Samstag, 30. April 2011

Die römische Kirche

"Packen wir es, wir sind Römer!"


Diese Worte rief der gerade seliggesprochene Papst Johannes Paul II damals den Römern zu.
In diesen Worten drücken sich tiefe Wahrheiten aus.
In der römischen Kirche lebt gewissermaßen das römische Imperium weiter. Der Papst symbolisiert nach wie vor das Kaisertum. Wie der Imperator herrschte, so herrscht der Kirchenfürst. Und es geht wirklich um Herrschaft und Macht. Des Kaisers Wort war Gesetz, der Papst ist "unfehlbar"! Sein Wort ist Dogma! Die politische Herrschaft hat sich in eine geistige verwandelt.
Die Lehrmeinung der Kirche ist bindend für die Angehörigen dieser Kirche.
Zur Zeit unterwerfen sich dem Papst 1,2 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt.
Man täusche sich nicht, da er seine Macht heute nicht offen mit direkter Waffengewalt ausübt, dass er deshalb weniger gefährlich sei. Er übt geistige Herrschaft aus. Das steht immer höher, als die weltliche Herrschaft. Da Geistige bildet immer die Grundlage für das Weltliche. Alle Kriege werden immer ideenmäßig vorbereitet.

Aber der gute Papst hat doch gerade wieder zu Ostern mit süßen, warmen Worten die Welt aufgefordert, doch etwas friedlicher zu sein, wird mancher nun denken. Die Kirche ist doch ein Hort des Friedens.

In den arabischen Ländern schreien die Menschen gerade nach Freiheit und kämpfen für sie.
Der Papst sagt, die Menschen auf der Welt sind noch nicht reif für die moralische Freiheit. Die Kirche muss für ihre Moralität sorgen, das können sie noch nicht alleine! Dafür muss es Dogmen geben.

Dort die politische Unfreiheit.
Hier die moralische.
Bei den Römern war beides noch eines, mit einander verbunden.
Geistig die Menschen zu beherrschen, hat Dauer. Politische, weltliche Reiche gehen viel schneller unter.

Freitag, 29. April 2011

Die METHODE

"Sie begreifen nicht, mit wem Sie es zu tun haben. Man wird ihnen vorwerfen, sich gegen die Methode zu wenden."
Mia schüttelte den Kopf und richtet einen Zeigefinger auf Rosentreters Kinn. "Sie reden wie ein Sechzehnjähriger. Die METHODE, das sind wir selbst. Sie, ich alle. Die METHODE ist die Vernunft. Der gesunde Menschenverstand. Ich wende mich nicht gegen die METHODE. ..."
Juli Zeh, Corpus Delicti - S.74f


Methoden, das sind Lehrmeinungen, Religionen, Parteien, Therapierichtungen, Theorien, Corporate Identities, alle festgefügten theoretischen oder praktischen Systeme usw. Alles, was den Menschen formen, bestimmen, erklären oder beeinflussen will. Solche Systeme stellen sich über den individuellen Menschen.

Etwas anderes ist es, wenn der Mensch über der Methode steht. Die Methode muss dem Menschen dienen. Der Mensch, muss dabei die Methode individuell umformen können und dürfen. Er wird daraus dann seine eigene Methode entwickeln. Das Abweichen von der Methode, von der Theorie, von der Wissenschaft wird zur Notwendigkeit, sonst wirkt die Methode, die Partei, die Lehrmeinung  diktatorisch.

Man kann sich in einer Methode schulen lassen. Dann aber wird man sie wie ein Nahrungsmittel verdauen. Verdauung heißt Umwandlung. Man spuckt hinterher nicht das Essen wie ungegessen wieder aus, sondern es wird zur Lebenskraft. So wird man am Kennenlernen einer neuen Methode, seine Persönlichkeit entwickeln. Aber man wird nie die Methode wieder so ausspucken, wie man sie gegessen hat. Das schmeckt den anderen nämlich immer ziemlich sauer; es stinkt ein wenig, wenn man erlebt, dass der Mensch beim Darstellen oder Ausüben einer Theorie, eines Programms, einer Philosophie oder einer Methode als Persönlichkeit hinter die Sache zurücktritt.

Es gibt nur eines, was heute die Welt voranbringt, das ist - wie Juli Zeh schreibt - die Vernunft, der gesunde Menschenverstand. Der Mensch selbst muss die Methode sein. Das eigene, geistesgegenwärtige Ich.

Donnerstag, 28. April 2011

Rudolf Steiner zur Demokratie und zur Unabhängigkeit der Abgeordneten:

"Interessant ist es, wie 1910 einer den schönen Satz geschrieben hat: daß es dem GroßkapiIalismus gelungen ist, aus der Demokratie das wunderbarste, wirksamste, biegsamste Werkzeug zur Ausbeutung der Gesamtheit zu machen. Man bildet sich gewöhnlich ein, die Finanzleute seien Gegner der Demokratie - schreibt der betreffende Mann -; ein Grundirrtum. Vielmehr sind sie deren Leiter und deren bewußte Förderer. Denn diese — die Demokratie nämlich — bildet die spanische Wand, hinter welcher sie ihre Ausbeutungsmethode verbergen, und in ihr finden sie das beste Verteidigungsmittel gegen die etwaige Em­pörung des Volkes.

Da hat einmal einer, der aufgewacht ist, gesehen, wie es nicht dar­auf ankommt, von Demokratie zu deklamieren, sondern wie es darauf ankommt, die Wirklichkeit zu durchschauen, nichts auf alle solche Schlagworte zu geben, sondern zu sehen, was wirklich ist. Heute wäre dies ganz besonders notwendig, denn man würde dann sehen, von wie wenigen Zentren aus die Ereignisse heute eigentlich gelenkt und ge­leitet werden, die so furchtbar, so blutig über die ganze Menschheit hin walten. Darauf wird man nicht kommen, wenn man immer in dem Irrwahn lebt, die Völker bekämpfen sich; wenn man sich immer ein­lullen läßt von der europäischen und amerikanischen Presse über irgend­welche Beziehungen, die in den gegenwärtigen Ereignissen zwischen den Völkern sein sollen. Das alles, was da gesagt wird über Antagonis­mus und Gegensätzlichkeiten der Völker, das ist dazu da, um über die wahren Gründe den Schleier zu breiten. Denn nicht dadurch, daß man von Worten heute zehrt, um diese Ereignisse zu erklären, kommt man zu irgendeinem Resultat, sondern dadurch, daß man auf die konkreten Persönlichkeiten hinzeigt. Das wird nur manchmal unbequem. Und derselbe Mann, der diese Sätze niedergeschrieben hat 1910, der aufge­wacht ist, der hat auch in demselben Buche eine höchst unangenehme Rechnung angestellt. Er hat nämlich eine Liste aufgestellt von fünf­undfünfzig Männern, die in Wirklichkeit Frankreich beherrschen und ausbeuten. Diese Liste gibt es in dem Buche «La Democratie et les Financiers» 1910, von Francis Delaisi, von demselben Mann, der das ja mittlerweile berühmt gewordene Buch «La Guerre qui vient» ge­schrieben hat, das letztere 1912, das Buch «La Democratie et les Finan­ciers» 1910. In diesem Buche finden Sie Sätze von fundamentaler Be­deutung. Da ist einmal ein Mensch aufgewacht gegenüber der Wirk­lichkeit. In diesem Buche «Die Demokratie und die Finanzwelt» liegen Impulse, um vieles von dem zu durchschauen, was heute durchschaut werden sollte, vieles aber auch zu zerhauen von dem, was als Nebel über die Gehirne der Menschen hin zum Fluten gebracht wird. Auch über diese Dinge muß man sich entschließen, die Wirklichkeit ins Auge zu fassen.
Natürlich ist das Buch unberücksichtigt geblieben. Aber in diesem Buche werden gewisse Fragen aufgeworfen, die heute in der ganzen Welt aufgeworfen werden sollten, weil sie manches über die Wirklichkeit lehren würden, die man so begraben will unter all den Deklamationen von Demokratie und Autokratie und was die Schlagworte alle sind. In diesem Buche finden Sie zum Beispiel auch eine sehr schöne Darstellung von der üblen Lage, in der eigentlich ein Parlamentarier ist. Nicht wahr, die Menschen glauben, so ein Parlamentarier stimmt nach seiner Überzeugung ab. Aber würde man alle die Fäden kennen, durch die ein solcher Parlamentarier zusammenhängt mit der Wirklichkeit, dann würde man erst wissen, warum er in einem Fall ja und im andern Fall nein sagt. Denn gewisse Fragen müssen aufgeworfen werden. Delaisi wirft sie auf. Zum Beispiel wirft er die Frage auf, indem er einen Parlamentarier ins Auge faßt: Auf welche Seite soll sich der arme Mann stellen? Das Volk zahlt ihm jährlich dreitausend Francs Diäten, die Aktionäre dreißigtausend Francs! - Die Frage stellen, heißt sie schon beantworten. Also der gute arme Mann bekommt vom Volk seine dreitausend Francs Diäten, von den Aktionären dreißigtausend! Nicht wahr, es ist ein sehr schöner Beweis, zeugt manchmal von großem Scharfsinn, zu sagen: Wie schön ist es doch, daß einmal in einem Parlament ein Sozialist, ein Volksmann wie Millerand einen Platz gefunden hat! Es ist etwas Großartiges, daß solche Errungenschaft möglich geworden ist. Delaisi frägt etwas anderes. Er frägt: Wie steht es mit der Unabhängigkeit eines Menschen wie Millerand, der jährlich dreißigtausend Francs als Vertreter von Versicherungsgesellschaften verdiente?

Da ist einmal einer aufgewacht; der weiß ganz gut, wie die Fäden gehen von den Taten eines solchen Mannes in die verschiedenen Versicherungsgesellschaften hinein. Aber solche Dinge, die heute im Wachzustand über die Wirklichkeit erzählt werden, die werden eben nicht berücksichtigt. Man kann natürlich sehr schön den Menschen von der Demokratie der westlichen Welten deklamieren. Wenn man ihnen aber die Wahrheit sagen wollte, müßte man ihnen sagen: Der so und so heißt, macht es so, und der so und so heißt, macht es so. — Und da rechnet Delaisi fünfundfünfzig Männer heraus, nicht eine Demokratie, sondern fünfundfünfzig bestimmte Männer, von denen er sagt, daß sie Frank­reich beherrschen und ausbeuten. Da ist man auf die realen Tatsachen gekommen, denn auch im gewöhnlichen Leben muss der Sinn erwachen für reale Tatsachen."

Man tut, was man kann:

Es ist schon sehr freundlich von unseren Volksvertretern, wie sie sich um das Wohlergehen ihrer Bürger kümmern. So kann man sogar damit rechnen, dass man einmal eingeladen wird, seinen Geburtstag gemeinsam mit der Bundeskanzlerin zu feiern! Wussten Sie da noch nicht?


Josef AckermannGeburtstag auf Staatskosten

Montag, 24.08.2009, 15:02

APFür einen Abend Gastgeber im Kanzleramt: DB-Chef Josef Ackermann



Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, durfte seinen 60. Geburtstag an exklusivem Ort feiern: im Kanzleramt in Berlin. Die Kosten für das fröhliche Fest trug die Staatskasse.

Für die Veranstaltung fielen Kosten für zusätzliches externes Servicepersonal in Höhe von 2100 Euro an, wie das ARD-Magazin „Report Mainz“ am Montag unter Berufung auf einen Bericht des Bundeskanzleramts berichtet. Die Kosten für das Abendessen konnten nicht errechnet werden. Die Aufwendungen seien aus den „etatisierten Haushaltsansätzen für Personal- und Sachkosten – Bundeskanzlerin und Bundeskanzleramt – finanziert“ worden, heißt es in dem Bericht des Kanzleramts vom Mai 2009.

Ackermann hatte in einem Fernsehinterview von einem Angebot von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berichtet, etwa 30 Freunde ins Bundeskanzleramt einzuladen. Am Mittwoch muss die Bundesregierung den Haushaltsausschuss über die Kosten des Abendessens informieren. Die Deutsche Bank verweigerte laut „Report Mainz“ eine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Das Bundeskanzleramt habe nicht reagiert.

Das Kanzleramt hatte bereits im April auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Gesine Lötzsch zu dem Vorgang Stellung genommen, die Antwort fand zu dem Zeitpunkt jedoch kaum Beachtung. In der Antwort hieß es, Merkel habe den Geburtstag des Bankchefs „zum Anlass genommen“, ein Abendessen mit Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft auszurichten.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, kritisierte den Vorgang. „Man kann als Kanzlerin nicht jemandem anbieten, auf Kosten des Steuerzahlers seinen 60. Geburtstag mit freier Entscheidung über 30 Gäste exklusiv mit gutem Wein und Essen im Kanzleramt zu feiern“, sagte Künast dem ARD-Magazin.

Montag, 25. April 2011

Der Krieg der französischen Intellektuellen

In Ergänzung meines vorletzten Beitrags muss ich diesen Artikel aus der FAZ hinzufügen. Denn das hat die Welt in dieser offenen Weise noch nie erlebt: Ein "Philosoph", der französische "Philosoph" Bernhard-Henri Levy (kurz BHL) hat ja in Wirklichkeit diesen Lybien-Einsatz angezettelt. Sarkozy hat sich von BHL in diesen Krieg hineintreiben lassen.

Ein anderer Intellektueller, der die BHL's Kriegspetition mit unterschrieben hat, bekennt nun, dass es ihm schon leid tut. Aber nun ist es zu spät. Es wäre gut, man würde ein wenig nachdenken, bevor man einen Krieg anzettelt.
Es ist unbeschreiblich, welch ein Wahnsinn heute hier ganz öffentlich betrieben wird.

Früher war das alles etwas verdeckter. Natürlich haben immer die Intellektuellen, Professoren und Wissenschaftler die Kriege mitvorbereitet, vielleicht sogar geistig verursacht, aber das war dann nicht so leicht zu durchschauen, weil die Politiker diese geistigen Impulse immer erst später aufgriffen:
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Nun der Text aus der FAZ:
Frankreich und Libyen
Engagement und wirklicher Krieg
Die französischen Intellektuellen und die Intervention in Libyen: Claude Lanzmann wechselt die Fronten, Bernard-Henri Levy verbreitet Durchhalteparolen und schickt in den Medien seine Gefolgsleute an die Front.

Von Jürg Altwegg

Nicht ohne das offene Hemd: Bernard-Henri Levy auf dem Weg in den Elysee zum Empfang der Vertreter des Libyschen Übergangsrats durch Präsident Nicolas Sarkozy am 10. März 2011.


24. April 2011

Claude Lanzmann will die Bombenangriffe gegen Gaddafi beenden, obwohl er die Petition namhafter Intellektueller, mit der Bernard-Henri Lévy "seinen" Krieg abstützte, unterschrieben hatte, unter "freundschaftlichem Druck", wie er jetzt in "Le Monde" bekannte. Gemeinsam hatten BHL und Lanzmann vor einem Jahr den ägyptischen Kulturminister Faruk Hosni als Unesco-Generalsekretär verhindert.

Lanzmann ist entsetzt über die frivole Leichtfertigkeit, mit der dieser Krieg ausgelöst wurde: er spricht von einer "Infantilisierung der Politik" und nennt Lévy einen "Phrasendrescher". Unerträglich ist ihm die Feigheit der "Option null Tote", mit der er geführt wird. Der "Pflicht"zur Einmischung" habe er schon immer misstraut. Nach den Feldzügen gegen Milosevic und Saddam Hussein hätten ihre "blinden Sänger" wieder einmal die "Leier des Eingreifens" angestimmt: Und gegen Gaddafi "hat ihre einzige und ausschließliche Stimme die Regierenden dazu gebracht, ihre Staaten in einen Krieg ohne Namen und mit ungewissem Ausgang zu führen." Die Zweifel nagen, die Zustimmung bröckelt. Für Tzvetan Todorov kann es keinen "gerechten Krieg" geben. Mitterrands Berater Jacques Attali äußert moralische und strategische Bedenken. Roni Brauman, einer der Väter der "Pflicht zur Einmischung", argumentiert gegen BHL: Man kann gegen Gaddafi, der seine Landsleute als menschliche Schutzschilde missbraucht, nicht siegen, ohne Bodentruppen einzusetzen. Brauman plädiert für "Internationale Brigaden" wie im Spanischen Bürgerkrieg.

Damals kämpfte - wie später im Widerstand - unter Einsatz seines Lebens André Malraux, auf den sich Bernard-Henri Lévy beruft. Seine Antwort auf Lanzmann im "Monde" bestätigt dessen Eindruck: Jetzt spielt sich der Philosoph und "Phrasendrescher" auch noch als militärischer und strategischer Experte auf und schwärmt von den schnellen Fortschritten der Rebellen. Lanzmann wirft er Fahnenflucht vor: "Es geht ihm alles zu lange, und er sucht das Weite." Zur öffentlichen Niedermachung schickte er seinem treuen Adlatus Gilles Hertzog an die Front: Lanzmann habe seine Vergangenheit in der Résistance verraten und sich selbst verleugnet. Hertzog reiht Lanzmann ein ins Lager der "Pontius Pilatus, der Münchner, der ewigen Nichtinterventionisten" - es ist die insinuierte Vorstufe der Kollaboration. Während die libyschen Rebellen wie einst "die freien Franzosen unter Leclerc" gegen Pétain und Hitler kämpfen.

Bernard-Henri Lévy: Der Resolutionsführer

Die "Pflicht zur Einmischung" ist das Resultat der französischen Aufarbeitung von Faschismus und Kommunismus. Politisch lautet seine Botschaft: Hitler verhindern, einen neuen Völkermord im Voraus bekämpfen. Doch die Kriterien sind fragwürdig geworden. André Glucksmann und Pascal Bruckner unterstützten den Krieg im Irak, den sie inzwischen als Irrtum bezeichnen. Seit dem Niedergang des Marxismus, dem sie alle gehuldigt hatten, bestimmt der Antitotalitarismus das intellektuelle Klima - zuweilen mit dem Anspruch einer Ideologie: die Rollenverteilung von Guten und Bösen fiel ihm stets leicht. Wer anders denkt, wird verabschiedet: "Adieu Lanzmann" überschreibt Hertzog seine Exkommunikation des Dissidenten.
Französische Krankheit?

Marc Weitzmann, ebenfalls ein "Antitotalitärer", hat die dramatisch veränderte Lage erkannt: "Es geht nicht mehr um Folklore, um unverbindliche Debatten über die Veränderung der Welt. Diesmal sind aus den Worten wirklich Taten geworden." Die Erschütterung ist erkennbar. "Der engagierte Intellektuelle ist eine französische Krankheit", schreibt Weitzmann, "und Lévys wahrer und einziger Krieg im Grunde wohl der Versuch, sich als letzter Vertreter dieser überholten Gattung zu retten." Nach seinem Engagement für den verhafteten Sittlichkeitsverbrecher Polanski und den als Mörder verurteilten Terroristen Battisti hat BHL mit Gaddafi nochmals einen wirklich guten Bösen gefunden.

An ihm - und mit Sarkozy als willigem Helfer - misst er seinen intellektuellen Einfluss. Es ist der Sieg der Intellektuellen über die Politik, wie sie ihn sich in ihrer kühnsten Träumen und Theorien wünschten. Die letzte Schlacht des engagierten Intellektuellen mündet in einen Krieg! Schmutzig und mit vielen unschuldigen Opfern, aber gerecht und zumindest notwendig. Nach Lanzmanns pazifistischem Schwächeanfall, der den nationalen Konsens der Zustimmung zerstörte, hat Sarkozy die Rebellen ostentativ nochmals ins Elysée eingeladen. BHL, den Sarkozy nach Benghasi zu begleiten erwägt, verbreitet Durchhalteparolen: "Mehr denn je, alles weist darauf hin: das freie Libyen, mit seinen Alliierten, kann den Tyrannen besiegen." Hoffentlich möglichst schnell. 

JÜRG ALTWEGG

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Reuters




Freitag, 22. April 2011

VOLKSABSTIMMUNG

Eine der ersten Volksabstimmungen fand unter Pontius Pilatus statt


Was vor etwa 1978 in Jerusalem sich vor dem Palast des Pilatus abspielte, war unter anderem auch ein politischer Vorgang.
Es drückt sich darin etwas aus, was auch für unsere heutigen Politiker noch gilt: Man kann nicht frei handeln, auch nicht nach der Vernunft, sondern man unterliegt Zwängen, denen man sich kaum entgegenstellen kann.

Pilatus stellte dem Volk die Frage, wen es begnadigen würde. Es entschied sich für die Kreuzigung Christi und die Freilassung eines Mörders. Die Menge ließ sich von Emotionen leiten. Sie handelte gegen alle Vernunft. Sie verhinderte das Gute und förderte das Böse.

Diese Gefahr ist bis heute nicht beseitigt. Medien und Parteien versuchen die Emotionen der Menschen zu erreichen, anzustacheln und auszunutzen. Diese Emotionen haben wenig mit einem vernünftigen Denken oder Handeln zu tun. Diese Emotionen wehen wie ein Wind über eine ganze Nation hinweg, in alle Menschenseelen hinein. Nur einzelne Individuen können sich gegen das Emotionale stellen. Die Menge kann es nicht. Der Mensch braucht eine gewisse Stärke, um sich emotionalen Trends zu widersetzen. Wer ihnen nicht folgt, der wird verurteilt und geächtet.

Das ist der Mangel der Demokratie von heute, dass sie nach Mehrheiten entscheidet. Über Vernunft ist aber nicht mehrheitlich entscheidbar. Vernunft braucht eine besondere Weitsicht, Ausdauer, Überschau. Die hat nie die Masse, sondern die haben immer nur wenige, vorausschauende, nachdenkende Menschen. Später, nach Jahrzehnten, wenn die Wirkungen eintreten, dann werden mehr Menschen das Postitive oder Negative einer Entscheidung beurteilen können.

Erst wenn auf demokratischem Wege es gelingt, wirklich fähige, vernunft-orientierte Menschen in Fürhrungsstellungen zu bringen, dann wird auch das Politische in ein ruhigeres Fahrwasser kommen.

Unsere heutige Demokratievorstellung, auch die Forderung nach mehr Volksabstimmungen, geht davon aus, dass alle Menschen völlig selbstbewusste, selbstkritische, verantwortungsbewusste, geistig unabhhängige, nicht-autoritätsgläubige Individuen sind.  Die Veranlagung dazu ist heute in den westlichen Nationen vorhanden, aber der Lebensführung der Menschen entspricht es noch nicht. Es gibt Mainstreams denen bestimmte Bevölkerungsgruppen immer unkritisch folgen.

Montag, 18. April 2011

Libyen

Ehrlich gesagt, ich war ziemlich erleichtert, als ich hörte, das Westerwelle dem Einsatz von deutschen Truppen in Libyen nicht zugestimmt hat. Danach gab es großes Geschrei bei den Nato-Partnern. 
Noch immer habe ich meine Zweifel, ob es richtig ist, dass die Amerikaner und mit ihnen der ganze Westen Weltpolizei spielt.
Es ist eine schwierige Entscheidung, da natürlich die Diktatoren die eigenen Leute töten lassen. 
Aber langfristig bleibt die Frage, wieviel Menschen man wirklich rettet oder wieviel mehr insgesamt bis zum bitteren Ende ihr Leben lassen müssen.
Wenn die Zeit gekommen ist und die Mehrheit einer Bevölkerung wirklich reif ist für einen Systemwechsel, ob der Umsturz dann nicht unweigerlich kommt und gelingt?


Man denke an den Irak, welch ein Blutvergießen, seit dem Eingreifen der Westmächte. Die bösen Mächte sind längst nicht überwunden, ständig gibt es Attentate mit vielen, vielen Toten. In Afghanistan das Gleiche. 


Ich denke, dass in Wahrheit das Gegenteil durch die Westmächte erreicht wird. Man hasst den Westen mehr und mehr. Wohl befürworten die arabischen Staaten das Eingreifen in Libyen verbal, aber auch das nur halbherzig. Aber ich bin mir sicher, dass sie es unterschwellig doch demütigend finden, dass es wieder die selben Mächte sind, die sich hier einmischen - seit über hundert Jahren -, und nie war es zum Segen dieser Völker. 


Sie selbst sind zu schwach, um einzugreifen, und sie sind zu schwach, sich gegen den Westen zu wehren. Aber die negativen Emotionen gegen den Westen in islamischen Menschenseelen bekommen wieder neue Nahrung. Und es müssen so wieder neue terroristische Menschengruppen entstehen, die verzweifelt und mit allen Mitteln auf ihre Weise gegen den Westen kämpfen werden. 
Eine noch größere Atmosphäre der Furcht im Westen muss dann die Folge des Hasses im Osten sein.


Ich spekuliere: Ob man nicht auch davon ausgehen muss, dass westliche Kräfte, doch insgeheim schon längst durch ihre Vertreter die Umsturzszenarien vorbereiteten? Wäre es nicht ein Wunder, wenn die Geheimdienste nicht schon längst am Werk gewesen wären? Ob die Aufstände wirklich ganz aus den Gefühlen und Kräften der Einheimischen allein heraus so schnell und so heftig entbrannt sein konnten? 


Dass Deutschland sich zurückhält ist ein Segen für die Welt. Es hat etwas Heilsames für die wunden Seelen der "Morgenländer". So haben die östliche und südlichen Völker vielleicht das Gefühl, dass es noch mindestens einen bedeutenden Staat im Westen gibt, den sie nicht völlig verachten müssen. 
Auch wenn Westerwelle vielleicht gar nicht wirklich wusste, was er da tat und warum er es tat, weil seine bewussten Fähigkeiten vielleicht gar nicht so weit reichen, so ist es vielleicht doch eine glückliche Fügung gewesen. Ähnlich wie Schröders Weigerung damals, sich am Irak-Krieg nicht zu beteiligen.