Montag, 18. April 2011

Libyen

Ehrlich gesagt, ich war ziemlich erleichtert, als ich hörte, das Westerwelle dem Einsatz von deutschen Truppen in Libyen nicht zugestimmt hat. Danach gab es großes Geschrei bei den Nato-Partnern. 
Noch immer habe ich meine Zweifel, ob es richtig ist, dass die Amerikaner und mit ihnen der ganze Westen Weltpolizei spielt.
Es ist eine schwierige Entscheidung, da natürlich die Diktatoren die eigenen Leute töten lassen. 
Aber langfristig bleibt die Frage, wieviel Menschen man wirklich rettet oder wieviel mehr insgesamt bis zum bitteren Ende ihr Leben lassen müssen.
Wenn die Zeit gekommen ist und die Mehrheit einer Bevölkerung wirklich reif ist für einen Systemwechsel, ob der Umsturz dann nicht unweigerlich kommt und gelingt?


Man denke an den Irak, welch ein Blutvergießen, seit dem Eingreifen der Westmächte. Die bösen Mächte sind längst nicht überwunden, ständig gibt es Attentate mit vielen, vielen Toten. In Afghanistan das Gleiche. 


Ich denke, dass in Wahrheit das Gegenteil durch die Westmächte erreicht wird. Man hasst den Westen mehr und mehr. Wohl befürworten die arabischen Staaten das Eingreifen in Libyen verbal, aber auch das nur halbherzig. Aber ich bin mir sicher, dass sie es unterschwellig doch demütigend finden, dass es wieder die selben Mächte sind, die sich hier einmischen - seit über hundert Jahren -, und nie war es zum Segen dieser Völker. 


Sie selbst sind zu schwach, um einzugreifen, und sie sind zu schwach, sich gegen den Westen zu wehren. Aber die negativen Emotionen gegen den Westen in islamischen Menschenseelen bekommen wieder neue Nahrung. Und es müssen so wieder neue terroristische Menschengruppen entstehen, die verzweifelt und mit allen Mitteln auf ihre Weise gegen den Westen kämpfen werden. 
Eine noch größere Atmosphäre der Furcht im Westen muss dann die Folge des Hasses im Osten sein.


Ich spekuliere: Ob man nicht auch davon ausgehen muss, dass westliche Kräfte, doch insgeheim schon längst durch ihre Vertreter die Umsturzszenarien vorbereiteten? Wäre es nicht ein Wunder, wenn die Geheimdienste nicht schon längst am Werk gewesen wären? Ob die Aufstände wirklich ganz aus den Gefühlen und Kräften der Einheimischen allein heraus so schnell und so heftig entbrannt sein konnten? 


Dass Deutschland sich zurückhält ist ein Segen für die Welt. Es hat etwas Heilsames für die wunden Seelen der "Morgenländer". So haben die östliche und südlichen Völker vielleicht das Gefühl, dass es noch mindestens einen bedeutenden Staat im Westen gibt, den sie nicht völlig verachten müssen. 
Auch wenn Westerwelle vielleicht gar nicht wirklich wusste, was er da tat und warum er es tat, weil seine bewussten Fähigkeiten vielleicht gar nicht so weit reichen, so ist es vielleicht doch eine glückliche Fügung gewesen. Ähnlich wie Schröders Weigerung damals, sich am Irak-Krieg nicht zu beteiligen.