswagen vorsteht. Er, der einst eine Waldorfschule besuchte und Porsche-Raritäten sammelt, ist der Diplomat der Familie. Doch in den kommenden Wochen ist mehr als ausgleichendes Geschick gefragt. Wolfgang Porsche hält das Schicksal des Sportwagenherstellers, das von Europas größtem Autobauer VW, von Wiedeking und Piëch in den Händen. Und eines ist bereits sicher: Anders als Wiedeking es im Verlauf des Porsche-VW-Übernahmepokers angekündigt hat, wird es Verlierer geben.

Wolfgang Porsche, so scheint es, wird zerrissen zwischen den Interessen seiner Vorstände in Stuttgart und denen von Piëch und den VW-Oberen in Wolfsburg. Der Sportwagenhersteller hat Milliardenschulden angehäuft bei dem Versuch, Volkswagen zu übernehmen. Der "David aus Stuttgart-Zuffenhausen" braucht Geld, und das schnell. In Wolfgang Porsches Hand liegt es nun, ob der Sportwagenhersteller eigenständig bleibt, mit dem Emirat Katar einen neuen Großaktionär erhält oder gar an VW verkauft wird. Denn die Porsches halten an der Porsche-Holding 53 Prozent, die Piëchs nur 47 Prozent. Wolfgang Porsche hat nun für den 23. Juli zu einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung geladen. Dann dürfte es zu einer Kampfabstimmung kommen....

Die gesamte Situation muss für Wolfgang Porsche äußerst unbehaglich sein. Der vierfache Vater ist zwar ein Zahlenmensch und ein Krimifreund, aber ein eher feinsinniger und leiser Mann, der seine Zeit auch mit Malerei verbringt. Seit fast zwei Jahrzehnten kümmert er sich um die Familienbeteiligungen. 27 Jahre lang war er Importeur für Yamaha-Motorräder in Österreich, und Familiengespräch ist immer noch, dass er seinem Cousin Ferdinand Piëch einst eine Vier-Zylinder-Maschine lediglich mit einem Minirabatt verkaufte.

Ganzer Artikel: http://www.welt.de/wams


Mittwoch, 8. Juli 2009

Saul Bellow


Anthroposophisch orientierte oder inspirierte Menschen im öffentlichen Leben

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13.3.09
Saul Bellow und die Anthroposophie

Von Lorenzo Ravagli


Der Übersetzerpreis der Leipziger Buchmesse geht dieses Jahr an Eike Schönfeld für seine Übertragung des Romans Humboldts Gift von Saul Bellow.

Aus der Begründung der Jury: »Dieser Roman ist ein todtrauriges, grandios komisches Buch über Literatur, Liebe und Leben, Begierde und Tod. Er ist ein überwältigendes Sprach- und Erzählspiel, eine, wie es Saul Bellow selbst sagte, Komödie des ›schwachsinnigen Infernos‹. Schönfeld, einer der sprachwitzigsten, tonsichersten und fleißigsten Übersetzer aus dem Amerikanischen ins Deutsche, hat sich als idealer Botschafter für dieses Werk erwiesen. Seine kongeniale Übertragung ist genauso ›lebendig, ironisch, spöttisch und klug‹, wie der San Francisco Examiner den Ursprungstext einst charakterisierte.«

Der Roman von Saul Bellow ist aber auch ein Dokument für die Beschäftigung seines Autors mit Anthroposophie. Wie bei einem Teppichgewebe durchziehen die Fäden des anthroposophischen Gedankenguts die dahinstürmenden inneren Monologe des Ich-Erzählers.

...
»Ich widmete den Steiner-Meditationen lange Stunden und tat mein Bestes, den Toten nahezukommen ... Ich war der Auffassung, dass die uneingeweihten Toten in ihrer Unwissenheit Schnitzer machten und litten. Besonders in den ersten Phasen fühlte die Seele, die leidenschaftlich mit ihrem Körper vereint und mit Erde befleckt und dann plötzlich getrennt war, eine Lücke, so wie die Amputierten ihre fehlenden Beine spüren. Die erst kürzlich Verstorbenen sahen von Anfang bis Ende alles, was ihnen zugestoßen war, das ganze beklageswerte Leben. Sie brannten vor Schmerz. Die Kinder, die toten Kinder insbesondere, konnten ihr Leben nicht verlassen und blieben unsichtbar nahe bei denen, die sie liebten, und weinten. Für diese Kinder brauchten wir Rituale – tut etwas für die Kinder, um Himmels willen! Die älteren Toten waren besser gerüstet und kamen und gingen bedächtiger. Die Dahingeschiedenen wirkten im unbewussten Teil einer jeden lebendigen Seele, und einige unserer höchsten Vorhaben waren möglicherweise von ihnen eingegegeben ... Die Seelen der Toten hungerten nach der Vollendung ihrer Läuterung und nach der Wahrheit ... Die Zeit, die Toten etwas zu fragen, sind die letzten Augenblicke vor dem Einschlafen. Die Toten hingegen erreichen uns am leichtesten, wenn wir gerade erwachen ... Eine okkulte Eigentümlichkeit, an die ich mich nicht gewöhnen konnte, war, dass die Frage, die wir stellten, nicht uns entsprang, sondern den Toten, an die sie gerichtet war. Wenn die Toten antworteten, war es eigentlich die eigene Seele, die sprach. Solch eine spiegelhafte Umkehrung war schwer zu begreifen. Ich habe lange darüber nachgegrübelt.«

Von Kathleen gefragt, was er tun wolle, wenn ein Bekannter von ihm außer Gefahr sei, antwortet der Ich-Erzähler: »dass ich dann wahrscheinlich einen Monat in Dornach bei Basel verbringen würde, in dem Schweizer Steiner-Zentrum, dem Goetheanum. Vielleicht würde ich mir dort ein Haus mieten, wo Mary und Lish den Sommer mit mir verbringen könnten.«

Als ich Ende der 1970er Jahre in Dornach studierte, fanden intime Seminare über die Mysteriendramen Rudolf Steiners in einem Haus statt, das zu dieser Zeit vom Literaturnobelpreisträger Saul Bellow angemietet worden war. Bellow selbst bin ich damals leider nicht begegnet. ...."

.....Weiter unter: http://www.anthroposophy.com/anthroblog/2009/03/saul-bellow-und-die-anthroposophie.html


Seit Winnenden 148 Amokdrohungen in Bayern


Selbst für mich ist diese Entwicklung überraschend. Ob die Gesellschaft nun langsam verstehen wird, was in den Schulen und in den Schülerseelen heute los ist? Welch eine Verzweiflung, Not und Hilflosigkeit sich breit macht? Wird man weiterhin von Einzelfällen ausgehen, die es auszumerzen gilt?

"Von Joachim Peter 7. Juli 2009, 16:19 Uhr
Eine interne Liste des bayerischen Innenministeriums zeigt eine erschreckende Entwicklung auf. Seit dem Amoklauf von Winnenden registrieren die Behörden Woche für Woche Morddrohungen an Schulen. Schüler wurden in psychiatrische Behandlung übergeben. Sogar ein Lehrer wollte sich mit einem Gewaltakt rächen....


Mehr unter: http://www.welt.de/Winnenden


Dienstag, 30. Juni 2009

Galsan Tschinag

An manchen Persönlichkeiten wird deutlich, wie sich das Bewusstseinsseelenhafte heute in der Welt zeigt. Galsan Tschinag ist ein bekannter mongolischer Autor, der aber auf deutsch schreibt. Einmal äußerte er sinngemäß:

"Als Fleisch und Blut bin ich mongolisch.
Als Glaubenssubjekt bin ich schamanisch.
Als Geistwesen bin ich Deutscher."

Beim freien, modernen Menschen ist die Zugehörigkeit zu einem Volk für sein Bewusstsein nicht mehr ausschlaggebend.



Mehr über ihn auf der Seite des GOETHE-INSTITUTS:

Galsan Tschinag – Literat und Schamane

Galsan Tschinag; Copyright: Unionsverlag/Foto Amélie SchenkDeutsch schreibender Literat, mongolischer Staatsbürger, tuwinischer Schamane: Der Chamisso-Preisträger Galsan Tschinag repräsentiert viele Welten.

Selbst im heutigen Deutschland hört sich "Galsan" fremd an. "Tschinag" selbstverständlich auch. Geradezu exotisch jedoch klingt sein eigentlicher Name: Irgit Schynykbai-Oglu Dshuruk-Uwaa. Aufgewachsen ist dieser mutmaßlich 1943 als jüngster Sohn einer Nomaden-Familie geborene Künstler im westmongolischen Altai-Gebirge. Dort verbringt er auch heute noch den größten Teil seiner Zeit. Denn Galsan Tschinag ist seit einigen Jahren das sogenannte Stammesoberhaupt der turksprachigen Tuwa, einer ethischen Minderheit in der Mongolei. Er ist ein gewiefter Politiker, ein leidenschaftlicher Pferdenarr, ein wortgewandter Schamane und manches mehr. Und quasi nebenbei auch ein anerkannter deutscher Schriftsteller, der bereits 1992 mit dem renommierten Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet wurde. Einem Preis, den bekanntlich nur Dichter erhalten, die herausragende Literatur in deutscher Sprache schreiben – und eine andere Muttersprache haben. Ganz abgesehen davon dürfte es nicht allzuviele Menschen geben, die den "Mongolischen Orden des Roten Arbeiterbanners erhalten haben und ein paar Jahre später das Bundesverdienstkreuz. Der Tuwa-Dokumentarist Tschinag, ein Brückenbauer und Kulturvermittler zwischen Asien und Europa, besitzt beides.

Literarische Anfänge in der DDR

Im Kalten Krieg fing alles an, denn zum sogenannten Ostblock gehörte damals, von der großen Welt nur am Rande beachtet, auch die Mongolische Volksrepublik. Nur wenige ihrer Staatsbürger konnten im befreundeten Ausland studieren. Tschinag war einer von ihnen. Er kam 1962 in die DDR, lernte am angesehenen Leipziger Herder-Institut das lateinische Alphabet und die deutsche Sprache, studierte sogleich Germanistik und lernte bald den Schriftsteller und Pferdeliebhaber Erwin Strittmatter kennen, der sich später für den jungen Autor einsetzte. Nach der Rückkehr in die ferne Heimat arbeitete er als Deutsch-Dozent an der Universität von Ulaanbaatar, bis er wegen "politischer Unzuverlässigkeit" gehen musste. Galsan Tschinag übersetzte weiterhin deutsche Literatur ins Mongolische und ließ seine Verbindungen nach Deutschland nie ganz abreißen. ....

Weiter: http://www.goethe.de/

Freitag, 26. Juni 2009

Ehemalige Waldorfschülerin - Karoline Herfurth

Karoline Herfurth: "Ich mag es, Vokabeln auswendig zu lernen"


Welche Schlüsselqualifikationen sind im Beruf wirklich wichtig? Heute: Schauspielerin Karoline Herfurth, 25, über Lernbereitschaft

In Stellenanzeigen wird von Bewerbern einiges verlangt: Teamfähig sollen sie sein, flexibel und zuverlässig. Doch wie wichtig sind Schlüsselqualifikationen im Job wirklich? Wir fragen bekannte Persönlichkeiten.


jetzt.de: Nach dem Film „Im Winter ein Jahr“ haben sich die Feuilletons vor Lob geradezu überschlagen. Bist du jetzt schon eine vollkommene Schauspielerin?

Karoline Herfurth: Um Gottes Willen, dieses Gefühl habe ich nicht! Und ich hoffe, dass ich das Gefühl, vollkommen zu sein, auch mit 50 nicht haben werde. Das wäre doch sehr langweilig. ...

Du hast eine Waldorfschule besucht. Hat diese Zeit deine Lernbereitschaft geprägt?

Die Waldorfschule hat mir in der Tat die Freiheit gegeben, meine Interessen zu entwickeln und Schwerpunkte zu finden. Dadurch habe ich einen ungeheuren Spaß am Lernen entwickelt. ....




Karoline Herfurth, 25, wurde durch ihre Rollen in "Crazy" und "Mädchen, Mädchen" bekannt. Große Aufmerksamkeit erlangte sie durch ihre Nebenrollen in "Das Parfum" und in "Der Vorleser" an der Seite von Kate Winslet und Ralph Fiennes. Für ihre Rolle der Tanzschülerin Lilli Richter in "Im Winter ein Jahr" erhielt Karoline Herfurth den Bayerischen Filmpreis. Am 10. September 2009 kommt "Berlin 36" in die Kinos. Darin spielt sie die jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin (Foto).


Quelle- vollständiger Text:
http://jetzt.sueddeutsche.de/

Sonntag, 21. Juni 2009

Prominente Waldorfschüler


"Fotoserie in der "Süddeutschen"
mit Originaltext - alles Zitate (Auszüge)



"... Waldorfschulen (sind) beliebt: Im Jahr 2007 hatten sie in Deutschland mehr als 80.000 Schüler. Zu den Absolventen der Waldorfschulen zählen auch zahlreiche Prominente, darunter Marie Bäumer, hier als Buhlschaft im Salzburger "Jedermann".

Bäumer war nach eigenen Angaben eine mittelmäßige Schülerin - und eine Niete in allen Naturwissenschaften.

 
Auch Nina Hagen schickte ihre Tochter Cosma Shiva auf eine Waldorfschule. Die esoterischen Ansichten ihrer Mutter teilt die 27-Jährige trotzdem nicht: "Ich bin für den Mittelweg, also nicht zu esoterisch und abgehoben, aber auch nicht zu kühl, geradlinig und rein vernunftgesteuert", sagte sie in einem Interview. Sie sei zwar nicht religiös, glaube aber dennoch gern an etwas. "Auch daran, dass es Jesus und dass es Buddha gab."


(Foto wurde von Google gelöscht :-(  )
Boris Erasmus Palmer, Grüner Oberbürgermeister von Tübingen, machte 1992 sein Abitur an einer Waldorfschule. Auf seiner Homepage schreibt er, er schätze die Waldorfpädagogik vor allem deshalb, weil sie der Persönlichkeitsentwicklung Vorrang vor reinem Faktenwissen einräume. "Aus diesem Grunde betrachte ich es heute als Glücksfall und für meine Entwicklung entscheidendes Ereignis, dass ich die Chance erhielt, eine Waldorfschule zu besuchen."




Schauspielerin Juliane Köhler lobte in Interviews ebenfalls die Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung, die ihr die Waldorfschule gab. Die 43-Jährige meldete auch ihre Tochter auf einer Waldorfschule an.



 Nicht nur Schauspieler zählen zu Waldorf-Absolventen. Eine der bekanntesten Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, die eine Steiner-Schule besuchte, ist Ferdinand Alexander Porsche, genannt "Butzi". Der Sprössling des Porsche-Clans designte den 911er.





Zu den prominenten Waldorf-Schülern zählt auch Heiner Lauterbach. Der Schauspieler machte dort seine Mittlere Reife und besuchte danach die Schauspielschule.

Anders als Lauterbach brach der Schauspieler Robert Stadlober die Waldorfschule noch vor dem Schulabschluss ab. Der Grund: Seine Mutter wollte ihm die Schauspielerei aus Angst um seine Zensuren verbieten. Die Waldorf-Lehrer fürchteten, eine Fernsehkarriere könne ihm die Seele rauben.

Ähnlich wie beim Schauspielerkollegen Stadlober sahen es auch die Lehrer von Martin Semmelrogge nicht gern, dass er neben der Schule noch schauspielerte - Fernsehen galt als schädlich. Deshalb verließ auch er die Schule vorzeitig und nahm lieber Schauspielunterricht.
Der frühere Waldorf-Schüler Kai Wiesinger sieht in der Steiner-Pädagogik die Antwort auf die deutsche Bildungsmisere, wie er in einem Interview betonte.

Auch Michael Ende, Autor von "Momo", "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" und der "Unendlichen Geschichte" besuchte eine Waldorfschule. Die antroposophische Weltanschauung Steiners spiegelt sich auch in seinen Werken wider. Ende hat nach eigenen Aussagen die kompletten Schriften des Waldorfschulen-Gründers gelesen.


Barbara Feltus, Ex-Frau von Boris Becker, war ebenfals eine Waldorfschülerin. Heute arbeitet sie als Schmuckdesignerin und Fernsehschauspielerin.


Der Schauspieler August Diehl, der unter anderem im Kinofilm "Doktor Alemán" zu sehen war, machte sein Abitur an einer Waldorfschule. Dort entdeckte er nach eigenen Angaben die Liebe zur Schauspielerei: Die Schulaufführung der "Räuber" sei für ihn ein Schlüsselerlebnis gewesen. Er habe dabei so viel Spaß gehabt, dass er unbedingt weiter schauspielern wollte.


Auch Wotan Wilke Möhring, von den Eltern nach dem germanischen Schicksalslenker benannt, besuchte eine Waldorfschule. Dort lernte der Schauspieler Geige, entschied sich dann aber doch dafür, als Gitarrist einer Punkband namens Störaktion gegen das Establishment anzuspielen und landete schließlich über einen Umweg bei der Bundeswehr vor der Kamera.

Prominente Waldorfschüler - Ben


Es heißt, Bens Musikalität käme aus seiner Zeit an der Waldorf-Schule.
Quelle:http://www.br-online.de/

Prominente Waldorfschüler - Michael Ende



Kann nicht nur Namen tanzen, sondern auch Bücher schreiben. Der Autor der "Unendlichen Geschichte", Michael Ende.
Quelle:http://www.br-online.de/

Nicanor Perlas

Anthroposophisch orientierte oder inspirierte Menschen im öffentlichen Leben

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Nicanor Perlas will Präsident werden

Kandidatur für philippinische Präsidentenwahlen bekanntgegeben. Armutsbekämpfung vorrangiges Ziel des Kandidaten.
von NNA-Korrespondent Walter Siegfried Hahn

. 20.06.2009 - Nicanor Perlas, 59, hat am 17. Juni in der philippinischen Hauptstadt Manila seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten der Republik Philippinen bekannt gegeben. Die Wahl findet im Frühjahr 2010 an einem bisher noch nicht festgelegten Datum statt.

Perlas hatte sich für den Start seiner Kampagne einen bedeutungsschwangeren Ort ausgesucht: den Heldenplatz in der Nähe der EDSA Avenue, der den Helden der im Februar 1986 siegreichen „Gelben Revolution“ gewidmet ist. Zwei Millionen Menschen waren damals unter Führung der in gelb gekleideten Märtyrer-Witwe Corazon Aquino auf der größten Straße der Hauptstadt aufmarschiert und hatten die 14 Jahre währende Marcos-Diktatur in drei Tagen friedlicher Demonstrationen zu Fall gebracht. Aquino übernahm das Präsidentenamt, Tausende von aus politischen Gründen eingesperrte Philippiner wurden aus den Gefängnissen entlassen, Tausende kamen aus dem Exil zurück. So auch Nicanor Perlas, der seit seiner Ausreise 1978 inzwischen in den USA die Anthroposophie kennengelernt hatte....


Perlas ist Pionier der Anthroposophie und der biologisch- dynamischen Landwirtschaft auf den Philippinen. In unzähligen weiteren Lebensbereichen ist er mit Beiträgen aktiv. So war er von Anfang an beteiligt an der Ausbildung von Waldorflehrern, wird aber auch von der katholischen Bischofskonferenz oder der bedeutendsten Unternehmensberatung OCCI Seminars als Ideengeber gesucht. Mit seiner Autorität erreichte er die Streichung von 32 besonders schädlichen Pestiziden. Und 2001 war er maßgeblich am Sturz des korrupten Präsidenten Estrada beteiligt, was – Ironie des Schickals – der damaligen Vize-Präsidentin Arroyo zur Macht verhalf, die sie bis heute behielt und nun nicht aufgeben will....

Quelle /vollständiger Artikel: http://www.themen-der-zeit.de/

Samstag, 20. Juni 2009

Prominente Waldorfeltern



Bitte auf das Bild klicken, dann wird es größer und lesbar.
Es ist ein Ausschnitt aus der Waldorf-World-List.

Prominente Waldorfschüler - Jens Stoltenberg


Ministerpräsident von Norwegen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

(* 16. März 1959 in Oslo) ist ein norwegischer Politiker der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und der amtierende Ministerpräsident des Königreiches Norwegen. Er führt das Kabinett Stoltenberg II.

Er ist Sohn der norwegischen Politiker Thorvald Stoltenberg und Karin Stoltenberg (geb. Heiberg). Seine Familie stammt ursprünglich aus Norddeutschland (wahrscheinlich Stoltenberg in Holstein) und ist im 17. Jahrhundert nach Norwegen ausgewandert. Stoltenberg ist mit Ingrid Schulerud verheiratet und hat zwei Kinder.

Prominente Waldorfschüler - Rolf Gutbrod



Rolf Gutbrod

Architekt

Quelle: http://www.uni-stuttgart.de/gutbrod


1910
Geburt von Rolf Gutbrod als Sohn des Arztes Dr. Theodor Gutbrod und dessen Frau Eugenie Sofie, geb. Witzemann, am 13. September in Stuttgart.


1920-29
Besuch der Freien Waldorfschule in Stuttgart.
Abschlussexamen des Württembergischen Kultusministeriums.
Längere Aufenthalte in der Schweiz und in England.

Ehemalige Waldorfschülerin - Mosemarie Boyd

Dear Friends,
Welcome to American Women Presidents. Promoting the election of women to the U.S. presidency for almost a decade has been an invaluable experience.
Women have been running for the U.S. presidency since 1870. One of these days, we will succeed. Presidential candidate Hillary Clinton and Vice Presidential nominee Sarah Palin made great progress for us all in 2008.
I would like to take this opportunity to thank everyone who has helped to campaign for a woman for president.
Thank you,
[photo]
Mosemarie Boyd
Founder, American Women Presidents

Freitag, 19. Juni 2009

Ehemaliger Waldorfschüler - Bahman Nirumand

Besonders häufig wird nach den Lebensläufen ehemaliger Waldorfschüler gefragt und im Internet gesucht. Die Skepsis gegenüber Waldorfschulen ist auch nach fast hundert Jahren erfolgreicher pädagogischer Arbeit noch ausgeprägt. Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass eine ganz andere Erziehungsform wirklich möglich ist:

"Wenige Monate vor dem Schah-Besuch am 2. Juni 1967 in Berlin, der so weitreichende Folgen hatte, erschien ein kaum minder wichtiges Buch: „Persien, Modell eines Entwicklungslandes“. Der Autor Bahman Nirumand wurde damit eine Art Vorreiter der APO; sein Lebensweg ist charakteristisch für die engen Bindungen zwischen Deutschland und dem Iran. Er war 1952 mit 14 Jahren aus Teheran gekommen, machte sein Abitur an einer Waldorfschule, promovierte in Literaturwissenschaft und kehrte noch während der Schah-Ära nach Persien zurück, um am Goethe-Institut zu arbeiten. Dort profilierte er sich als Oppositioneller, wurde bedroht, flüchtete nach einem Kontakt mit Hans-Magnus Enzensberger zurück nach Deutschland – und wurde unversehens zu einer der Galionsfiguren des Protests gegen den Schah."
Bahman Nirumand
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/

Sonntag, 14. Juni 2009

Jürgen Gosch, der anthroposophische Grübler

Anthroposophisch orientierte oder inspirierte Menschen im öffentlichen Leben

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Jürgen Gosch 1943-2009

11. Juni 2009, 14:22
  • Artikelbild

    Ein nachdenklicher Grübler: der große deutsche Theaterregisseur Jürgen Gosch.


Der deutsche Theaterregisseur, berühmt als als großer, spröder Unzeitgemäßer, erlag 65-jährig in Berlin seinem Krebsleiden

Berlin - In Jürgen Goschs allerbesten Theaterinszenierungen durfte man als Zuschauer den Eindruck gewinnen, einem seltsam unfertigen Probengeschehen beizuwohnen. Ehe das Spiel begann, nahmen Goschs Schauspieler in der ersten Reihe fußfrei Platz. Die zumeist von Bühnenbildner Johannes Schütz errichteten Guckkästen schienen auf mysteriöse Weise durchlässig. Sie entblößten unvollständige Landschaften, einzig zu dem Zweck geschaffen, von den Darstellern wie auf Durchreise in Besitz genommen zu werden. Gosch-Figuren waren und sind Stiefkinder des Lebens und als solche Untermieter auf Zeit; sie operieren scheinbar spontan und wirken daher häufig ungeschützt, unkunstfertig, undurchschaubar.

.....

Goschs Ruhm als großer, spröder Unzeitgemäßer wuchs rasch an. Als er 1988 als Nachfolger Luc Bondys in das Leitungsteam der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz eintrat, schien der Gipfel erstürmt. Es folgte ein interessant missglückter Macbeth - und ein beispielloses Verrissgewitter, dem der Hochsensible insofern nachgab, als er seine Berliner Funktion 1989 schon wieder niederlegte. ...

Zuletzt - die Nachricht von Goschs lebensgefährlicher Erkrankung hatte schon die Runde gemacht - war Jügen Goschs eminente Kunst der Wirklichkeitsverdichtung längst außer Streit gestellt. Seine Albee- und Tschechow-Inszenierungen am Berliner Deutschen Theater (Onkel Wanja gastierte soeben bei den Wiener Festwochen) waren Hochämter der Schauspielkunst. Schauspielerstars wie Corinna Harfouch und Ulrich Matthes, Ernst Stötzner und Jens Harzer vertrauten sich Gosch mit Haut und Haaren an und warteten zur Belohnung mit Spitzenleistungen an innerer Wahrhaftigkeit auf.

...

Zuletzt war krankheitsbedingt der Plan gescheitert, Gosch die beiden Teile von Goethes Faust an der Wiener Burg inszenieren zu lassen. Die Salzburger Festspiele werden nun überlegen müssen, was sie mit Euripides' Bakchen ohne Gosch heuer anfangen. Doch der Verlust wiegt nicht nur aktuell schwer - er betrifft das allmähliche Verlöschen einer skeptischen, kompromisslosen Theaterkünstlergeneration. Ihr gehörte Jürgen Gosch, der anthroposophisch beschlagene Grübler, an exponierter Stelle an. (Ronald Pohl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.6.2009

Der ganze Text: http://derstandard.at/

"Starben die Menschen in früheren Epochen vor ihrer Zeit, so könnte man in Zukunft auf Menschen treffen, die sich sozusagen selbst überlebt haben."

von Heiko Ernst "Weitergeben"-
gefunden in "Info-Brief" der
Hannoverschen Kassen", S.24 in einem Artikel von Renate Hölzer-Hasselberg "Übergang vom aktiven Arbeitsleben in die Pensionierung".


Weiteres Zitat aus diesem Text:

"C.G. Jung vertrat die Meinung, dass unter allen Patienten (man könnte auch sagen Menschen,R.H.-H.) jenseits der Lebensmitte kein einziger war, dessen endgültiges Problem nicht das der religiösen Einstellung war, dass jeder neurotisch Kranke, letztlich daran leidet, dass er verloren hat, was lebendige Religion ihren Gläubigen zu allen Zeiten gab, und dass keiner wirklich geheilt wurde, der seine religiöse Einstellung nicht wiedererlangte."

Samstag, 13. Juni 2009

Ehemalige Waldorfschülerin - Renate Friedländer

Besonders häufig wird nach den Lebensläufen ehemaliger Waldorfschüler gefragt und im Internet gesucht. Die Skepsis gegenüber Waldorfschulen ist auch nach fast hundert Jahren erfolgreicher pädagogischer Arbeit noch ausgeprägt. Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass eine ganz andere Erziehungsform wirklich möglich ist.


Man kann eine umfangreiche Aufstellung ehemaliger Waldorfschüler und prominenter Waldorf-Eltern finden unter:
http://www.diewaldorfs.waldorf.net/list.html


Es
folgt ein aktueller Bericht über eine Künstlerin, deren Biographie eine insgesamt äußerst bemerkenswert ist:

Sie liebt stilles Beobachten

Von Katja Diepenbruck, 12.06.09

KÖLN - Schon auf der Waldorfschule, damals in Berlin, malte Renate Friedländer leidenschaftlich gern. Nicht nur, was sie sah, sondern auch, was sie als kleines Mädchen beschäftigte, brachte sie bereits als Achtjährige mit Bleistift und Wachskreide zu Papier. Berührend klare, bunte Bilder der Schöpfungsgeschichte, Märchenmotive, eine mit wenigen Bleistiftstrichen skizzierte Kreuzigung.

„Kinderbilder haben meist unten einen grünen, und oben einen blauen Rand, es ist immer noch viel weißes Nichts zwischen Himmel und Erde“, sagt die studierte Kunsterzieherin Friedländer. „Auf der Grundschule brachte man uns etwas Wunderschönes bei: nämlich das ganze Bild mit Farben zu füllen. Selbst unsere Mathematikhefte waren von oben bis unten voll bunter Zeichnungen.“ Ihre ersten Zeichnungen hat die 1929 in Berlin geborene Tochter einer jüdischen Familie ebenso ins Kölnische Stadtmuseum gebracht wie andere, vielfältige Arbeiten aus ihrem bewegten Leben. Blumenaquarelle, Reiseskizzen, Porträts. So erscheint die Ausstellung ihrer Werke, die unter dem Titel „Zwiesprache und Metamorphosen“ gezeigt werden, wie ein Lebenswerk, eine Summe an Erinnerungen aus einem Leben, das auch deutsche Geschichte erzählt. Renate Friedländer, die heute 80 Jahre alt ist, floh 1938 mit ihrer Familie nach England, studierte in Birmingham Malerei und Kunsterziehung, nach ihrer Rückkehr 1964 in Freiburg Kunstgeschichte.....

Fortsetzung hier:Kölner Stadt-Anzeiger

Mittwoch, 10. Juni 2009

Bildquelle: WetterOnline - Blitze erhellen einen Wolkenturm.
Bildquelle: Christian Nötzel - Noch imposanter wirkt das Geschehen von der Stadt Strausberg aus, die nur knapp von dem Unwetter verfehlt wird.


Bildquelle: WetterOnline-Bilderforum - Ein Regenbogen entschädigt für so manchen unpassenden Regenguss.

Montag, 8. Juni 2009

Modernes Sklaventum

Untertitel: Vom Reichtum in Ketten gelegt - Bild-Quelle:http://images.google.de/


Wenn ich meine Arbeit nicht lieben kann, dann gehöre ich zu den unglücklichsten Menschen dieser Welt. Habe ich das Gefühl, dass ich durch äußere Umstände gezwungen werde meine Arbeit zu tun, dann befinde ich mich in einer ähnlichen Lage wie einst ein Sklave oder Leibeigener.

Von daher liegt in der Forderung nach dem Grundeinkommen eine unbedingte Zeitnotwendigkeit.
In der menschlichen Arbeit verwirklicht sich die Individualität des Menschen. Dies kann nur in der Atmosphäre völliger Freiheit gelingen.

Der Zwang, den Lebensunterhalt nur in Zusammenhang mit der eigenen Arbeitstätigkeit verdienen zu können, entwürdigt und entwertet das menschliche Tun.

Im Fühlen der Menschen wird dieses in Zukunft immer stärker werden. Entwickelt sich die Individualität der Menschen immer weiter, dann werden sie mehr und mehr aus den heutigen Zwangssystemen ausbrechen. Sie werden es gar als unmoralisch betrachten, dass Menschen ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Sie werden es so ansehen, wie wir es heute betrachten, wenn ein Mensch seinen Körper verkauft. Man wird auf unsere Zeit dereinst zurückblicken als auf eine Zeit in der der Mensch seinen Geist und seine Seele für Geld eintausche musste, damit er überleben konnte.

In einer nicht zu fernen Zukunft wird man auf unsere Zeit so zurückblicken, wie wir von heute aus auf Zeiten der Leibeigenschaft und Länder mit Sklaverei blicken. Man wird es nicht verstehen können, dass es Menschen gab, die unsere heutigen Arbeitssysteme befürworten konnten und sich sogar freiwillig einfügten.

Dienstag, 2. Juni 2009

Großbritanniens ungeschriebene Verfassung


Es birgt immer etwas Problematisches in sich, wenn Verhaltensregeln, Ordnungen oder ähnliches schriftlich niedergelegt werden. Sie werden dann zu einem starren Korsett, das notwendigerweise in Fällen anzuwenden ist, wo es vielleicht gar nicht passt. Will man etwas schriftlich niederlegen, so müssen die Formulierungen immer in einer gewissen Allgemeinheit gehalten werden, damit sie nicht zum normativen Zwang werden. Auch sollte man mehr der gemeinsamen Gesinnung Ausdruck verleihen, als konkrete Handlungsanweisungen festlegen.


Legt man Wert auf schriftliche Niederlegungen für Gremien oder Gemeinschaften, so sollte man einfach nur beschreiben, was ist und was schon geschieht. Formuliert man etwas, was man theoretisch will oder fordert – was also noch nicht verwirklicht ist - , dann legt man sich eiserne Bandagen an. Wie sich die Dinge in der Zukunft entwickeln, das kann man vorher nicht wissen. Der schöpferische menschliche Geist, wird im lebendigen Lebensprozess immer wieder neue Ideen entwickeln und diese verwirklichen wollen. Durch die vorherige Beschreibung und Festlegung entstehen einheitliche, vergangenheitsorientierte Systeme, die den Individuen ihren schriftlich verfassten Willen aufprägen.


In diesem Zusammenhang ist das Beispiel der britischen, nicht niedergeschriebenen „Verfassung“ interessant. Es folgen Zitate aus einem Interview mit dem ehemaligen Außenminister Sir Malcolm Rifkind in der Zeitschrift BRAND EINS vom 10/08, S.144 ff :

„...Wir haben... ungeschriebene Konventionen – oder nennen Sie es Gepflogenheiten. Dies sind allgemein akzeptierte Regeln, die eingehalten werden, obwohl sie nicht die Form von niedergeschriebenen Gesetzen haben...

....Damit unser System funktioniert, muss es einen Grundkonsens innerhalb der politischen Klasse geben, ein Ziel, über das sich alle einig sind.

....unsere Verfassung ist über Jahrhunderte entstanden. Es war nicht nötig, sie aufzuschreiben. Wir wissen genau, was unsere Verfassung ist: Es sind zahlreiche Regeln, die eingehalten werden müssen.

....Aber dafür ist unsere Verfassung flexibel und veränderbar.... Veränderung ist bei uns einfacher als in anderen Ländern. Und das liegt daran, dass wir kein so festes Korsett haben. ... Wenn es in Großbritannien einen Konsens darüber gibt, dass es an der Zeit ist, etwas zu verändern, dann tun wir das einfach. Auch wenn das lange Debatten mit sich bringen kann. Die müssen dann eben geführt werden. Aber in der Praxis ist das sehr simpel. ...

... Unser Unterhaus könnte an jedem Tag im Jahr das schottische Parlament...überstimmen. Aber in den vergangenen Jahren hat sich eine neue Regel durchgesetzt. Nämlich dass das Unterhaus die Entscheidungen der ... Regionalparlamente respektiert.... Und das ist kein Gesetz, sondern eine Gepflogenheit...

... Es ist Teil unserer Verfassung, dass der Premierminister, wenn er eine Vertrauensabstimmung verliert, zurücktreten muss. Das ist nirgendwo niedergeschrieben. ...

...Wir dürfen keine Regeln festzurren, die sich später nur sehr schwer wieder verändern lassen....

... Seit einigen Jahren ist es eine Gepflogenheit, dass bei grundlegenden Entscheidungen ... ein Referendum nötig ist. Das ist wiederum keine gesetzliche Bedingung, aber es ist ein Instrument, das immer öfter zur Anwendung kommt. ...

Was ist für Sie verfassungswidrig?

Dasselbe, was für Sie verfassungswidrig ist: Dinge, die gegen unsere Gesetze, Regeln und Gepflogenheiten verstoßen. ...

Montag, 1. Juni 2009

Der Priester Wilhelm Hoerner (Jg.1913)

Auszüge aus einem Interview mit Bernhard Steiner - veröffentlicht im "Goetheanum" Nr.22/223 - 09:

...Die Erlebnisse in Gefangenschaft gehören für mich zu dem bedeutendsten Teil meines Lebens. Ich begegnete dort Menschen, welche die Verstandesseele noch gar nicht ausgebildet hatten. So hat mir einmal ein Wachposten die Brille genommen und durchgeschaut und geglaubt, dass er jetzt gescheit wird, weil er dachte, dass Brillen gescheit machen. Dann kam ein anderer und zog mir meinen Füllfederhalter heraus. Ich schraubte die Kappe ab und schrieb ein paar Kratzer auf dem Papier. Dann riss er mir die Füllfeder aus der Hand, hat den Stift auch hingehalten, aber nichts geschah! "Warum schreibt es bei dir und bei mir nicht?" Dann hat er mich verhauen. ...

Wir müssen das 20.Jahrhundert als einen Vernichtungskrieg, der gegen Mitteleuropa gerichtet ist, betrachten. Die Diktatur der Nazis ist ebenso eine Folge des Materialismus wie die kommunistische. Und die Diktatur des Kapitalismus, die wir jetzt haben, ist ebenso schlimm....

Selbstlos müssen wir werden, sonst geht's nicht weiter. Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten, wie dieses Alten- und Pflegeheim der Christengemeinschaft, sie werden eingehen - nicht zuletzt auch aus grassierendem Geldmangel!..

Unterscheidung der Geister ist der allererste Sinn. Aber dann auch die Konsequenzen daraus ziehen! Wenn man zu Schamanen geht, kann man keine Geisterunterscheidung betreiben. Ich leide darunter, dass immer wieder Menschen zu mir kommen, die sitzen auf einer alten okkulten Methode fest, die sie nicht loslässt..."

Sonntag, 31. Mai 2009

Wladimir Solowjew und „Die Gelbe Gefahr“II

Nach Solowjew müssen wir selber in Europa die Forderungen, die sich aus einem wahren - nicht kirchenpolitischen - Christentum ergeben, erfüllen damit wir dem standhalten werden, was aus einem erstarkenden China nach Europa heranbranden wird:


"Im Jahre 1890 erschien 1890 der Aufsatz „China und Europa“. Solowjew beschäftigte sich einleitend mit der chinesischen Expansion in Südostasien, Australien und Kalifornien sowie der bevorstehenden Modernisierung der staatlichen und militärischen Macht Chinas und ließ schon in diesem Zusammenhange deutliche Befürchtungen durchblicken. Doch lag der Schwerpunkt seiner Ausführungen auf ganz anderem Gebiet, in der Darstellung der geistigen Welt des Reiches der Mitte und der Art und Weise wie diese die gesellschaftliche Organisation Chinas durchdringe, …
Wenn er chinesische und europäische Kultur als gleichbedeutend ansah, so doch nicht als gleichwertig.

Solowjew hatte sich eine „christlich-europäische Idee des Weltprogresses als des Weges zur Erreichung des wahren Lebens“ gebildet, und im Gegensatz zum Prinzip der unveränderten Bewahrung des Alten in China begründete er die Überlegenheit des Europäertums mit der diesem innewohnenden Forderung: „Wir sollen unser Leben ständig besser und vollkommener gestalten, bis wir jene Lebensfülle erreichen, die alles in sich vereinigt, und bis die Vergangenheit zu einem ewigen und wahrhaft unveränderlichen Leben aufersteht.“

Auch in der chinesischen Lebensordnung liege eine Wahrheit, allerdings eine nicht mehr entwicklungsfähige und der Verkümmerung preisgegebene, die ihre Erfüllung nicht mehr finden könne. Eben diese Erfüllung könnten die Europäer China bieten: „Unermüdlicher Progress als Mittel eines wirklichen Dienens der Ahnen, unaufhörliches Streben zu einer idealen Zukunft als der richtige Weg zur Erweckung der Vergangenheit – das ist die wahre innere Aussöhnung der zwei extremen Kulturen....Doch.. müssen wir selber der vollen Wahrheit treu sein, die das Christentum eröffnet hat. Im widrigen Fall wird China für uns zu keiner Eroberung, sondern zu einer drohenden Gefahr werden … wie es die moslemische Welt für das Europa des Mittelalters gewesen ist.“


Die Kritik an China führte Solowjew also zur europäischen Selbstkritik! In Europa sah er sein Ideal des christlichen Fortschritts nur ungenügend verwirklicht; ... Die „Gelbe Gefahr“ realisierte sich für Solowjew erst dann, wenn Europa sich des Verrats an der Fülle der christlichen Wahrheit schuldig mache. Denn in diesem Falle entgehe den Europäern auch jener „Teil der Wahrheit ... der dem Chinesentum seine Kraft verleiht.

Solowjew schloss seine Betrachtung mit der These: „Unser falscher Konservatismus zerfällt von inneren Widersprüchen wie auch der falsche Progressismus, und die Chinesen werden sich nicht nur als stärker erweisen, sondern sie werden es auch von Rechts wegen sein: sie bleiben sich selbst getreu.

Wenn die europäische christliche Welt sich treu bleibt, d. h. treu den Weltchristentum, so kann China uns nicht gefährlich sein. Wir werden auch den Fernen Osten erobern, aber nicht durch Waffen, sondern durch die geistige Kraft, die einem Bekenntnis der vollen Wahrheit eigen ist und die auf alle Menschenseelen wirkt, welchem Stamm sie auch angehören mögen:“



"...Im Gegensatz zu China betrachtete er Japan als für die westliche Zivilisation gewonnen, und er hielt es für einen seltsamen Anachronismus, dass zu seiner Zeit im Westen auch eine Vorliebe für östliche, buddhistische Religionsformen sich ausbreite...: „Es wäre sonderbar, wenn eine Religion, die Japan hinter sich hat, Europa beleben könnte."

Jiang Zemin im Jahre 1995

"...In der ersten Phase sollte unser Bruttosozialprodukt der Jahres 1990 das Doppelte von dem des Jahres 1980 erreichen...In der zweiten Phase sollte es sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts wiederum verdoppeln, um unserem Volk einen anständigen Lebensstandard zu ermöglichen.

Die dritte Phase wird sich bis in die Mitte des nächsten Jahrhunderts erstrecken, wenn das Bruttosozialprodukt Chinas pro Kopf der Bevölkerung dasjenige eines durchschnittlich entwickelten Landes erreichen ...wird."

Sonntag, 24. Mai 2009

Bundeskanzlerin Merkel

Die folgenden Worte mögen zunächst als Phrase erscheinen, da man sie schon oft gehört hat. Wenn sie aber von Angela Merkel ausgesprochen werden, dann klingen sie anders. Besonders auch, wenn man sie "live" hört. Sie hat persönlich für diese Dinge gekämpft, das klingt mit. Wir haben heute gewissermaßen - wie sonst so oft - nicht einen Parteifunktionär als Kanzler, sondern eher schon fast eine ehem. "Revolutionärin" als Kanzlerin. Man muss bei ihr auf den Unterton hören:


"Bundekanzlerin Angela Merkel hat auf dem Kirchentag bei einer Diskussion über Menschenwürde und Demokratie an die Menschen appelliert, nicht der Gefahr der Konformität zu erliegen. Notwendig sei auch in einem freiheitlichen Rechtsstaat der Mut, für seine Werte und politischen Grundüberzeugung einzustehen. ...

Rückblickend auf den Fall der Mauer vor 20 Jahren würdigte die Kanzlerin am Donnerstag den Einsatz vieler Menschen für den friedlichen Wandel. Denen, die sich in der DDR für Demokratie eingesetzt hätten, gelte es heute Respekt zu zollen. ...

Nach Auffassung von Merkel kann Demokratie nicht von heute auf morgen gelingen. In Deutschland sei sie erst in einem sehr langen Prozess erlernt worden.

Merkels Gesprächspartner, der renommierte britische Zeithistoriker und Publizist, Prof. Timothy Garton Ash, betonte, dass Deutschland ein sehr gutes Land geworden sei, was das politische und rechtsstaatliche System betreffe. Dies liege nicht zuletzt daran, dass die Nazi- und die DDR-Vergangenheit in "exzeptioneller Weise" aufgearbeitet worden sei. Die Geschichte sei sozusagen in „protestantischer Weise“ reflektiert worden.


Ash lehrt in Oxford und Stanford. In den 1970er Jahren lebte er in Ost- und West-Berlin. In seinem Buch „Akte Romeo“ hat er seine Bespitzelung durch die Stasi verarbeitet. "



Quelle: http://www.rundschau-online.de/html/artikel

Samstag, 16. Mai 2009

Saturnwärme

Nach Rudolf Steiner gab es einen allerersten planetaren Zustand der Erde, dieser bestand ganz aus dem Element Wärme. Einen zwergenhaften Rest davon erleben wir in dem heutigen Planeten Saturn.

Nun liest man von Messungen, die ergeben haben, dass dieser heutige Saturn noch immer Wärme ausstrahlt. Wohl wird in dieser Meldung behauptet, dass man herausgefunden habe, woher diese Wärme stamme. Aber auch diese sog. neueste Erkenntnis kann man als reinste Spekulation ansehen, wie fast alles, was bisher von der Wissenschaft über kosmische Vorgänge erfunden wurde. Gerade ist man ja auch schon dabei, die "Schwarze Materie" wieder abzuschaffen, weil sich diese Erfindung wohl nicht so recht bewährt hat. Interessant kann also hier nur sein, dass der Saturn Wärme abstrahle, nicht die Scheinerklärung, woher sie stamme:


"Wissenschaftler der Universität Rostock sind dem Energiehaushalt des Planetenriesen Saturn auf die Spur gekommen. Ein Physikerteam lüftete das Geheimnis, warum der Ringplanet etwa doppelt so viel Energie ins Weltall
abstrahlt, wie er von der Sonne aufnimmt....

Diese wird in Wärme umgewandelt,
die der Saturn dann abstrahlt."

dpa



Montag, 11. Mai 2009

"Die Erschaffung des Weibes"

von Ludwig Fulda


(Nach einer indischen Legende)

Brahma, Schöpfer alles Lebens,
Saß und sann im Weltenmai,
Sann und grübelte vergebens,
(seufzend:)
Wie das "W e i b" zu schaffen sei.
Denn als er den M a n n geschaffen,
Hatte seine Meisterhand
Alle festen alle straffen
Elemente schon verwandt.-
(Fragend:)
Wie das neue Werk beginnen,
Da kein Stoff mehr übrig war?
Erst nach langem, tiefem Sinnen,
Ward's ihm endlich offenbar:
(Tempo)
Und er nahm der Blume Sammet
Und den frommen Blick des Rehs
Und die Glut, die lodernd flammet,
Und den kalten Hauch des Schnees;
Nahm den schlanken Wuchs der Gerte
Und des Windes Flattersucht,
Und des Diamanten Härte
Und die Süßigigkeit der Frucht;
Nahm den zarten Schmelz vom Laube
Und den Flaum vom Sperlingskleid,
(weich:)
Das Gegirr der Turteltaube
(grausam:)
Und des Tigers Grausamkeit;
Und vom morgendlichen Rasen
Nahm er Tränenfluß des Taus,
Nahm die Furchtsamkeit des Hasen
Und die Eitelkeit des Pfaus;
Nahm vom Schilfe das Gezitter
Und des Vollmonds schwelllend Rund
Und des Sonnenstrahles Flitter
Und des Hähers Plappermund;
Nahm der Kletterpflanze Schlingen,
Nahm der Schlange Wellenleib,
(mit gewisser gläubiger Begeisterung:)
Und aus a l l e n diesen Dingen
Schuf der Weltenherr das - "W e i b". -
Und dem Manne zum Genossen
gab er es mit güt'gem Sinn;
(aufgeregt:)

Doch bevor ein Mond verflossen,
Trat der Mann vor Brahma hin,
(verlegen)
Und er sprach: O Herr, das Wesen,
Das du mir so gnadenvoll
Zur Gesellschaft hast erlesen,
Macht mich elend, macht mich toll.
Ach, es p l a p p e r t Tag'und Nächte,
Raubt mir S c h l a f und Z e i t und R u h ',
F o r d e r t viel, doch n i e das
R e c h t e,
Stört und quält mich immerzu.
(verzweifelt:)
Es vergiftet mir mein Leben,
Es zertrümmert mir mein Glück
(flehend:)
D u , der mir das Weib gegeben,
Großiger Brahma, n i m m 's z u r ü c k !
(Erzählend:)
- Brahma tat nach seiner Bitte;
Doch nach einer Woche schon,
trat der Mann mit raschem Schritte
Wiederum vor seinen Thron.
(Furchtsam:)
"Herr", so sprach er scheu beklommen,
"Meines Jammers dich erbarm".
(Als sei es ihm selbst unverständlich:)
Seit mir dies Geschöpf genommen,
Ward mein Leben leer und arm.
(Sinnlich:)
Ach, gedenken muß ich täglich,
Wie dies Wesen tanzt'und sang,
Wie's mich ansah, herzbeweglich
Und mit weichem Arm umschlang,
Die geschmeidig sanften Glieder
Und das liebliche Gesicht.
(Bittend:)
Brahma, gib das Weib mir w i e d e r ,
(jauchzend:)
Meines Lebens Lust und Licht!"
(Erzählend:)
Brahma stillte sein Verlangen
Doch drei Tage kaum vergangen
Kam der Mann mit bleichen Wangen

Abermals zurück und sprach:
(zerknirscht:)
"Sieh mich, Herr, voll bitt'rer Reue!
Ach, ich war ein blinder Tor;
Seit das Weib mir ward aufs n e u e ,
Bin ich ä r m e r als zuvor.
(Entschlossener Trotz:)
Niemals wieder mich betrügen
Wird ihr Lächeln und ihr Kuß
(kleinlaut:)
Winzig klein ist das Vergnügen,
(bedeutungsvoll:)
Riesengroß ist der Verdruß.
Ach, mir blieb kein Hoffnungsschimmer;
Drum erhör'mich, großiger Gott;
(flehend:)
N i m m d a s W e i b m i r a b
f ü r i m m e r ! "
(Streng, zornig:)
Brahma forsch: "Bin ich dein Spott?!
(Befehlend:)
Scher'dich heim! Für deine Klagen
Bleibt mein Ohr fortan verschanzt;
Lern's so gut es geht, ertragen,
Was Du nicht entbehren kannst."
(Seufzend:)
Traurig schlich der Mann von hinnen,
Und im Wandern seufzt'er bang':

"Großiger Brahma, nicht entrinnen

Werd' ich meinem Untergang.
Was du mir heraufbeschworen
Durch das Weib, verschmerz'ich nie;
B e i d e m a l bin ich v e r l o r e n -
M i t ihr - - - oder o h n e sie."

Sonntag, 10. Mai 2009

Religion oder Ethik - eine Anekdote

Quelle:
http://www.welt.de/Pro-Reli-im-Jahre-1912


"Eine gute Woche nach der Abstimmung über Pro Reli haben sich die Wogen in Berlin ein wenig geglättet. Ich muss zugeben, dass ich die Emotionalität des Themas unterschätzt habe. Vielleicht liegt das daran, dass man in meiner Familie seit einigen Generationen ein entspanntes Verhältnis zur Religion pflegt. Mütterlicherseits stamme ich zwar von einem anglikanischen Missionar ab, der in Ceylon elendiglich an einem Fieber starb. Doch meine Mutter hielt mehr von Horoskopen als von der Kirche. Meine Großeltern väterlicherseits waren Berliner "Trotzjuden". Das heißt, sie glaubten nicht an den ganzen Klumpatsch, feierten aber die jüdischen Feste neben den christlichen und blieben Mitglieder der Jüdischen Gemeinde. Sie hätten es als Verrat empfunden, ihre Herkunft, auf die sie einen gewissen Stolz hegten, durch Konversion verleugnen zu wollen.

Als nun mein Onkel Ludwig am Gymnasium in Lichterfelde eingeschult werden sollte, baten die Großeltern, so viel Trotz musste sein, um Dispens vom evangelischen Religionsunterricht. Der Schuldirektor hielt nichts davon: "Aber Herr Posener! Da werden keine alten Märchen erzählt. Ich bitte Sie! Das ist doch nur eine Art allgemeiner Ethikunterricht." (Wir schreiben das Jahr des Herrn 1912.)

Ludwig besuchte also den Religionsunterricht. Die Jüdische Gemeinde bekam Wind davon, war nicht amüsiert und schickte einen Rabbi vorbei, der meinen Großvater zur Rede stellte. Von der Sache mit dem Ethikunterricht war der Rabbi nicht überzeugt: "Soso. Dürfte ich den Knaben sprechen?" Ludwig wurde geholt, und der Rabbi fragte: "Mein Sohn, was hast du im Religionsunterricht gelernt?" Begeistert antwortete der Zehnjährige: "Wir haben gelernt, wie unser Herr Jesus Christus zum Lahmen sagte: Nimm dein Bett und wandele! Und er nahm sein Bett und wandelte!" Damit war es mit dem Ethikunterricht vorbei.

Die Gemeinde schickte einen jungen Mann in die posenersche Villa, der den drei Söhnen der Familie die Thora beibringen sollte. Gleich in der ersten Stunde erklärte er: "Die Geschichten des Alten Testaments sind abergläubischer Unsinn und blutrünstig obendrein. Ich bringe euch lieber etwas Wertvolles bei. Könnt ihr Schach spielen?"

Die Moral von der Geschichte? Keine Ahnung. Vielleicht die, dass man in Berlin die Gretchenfrage schon immer etwas anders beantwortete. Auch dafür liebe ich diese Stadt.