Donnerstag, 30. April 2009

"Sommer im April"

Für zwei Tage Sommer im April. Hitzevorschuss. Die Knospen stürzen aus dem Schlaf. Über Nacht sind die Schwalben aus Sizilien zurück, nachtblau noch ist ihr Flügel, hier wird er staubgrau werden. Sie umflattern die Traufe. Die Stare im Kordon wie eine Polizeistaffel staken pickend über die Wiese. Sonntag ahneFülle, ohne Schwüle. Am See die Nachtigall und eine zarte Wasserschlange, die eine mäandrische Strömung hinter sich lässt, das feine schwarze Reptilienhaupt glänzt in der Sonne, es bleibt über Wasser wie beim schwimmenden Hund. Ein erstes Bad im kalten Weiher.

Blanker Himmel mit einem Storch, der über der Wiese kreist. Dass der große Zügler und ich diesen Raum uns teilen, der Reisende und der Bleibende, der Niederschauende und der Aufschauende, zwei sondierende Geschöpfe, gleitend auf zweierlei Art.


Bodo Strauß, Die Fehler des Kopisten - tb S.10


Ein bemerkenswertes Buch...

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Sonntag, 26. April 2009

Wladimir Solowjew und „Die Gelbe Gefahr“I

Wladimir Solowjew, * 28. Januar 1853 in Moskau; † 13. August 1900. in Uskoje bei Moskau) war ein russischer Religionsphilosoph und Dichter.

Er beschäftigte sich u.a. auch mit der Entwicklung Chinas. Es entsprach ganz der Mentalität Solowjews, dass die vermeintliche Erkenntnis einer „Gelben Gefahr“ ihn wie eine plötzliche Offenbarung überfiel. Mit der ihm eigenen Erzählergabe berichtet er, dass er 1888 bei einer Sitzung der Pariser Geographischen Gesellschaft inmitten eines internationalen, auf Europäer schon, nicht mehr beschränkten Publikums den chinesischen Gesandtschaftssekretär in Paris, Oberst Tschen Ki Tong, Mitarbeiter der „Revue des Deux Mondes“, sprechen hörte. In reinstem Französisch erklärte der gelbe Mann und „wahre Held des Abends“:


„Wir sind fähig und bereit, von euch alles zu nehmen, was wir brauchen, die ganze Technik eurer geistigen und materiellen Kultur; aber wir werden uns keines eurer Glaubensbekenntnisse, keine einzige Idee oder auch nur einen Geschmack aneignen. Wir lieben nur uns, selbst und achten die Stärke. An unserer Kraft zweifeln wir nicht, sie ist fester ab die eurige. Ihr erschöpft euch in unaufhörlichen Versuchen, und wir nutzen die Früchte eurer Versuche zu unserer Verstärkung aus. Wir freuen uns über euren Fortschritt, aber wir brauchen nicht aktiv daran teilzunehmen; wir wollen es auch nicht. Ihr selber bereitet ja die Mittel, die wir gebrauchen, um euch zu bezwingen.“

Solowjew fühlte wie eine fremde, feindliche Welt auf ihn zukam.


Quelle: Die gelbe Gefahr Von Heinz Gollwitzer -
http://books.google.de/

Freitag, 24. April 2009

Die Gemeinschaft steht höher als das Individuum

Vorbemerkung: Zu den weltpolitisch und welthistorisch bedeutsamsten Vorgängen unserer Epoche gehören die Entwicklungen in China und ihre Auswirkungen auf den Westen. Zu diesem Thema wird es in nächster Zeit verschiedene Beiträge auf diesen Seiten geben. Im Überblick können Sie dann immer alle Artikel lesen, wenn Sie das Thema (label oder tag) "China" wählen.

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Zu den wichtigsten Phänomenen Chinas gehört das Gruppen-Prinzip:
Die Gemeinschaft steht höher als das Individuum . Dieses Prinzip gehört zu den Grundideen des Ostens überhaupt.

In einem Artikel in der FAZ vom 28.März 2009 "Der Westen ist nur ein T-Shirt" schreibt Jörg Becker u.a. über die heutige Beziehung Chinas zum Westen:


"Hat sich das Land also seit seiner globalen Marktöffnung kulturell verwestlicht? Je nach Wahrnehmung oder nach der Dimension die man beobachtet, kann diese Frage mit Ja oder Nein beantwortet werden. Einerseits ist eine enorme und sich noch stets weiter dynamisierende westliche Konsumwelt zu beobachten...
Andererseits zeigen alle empirischen Umfragedaten über Werte, dass sich bei den meisten Chinesen an deren traditionellen Auffassungen über die Familie nichts geändert hat. Nach wie vor steht die Gruppe über dem Individuum. Und mag auch das öffentlich sichtbare Leben in den chinesischen Metropolen westlich daherkommen, so sieht das in der privaten Lebenswelt ganz anders aus. Eine komplexe "Verschichtung" zwischen China und dem Westen ist zu beobachten. Es scheint, als ob in China weniger eine Verwestlichung als die Sinisierung des Westens stattfindet. Der Globalisierung des indischen Bollywood dürfte schon bald eine globale chinesische Kulturbewegung folgen. Das Konfuzius-Institut in Berlin ist da ein Anfang."

Dienstag, 21. April 2009

Fürchtet euch nicht, wir (Chinesen) sind bei euch

Vorbemerkung: Zu den weltpolitisch und welthistorisch bedeutsamsten Vorgängen unserer Epoche gehören die Entwicklungen in China und ihre Auswirkungen auf den Westen. Zu diesem Thema wird es in nächster Zeit verschiedene Beiträge auf diesen Seiten geben. Im Überblick können Sie dann immer alle Artikel lesen, wenn Sie das Thema (label oder tag) "China" wählen.

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Eine buchstäblich alte Welt, versunken im Kulturpessimismus: So sieht China Europa. Die Ironie der Geschichte will, dass heute die Chinesen als Missionare auftreten und den Europäern ihre Angst vor der Globalisierung nehmen wollen.

PEKING, 8. März

In der Wirtschaftskrise verschieben sich die globalen Kurse rascher als in ruhigen Zeiten. Wie viel ist heute zum Beispiel Europa wert? Dass sich China in den letzten Wochen auffällig um den alten Kontinent bemüht, kann Verschiedenes bedeuten. In diesen Tagen begann schon die zweite große Einkaufstour chinesischer Investoren, nachdem Ministerpräsident Wen Jiabao zuvor in mehreren europäischen Ländern über die Auswirkungen der Krise gesprochen hatte. Die letzte Delegationsreise hatte deutschen Unternehmen allein Lieferverträge im Wert von rund zehn Milliarden Dollar eingebracht, jetzt soll es um Fusionen und Übernahmen im großen Stil gehen, unter anderem um Volvo. Die Preise sind günstiger geworden in diesen Tagen.

Aber eine gerade veröffentlichte Studie der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften über Europa legt den Schluss nahe, dass es Peking nicht bloß um ein Kostenkalkül geht. Es geht ihm, alteuropäisch gesprochen, um die Seele des Kontinents....


„Viele Europäer“, heißt es in dem Papier, „spüren den Druck, den das Erstarken Chinas ausübt, am eigenen Leib.“ Es wachse die Sorge um die eigene Konkurrenzfähigkeit. ...

Deutschland sei nicht in der Lage, die Vorteile wahrzunehmen, die China ihm und der Welt schon gebracht habe.

...

Vor dem Hintergrund dieser Analyse erscheinen Chinas Bemühungen um Europa in einem größeren Zusammenhang. Wen Jiabao hatte seine Reise zu einer „Tour der Zuversicht“ erklärt, und der Handelsminister Chen Deming interpretierte seine Einkaufstour als Bekenntnis für die Freiheit der Märkte und gegen den Protektionismus. Es sieht so aus, als habe sich China inmitten der Krise eine neue Rolle verordnet: den Auftrag, die Alte Welt von ihrem Pessimismus zu heilen, indem es sie am Schwung seiner trotz allem fortdauernden Aufwärtsbewegung Anteil nehmen lässt. Denn nur wenn Europa seine Globalisierungsfurcht verliert, so mag das Kalkül sein, werden sich seine Vorbehalte gegenüber China legen. Aus Pekinger Sicht würde sich die geläufige Rollenverteilung dadurch geradewegs umkehren: Einem in sich verschlossenen Europa würde plötzlich ein Verkündiger von Öffnung, Rationalität und Markt gegenüberstehen, mit dem niemand gerechnet hätte.

... Denn im gleichen Zug, wie China beim Geschäftemachen Europa die Angst vor der Globalisierung nehmen will, stärkt es seinen eigenen Einfluss in den globalen Beziehungen und Institutionen. Das Gesunden der Weltwirtschaft, erklärte Wen Jiabao in Davos, hänge von der engen Zusammenarbeit der Welt mit China ab. ...

Die Karten werden neu gemischt. Mit der Relativierung der amerikanischen Machtposition sehen chinesische Kommentatoren, etwa in der Parteizeitung „Renmin Ribao“, zum ersten Mal in der Geschichte ein Zeitalter des „globalen multikulturellen und multipolaren Wettbewerbs“ aufziehen, eine Ära der Zusammenarbeit statt der Konfrontation. ...


Die Zusammenarbeit, von der China spricht, dürfte allen noch einiges abverlangen.


MARK SIEMONS

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09.03.2009 Seite 25

Quelle:http://www.faz.net/

Samstag, 18. April 2009

China kauft 100 Hochgeschwindigkeitszüge von Siemens

Vorbemerkung: Zu den weltpolitisch und welthistorisch bedeutsamsten Vorgängen unserer Epoche gehören die Entwicklungen in China und ihre Auswirkungen auf den Westen. Zu diesem Thema wird es in nächster Zeit verschiedene Beiträge auf diesen Seiten geben. Im Überblick können Sie dann immer alle Artikel lesen, wenn Sie das Thema (label oder tag) "China" wählen.

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Peter Kirnich

100 Züge der ICE-Weiterentwicklung Velaro rollen demnächst bei zwei chinesischen Partnerfirmen vom Band. Siemens liefert Komponenten wie die Elektroausrüstung, Fahrwerke und Motoren im Wert von 750 Millionen Euro. Der erste der neuen Züge soll Ende 2010 unter anderem auf der 1 318 Kilometer langen Strecke zwischen Peking und Schanghai fahren und es auf Geschwindigkeiten von bis zu 350 Stundenkilometern bringen. Fahrzeit: Vier Stunden. Vor vier Jahren hatte das chinesische Bahnministerium bereits 60 Velaros geordert. Damit wird der Zug mehr und mehr zum Siemens-Verkaufsschlager. Auch zwischen Barcelona und Madrid sowie Moskau und Sankt Petersburg sind die Schnellzüge bereits erfolgreich unterwegs. (pk.)

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/

Montag, 13. April 2009

Abendmahl - früher und heute



In einem Braunschweiger Ausstellungsraum stieß ich heute auf ein Bild "Das Abendmahl" von Ben Willikens.

Es wurde bewusst in Anlehnung an das Abendmahl von Leonardo gestaltet.

Betrachtet man die beiden Bilder nebeneinander, dann kann man daran auch die Entwicklung des menschlichen Seelenlebens durch die Jahrhunderte hindurch erleben:

Was früher lebendig, beseelt und farbig war, ist heute eine leere, farblose Fläche. Alles Erleben von Wesenhaftem ist verschwunden.
Ein Raum, der sich danach sehnt, dass jemand hereinkommen möge.

Donnerstag, 9. April 2009

Karfreitagmorgen

von Christian Morgenstern (1871-1914)


Heute will ein alter Mensch
wiederum zu Grabe sterben,
und der neue soll von ihm
nichts als nur den Willen erben,
nach dem endlichen Gelingen
immer tiefer hinzudringen.

Hilf zu solchem Ziel auch Du
mit dem eignen Stirb und Werde!
Lass uns einig unsre Erde
läutern, edlerm Stoffe zu!
Lass uns, liebes Lebensmein,
einer Sehnsucht Flügel sein!

Freitag, 3. April 2009

PowerPoint

Eine merkwürdige Vortragstechnik hat sich in den letzten Jahren ausgebreitet. Das Publikum starrt auf eine Leinwand und der Vortragende erzählt das Gleiche, was man auf der Leinwand selber schon gelesen hat. Leben, Geist und Spontaneität sind nicht mehr möglich. Der Redner kann auch gar nicht mehr auf das Publikum eingehen, weil er überwiegend Kontakt mit dem Computer und der Leinwand hat:



RICHTIG PRÄSENTIEREN

Besser Denken:

Flipchart statt PowerPoint

Matthias Pöhm ist Trainer für Schlagfertigkeit und Rhetorik.

Computergestützte Präsentationen sind ein probates Einschlafmittel. Dabei kann man sein Publikum mit einfachsten Mitteln begeistern - statt nur die tausendste Folienparade abzuspulen.
Jahrhundertelang wurden Reden weit gehend frei auf der Grundlage von ein paar bewährten Rhetorikregeln gehalten. Dann kam PowerPoint. Seitdem sind Vorträge zwar bunter und verspielter geworden, aber leider auch viel langweiliger. Denn die weit verbreitete Präsen­tationskrücke zwingt jede Rede in eine Struktur, die dem natürlichen Sprach­fluss widerspricht: Sie zerhackt ihn in einzelne Häppchen und verleitet zudem dazu, umständliche Wortmonster zu formulieren. Damit rufen Sie jedoch beim Zuhörer keine Emotionen mehr hervor ...


Quelle: http://www.spektrumverlag.de/artikel/980090

Freitag, 27. März 2009

Papst Benedikt XVI.

Als der jetzige Papst vor einigen Jahren gekrönt wurde, gab es auch in deutschen intellektuellen Kreisen eine gewisse Hoffnung, ja geradezu einen Optimismus. Durch seine breite Bildung und seine intellektuelle Redegewandtheit -man denke an seine Diskussion mit Habermas - hat Ratzinger weite Kreise beeindruckt.

Man sieht daran auch, wie leicht sich Menschen äußerlich beeinflussen lassen. Scheinbar war damals nur wenig im Bewusstsein, welche Rolle er vor seiner Krönung zum Papst in der katholischen Kirche innehatte. Schon immer galt Ratzinger als besonders konservativ und hart in seiner ideologischen Ausrichtung. Und nichts deutete bei ihm darauf hin, dass etwas Positives für die Entwicklung der modernen Menschheit von ihm ausgehen könnte. Die scheinbar demutsvollen, milden, salbungsvollen Worte die er nach der Papstwahl von sich gab, waren innerlich durch sein Wesen, seine Haltung und seine Überzeugungen überhaupt nicht gedeckt.

Dass beim Weltjugendtag in Köln Jugendliche in solchen Massen ihm zujubelten, konnte einen geradezu erschüttern. Ist es so leicht durch äußerlichen Pomp und geschickte Inszenierung noch heute Jugendmassen zu verführen? Ist die Sehnsucht der Jugend nach dem Geiste so gewaltig, dass sie schon diesen kleinen Heilsversprechungen, die Ratzinger macht, Gehör und gar Glauben schenkt?

Manche Zusammenhänge seiner bisherigen Regierungszeit werden in dem folgenden Artikel angesprochen. Besonders wichtig finde ich die letzten der unten zitierten Sätze:

Angst vor Menschen ohne Zweifel

Papst Benedikt XVI.

20.03.2009, 16:48

Von Sonja Zekri


Alles nur Missverständnisse? Papst Benedikt XVI. musste sich einigen Vorwürfen stellen.

Am erstaunlichsten ist die Verwunderung. Als hätte man alles erwartet, nur das nicht. Dass der Papst einen Bischof rehabilitiert, der den Holocaust leugnet zum Beispiel; oder dass er Protestanten, Juden, Orthodoxe wie Menschen zweiter Klasse behandelt und Nicht-Gläubige sogar wie Menschen dritter Klasse; oder dass er damals - der Karikaturenstreit war noch nicht ausgestanden - Muslime durch ein islamfeindliches Zitat aus dem 15. Jahrhundert brüskierte.

Ausgerechnet er, ein deutscher Papst. Dann die Erklärungen: Benedikt XVI. sei schlecht beraten worden. Er habe vielleicht Schlechtes getan, aber Gutes gewollt. Oder: Alles Strategie. Heutzutage müsse der Papst nunmal Kante zeigen, sonst laufen ihm die Gläubigen in Afrika davon, zu Voodoo-Sekten mit schrecklichen Bräuchen. Da kann er sich nicht so lang um die paar aufgeklärten Schäfchen in Europa kümmern. Und natürlich sei er wegen der Missverständnisse getroffen....


Das sind kaum die erlösenden Worte, auf die liberale Katholiken warten. Sie treten aus, in Scharen, zerrissen von einer Spannung, die immer da ist, aber seit dem Einzug Ratzingers in den Vatikan unerträglich geworden ist - der Widerspruch zwischen der Institution Kirche und ihren eigenen persönlichen Werten.

Inzwischen kann man das Ausmaß jenes grotesken Missverständnisses beim Amtsantritt Benedikts XVI. ermessen, als die deutschen Medien sich einem Taumel hingaben: als würde nicht nur ein Deutscher in den Vatikan einziehen, sondern sogar der ganze bundesrepublikanische Prinzipienkanon mit Toleranzgebot, Dialogzwang und Pluralismus, als würde sich der Vatikan in etwas Republikähnliches verwandeln, nur irgendwie feierlicher, glanzvoller, eben römischer. Eines muss man Ratzinger lassen: Nichts davon hatte er je versprochen. Er tut es auch jetzt nicht, da mögen noch so viele zur Gitarre den Lockruf einer Kirche von unten anstimmen.

Josef Ratzingers Lehre war nie gemütlich konservativ, sondern stets kompromisslos reaktionär, und so ist es bis heute geblieben. Damals wie heute gilt ihm der Mensch weniger als die Einheit der Institution, das Prinzip mehr als ein Leben, und die Folgen sind so verheerend wie immer, wenn Ideen wichtiger als Menschen werden. ...
Weiter: http://www.sueddeutsche.de/kultur/679/462298/text/

Freitag, 20. März 2009

Die Welträthsel von Ernst Haeckel

Im derzeitigen Darwin-Jahr lohnt es sich einmal bei Haeckel nachzulesen. Man wird erstaunt und beeindruckt sein, wie dieser Forscher mit seinem eigenen Gedankenleben versuchte in das Bewusstsein und die leibliche Organisation von Mensch und Tier einzutauchen:

Aus

Die Welträthsel von Ernst Haeckel, 1899

"Neurologische Theorie des Bewußtseins: Dieses kommt nur dem Menschen und jenen höheren Thieren zu, welche ein centralisiertes Nerven-System und Sinnesorgane besitzen. Die Ueberzeugung, daß ein großer Theil der Thiere - zum mindesten die höheren Säugethiere - ebenso eine denkende Seele und also auch Bewußtsein besitzt, wie der Mensch, beherrscht die Kreise der modernen Zoologie, der exakten Physiologie und der monistischen Psychologie. Die großartigen Fortschritte der Neuzeit in mehreren Gebieten der Biologie haben uns übereinstimmend zu der Anerkennung dieser bedeutungsvollen Erkenntniß geführt. Wir beschränken uns bei ihrer Würdigung zunächst auf die höheren Wirbelthiere und vor Allem auf die Säugethiere. Daß die intelligentesten Vertreter dieser höchst entwickelten Vertebraten - Allen voran die Affen und Hunde - in ihrer gesammten Seelenthätigkeit sich dem Menschen höchst ähnlich verhalten, ist seit Jahrtausenden bekannt und bewundert. Ihre Vorstellungs- und Sinnes-Thätigkeit, ihr Empfinden und Begehren ist dem menschlichen so ähnlich, daß wir keine Beweise dafür anzuführen brauchen. Aber auch die höhere Associons-Thätigkeit ihres Gehirns, die Bildung von Urtheilen und deren Verbindung zu Schlüssen, das Denken und das Bewußtsein im engeren Sinne, sind bei ihnen ähnlich entwickelt wie beim Menschen - nur dem Grade, nicht der Art nach verschieden. Ueberdies lehrt uns die vergleichende Anatomie und Histologie, daß die verwickelte Zusammensetzung des Gehirns (sowohl die feinere als die gröbere Struktur) bei diesen höheren Säugethieren im Wesentlichen dieselbe wie beim Menschen ist. Dasselbe zeigt uns die vergleichende Ontogenie bezüglich der Entstehung dieser Seelen-Organe. Die vergleichende Physiologie lehrt, daß die verschiedenen Zustände des Bewußtseins sich bei diesem höchstentwickelten Placentalthieren ganz ähnlich wie beim Menschen verhalten, und das Experiment beweist, daß sie auch auf äußere Eingriffe ebenso reagiren. Man kann höhere Thiere durch Alkohol, Chloroform, Aether u. s. w. ebenso betäuben, durch geeignete Behandlung ebenso hypnotisiren u s. w. wie den Menschen. Dagegen ist es nicht möglich, die Grenze scharf zu bestimmen, wo auf den niederen Stufen des Thierlebens das Bewußtsein zuerst als solches erkennbar wird. Die einen Zoologen setzen dieselbe sehr hoch oben an, die anderen sehr tief unten. Darwin, der die verschiedenen Abstufungen des Bewußtseins, der Intelligenz und des Gemüths bei den höheren Thieren sehr genau unterscheidet und durch zunehmende Entwickelung erklärt, weist zugleich darauf hin, wie schwer oder eigentlich wie unmöglich es ist, die ersten Anfänge diese höchsten Seelenthätigkeiten bei den niederen Thieren zu bestimmen. Nach meiner persönlichen Auffassung dünkt mir unter den verschiedenen widersprechenden Theorien am wahrscheinlichsten die Annahme, daß das Zustandekommen des Bewußtseins an die Centralisation des Nervensystems gebunden ist, die den niederen Thierklassen noch fehlt. Die Anwesenheit eines nervösen Centralorgans, hoch entwickelte Sinnesorgane und eine weit ausgebildete Associon der Vorstellungs-Gruppen scheinen mir erforderlich, um das einheitliche Bewußtsein zu ermöglichen."


Hier weiterlesen

Freitag, 13. März 2009

Ein Autist berichtet

Im folgenden Artikel kann man sich ein wenig in die Welt eines Autisten hineinleben. Hier fehlt tendenziell eine der wichtigsten Ich-Funktionen des Menschen: Die Kontaktaufnahme zum Mitmenschen. Es ist ein ganz einzigartiges Leben in der eigenen Hülle, in der eigenen Welt.

Dann fehlt teilweise auch eine weitere Funktion, die mit der Ich-Entwicklung zusammenhängt, das Vergessen. Etwas vergessen können und dann sich bemühen müssen, es aus dem Gedächtnis heraus neu zu schaffen stärkt die menschliche Individualität. Ein sehr stark ausgeprägtes Gedächtnis kann wie eine Fessel wirken. Man bleibt am realen Erinnerungsbild kleben und schafft so schwerer den Schritt zur intellektuellen Abstraktion.

Dafür bewahrt der Autist Fähigkeiten, die man bei jüngeren Kindern beobachten kann: ein fantasievolles Welterleben und überhaupt eine Intensität der Welterfahrung, wie man sie sich nur bei Säuglingen vorstellen kann. Der Sinneseindruck kann zum Schmerz werden. Hinzukommen fast geistige, spirituelle Möglichkeiten, die sonst mit der Entwicklung des jungen Menschen gewöhnlich verloren gehen.

Der Autist trägt also eine Art geistiger Innen-Welt mit sich herum, die er bewahrt und nicht umwandeln kann, in der er aber auch gefangen bleibt.


Wie der Autist Axel Brauns ein Filmemacher wurde

„Drollig“ fand er die Welt der Schule. Allerdings auch voller Fettnäpfchen, in die man tapsen kann, wenn man etwas sagt, was man für passend hält und
dann von allen angestarrt wird, weil man etwas Unverständliches von sich gegeben hat. Etwa: „Unter der Tür hindurch schlich sich das Licht in die Besenkammer und leistete mir Gesellschaft. Ich bückte mich und wischelte mit der Hand am Spalt entlang. Meine Fingerspitzen streuten Schatten in die Helligkeit. Dieses Versteck war dreigut.“



Er geht zur Uni, schreibt sich für Jura ein. Auch nicht schwer, sagt er. Viele Autisten haben einen Endlosspeicher im Kopf, eine gigantische Festplatte. Das klingt aus Axels Mund dann so: „Als ich 15 war, an einem verregneten Montag im Oktober 1978, es war nachmittags, 20 Minuten nach vier Uhr, da hat meine Mutter eine Tasse Pfefferminztee getrunken, stand rechts neben
dem Küchenfenster und hat mir Folgendes gesagt …“
Früher hat Axel das Hamburger Telefonbuch gelesen. Voller Begeisterung. Von vorne bis hinten, von Aalhaus bis Zacharias. Immer wieder. Mit 21 Jahren brach er das Studium ab. Die innere Unruhe war gewachsen, er
wollte lieber schreiben. Tagelang, nächtelang, monatelang. „Vier Stunden Schlaf reichen doch“, sagt Axel in seinem mächtigen Sessel. Er winkt lässig ab. Bücher will er schreiben – und damit er finanziell klarkommt, falls das schiefgeht, macht er eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Aber es klappt mit dem Bücherschreiben. Gleich das erste, „Buntschatten & Fledermäuse“, die Geschichte seiner Kindheit und Jugend, wurde ein Bestseller. Buntschatten, so nannte er die lieben Menschen, Fledermäuse die bösen. Das Mädchen, das ihm im Sandkasten ein Förmchen brachte, war ein Buntschatten. Der Junge, der es ihm wegnahm, eine Fledermaus.


Für das Cover wählte er einen bunten Papagei in verschneiter Winterlandschaft. „Das gibt Axels Lebensgefühl wieder“, sagt er. „Axel warm
und bunt, alles um ihn herum weiß und kalt.“ Dass das Buch erschien, verdankt er seinem Bruder. Der sagte ihm eines Tages: „Es reicht nicht, dass du weißt, dass du gut schreibst. Die anderen müssen das auch wissen!“ Axel verstand nicht. Die anderen? Welche anderen?
Auf seine blumige Schreibe, seine ungewöhnliche Wortwahl, sein Sprachgold“, wie Axel seine besten Sätze liebevoll nennt. Das Buch erschien,



Der Mann aus einer anderen Welt Der Autist Axel Brauns hat einen weiten Weg hinter sich. Er schaffte den Ausbruch aus der Krankheit – und wurde Schriftsteller und Filmemacher. Ein Besuch Der Schriftsteller und Filmemacher Axel Brauns: „Weißt du, ich habe oft nur Unverständnis geerntet für das, was ich tue oder eben nicht tue. Axel war bei klarem Verstand, aber die ganze Welt hielt ihn für dumm!“ kann ich doch nicht hin, dachte Axel. Da sind andere Menschen. Und dann meine Texte vorlesen, die keiner kapiert? Wie peinlich. Und überhaupt: Das kostet 200 Mark. Viel zu teuer. Doch sein Bruder meldete ihn an. Axel musste hin.
„Ich war geknickt und schwer wie Blei, hab mich da regelrecht hinzwingen müssen. Ich hab mich verschämt zu den anderen zwölf jungen Autoren gesetzt. Aber dann, es war im Januar 1999, passierte es. Der Kick! Das Erlebnis, das den Schalter umlegte, das das Leben des Autisten Axel Brauns veränderte.“ Er fährt sich unruhig mit der Hand über die hohe Stirn, nimmt
einen Schluck aus der Wasserflasche. Eine Dozentin im Writer’s Room war
Alissa Walser, Tochter des Schriftstellers Martin Walser, eine Malerin, Buch- und Theaterautorin. „Diese Alissa Walser las meinen Text, sagte: ‚Beeindruckend, da steckt Potenzial drin. Aber du solltest es noch mal bearbeiten, verfeinern, es auch Freunde lesen und beurteilen lassen. Das hilft.‘ Erst dachte ich: Was meint die? Freunde? Welche Freunde? Ich war sauer, weil ich keine hatte.“

Was sich änderte. Mit einer dieser Hobbyautoren, einer Lehrerin, verstand Axel sich gut, traf sich mit ihr, diskutierte Texte. „Im Sommer 1999 ging ich einmal nach Hause und hätte hüpfen können vor Freude. Ich war unter Menschen! Ich hatte Gleichgesinnte gefunden!“ Die Öffnung des Autisten Axel Brauns begann. Und er trieb sie voller Neugier und Tatendrang voran. ...

Quelle:
http://www.welt.de/kultur/

Siehe auch folgenden Artikel: Wie sieht Ihr Kopf von innen aus, Mister Tammet?


Freitag, 6. März 2009

Eingriff eines Engels


Noch gibt es keine allgemeine Anerkennung der Tatsache, dass hinter jedem Menschen sein wirkender Engel steht. Die Hinweise darauf, so der Mensch es nicht selbst bemerkt, werden heute sogar in denMedien verkündet. Das folgende Beispiel einer lebensgefährlichen Notsituation ist dafür typisch:

Doris Kunstmann - Schauspielerin - berichtet in einer Talkshow

"3 nach 9"

am 13.2.2009 von einem Verkehrsunfall. Plötzlich habe sie eine Stimme vernommen, die laut und streng äußerte: "Nimm die Hände weg (vom Steuer)!" Da stand das Auto still und es war ihnen trotz Totalschaden kein Härchen gekrümmt worden.

Freitag, 27. Februar 2009

Christentum und Buddhismus

Es gehört zu den größten Aufgaben für die allernächste Zukunft, dass die Menschheit den eigentlichen und wahren Charakter des Christentums erkennt. Das Christentum ist - bei tieferer Betrachtung - die "Religion" des "Ich", besser die "Wissenschaft" des Individuums, da das Wort Religion in diesem Zusammenhang missverständlich wird.


Das menschliche Ich ist ein ganz im Irdischen erlebbares Wesen und ist zugleich doch rein geistig. Jeder Mensch kann dies beim Blick auf sein Innerstes sofort nachvollziehen. Und das Studium dieses eigenen Ichs, des eigenen Menschenwesens, ist gewissermaßen die neue Haupterkenntnisaufgabe aller Menschen.

Die gesamte, moderne, abendländische Kultur ist eine Folge der christlichen Zivilisation. Sie hat aus sich heraus den Freiheitsgesichtspunkt entwickelt. Dieser Freiheitsimpuls breitete sich und breitet sich immer noch über die Welt aus.

Es ist nicht ausreichend, zu sagen, dass das Christentum versagt habe, weil es noch immer Streit und Krieg in der Welt gibt. Wohl hat es seine eigenen moralischen Ziele noch nicht erreicht, da sich diese Ziele eben nicht von oben herab verordnen lassen.

Aber es befindet sich auf dem Weg in diese Richtung, weil es dabei ist, ein erstes Ziel zu erreichen, das die notwendige Vorbedingung für das Erreichen weiterer Fähigkeiten der Menschen ist: Das Christentum führt die Menschen zur Freiheit.

Dieses können östliche Völker nicht verstehen, die sich zutiefst verletzt fühlen, von der offensichtlichen Unmoral, die durch die westlichen Völker über die Welt flutet. Sie gehen noch davon aus, dass es eine Moral gäbe, die man einer ganzen Nation auferlegen kann.

In Wirklichkeit kann aber moralisch nur der individuelle, freie Mensch sein, nicht die Gemeinschaft an erster Stelle. Die Gemeinschaft bekommt ihre moralische Färbung dann durch die einzelnen Individuen.


So muss die Menschheit zunächst den Freiheitsimpuls entwicklen, denn nur der freie Mensch kann sich seine moralischen Gesetze selbst auferlegen und diese verwirklichen.

Nur wenige Menschen sehen heute diese Zusammenhänge. Viele übernehmen östliche Anschauungen und negieren intellektuell, den westlichen Boden, der sie doch trägt. Im folgenden Interview beurteilt der ehemalige Buddhist Paul Williams recht treffend christliche und buddhistische Phänomene:



"Böse Überraschungen"

10. Februar 2009


Der Ex-Buddhist Paul Williams warnt vor einer Dalai-Lama-Euphorie

Vor 30 Jahren bekehrte sich der britische Tibetologieprofessor Paul Williams zum tibetischen Buddhismus. Er übersetzte Dalai-Lama-Bücher und wirkte als spiritueller Lehrer. Doch dann wurde er wieder Christ. Nun warnt er vor naiver Dalai-Lama-Euphorie.


WELT:

Der Dalai Lama erhält heute den Deutschen Medienpreis, laut Umfragen ist er beliebter als der Papst, und bei jeder Deutschlandreise wird er frenetisch gefeiert ...Raten Sie denn zur Beschäftigung mit dem Dalai Lama?

Williams:

Warum nicht? Er ist eine faszinierende Persönlichkeit. Ich empfehle aber nicht, zum tibetischen Buddhismus zu konvertieren. Davor warne ich, weil das böse Überraschungen und psychologische Probleme mit sich bringen könnte.


Als da wären?

Williams:

Gerade Ex-Christen dürften eines Tages bemerken, dass sie viel tiefer in der christlichen Tradition verwurzelt sind, als sie ahnten. Jedenfalls fragte ich mich manchmal, ob Gott vielleicht doch existiere - obwohl Buddhisten bekanntlich nicht an Gott glauben. Wenn ich alte Kathedralen besichtigte, spürte ich diese Sehnsucht, wieder dazuzugehören. Und wenn ich eine anrührende Passion von Bach hörte, ging mir auf, dass ich als Buddhist diese Musik nicht angemessen würdigen kann.



Warum nicht?

Williams:

Weil der Geist, aus dem Bach komponierte, feurige Jesus-Liebe war. Jesus ist für tibetische Buddhisten aber allenfalls ein sehr mittelmäßiger Erleuchteter. Außerdem billigt der tibetische Buddhismus schöner Musik keinen spirituellen Wert zu.



Anders das Christentum.

Williams:

Dem Papst zufolge ist Gott vollkommene Schönheit. Wer dem Schönen begegnet, bekommt einen Vorgeschmack auf Gott.

Aber der Weg zu diesem Verständnis war Ihnen verbaut.

Williams:

Bis ich katholisch wurde.

Kann man nicht beides sein - Christ und Buddhist?

Williams:

Das ist einer der großen Mythen unserer Zeit, der jede unangenehme Entscheidung überflüssig machen soll. Er stimmt aber nicht. Die spirituellen Wege sind unterschiedlich, ja unvereinbar.



Ist Jesus optimistischer als Buddha?

Williams:

Allerdings! Jesus verheißt zum Beispiel, dass geliebte Menschen sich nach dem Tod wiedersehen werden. Der Buddha hingegen lehrt, der Einzelne verschwände mit seinem Tod für immer. Denn unsere Wiedergeburten haben nichts mit der vorherigen Person gemein.


Der Dalai Lama ist sympathisch ...

Williams:

Sympathisch? Er ist faszinierend! Tiefgründig! Pazifistisch ...


... wie der tibetische Buddhismus?

Williams:

Das würde ich so nicht sagen. Die tibetische Geschichte ist wie die der meisten Völker voller Gewalt. Und der Pazifismus des Dalai Lama ist eher auf den Einfluss Gandhis zurückzuführen.



Quelle:
http://www.welt.de/welt_print/article3176933/Boese-Ueberraschungen.html

Freitag, 20. Februar 2009

„Sternstunde Philosophie“


11:00 Uhr Die Rudolf Steiner Schulen sind bekannt. Weniger bekannt ist die Weltanschauung Rudolf Steiners (1861-1925), dem Begründer der Anthroposophie. Er suchte nach „Erkenntnissen der höheren Welten“ und wollte Erziehung und Pädagogik, Politik, Landwirtschaft, Architektur, Medizin und Religion radikal erneuern. Aus welchen Quellen schöpfte Rudolf Steiner seine „Geheimlehre“, und wie aktuell sind die Ideen der bedeutendsten esoterischen Bewegung der europäischen Geschichte? Was macht die Faszination der Anthroposophie aus? In der „Sternstunde Philosophie“ gibt der Historiker Helmut Zander Einblick in das Mysterium Anthroposophie und erläutert, welche Impulse diese Weltanschauung der modernen Gesellschaft vermitteln kann. Literaturhinweis: Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884-1945., 2 Bände, 1884 Seiten. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007.

VHS- oder DVD-Bestellung direkt: sternkopien@sf.tv

Siehe dazu auch Einblicke in das dicke Buch von Zander: hier


World Trade Center 2001 - Historische Zusammenhänge

Wenn man die Spur des Attentats auf die Türme des World Trade Centers 33 Jahre zurückverfolgt, dann stößt man auf das Attentat auf Martin Luther King.

Gewisse Mächte im Land wollten die Vorherrschaft einer bestimmten Hautfarbe sichern, indem sie diesen Mord begingen oder in Kauf nahmen.

33 Jahre später werden die großen Mächte des Landes, symbolisiert und repräsentiert durch die höchsten Gebäude New Yorks mit dem anspruchsvollen Namen World Trade Center, von Menschen einer anderen Hautfarbe und einer Herkunft aus fernab gelegenen Regionen der Welt vernichtend getroffen.



Welche Bewegung oder Geste zeigt sich? Es geschieht ein Mord, mit historischen Dimensionen. Die Wirkungen der Tat sind wie die Wellen, die im Wasser aufgeworfen werden, wenn man einen Stein hineinwirft. Sie branden bis an den Rand der Welt, von dort rollen sie zurück zum Ausgangspunkt und hinterlassen eine gesteigerte Wirkung. Die Vernichtung eines Menschen wird auf lange Frist hin zum Vernichtungschlag gegen das eigene System.



Man könnte das geisteswissenschaftlich noch weiter denken: Die Tat strahlt nicht nur bis an den Rand der Welt, sondern bis zu den Sternen hinauf. Dort wird sie eingeprägt. Nach 33 Jahren etwa stehen Sonne, Mond und Erde wieder im Prinzip in gleichen Verhältnissen innerhalb des Sternenreigens, auch andere Planeten nehmen wieder eine ähnliche Stellung ein. Und in diesem Augenblick strahlt der eingeprägte Impuls zurück.



Hier die entsprechenden historischen Notizen:

Die Terroranschläge am 11. September 2001 waren vier Selbstmordattentate auf symbolträchtige zivile und militärische Gebäude in den Vereinigten Staaten. Sie wurden von 19 Angehörigen der islamistischen Terrororganisation al-Qaida ausgeführt. Je fünf bzw. einmal vier Attentäter entführten zwischen 8.10 Uhr und etwa 9.30 Uhr Ortszeit (EDT) vier Verkehrsflugzeuge auf Inlandsflügen, lenkten zwei davon in die Türme des World Trade Centers in New York City und eins in das Pentagon in Arlington, Virginia. Das vierte Flugzeug mit unbekanntem Anschlagsziel stürzte nach Kämpfen zwischen Entführern, Besatzung und Fluggästen bei Shanksville in Pennsylvania ab.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Terroranschl%C3%A4ge_am_11._September_2001




Martin Luther King Jr. (* 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia; † 4. April 1968 in Memphis, Tennessee) war ein US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler. Er zählt weltweit zu den wichtigsten Vertretern im Kampf gegen die Unterdrückung der Afroamerikaner und Schwarzafrikaner und für soziale Gerechtigkeit. King, der immer die Gewaltlosigkeit predigte, wurde dreimal tätlich angegriffen, überlebte mindestens ein Bombenattentat und wurde zwischen 1955 und 1968 mehr als 30-mal inhaftiert. Am 4. April 1968 wurde er in Memphis, Tennessee, erschossen.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther_King



Freitag, 13. Februar 2009

Lob der Selbstständigkeit


Im folgenden ein Artikel, der in der momentanen Weltsituation besondere Bedeutung hat.

Niemals seit dem Ende des II.Weltkriegs war ein so radikales Umdenken gefordert wie heute. Das wirtschaftliche System hat so keine großen Zukunftschancen mehr.
Die Politik mischt sich ein und hat im Grunde auch keine andere Denkart als die im Wirtschaftsbetrieb Verantwortlichen. Außer dass der Politiker eben etwas weniger Talent zum Wirtschaften hat - deswegen ist er ja auch Politiker geworden. Der Politiker meint aber, alles besser zu wissen.

Wohin das moderne Denken gehen muss, damit etwas Gedeihliches herauskommt, verdeutlicht dieser Artikel:


Essay: Lob der Selbstständigkeit - DIE WELT - WELT ONLINE

Lob der Selbstständigkeit

Von Wolf Lotter 12. Januar 2009, 01:32 Uhr

In der Finanzkrise rufen alle nach Regeln - sie kennen nichts anderes. Doch nicht "das System" ist schuld. Es kommt auf das Verhalten des Einzelnen an, seine Kreativität und seinen Mut

Zur Finanzkrise ist alles gesagt - bis auf das Wesentliche. An diesem Wesentlichen oder Grundsätzlichen mag kaum jemand rühren, denn es trifft allzu oft die eigene Existenz. Wer da ranfasst, stellt sich in der Regel selbst infrage. Spekulanten und Investmentbanker, die hinter dem Debakel stecken, haben eines mit den allermeisten übrigen Protagonisten der Krise gemein. Es war nicht ihr Geld, denn sie handelten als Angestellte. Dienstnehmer, liebe Freunde, wie du und ich, Leute, die in einer Hierarchie mit ihren ganzen hübschen Regeln das sogenannte Richtige taten - also nichts weiter, als die andern tun. Vom leitenden Angestellten, Manager heißt das, bis zum kleinen Gehilfen in der Kreissparkasse handelten alle, wie sie es gelernt hatten. Einer fängt an. Die anderen machen mit. Bis es kracht. Der klare Vorteil: Nicht Menschen haben die Krise verursacht, sondern das "System". Je braver die Soldaten, desto höher die Verluste. So einfach ist das.

Nun rufen alle nach neuen Regeln, natürlich zu den bereits bestehenden Gesetzen. Denken wir, nur versuchsweise, einmal ganz anders. Was, wenn nicht das System, sondern Menschen in Verantwortung gingen für die Entscheidungen, die sie treffen. Mit Hab und Gut dafür eintreten. Selbstständig sind also.

Wie bitte?

Selbstständigkeit ist ein Unwort in Zeiten, in denen sich die breite indolente Mehrheit der Handlungsbeschränkten mehr Regeln ausbittet. Damit montiert man die Fallstricke für morgen. Ja, können die es nicht besser? Doch, nur dann müssten sie einen Schritt wagen. Sie müssten kreativ sein. Mit anderen Worten: Sie müssten eine Idee haben. Wussten Sie, dass bereits heute Ideen wertvoller sind als Produkte? Dass damit weltweit mehr Geld umgesetzt wird - und sich das noch weiterentwickelt? Nur regieren eben die alten Herren des industriekapitalistischen Systems weiter. Sie haben keine Idee, was das sein könnte, ein System kreativ verändern. Denn dazu müssten sie den größten und wesentlichsten Schritt wagen: nicht nur sich selbst mehr Verantwortung, mehr Unternehmertum und damit auch Risiko für die eigenen Finanzen und Karrieren abverlangen. Sondern gleichsam auch anderen - die man heute noch "Mitarbeiter", "Angestellte", "Dienstnehmer" und "Verbraucher" nennt - mehr Freiräume in der täglichen Arbeit einräumen.

Bizarr ist, dass Europa 2009 das Jahr der Kreativität feiert, eine Kraft, die weniger Regeln und mehr Verantwortung braucht, während die verantwortlichen Politiker aus Eigennutz genau das Gegenteil fordern. Wie schön für Berufspolitiker, dass es eine Krise gibt - jetzt können die Vaterländer wieder gerettet werden. Der Teufel wird mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Mit Kreativwirtschaft beschäftigt man sich indes nur ehrenhalber. Wissensgesellschaft, Innovationen, die Fähigkeit, statt Quantität mehr Qualität herzustellen (liebe Automobilindustrie!), bleiben Spielball für einige Verwirrte. Neumodisches Zeugs. Unberechenbar. In der Tat. Neumodisches Zeugs? Nein. Aufstieg und Fall von Kulturen waren immer der Fähigkeit zu Innovation und der Akzeptanz neuer Ideen geschuldet. Gesellschaften, die ideenfeindlich sind, die mit Kreativität nur die töpfernde Gattin assoziieren, haben verlernt, dass nur der Fortschritt, das Neue zu etwas führt. Uns ist der Preis - noch - zu hoch. Denn er heißt: Verantwortung übernehmen und gleichsam Verantwortung delegieren können.

Die allererste Studie über Kreativitätswirtschaft wurde in den USA zu Ende der 40er-Jahre durchgeführt. Der große Ökonom Fritz Machlup, dem wir auch die ersten Erkenntnisse zur Wissens- und Informationsgesellschaft verdanken, hat sie durchgeführt. Nicht mit Regisseuren, Schauspielern, Malern, Dichtern und Aktionskünstlern. Sondern mit Krankenschwestern. Machlup trennte nicht in "schöpferisch-intellektuelle" Menschen auf der einen und "Ausführende" auf der anderen Seite. Für Machlup bedeutet Kreativität selbstständiges Denken und Handeln, Entscheiden auf der Grundlage des eigenen Wissens. Machlup hat vor nun fast 60 Jahren festgestellt, was so vielen heute immer noch nicht in den Kopf will: Ja, es ist besser, bringt mehr Qualität, bringt mehr Leistung, bringt mehr Ergebnis für alle - und ist zudem ungleich befriedigender -, wenn Freiräume eröffnet werden. Bei Krankenschwestern und anderswo. Kreativarbeiter ist, wer anzuwenden versteht, was er kann. Der auf jede Situation individuell reagiert. Der sich sagt: neues Problem? Neue Lösung. Kein Schema F. Deshalb sind Selbstständige per se kreativer.

...Freiheit und Kreativität gehören zusammen, das kann man auch beim Mentor der Creative Economy, Richard Florida, nachlesen: "Kreativität ist ein Grundelement der menschlichen Existenz", schreibt er, "ein breit angelegter sozialer Prozess, der Zusammenarbeit erfordert. Sie wird stimuliert durch menschlichen Austausch und durch Netzwerke. Sie findet statt in tatsächlichen Gemeinschaften und an realen Orten." Die Kreativität ist das wirkliche Leben. Die schöpferische Idee ist die einzige Chance, einen Fehler nicht zu wiederholen. Und sie ist, in der praktischen Wirtschaft, die wichtigste Waffe gegen die Krise. Und was noch wichtiger ist: Selbstständig sein, Freiräume haben und aus diesen kreativ arbeiten, das ist ein Leben im Original. Keine Kopie. Das kostet Überwindung. Keine Frage.

Aber: Hat jemand eine bessere Idee?

Wolf Lotter ist Redakteur des Wirtschaftsmagazins "brand eins". Sein neues Buch "Die kreative Revolution" mit Beiträgen der führenden deutschsprachigen Creative-Economy-Vordenker erscheint diese Woche im Murmann Verlag Hamburg.

Montag, 26. Januar 2009

Sonnenring


Der Mond hat sich vor die Sonne geschoben und lässt nur noch einen schmalen Feuerring von unserem Stern übrig. Diese ringförmige Sonnenfinsternis wurde im indonesischen Bandar Lampung aufgenommen. Auf die nächste totale Sonnenfinsternis müssen wir noch warten: Sie wird am 22. Juli 2009 stattfinden - und mit 6 Minuten und 39 Sekunden die längste des 21. Jahrhunderts sein.

Quelle:http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,603592,00.html

Montag, 19. Januar 2009

33 Jahre - Die Vorbereitung der "Wende"

Ein weiteres bekanntes Beispiel für die Bedeutung der 33 Jahre im geschichtlichen Wirken ist die "Wende" 1989 und das Geschehen in der Sowjetunion und in Osteuropa im Jahre 1956. Damals wurde ein Anfang gemacht, der aber nicht zu einem positiven Fortgange führte. 33 Jahre später gelang, was damals angelegt wurde:



Wende in der DDR

Deutsche Wiedervereinigung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Unter der Deutschen Wiedervereinigung versteht man den Prozess der Jahre 1989 und 1990, der zum Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zur Bundesrepublik Deutschland (BRD) am 3. Oktober 1990 führte, und die damit verbundene Überwindung der über vierzig Jahre lang währenden Deutschen Teilung hin zur Deutschen Einheit.

Möglich geworden war sie nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 in Berlin, dem Zusammenbruch des politischen Systems der DDR in der Zeit der „Wende“ und nicht zuletzt dem Erlangen eines Einverständnisses der vier Mächte.


Am 2. Mai 1989 begann Ungarn die Grenzanlagen zu Österreich abzubauen. In der Folge versuchten Hunderte von DDR-Bürgern, über Ungarn in den Westen zu gelangen. Gleichzeitig begaben sich viele in die Botschaften der Bundesrepublik in Budapest, Prag und Warschau und in die Ständige Vertretung in Ost-Berlin, um bundesdeutsche Reisepapiere zu erhalten. Die bestürmten Botschaften mussten im August/September wegen Überfüllung geschlossen werden. Am 19. August kam es infolge des Paneuropäischen Picknicks zu einer Massenflucht von DDR-Bürgern nach Österreich; Ende August begannen in Bayern Vorbereitungen zur Errichtung von Notaufnahmelagern.

Am 10. September öffnete die ungarische Regierung die Grenzen nach Österreich und die Flüchtlinge konnten ausreisen. Dies geschah teilweise organisiert durch DRK-Bustransporte über österreichisches Gebiet ins Notaufnahmelager Freilassing. Am 30. September folgten die Botschaftsflüchtlinge in Prag und Warschau.[5] Sie wurden mit verschlossenen Sonderzügen im Transit über DDR-Gebiet nach Westen gefahren. Während der Durchfahrt wurden Bahnhöfe abgesperrt, da immer wieder Menschen versuchten, auf die Züge aufzuspringen. Auf dem Dresdner Hauptbahnhof gerieten Demonstranten und Sicherheitskräfte dabei in schwere Auseinandersetzungen. Im selben Monat hatte Ungarn bereits etwa 30.000 Ausreisewillige ohne Absprache mit der DDR ausreisen lassen.

Demonstrationen in der DDR, Bürgerbewegungen

In der DDR selbst kam es zu immer mehr Demonstrationen; vor allem die seit dem 4. September 1989 nach den wöchentlichen Friedensgebeten stattfindenden so genannten Montagsdemonstrationen in Leipzig gewannen starken Zulauf. Am 9. Oktober 1989 hörte man auf einer Montagsdemonstration mit 70.000 Teilnehmern erstmals den Ruf „Wir sind das Volk“, mit dem politisches Mitspracherecht eingefordert wurde.

Der 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989

Trotz allem lud die DDR-Regierung unter Erich Honecker zur Feier zum 40. Jahrestag der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik nach Berlin ein. Dabei wurden die Demonstrierenden gewaltsam von der offiziellen Parade ferngehalten.
Propagandatafel zum 40. Jahrestag

Selbst Gorbatschow deutete am 5. Oktober 1989 auf dem Flughafen zu Honecker mit seinem inzwischen sprichwörtlichen Hinweis „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“ an, dass er Reformen in der Deutschen Demokratischen Republik für längst überfällig halte, und dass von der UdSSR keine Hilfe zu erwarten sei. Er sagte zu Honecker „Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren.“

Die Folge war, dass sich die Parteiführung der SED darüber zerstritt, wie denn nun vorzugehen sei. Am 18. Oktober, einen Tag nach der zweiten großen Montagsdemonstration, trat Erich Honecker nach Aufforderung des Politbüros von allen Ämtern „aus gesundheitlichen Gründen“ zurück. Sein Nachfolger wurde Egon Krenz. Im November 1989 kam es zur Bildung eines neuen Politbüros und zur Wahl von Hans Modrow zum Vorsitzenden des Ministerrates der DDR. Allerdings bewirkten diese Veränderungen und Reformen kaum eine Beruhigung.

Fall der Mauer am 9. November 1989

Seit dem 3. November durften DDR-Bürger ohne Formalitäten über die Tschechoslowakei ausreisen, es kam zu einer erneuten Ausreisewelle. Am 4. November kam es auf dem Berliner Alexanderplatz mit etwa einer Million Teilnehmern zur größten Demonstration in der Geschichte des Staates, dies wurde vom Fernsehen live übertragen. Am 7. November traten die Regierung und das Politbüro zurück.
Pressekonferenz mit Günter Schabowski am 9. November 1989
Bürger der DDR und der BR Deutschland warten auf die Öffnung der Mauer vor dem Brandenburger Tor, Dezember 1989

Am 9. November um 18:57 Uhr verlas Günter Schabowski vor laufenden Kameras, dass ab sofort Privatreisen ins „Ausland“ (also auch in die Bundesrepublik und nach West-Berlin) ohne Vorliegen von Voraussetzungen wie Reiseanlässen oder Verwandtschaftsverhältnissen beantragt werden könnten.[7] Die Genehmigungen würden kurzfristig erteilt. Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur Bundesrepublik erfolgen. Tausende eilten an die Grenzen. Die
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Wiedervereinigung#Fall_der_Mauer_am_9._November_1989

"Der 20. Parteitag der KPdSU vom 14. bis zum 26. Februar 1956 in Moskau

war ein Wendepunkt in der Geschichte der Sowjetunion. Es war der erste nationale Parteitag nach dem Tod des Diktators Joseph Stalin am 5. März 1953. Dessen Nachfolger Nikita Chruschtschow machte dort mit einer fünfstündigen Geheimrede einige von Stalins Verbrechen, vor allem die „Säuberungen“ der 1930er Jahre an kommunistischen Parteimitgliedern, bekannt und verurteilte sie. Er wollte die KPdSU so auf eine Entstalinisierung vorbereiten und Handlungsspielraum für eine vorsichtige Reformpolitik gewinnen.

...
Verlauf des Parteitags

Gemäß seinem Plan eröffnete Chruschtschow den Parteitag mit einer Rede, die Stalins Verdienste für die Sowjetunion hervorhob und die Kontinuität der jetzigen Politik mit seinen Zielen betonte. Am 18. Februar ließ er seinen Agrarminister in einer kritischen Rede über Stalins Personenkult die Stimmung der Delegierten testen. Diese reagierten erwartungsgemäß negativ auf die moderate und formale Kritik, ahnten nun aber, dass eine Kursänderung im Politbüro geplant sein musste.

Am 25. Februar, dem Tag vor dem Abschluss des Parteitags, ab 10:00 Uhr vormittags hielt Chruschtschow dann seine lange vorbereitete Geheimrede hinter verschlossenen Türen. Alle Journalisten und Gäste, die nicht der Partei angehörten, waren ausgeschlossen und alle Aufzeichnungen – auch die sonst üblichen Tonbandaufnahmen – streng verboten. Er belehrte die Parteimitglieder darüber, dass Stalin mit seinem ideologischen Kurs schwere „Irrtümer“ begangen habe. Er berichtete ihnen über die Massenmorde der 1930er Jahre an Kommunisten der ersten Generation, die die Oktoberrevolution mitgetragen hatten. Er kündigte an, eine Liste stalinscher Verbrechen zu veröffentlichen, die bisher von der Sowjetunion geleugnet worden waren. Von den Arbeitslagern und den weitaus größeren Massenmorden im Verlauf der Zwangskollektivierung an russischen Bauern und orthodoxen Priestern schwieg er jedoch ebenso wie von Verbrechen der Roten Armee während des Zweiten Weltkriegs und danach. Er legte besonderen Wert darauf, dass die Kritik allein auf Stalin und nicht auf das sowjetische System bezogen würde.

Zuhörer berichteten nach 1989, das Publikum habe die Rede in völligem Schweigen und mit lähmendem Entsetzen aufgenommen. Niemand habe gewagt, seinen Nachbarn anzublicken. Es habe keine Aussprache gegeben. Jede mündliche oder schriftliche Weitergabe des Gehörten wurde den Delegierten untersagt.

...
In den Ostblockstaaten kam es nach der Bekanntmachung der Rede durch westliche Radiosender zunächst zur sogenannten Tauwetter-Periode. Die Reformflügel der Kommunistischen Ostblockparteien sahen sich ermutigt, ihre Vorstellungen offener zu vertreten.

...
Am 23. Oktober sammelten sich in Budapest zehntausende Studenten, die von dem polnischen Triumph gehört hatten, am Stalindenkmal, stürzten dieses um und zerschlugen es. Damit brach sich anders als in Polen ein Hass auf die eigene kommunistische Regierung Bahn. Ungarn hatte lange unter einem stalinistischen Regime gelitten. Dieses forderte nun sowjetische Hilfe an. Am 24. Oktober erreichten die russischen Panzer Budapest, konnten die Situation aber nicht beruhigen. Der Reformkommunist Imre Nagy, der die Sympathien der Bevölkerung genoss, erreichte jedoch am 30. Oktober den Abzug der Panzer. Bei den Siegesfeiern kam es zu Ausschreitungen gegen die ungarischen Stasimitglieder, zu Menschenjagd und Lynchjustiz. Nachdem Nagy den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt verkündete, ließ Chruschtschow die Rote Armee am 4. November erneut einmarschieren, um ein Auseinanderbrechen des Ostblocks zu verhindern. Bis zum 15. November dauerten die Kämpfe, bei denen 5000 Menschen ihr Leben verloren

Mit der Verhaftung von 60.000 Ungarn, der Deportation der gesamten ungarischen Regierung, geheimen Schauprozessen und Todesurteilen gegen Nagy u.a. kehrte Chruschtschow zu den stalinistischen Herrschaftsmethoden zurück. Damit war sein Entstalinisierungsversuch praktisch beendet. Die Glaubwürdigkeit der KPdSU sollte sich nie mehr von diesem Rückschlag erholen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/20._Parteitag_der_KPdSU

Sonntag, 18. Januar 2009

Ein Lernprozess

Ornamente


1. Ich habe einst Ornamente aus der Steinzeit gefunden. Es fiel mir auf, dass die ganze Fläche mit kongruenten hellen und dunklen Formen bedeckt war. Dies gilt für fast alle Ornamente aus der Steinzeit.


2. In der Folge versuchte ich, selbst etwas Ähnliches zu zeichnen, ohne die vorgefundenen Muster zu kopieren. Doch konnte mir dies nicht gelingen, wenn ich der Forderung nach Komplexität nachkommen wollte.


In der Schule hatte man mir beigebracht, die Menschen hätten vor etwa 5000 bis 8000 Jahren ein primitives Leben geführt, sie seien in halbtierischen Stammesgemeinschaften von Ort zu Ort gewandert und hätten vom Sammeln gelebt. Beim Versuch, ein Ornament wie die ihrigen zu konstruieren, traf mich die Erkenntnis, dass sie doch intelligenter waren als ich, dass wir aber mit unserer Denkweise ihre Intelligenz nicht fassen können. Ich gelangte zur Einsicht, dass es mir an äußerst wichtigem Wissen über den prähistorischen Menschen mangelt und dass das Versäumte offensichtlich selbst mit meinen bewährten Methoden nicht mehr nachzuholen ist.


So habe ich auch verstanden, dass das Ornament aus der Steinzeit nicht nur auf eine hohe Intelligenz hinweist, sondern uns auch dabei helfen kann, das Verhältnis des Menschen zur Welt zu deuten. Dunkel und Hell, Unten, und Oben, Kraft und Gegenkraft wären getrennt voneinander sinnlos. Haben wir aus unserem Alltag eine persönliche gegenseitige Verbindung mit der Welt einfach weggelassen? Sind wir dadurch für diese Zeichen blind geworden? Ist ihr Sinn für uns für immer im Abgrund verschwunden.


a.a.O. Imre Makovecz, Seite 90

Samstag, 10. Januar 2009

33 Jahre - Chinas Entwicklung

Den 33-Jahres-Rhythmus findet man auch in der aktuellen Entwicklung Chinas. Die erste Öffnung zum Westen kann man etwa im Jahre 1971 feststellen. China wird in die UN aufgenommen und der erste Besuch eines amerikanischen Präsidenten wird vorbereitet.

Die Folge ist dann die Wiedereinführung des Privateigentums im Jahre 2004 und die in diesen Zeiten einsetzende gewaltige Bedeutung für die Weltwirtschaft.

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1971

Die Außenpolitik jener Zeit war von Isolation, besonders dem Chinesisch-Sowjetischen Zerwürfnis gekennzeichnet. In den Vereinten Nationen war nach 1945 die Republik China (auf Taiwan) als Nachfolger der chinesischen Republik vertreten. Seit 1960 gab es von verschiedenen Staaten des Ostblocks, unter anderem Albanien, den Versuch, Taiwan den Status als einziger legitimer chinesischer Staat abzuerkennen und stattdessen die Volksrepublik anzuerkennen und als Mitglied in die UNO aufzunehmen. Dies hatte allerdings erst am 25. Oktober 1971 Erfolg (UN-Resolution 2758).


In July 1971, U.S. President Nixon's National Security Advisor Henry Kissinger secretly visited Beijing during a trip to Pakistan, and laid the groundwork for Nixon's visit to China.


President Richard Nixon's 1972 visit to China was the first step in formally normalizing relations between the United States and the People's Republic of China. It also marked the first time a U.S. president had visited the PRC, who at that time considered the U.S. one of its biggest enemies. The visit has become a metaphor for an unexpected and uncharacteristic action by a politican.

Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/1972_Nixon_visit_to_China
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2004
Vorläufiger Höhepunkt des marktwirtschaftlichen Kurses war der Beschluss des Volkskongresses am 14. März 2004, die Abschaffung des Privateigentums rückgängig zu machen und den Schutz des Privateigentums in der Verfassung zu verankern.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China#Geschichte

"Die Waldlichtung" - Imre Makovecz

Wir nennen es eine Waldlichtung, eine Lichtung im Wald. Warum wachsen gerade an diesem Ort weder Busch noch Baum? Vielleicht weil der Boden anders ist, der Grundwasserspiegel etwas höher steht? Mag sein. Ich allerdings glaube, dass da, wo heute keine Bäume wachsen, vor sehr langer Zeit etwas geschehen ist. Doch ist es schon so lange her, dass sich niemand mehr daran erinnern kann. Außer vielleicht die Bäume. Wenn ich am Rande einer solchen Lichtung stehe, unter den vordersten Bäumen oder auch ein wenig weiter hinten, so scheint es mir, als würden die Bäume auf diesen Fleck herabschauen. Eine Lichtung hat einen anderen Klang als der Wald, sie spricht in ihrer eigenen Sprache. Sie ist wärmer, denn sie wird von der Sonne beschienen. Andere Insekten fliegen und kriechen umher. Die Wärme steigt weit über die Lichtung hinauf, selbst die Stille tönt anders. Dieses hören die Bäume außerhalb der Zeit beziehungsweise in ihrer Zeit, die aus der Beziehung zwischen der wärmenden Sonne und den Mineralien lebt.

Erschütternd ist ihr Trieb, in einer derart fremden Welt zu überleben, sich zu erinnern, etwas zu sehen und zu überliefern. Ihre Welt ging unter, als ihre gewaltigen Urahnen, die hoheitsvollen Weisen der Huronen,, eines rätselhaften Sündenfalles wegen zu Kohle und Öl wurden. Ich wage es nicht, mir eine Vorstellung von der Größe dieser Urbäume zu machen oder von deren Rede oder Taten. Ihre Nachkommen aber stehen einfach da. Sie umgeben einen Ort, dessen Geheimnis sie genauso wenig verstehen wie wir. Jahr für Jahr gleiten ihre von Propellerchen getragenen Samen wie winzige Feen auf die Lichtung herab, doch keiner der zarten Keime fängt zu sprießen an. Die Bäume rühren nicht an das, was einst hier geschah.

Weiterlesen


Doch die Zeit der Wandlung wird kommen. Einer von uns wird sich in die Mitte des Kreises stellen und das Lied anstimmen, in das der ganze Wald behutsam und ernst einstimmen wird. Und dann werden sich Grund und Sinn dieses langen Schweigens offenbaren.

Wenn ich nachträglich noch einmal lese, was ich gerade geschrieben habe, bedauere ich es zutiefst, dass ich über diese Dinge nur in derart pathetischer, nichtssagender Sprache schreiben kann. Dabei bemühe ich mich stets darum, aufmerksam und präzise zu sein und nur das niederzuschreiben, was ich tatsächlich gesehen habe oder was sich mir sichtbar gemacht hat.

Immer noch verspüre ich das Verlangen, geheimnisvolle Orte zu schaffen. Mit solchen Orten möchte ich einerseits an Vergangenes erinnern, andererseits Neues provozieren. Ich möchte die Menschen, die Erde und ihre Lebewesen dazu bringen, sich zu offenbaren und das Wissen zu erkennen, welches die unumgängliche Vielfalt der Lebewesen birgt. Ich glaube, dass wir Menschen an sich alle dasselbe denken, auch wenn wir es bis zur Unverständlichkeit zerreden. Auf dieser Welt gibt es Wesen mit auf den Rücken gefalteten Armen, die nicht greifen können,jedoch fliegen. Andere Wesen wiederum werden mächtig und voll von Erdschwere, ihre Glieder sind dick wie Säulen und ihre Finger schwellen unter dem gewaltigen Gewicht an, sodass sie nicht zum Greifen taugen. Doch diese Wesen sind weise, sie verlängern ihre Nasen und greifen damit so, wie kein anderes Lebewesen. Ich glaube, dass die Welt die Ursache all dieser Vielfalt und Fremdheit in sich trägt ‑ und damit auch die Möglichkeit, sie zu verstehen. Ich meine, dass in den Formen der Natur. In der Anordnung der Berge etwas liegt, das uns anzieht wie die Erinnerung an eine uralte Stadt. ...

Wie gut sich doch die Pappel, diese lebendige Säule, zur Markierung besonderer Orte eignet! Stürmisch wächst sie in die Höhe, und allein schon ihre Springbrunnenform kann für die Menschen ein Zeichen sein.

Ich vermute, dass meine mit unbehauenen Baum-Säulen gebauten Häuser die Architektur als solche schließlich sinnlos machen werden. Setzte der Mensch einfach Dächer aus natürlichem Material auf geeignete Baumgruppen, so würde der Baum zum Gehilfen des Menschen wie einst das Pferd. Aus gegenseitigem Vertrauen und und gegenseitiger Achtung entstand in jener Zeit zwischen Pferd und Mensch ein tiefes gemeinsames Wissen ... Der Baum in der Architektur könnte tatsächlich den Weg zu neuen Erkenntnissen weisen, zu einem gemeinsamen Wissen zwischen Baum und Mensch. Die echten, alten Obstgärten mit ihren ... nicht für die Massenproduktion geeigneten Obstsorten sind nämlich im Aussterben begriffen. Doch im Komitat Zala gibt es noch ein paar wahre alte Obstgärten. Lasst es euch nicht entgehen, einmal einen Tag in einem dieser alten Obstgärten zu verbringen! Und besucht dann zum Vergleichen eine Obstplantage in Nyirseg. Ihr werdet merken, dass am einen Ort Gruppen eigenständiger Individuen leben, am anderen dagegen Heerscharen von unselbstständigen Gnomen in Reih und Glied stehen, das im 19. Jahrhundert verelendete Proletariat.
Im Namen der Natur rufe ich euch zu: Seht ihr denn nicht, dass unter dem Deckmantel "sozialistischer Prinzipien" ein Teufelskreis um euch gezeichnet wird, der alles zerstört? Nehmt etwa die Pflanzenschutzmittel! Seht ihr denn nicht die Millionen von sterbenden und wildflüchtenden Insekten? Doch genug damit. Schon höre ich die überheblichen Angriffe gegen das "Prophetentum".

Auf der Suche nach geheimnisvollen lebendigen Orten bin ich im vulkanischen Gebirge oberhalb von Särospatak auf einen kleinen See gestoßen, der nur über einen schmalen Pfad zu erreichen ist. Seerosen blühen dort und senkrechte weiße Felswände spiegeln sich im stehenden Wasser. Ein anderer solcher Ort ist der von grauen Felsen umgebene Hügel, auf dem ich einst eine Schutzhütte errichten wollte. Der große Nussbaum vor dem Keller des Jöska Kiss versank eines Morgens in der Erde, weil ein unterirdischer Gang eingebrochen war. Auch solches muss bedenken, wer für den Sarospataker baut.

Wir sollten uns beim Erkunden darum bemühen, Fuß und Auge von der Umgebung und nicht vom Kopf lenken zu lassen. Wir dürfen uns nicht unseren Fantasiebildern hingeben, sondern müssen wie ein Geigerzähler mit erhöhter Aufmerksamkeit und Sensibilität alle Schwingungen auf nehmen, damit alles, die geologischen und die atmosphärischen Gegebenheiten wie auch der allzu schöne oder künstliche Wuchs der Bäume, gleichzeitig in uns erklingen kann. Wir sollten auch darauf achten, wo früher Bauten standen und wohin alte Pfade führen. Denn alles flüstert uns Geheimnisse zu, will von uns verstanden werden. Lange schon leidet die Welt unter unserem Unverständnis. Alles ist uns Menschen anvertraut, alles ist für uns da. Halb Tier, halb Engel sucht der Mensch nicht umsonst die Orte der Natur. Es gibt sie nämlich tatsächlich! Mit diesen auf besondere Weise harmonischen Orten ermöglicht es uns die Natur, aus der Zeit herauszutreten. Hier können wir die wahre Zukunft erahnen. An solchen Orten kann es uns gelingen, mit der Unterstützung der hilfreichen Aufmerksamkeit der Wache stehenden Bäume zu einer intuitiven Erkenntnis in Bezug auf die Möglichkeiten und Ziele der menschlichen Zivilisation -und damit auch des Architekten ‑zu gelangen.



a.a.O. Seite 138 f - Imre Makovecz, 1984

Freitag, 9. Januar 2009

33 Jahre irreale Finanzwirtschaft

Rudolf Steiner weist darauf hin, dass man für eine reale Geschichtsbetrachtung den Rhythmus von etwa 33 Jahren beachten solle. Ein gewisser Impuls zeigt seine Folgen gewöhnlich nach 33 Jahren. Dies entspricht der Dauer des Jesus-Christus-Lebens: Weihnachten setzt den Impuls, Ostern 33 Jahre später zeigt die Folge. Das gilt leider auch für negative Entwicklungen:

Zur Finanzkrise des Jahres 2008 findet man z.B. folgende Meldung:



1975
Der erste «Interest Rate Future»
wird von der Chicago Board of
Trade ausgegeben. Dies ist das
erste Future, dem kein festes
(reales) Produkt zugrunde liegt.



Also hat etwa im Jahre 1975 die Finanzwirtschaft den Boden der Realität verlassen:
"Dies ist das erste Future, dem kein festes(reales) Produkt zugrunde liegt."

Sonntag, 4. Januar 2009

Impulse - Imre Makovecz


"Die Anthroposophie, die ich 1959 kennenlernte und die mir das organische Denken vermittelte, bestärkte meine Neugier für die theoretischen Kenntnisse und führte mich wie zu einer Quelle, zum Studium der traditionellen, volkstümlichen Kunst. Ich betrachtete mich nie als Nachfolger der nationalen romantischen Bewegung vom Anfang des Jahrhunderts, aber es faszinierte mich sehr, wie Mitglieder dieser Bewegung von Sprache und Zeichen der Vorfahren aus einer längst vergessenen Zeit, den Zeiten vor der Geschichte erzählten."

Schon am Ende seiner Studienzeit wurde Makovecz durch seinen Freund Tamäs Szabo‑Sipos auf das Werk Rudolf Steiners und seine 'soziale Dreigliederung' aufmerksam. Erst nach seinem Studienabschluss sah er das Goetheanum auf Abbildungen. Das weckte sein Interesse an der Architektur Rudolf Steiners. Durch die Auseinandersetzung mit ihr wurden ihm allmählich Aspekte der ungarischen Volkskunst verständlich: "Sie hat mit dem Leben zu tun und folgt nicht Konzepten. ( ... ) Mein Kontakt mit der Anthroposophie kam nicht auf einmal. Ich habe einige Bücher gelesen und habe mich mit einigen Mitgliedern dieser Bewegung getroffen. Meine Gedanken haben sich durch persönliche Beziehungen gebildet, früher wie heute. 1964, mit 29 Jahren, konnte ich meine erste Reise nach Westeuropa unternehmen, und zwar in die Schweiz, um das Goetheanum zu besuchen. Es war ein phantastischer Schock. Noch nie zuvor hatte ich von einem architektonischen Werk einen solchen Eindruck verspürt. Bei meiner Ankunft in Basel nahm ich die Straßenbahn nach Dornach und fand dort ein Zimmer gegenüber dem Bahnhof. Es war schon dunkel, und ich wusste nicht, wo das Goetheanum war. So verschob ich meinen Besuch trotz meiner Ungeduld auf den anderen Tag. Am nächsten Morgen schaute ich, während ich mich wusch, gemütlich aus dem Fenster. Es war Frühlingsanfang. Auf einem Hügel erblickte ich durch den Nebel einen monströsen Elefanten. Ich kann diese versteinerte Gestalt nicht anders nennen. Ich rannte wie ein Verrückter, um es von nahem zu sehen. Es übertraf alle meine Vorstellungen ‑ eine unvergessliche und unsterbliche Vision. Ich kannte das Goetheanum von Bildern, aber es in der Realität zu sehen, war ganz anders ..." Hier im Goetheanum sah Makovecz die eurythmische Aufführung von Shakespeares Sommernachtstraum. "Von Rudolf Steiner habe ich gelernt, dass man die Ideen und die Sprache in Bewegungen umsetzen kann, dass Gesten eine Bedeutung haben können. Zu jedem Ton gibt es eine präzise Geste", sagt Makovecz zu den von ihm veranstalteten Bewegungsexperimenten.

"Das Wesentliche des Steinerschen Impulses ist, dass man kein Nachahmer Steiners sein darf." Für die orthodoxe Anthroposophie in der Architektur oder für das Nachahmen hat Makovecz kein Verständnis. Einige frühe Bauten weisen leicht abgewinkelte Elemente auf, hier ist anthroposophischer Einfluss zu sehen, ... Schnell verschwanden aber solche äußerlichen Merkmale, die mit den gängigen Vorstellungen der anthroposophischen Architektur assoziiert wurden. Bedeutender ist der zentrale Raum, der erst richtig in der Csäkänyosi Csärda zum Ausdruck kommt. Der kuppelbedeckte Raum und die Verbindung zweier Kuppeln wie im Holzbau des ersten Goetheanums ist eine Herausforderung, die Makovecz im Projekt Institut für Waldorfpädagogik in Witten und im Kulturzentrum Szigetvär annahm. Er versteht die Anthroposophie ähnlich wie Joseph Beuys oder Rudi Dutschke als eine Unterstützung, das "zu tun, was ich ohnehin tun musste ... Ich habe nichts mit der Anthroposophie zu tun, aber mit Rudolf Steiner ..." Nicht seine Person zählt, sondern das, worauf er hinweist, auf "die Welt und den Weltinhalt".

(a.a.O. Seite 18)

Donnerstag, 1. Januar 2009

Tagebuch-Aufzeichnungen von Imre Makovecz Tagebuch

"Der Wert eines Lebens wird nicht durch ein anderes Leben bestätigt. Das Leben ist überhaupt nicht zu bestätigen. Die Größe eines Volkes lässt sich nicht an der Größe eines anderen Volkes messen. Man sollte Völker nicht antasten. Ein Volk kann nicht festgelegt werden, weder als groß noch als klein, als Sieger oder Verlierer, noch als verstümmelt oder überlebensgroß. Ein Volk ist nicht da, um beurteilt zu werden, ein Volk lebt. Auch die lebende Architektur wird nicht durch andere Architektur bestätigt, die lebende Architektur lebt. Was ich mache, ist lebende Architektur. Ich nehme zur Kenntnis, dass meine Häuser zerstückelt, in Brand gesteckt und abgerissen werden, ich baue dennoch neue Häuser. Ich nehme zur Kenntnis, dass man mit gezinkten Karten mit mir spielt, dass ich verleumdet und in einem Atemzuge Söldner fremder Herren und Nationalist genannt werde, dass man mich auszeichnet, aber gleichzeitig erniedrigt, dass man mich ruft und gleich danach wegschickt. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass dieses Land uns und Fremden gleichermaßen gehört. Man hat schon oft versucht zu nehmen, was uns gehört. Man müsste einsehen, dass der Mensch selbst nicht zu nehmen ist, denn erfindet dafür einen letzten Fluchtweg: den Tod. Der Geist des ungarischen Volkes aber ist lebendig und sucht, auch in der Architektur, nach einem gesunden, kräftigen und freien Ausdruck."

(Oktober 1987)

Seite 209


Sonntag, 28. Dezember 2008

Jahresrückblick 2008

Hier ein Jahresrückblick, der etwas wirklich Symptomatisches herausgearbeitet hat:


Das Jahr, das immer schneller wurde

Von Jan Ross | © DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
Mehr Menschen, mehr Mächte, mehr Möglichkeiten: So viel wie in den vergangenen zwölf Monaten ist selten passiert – ein Versuch, das Jahr 2008 zu verstehen


Das war 2008: Olympia in Peking, Krieg im Kaukasus, Aufstand in Tibet, Weltgipfel in Washington, die Wahl Obamas und der Crash an der Wall Street (von links)



Das Jahr 2008 lässt uns mit einem Schwindelgefühl zurück, mit Hirnsausen, in einem Zustand weltpolitischer Seekrankheit. In den vergangenen zwölf Monaten sind passiert: der Aufstand in Tibet, die Olympischen Spiele der neuen Weltmacht China, der US-Vorwahlkrimi mit globalem Publikum, ein Krieg zwischen Russland und Georgien, die Wahl Obamas, die schwerste internationale Finanzkrise seit den 1930er Jahren, die Terroranschläge von Mumbai als »indisches 9/11«. Kleinere Erschütterungen wie das irische Nein zum EU-Verfassungsvertrag zählt man schon gar nicht mehr mit. Es hat in den vergangenen Jahren massivere, kompaktere historische Augenblicke gegeben als 2008: Der 11. September 2001 oder der Irakkrieg 2003 waren lautere Explosionen im Weltgewölbe. Aber die politisch-emotionale Achterbahnfahrt, das schiere Tempo der Stimmungs- und Schauplatzwechsel zwischen Wall Street und Kaukasus, Crash-Angst und Obamanie war atemberaubend und signalisiert eine neue Geschichtsqualität.

Wahrscheinlich werden wir uns an dieses Trommelfeuer der Geschehnisse gewöhnen müssen. Es war kein Zufall und keine medial erzeugte Illusion. Der Ereignisdruck ist Ausdruck einer Demokratisierung von Weltgeschichte: mehr Menschen, mehr Mächte, mehr Möglichkeiten, sich bemerkbar zu machen, mitzureden, zu stören. Es ist nicht mehr wie früher, wo sich alle Blicke automatisch in eine Richtung wandten, wenn in Washington oder Moskau die Parole ausgegeben wurde: »Jetzt ist Nahostkonflikt!«. Täter, Opfer und Schauplätze haben sich vervielfacht. Wenn die Tibeter mit ihren Kräften am Ende sind, können sofort die Georgier einspringen. Weil eine Finanzkrise begonnen hat, hört nicht etwa der Terrorismus auf, wie die Attentate von Mumbai auf furchtbare Weise klargestellt haben. Die Finanzkrise selbst ist globalisiert und demokratisiert – keine Asien- oder sonstige Regionalkrise wie in den 1990er Jahren, auch keine Exklusivkrise der reichen Amerikaner und Europäer, die China oder Indien in ihrem Aufstieg unberührt lassen würde, sondern eine echte Weltkrise für jedermann.
Die früheren Entwicklungsländer nehmen Platz am Tisch der Macht
Der frühere US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski hat das Phänomen als »globales Erwachen« bezeichnet: Zum ersten Mal in der Geschichte ist die Menschheit in ihrer ganzen Breite politisch aktiv. Tibet-Freunde, die in San Francisco oder Paris gegen den olympischen Fackellauf protestierten, chinesische Auslandsstudenten im Westen, die umgekehrt für ihre Regierung Partei nahmen und ihren Nationalstolz demonstrierten, schwarze Amerikaner, die mit der Stimme für Barack Obama zum ersten Mal in ihrem Leben an einer Präsidentenwahl teilgenommen haben – das alles sind Symptome einer universalen Mobilisierung. Selbst im Terrorismus muslimischer Fanatiker steckt eine perverse Form des »globalen Erwachens«, des Kampfes um weltweite Aufmerksamkeit: Würden wir uns denn so viele Gedanken über den Islam machen, wenn es den 11. September 2001 und seine Folgetaten nicht gegeben hätte? Die Attentate von Mumbai haben eben nicht nur Sympathie für die Opfer geweckt, sondern, so verstörend das wirkt, auch erfolgreich das Indienbild verändert: weg vom Wirtschaftswunder und vom Touristenparadies der Werbespots bei CNN, hin zum ungelösten Kaschmirkonflikt und zum Schicksal der muslimischen Minderheit im Land.
Die neue, pluralistische Welt hat 2008 ihr erstes offizielles Forum bekommen, als Embryo einer globalen Ordnung des 21. Jahrhunderts. Die »G20«-Gruppe, die von den Vereinigten Staaten bis Indonesien Industrie- und Schwellenländer zusammenbringt, stellt das Eingeständnis der Reichen und Mächtigen von gestern dar, dass sie die Welt nicht mehr beherrschen können. Ausgerechnet diese bunte, Nord und Süd umfassende Runde, die seit ihrer Gründung 1999 ein Schattendasein geführt hatte, ist zur obersten Instanz in der Debatte über die Finanzkrise geworden, zum Rahmen, in dem Bush, Sarkozy oder Brown auftraten und ihre Rettungsvorschläge präsentierten. Diese Krise kann die alte Weltelite nicht mehr allein bewältigen – und das hat Folgen: Die früheren Entwicklungsländer werden sich ihren frisch erworbenen Platz am Tisch der Großen nicht nehmen lassen, wenn es demnächst um Klima, Handel oder Armutsbekämpfung geht. Wie provisorisch und unfertig auch immer, ist die G20 doch der Vorbote von etwas Neuem, im Unterschied zu den bisweilen zombiehaft weiterlebenden Gremien und Organen aus der Zeit vor 1989, die (wie die Nato) überholt oder (wie die Vereinten Nationen) schwergängig wirken. In einer Ad-hoc-Improvisation, getrieben durch die Angst vor dem großen Crash, hat die kollektive politische Fantasie mit der Entdeckung der G20 einen kleinen schöpferischen Geniestreich getan.

2008 war das Jahr, in dem wir uns an die »multipolare Welt« endgültig gewöhnt haben – die Vielfalt von Machtzentren, die sich seit dem Irakkrieg anstelle der globalen Alleinherrschaft der Vereinigten Staaten herausgebildet hat, die Emanzipation des Südens und Ostens sind selbstverständlich geworden. Mit der Finanzkrise hat die Dominanz der USA nach dem Scheitern von Bushs Weltmachtpolitik einen zweiten Schlag erhalten – jetzt kann von einem amerikanischen Zeitalter wirklich nicht mehr die Rede sein. Zugleich ist aber der Honeymoon der Aufsteigermächte vorbei. Die Karriere des Nicht-Westens war bisher ein Boom-Phänomen: fantastische Zuwachsraten vor allem in Asien. Damit hat es für den Moment ein Ende. Dass die Wirtschaft in China, Indien oder Russland sich von den USA und Europa »abkoppeln« könne, wie schon prophezeit worden war, hat sich als Legende erwiesen. Die Wachstumsprognosen mussten scharf nach unten korrigiert werden. Die russische Staatspropaganda hat die Finanzkrise zunächst als amerikanische Sünde und amerikanisches Problem dargestellt; bald jedoch wurde die Moskauer Börse geschlossen, und die Oligarchen erlitten Milliardeneinbußen, die sie an den Rand des Konkurses brachten. Hinter dem auftrumpfenden Russland des Georgienfeldzugs ist eine höchst fragile Macht sichtbar geworden.

Vom Westen gefürchtete Öl- und Schurkenländer wie Iran und Venezuela haben mit dem Einbruch der Energiepreise ihre Staatseinnahmen schwinden sehen. Die Anschläge von Mumbai haben bloßgelegt, dass die viel gerühmte Atom- und Softwaremacht Indien weiterhin den Sicherheitsapparat eines Drittweltstaats besitzt. Das Emirat Dubai mit seinem Milliarden verpulvernden Märchenluxus muss vom solideren Nachbarn Abu Dhabi gestützt und heraus gekauft werden. Die neuen Mächte stehen nicht etwa stabiler da als die alten, etablierten, westlichen – im Gegenteil. Auf Dauer ist eine Machtverlagerung nach Osten und Süden unvermeidlich, aber eine glatte Karriere der Aufsteiger ist sie nicht.

Ein bei aller bürokratischen Farblosigkeit hochdramatischer Schlüsselsatz des ausklingenden Jahres fiel in einer Rede des chinesischen Präsidenten Hu Jintao vor dem Politbüro der KP Chinas: Ob die Partei den Druck der Krise in eine Motivation verwandeln und aus den Herausforderungen Chancen machen könne, werde über ihre Fähigkeit entscheiden, das Land zu regieren. Dass das chinesische Regime in Angst vor der Unruhe des Volkes lebt, dass es wirtschaftspolitische Leistungen zu seiner Legitimation braucht, ist eine Sache – aber dass der Staats- und Parteichef den gefährlichen Zusammenhang selbst herstellt und öffentlich an der Regierungsfähigkeit der eigenen Partei zweifelt, ist ein Alarmsignal. Man muss es mit dem Triumph der Olympischen Spiele zusammennehmen, um die ganze Spannung zu ermessen, unter der die Weltmacht, die es noch nicht ist, gegenwärtig steht.

In den letzten Jahren war die These Mode geworden, dass moderne Diktaturen wie die chinesische für die Zukunft besser gerüstet sein könnten als die müde gewordenen liberalen Demokratien des Westens. Putins Russland, das im August im Georgienkrieg eine Machtdemonstration abgelegt hat, galt schon als Kandidat für eine neue, gefährliche Systemkonkurrenz, einen »neuen Kalten Krieg«. Jetzt, am Ende des Jahres, nehmen sich die Autokratien, die im Abschwung letztlich doch vor den eigenen Bürgern zittern müssen, weniger eindrucksvoll aus. Statt einen neuen Kalten Krieg vom Zaun zu brechen, versucht die Welt gemeinsames Krisenmanagement. Und die als dekadent abgeschriebene Demokratie hat mit der global bejubelten Wahl Barack Obamas ihren stärksten Vitalitäts- und Attraktivitätsbeweis seit 1989 geliefert: Das ganze Pathos der Freiheit, das die Welt seit Bush schon nicht mehr in den Mund nehmen mochte, klang auf einmal wieder frisch und echt wie am ersten Tag. Das ist, neben dem »globalen Erwachen« und der Etablierung der neuen Mächte, die zweite, gegenläufige Kernerfahrung des Jahres 2008: die Anfälligkeit der Newcomer und die Erneuerungsfähigkeit des westlichen Modells.

Das Jahr 2008 endet unvollendet: Die Wirtschaftskrise, die eines seiner zentralen Ereignisse ist, hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, geschweige denn ihren Abschluss. Die Menschheit geht mit dem unbehaglichen Gefühl einer Gnadenfrist ins nächste Jahr, mit der Ahnung, dass eine Kugel schon abgeschossen wurde, die ihr Ziel noch nicht erreicht hat. Sicher ist, dass die Krise zum Stresstest für alle Länder und Gesellschaften wird – sie trifft sie jeweils an ihren empfindlichsten, prekärsten Stellen, sie treibt ihre typischen Widersprüche hervor. Für die Vereinigten Staaten bedeutet sie einen potenziellen Bruch in ihrer Liebesgeschichte mit dem Kapitalismus, sie wirft die Frage auf, ob nicht eine Umwertung fällig ist im Verhältnis von Staat und Markt, von Individuum und Gemeinschaft. Was würde es bedeuten, wenn die Amerikaner nicht mehr glauben könnten, dass der Einzelne seines Glückes Schmied ist und jeder die faire Chance zu Aufstieg und Erfolg hat? Für die Europäer ist das Gefahrenszenario das griechische: ein in privilegierte Insider und unversorgte Außenseiter gespaltener Wohlfahrtsstaat, der die an ihn gerichteten Ansprüche nicht mehr erfüllen kann, für Reformen keine Mehrheit findet und sich die Jungen, die Beschäftigungslosen, die Einwanderer zu Feinden macht. In Amerika wie in Europa arbeitet ein mächtiges Unruhepotenzial und Veränderungsbedürfnis, womöglich eine revolutionäre Energie. In den USA wird schon ein erster Antwort- und Lösungsversuch unternommen: »Change« mit Barack Obama als Neubesetzung von Franklin Roosevelt, der in den 1930er Jahren mit dem New Deal den amerikanischen Gesellschaftsvertrag neu schrieb, den Staatseinfluss ausweitete und den Privatinteressen Zügel anlegte. Den europäischen Obama gibt es nicht.
Barack Obama ist der Mann des Jahres 2008. Wie er am Ende des Jahres 2009 dastehen wird, ist vollkommen offen. Aber die historische Möglichkeit, die er verkörpert, lässt sich bezeichnen, und sie reicht über die Wiederherstellung des amerikanischen Ansehens und die Symbolik eines Schwarzen im mächtigsten Amt der Welt weit hinaus. Obama, der Coole und Multikulturelle, steht für so etwas wie die Hoffnung auf ein ziviles Weltgespräch, auf eine Menschheit, die sich globale Tagesordnungen zu setzen vermag, die zusammen Überlebensthemen identifizieren und sich auf manierliche Weise darüber auseinandersetzen kann.

Die vergangenen Jahre, die Jahre von George W. Bush und des »Kriegs gegen den Terror«, sind eine Zeit der Spaltung und Polarisierung gewesen, der dauernd erhöhten politischen und rhetorischen Temperatur – heiße Jahre, deren Inbegriff nicht zufällig der Krieg gewesen ist. Obama verspricht Abkühlung, und er verspricht Gemeinsamkeit – nicht im Sinne aufgehobener Interessengegensätze, das wäre eine absurde Erwartung, sondern als Habitus und Impuls: Die primäre Geste soll nicht mehr die geballte Faust sein, sondern die geöffnete Hand. Es gibt eine globale Sehnsucht nach Kooperation, wie ausgehungert ergreift die Welt die Chance zu Tagungen und Gipfelkonferenzen, über Klima, Finanzmarktregulierung oder Investitionsprogramme, zerstreitet sich dabei und kann doch vom Miteinanderreden nicht lassen. Es hat eine andere Phase begonnen als die Bush-Ära mit ihren starren, harten Gegensätzen von Freund und Feind, Licht und Dunkel, Gut und Böse, eine Zeit gewiss nicht geringerer Gefahr, aber größerer Flexibilität, und in Barack Obama hat sie für den Augenblick ihren smarten Helden gefunden.
Mit derselben Herkunft kann man Terrorist und US-Präsident werden
Der Schriftsteller John Updike hat vor einigen Jahren einen Roman veröffentlicht, der die Geschichte eines zum Terroristen gewordenen jungen Mannes erzählt. Die Hauptfigur ist der Sohn einer Amerikanerin und eines Austauschstudenten aus einem muslimischen Land, der seine Familie bald im Stich gelassen hat und in seine Heimat zurückgekehrt ist. Kommt uns das bekannt vor? 2008 ist das Jahr gewesen, in dem man in dieser Geschichte auf einmal eine andere, die Welt verblüffende erkennen konnte: Die Herkunft von Updikes Ahmad Mulloy deckt sich exakt mit der von Barack Obama. Es ist ein und dieselbe Geschichte, mit der einer in der Dichtung zum Terroristen und in der Wirklichkeit zum Präsidenten der Vereinigten Staaten werden kann. Das ist die abgründige Unsicherheit, mit der man sich vom ablaufenden Jahr abwendet – und die Hoffnung.


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ZEIT ONLINE 52/2008: Krisen, Kriege und ein bisschen Hoffnung