Dienstag, 21. Dezember 2010

"Chauffeurs-Wissen" - "Kenne deinen Kompetenzkreis, und bleibe darin."

Klarer Denken

Warum Sie Ihren Kompetenzkreis genau kennen sollten
Von Rolf Dobelli

Nachdem er 1918 den Physik-Nobelpreis erhalten hatte, ging Max Planck auf Tournee durch ganz Deutschland. Wo auch immer er eingeladen wurde, hielt er denselben Vortrag zur neuen Quantenmechanik. Mit der Zeit wusste sein Chauffeur den Vortrag auswendig. „Es muss Ihnen langweilig sein, Herr Professor Planck, immer denselben Vortrag zu halten. Ich schlage vor, dass ich das für Sie in München übernehme, und Sie sitzen in der vordersten Reihe und tragen meine Chauffeurs-Mütze. Das gäbe uns beiden ein bisschen Abwechslung.“ Planck war amüsiert und einverstanden, und so hielt der Chauffeur vor einem hochkarätigen Publikum den langen Vortrag zur Quantenmechanik. Nach einer Weile meldete sich ein Physikprofessor mit einer Frage. Der Chauffeur antwortete: „Nie hätte ich gedacht, dass in einer so fortschrittlichen Stadt wie München eine so einfache Frage gestellt würde. Ich werde meinen Chauffeur bitten, die Frage zu beantworten.“

Nach Charlie Munger, einem der weltbesten Investoren, von dem ich die Planck-Anekdote habe, gibt es zwei Arten von Wissen. Zum einen das echte Wissen. Es stammt von Menschen, die ihr Wissen mit einem großen Einsatz von Zeit und Denkarbeit bezahlt haben. Zum anderen eben das Chauffeur-Wissen. Chauffeure im Sinne von Mungers Geschichte sind Leute, die so tun, als würden sie wissen. Sie haben gelernt, eine Show abzuziehen. Sie besitzen vielleicht eine tolle Stimme oder sehen überzeugend aus. Doch das Wissen, das sie verbreiten, ist hohl. Eloquent verschleudern sie Worthülsen.

Leider wird es immer schwieriger, das echte Wissen vom Chauffeur-Wissen zu trennen. Bei den Nachrichtensprechern ist es noch einfach. Das sind Schauspieler. Punkt. Jeder weiß es. Und doch überrascht es immer wieder, welchen Respekt man diesen Meistern der Floskeln zollt. Sie werden für viel Geld eingeladen, Panels und Podien zu moderieren, deren Themen sie kaum gewachsen sind.

Bei den Journalisten ist es schon schwieriger. Hier gibt es einige, die sich solides Wissen angeeignet haben. Oft die älteren Semester, Journalisten, die sich über Jahre auf ein klar umrissenes Themenfeld spezialisiert haben. Sie sind ernsthaft bemüht, die Komplexität eines Sachverhalts zu verstehen und abzubilden. Sie schreiben tendenziell lange Artikel, die eine Vielzahl von Fällen und Ausnahmen beleuchten.

Allzu viele Journalisten fallen meiner Ansicht nach leider in die Chauffeur-Kategorie. In kürzester Zeit zaubern sie Artikel zu jedem beliebigen Thema aus dem Hut oder, besser, aus dem Internet. Ihre Texte sind einseitig, kurz und – oft als Kompensation für ihr Chauffeur-Wissen – ironisch.

Je größer eine Unternehmung, desto mehr erwartet man vom CEO Showqualität – sogenannte kommunikative Kompetenz. Ein stiller, verstockter, aber seriöser Schaffer, das geht nicht, zumindest nicht an der Spitze. Die Aktionäre und Wirtschaftsjournalisten glauben offenbar, dass ein Showman für bessere Resultate sorgt – was natürlich nicht der Fall ist.

Der Investor Warren Buffett – Charlie Mungers Partner – verwendet einen wunderbaren Begriff: „Circle of Competence“. Zu Deutsch „Kompetenzkreis“. Was innerhalb des Kreises liegt, versteht man wie ein Profi. Was außerhalb liegt, versteht man nicht oder nur zum Teil. Buffetts Lebensmotto: "K
enne deinen Kompetenzkreis, und bleibe darin. Es ist nicht so furchtbar wichtig, wie groß dieser Kreis ist. Aber es ist furchtbar wichtig zu wissen, wo genau die Kreislinie verläuft.“ Charlie Munger legt nach: „Sie müssen herausfinden, wo Ihre Talente liegen. Falls Sie Ihr Glück außerhalb Ihres Kompetenzkreises versuchen, werden Sie eine lausige Karriere haben. Ich kann es Ihnen fast garantieren.“

Fazit: Misstrauen Sie dem Chauffeur-Wissen. Verwechseln Sie den Firmensprecher, den Showman, den Nachrichtensprecher, den Plauderer, den Worthülsenbastler, den Klischeekolporteur nicht mit einem wirklich Wissenden. Wie erkennen Sie den? Es gibt ein klares Signal. Wirklich Wissende wissen, was sie wissen – und was nicht. Befindet sich jemand von diesem Kaliber außerhalb seines „Kompetenzkreises“, sagt er entweder gar nichts oder: „Das weiß ich nicht“. Er sagt diesen Satz ohne Pein, ja sogar mit einem gewissen Stolz. Von Chauffeuren hört man alles andere, nur diesen Satz nicht.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13.12.2010 Seite 30



1 Kommentare:Marco Weber hat gesagt…Dieser Artikel hat mich in 2010 am meisten überzeugt. Netterweise verzichtet Herr Dobelli darauf, den Nicht-Chauffeur nochmal mit der bitteren Wahrheit zu konfrontieren, dass der Chauffeur zwar früher oder später "enttarnt" wird, aber trotzdem sehr häufig im Wirtschaftsleben besser verdient.(Stichwort: Abfindungen für gescheiterte Manager etc.)

Montag, 20. Dezember 2010

Lebensprozesse im Universum


In dem folgenden Artikel verspürt man eine völlig neue Sicht auf das Universum und auf unsere Milchstraße. Immer deutlicher wird, dass wir es mit einem lebendigen Organismus zu tun haben. Zu Lebensprozessen gehört das Entstehen und das Vergehen, das Verdauen und Neugebären. 
Dann weist die Geisteswissenschaft auch immer wieder daraufhin, dass der Erde eine Art Mittelpunktstellung im Universum zukommt. Nun stellt sich langsam heraus, dass das auch für unsere Galaxis, die Milchstraße gilt. Sie sei größer und heller als viele andere, bisher gefundene Galaxien. 

Die bildhafte Sprache des Textes unten ist sehr aufschlussreich. Hier wird von "Opfern" gesprochen und von "Fruchtbarkeit". Dann spielt auch das Eisen hier eine große Rolle. So wie in unserem Blut das Eisen eine lebenswichtige Funktion hat, so wird nun festgestellt, dass es in den lebendigeren Teilen unseres Universums eben mehr Eisen gibt, als in den weniger lebendigen Teilen:
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Schwarzes Loch stiftet fruchtbares Chaos

Von "National-Geographic"-Autor Ken Croswell
Wally Pacholka
Astronomen erkunden das rätselhafte Innere unserer Milchstraße, in deren Zentrum ein gigantisches Schwarzes Loch Sterne schluckt. Echos von Röntgenstrahlen künden von diesen Opfern. Gleichzeitig bietet die Region gute Voraussetzungen für die Entstehung von Leben.

Bescheidenheit zu zeigen könnte uns - den Bewohnern der Milchstraße - schwerfallen, sollten wir einmal mit Außerirdischen aus anderen Sternennebeln ins Gespräch kommen. Denn unsere Galaxis ist heller und gewaltiger als die meisten anderen. Die für das Auge sichtbare Scheibe unserer Milchstraße misst von einem Ende zum anderen 120.000 Lichtjahre. Um sie herum liegt noch eine Hülle aus Wasserstoffgas, die nur mit Radioteleskopen nachweisbar ist. Dutzende kleinerer Galaxien umschwirren unsere Milchstraße wie Monde einen Planeten.

Unsere Sternenheimat hat mindestens einen Planeten mit intelligentem Leben vorzuweisen: die Erde.
Riesengalaxien bringen nämlich große Mengen an Eisen, Sauerstoff, Silizium, Magnesium und anderen Elementen hervor. Diese Stoffe, die von den vielen Sternen der Milchstraße erzeugt werden, sind die notwendigen Bausteine erdähnlicher Planeten. Und unentbehrliche Bestandteile des Lebens (wie wir es kennen): Man denke etwa an den Sauerstoff, den wir atmen, das Kalzium in unseren Knochen, das Eisen in unserem Blut....
Über dessen Gestalt wissen wir übrigens mehr als über die Milchstraße, denn den Andromedanebel sehen wir von weit draußen, während wir unsere eigene Galaxis von innen heraus erkunden müssen. Gerade in den vergangenen zehn Jahren haben Astronomen allerdings viele neue Erkenntnisse über unsere kosmische Heimat gewonnen. Ganz besonders über das große Schwarze Loch in ihrer Mitte.

Alle Sterne der Milchstraße kreisen um dieses Schwarze Loch, dem Astronomen den Namen "Sagittarius A*" gegeben haben (kurz"Sgr A*", ausgesprochen "Sagittarius A-Stern"). Unsere Sonne ist 27.000 Lichtjahre davon entfernt, und sie braucht für einen einzigen Umlauf 230 Millionen Jahre. Doch mehr als 100.000 Sterne schwärmen in einem Umkreis von nur einem Lichtjahr um das Schwarze Loch. Manche von ihnen rasen in weniger als einem Erdenjahr einmal komplett herum. Aus ihren Bahnen kann man errechnen, dass "Sgr A*" vier Millionen Mal massereicher ist als unsere Sonne. Hin und wieder schluckt das Schwarze Loch einen herumirrenden Planeten oder gleich einen ganzen Stern. Dabei wird ein solches Opfer so stark aufgeheizt, dass es einen Schwall von Röntgenstrahlen ausstößt. Diese bringen Gaswolken in der Nähe zum Leuchten. Im Jahr 2004 berichteten Wissenschaftler beispielsweise über ein Röntgenstrahlenecho in einer Gaswolke, die rund 350 Lichtjahre vom Schwarzen Loch entfernt ist. Da sich Röntgenstrahlen mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, ist offenbar irgendein Objekt 350 Jahre zuvor in das Schwarze Loch gestürzt - vermutlich ein Himmelskörper von der Masse eines kleinen Planeten. Das lässt sich aus der Intensität der Röntgenstrahlen ableiten.

Aber das Schwarze Loch zieht nicht nur an, es schleudert auch fort. 2005 informierten Astronomen die Öffentlichkeit über einen ungewöhnlich schnellen, rund 200.000 Lichtjahre vom Zentrum der Galaxis entfernten Stern. Warren Brown vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik hatte den Schnellläufer im Sternbild Hydra entdeckt: Er rast mit 709 Kilometern pro Sekunde (!) - das sind rund 2,5 Millionen Kilometer pro Stunde - aus dem Kern der Milchstraße hinaus. Mit diesem Tempo wird er die Schwerkraft der Galaxis überwinden und irgendwann in den leeren Raum sausen.

Dass es so etwas geben könnte, hatte schon 1988 der Astronom Jack Hills in einem Fachartikel beschrieben: Wenn zwei Sterne, die einander umkreisen - ein sogenannter Doppelstern -,"Sgr A*" zu nahe kommen, könnte einer der beiden auf das Schwarze Loch zustürzen und es auf einer engen Umlaufbahn umkreisen. Dabei würde er sehr viel Energie abgeben. Den geltenden Gesetzen der Physik entsprechend, kann Energie aber nicht verloren gehen. Sie würde vielmehr dem zweiten Stern einen entsprechenden Schub geben, der ihn mit ungeheurer Geschwindigkeit fortschleudert. Browns Entdeckung hat knapp 20 Jahre später Hills Voraussage bestätigt.

Rund um das schwarze Loch herrscht das Inferno - aber ein fruchtbares. Hier rücken die Sterne dicht zusammen, hier gibt es die größte Konzentration von Leben spendenden Elementen. Noch in der Nähe unserer Sonne - auf halbem Weg zwischen Schwarzem Loch und dem Rand der Milchstraße - sind viele junge Sterne von Staub umgeben, aus dem Planeten hervorgehen können. An den Rändern unserer Galaxis sind die Aussichten dafür viel schlechter.

2009 berichtete die Astronomin Chikako Kasui, die am Nationalen Observatorium in Japan arbeitet, über 111 junge Sterne in einem Außenbezirk der Milchstraße. Die neuen Sonnen sind erst eine halbe Million Jahre alt - nach stellaren Zeitmaßstäben noch Säuglinge -, und sie sind arm an schweren Elementen. Die meisten haben ihre Gas- und Staubscheiben, die andere junge Sterne umgeben, bereits verloren. Ohne Staub aber keine Planeten, ohne Planeten kein Leben. "Life is grim on the galactic rim", kommentierte der Experte Ian O'Neill diese Entdeckung ("Das Leben ist hart am galaktischen Rand").

Noch ärmer an Sauerstoff und Eisen sind viele Sterne, die im Halo - dem gaserfüllten äußeren Ring unserer Milchstraße - stehen, oft ober- und unterhalb der Äquatorebene. Sie sind schon sehr alt; daher konnten sie auch nicht von der Produktion schwerer Elemente durch frühere Sternengenerationen profitieren. Ein typischer Stern im Halo hat nur drei Prozent des Eisengehalts unserer Sonne. Diese Sterne liefern Einblicke in die Entstehung der Galaxis selbst.

Schon als Jungwissenschaftlerin suchte Anna Frebel an der Staatlichen Universität von Australien nach isoliert stehenden Sternen im Halo unserer Milchstraße. ...Im Jahr 2005 entdeckte sie schließlich im Sternbild der Waage einen Stern im Halo, dessen Eisengehalt nur ein Tausendstel von dem unserer Sonne beträgt.
...

13,2 Milliarden Jahre - das bedeutet, dass die Milchstraße kaum jünger ist als das Universum selbst: rund 13,7 Milliarden Jahre. Unsere Galaxis, deren Sterne die Entstehung der Erde - und des Lebens darauf - ermöglichten, ist also ein Produkt vom Anfang der Zeit.

Sonntag, 19. Dezember 2010




Den Himmel betrachten 

13.12.2010
Credit und Bildrechte: Amir Taheri
Beschreibung: Haben Sie in letzter Zeit den Himmel betrachtet? Heute Nacht haben Nachteulen an vielen nördlichen Beobachtungsplätzen eine gute Gelegenheit dazu, wenn immer wieder Meteore desGeminidenstroms vorbeiflitzen. Der Meteorstrom der Geminiden ist langsam stärker geworden und soll heute Nacht seinen Höhepunkt erreichen. Auf dem oben gezeigten Bild wurde vor zehn Tagen eine Gruppe Himmelsschaulustiger in der Marandschabwüste im Iran kurz vor der Morgendämmerung vor einem dunklen, wundersamen Himmel fotografiert, an dem der Planet Venus und eine Mondsichel zu sehen waren. Heute Nacht werden Mars und Merkur bei Sonnenuntergang knapp über dem südwestlichen Horizont sichtbar sein, während der zunehmende Halbmond etwa um Mitternacht untergeht.

Samstag, 18. Dezember 2010

Zur Diskussion: HOMÖOPATHIE

Es ist ja in letzter Zeit wieder ein erbitterter Streit um die Homöopathie entbrannt. Hier versucht einer ganz mit seinem individuellen, "gesunden" Menschenverstand die schwierige Sache zu ergründen:
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"Ein Beweis namens 'Ich'"

Die Homöopathie hilft sogar, wenn man nicht an sie glaubt. Jens Jessen plädiert für gelassenen Pragmatismus

Ich bin kein Esoteriker. Ich glaube nicht an die Homöopathie; ich nehme die Kügelchen einfach so. Ich vertraue auch auf die Wirkung nicht; ich lasse mich von ihr überraschen. Aconitum C 30 – was soll das sein? Wenig mehr als teuer portionierter Traubenzucker, ich weiß. Aber dann ist die Bronchitis plötzlich doch und manchmal sogar schlagartig im Keim erstickt. Einbildung, Schwindel, Autosuggestion?

Ich verspüre wenig Neigung, mich mit den naturwissenschaftlichen Skeptikern anzulegen, sie haben die Logik und alle medizinischen Argumente auf ihrer Seite. Ich kann ihnen kein Weltbild, sondern nur meine persönliche Empirie entgegensetzen. Mein Zugeständnis an die Schulmedizin besteht darin, »Ich« zu sagen und von Generalisierungen Abstand zu nehmen. Es könnte aber den Schulmedizinern zu denken geben, dass dieses »Ich« in meinem Falle dem Aberglauben weitgehend abhold ist.
Eine innere Disposition zur Homöopathie besteht nicht. Es verdrießt mich sogar, dass die Kügelchen mich in einen gewissen Widerspruch zu meinem aufgeklärten Selbstverständnis bringen. Weniges macht mich so nervös wie das anthroposophische Gerede vom Ganzheitlichen, Feinstofflichen – und was es dergleichen Humbug mehr gibt.

Übrigens ergeht sich auch meine Ärztin nicht darin. Sie ist wortkarg und praktisch, sie hört sich meine Beschwerden stumm und nickend an wie nur je ein gehetzter Schulmediziner; dann öffnet sie eine Lade mit Dutzenden von Fläschchen, nimmt daraus einige Globuli, die sie in ein flugs gefaltetes packpapiernes Dreieckstütchen perlen lässt, und sagt drohend: »Lutschen, nicht kauen! Fünf sofort, drei abends, drei am nächsten Morgen, und wenn es nicht hilft, müssen Sie wieder anrufen und ein Antibiotikum nehmen.«

Vielleicht besteht das Geheimnis der Homöopathie darin, auf diese Weise bei dem ungeduldigen Patienten einen Behandlungsaufschub durchzusetzen, während dessen sich der Körper selbst hilft. Das kann gut sein; dieses weitere Zugeständnis mache ich den Schulmedizinern gerne. Ich kannte einen Kinderarzt, der seine größten Therapieerfolge mit dem Rat »Abwarten« hatte.

Aber weitere Zugeständnisse mache ich nicht. Weder muss man an die Homöopathie glauben, damit sie wirkt, noch muss ein ausführliches Arztgespräch der Wirkung vorausgegangen sein. Bestes Beispiel: Die Globuli wirken auch bei Kindern und Hunden. Ja, verflucht noch mal: Es gibt auch eine homöopathische Tiermedizin. Aber weder Kinder noch Hunde sind weltanschaulichen Diskussionen oder ausführlichen Therapiegesprächen geneigt. Das Vorgespräch gegenüber Kind wie Hund erschöpft sich in meiner Ermahnung »Lutschen, nicht kauen«. Das Kind lacht – und lässt die Kügelchen knacken. Der Hund verdreht lustig die Augen – und lässt die Kiefer krachen. Die beiden Schlingel sind ganz verrückt nach den Globuli. Bin ich ein Guru, der durch humoristische Kapitulation vor der Frechheit meiner Schützlinge heilt?..."


Freitag, 17. Dezember 2010

Kosmischer Tanz




M81 und Arps Bogen
9.12.2010
Bildcredit und -rechte:
 R Jay GaBanyMitarbeit: A. Sollima (IAC),
A. Gil de Paz (U. Complutense Madrid) D. Martínez-Delgado (IACMPIA), J.J. Gallego-Laborda (Fosca Nit Obs.), T. Hallas (Hallas Obs.)
Beschreibung: Die große, schöne Spirale M81, eine der hellsten Galaxien am Himmel des Planeten Erde und von ähnlicher Größe wie die Milchstraße, liegt 11,8 Millionen Lichtjahre entfernt im nördlichen Sternbild Großer Bär (Ursa Major). Dieses detailreiche Bild der Region enthüllt Details im hellen, gelben Kern, zeigt jedoch auch zartere Strukturen in den großartigen blauen Spiralarmen der Galaxie und den weitläufigen Staubspuren. Es zeigt auch das ausgedehnte, gebogene Merkmal, das als Arps Bogen bekannt ist und sich rechts aus der Galaxienscheibe zu erheben scheint. Arps Bogen wurde in den 1960er Jahren untersucht und für einen Gezeitenschweif gehalten - Materie, die durch gravitative Wechselwirkung mit ihrer Nachbargalaxie M82 aus M81 herausgezogen wurde. Doch jüngste Untersuchungen zeigen, dass ein Großteil von Arps Bogen wahrscheinlich innerhalb unserer eigenen Galaxie liegt. Die Farben des Bogens im sichtbaren und infraroten Licht entsprechen den Farben der weit verbreitetenStaubwolken, jenen relativ wenig erforschten galaktischen Ranken, die nur wenige hundert Lichtjahre über der Ebene der Milchstraße liegen. Zusammen mit den Sternen der Milchstraße liegen die Wolken im Vordergrund dieser bemerkenswerten Ansicht. Der Zwergbegleiter von M81, Holmberg IX, ist links über der großen Spirale zu sehen. Am Himmel umfasst dieses Bild etwa 0,5 Grad, das ist etwa die Größe des Vollmondes.



Als ob Engel ihre Flügel schwängen

F l i e ß e n d e P o l a r l i c h te r ü b e r N o r w e g e n


Bildcredit und -rechte:
 Tor Even MathisenMusik: Per Wollen;Gesang: Silje Beate Nilssen
Fließende Polarlichter über Norwegen
Bildcredit und -rechte:
 Tor Even MathisenMusik: Per Wollen; Gesang: Silje Beate Nilssen
Beschreibung: Haben Sie schon einmal ein Polarlicht gesehen? Polarlichter treten wieder mit zunehmender Häufigkeit auf. Während die Sonne im Lauf der letzten Jahreungewöhnlich ruhig war, war auch die Zahl der von der Sonne mitverursachten Polarlichter ebenfalls ungewöhnlich gering. In jüngerer Zeit jedoch wurde unsere Sonne zunehmend aktiv und stellte einen größeren Reichtum an Sonnenflecken, -fackeln und koronalen Massenauswürfen zur Schau. Sonnenaktivität wie diese stößt typischerweise geladene Teilchen ins Sonnensystem aus, von denen manche irdische Polarlichter auslösen können. Im Laufe dieses Jahres wurden die oben gezeigten Zeitrafferdarstellungen pittoresker Nordlichter über Tromsø in Norwegen aufgenommen.Gardinen aus Nordlicht, üblicherweise grün, fließen,schimmern undtanzen, während energiegeladene Teilchen zur Erde fallen und die Luftmoleküle in der hoch gelegenen oberen Erdatmosphäre ionisieren. Da das Sonnenmaximumerst kommt, könnten Sie die Gelegenheit haben, im Lauf der nächsten drei Jahre selbst spektakuläre Polarlichter zu sehen.

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Donnerstag, 16. Dezember 2010

"Ich hab' es ja schon immer gewusst...!"

Klarer Denken

Warum Ihr Tagebuch Sie zu einem besseren Prognostiker machen kann
Von Rolf Dobelli

Ich habe die Tagebücher meines Großonkels gefunden. Er war 1932 von einem kleinen Dorf in der Nähe von Luzern nach Paris ausgewandert, um sein Glück in der Filmindustrie zu suchen. Im August 1940 – zwei Monate nach der deutschen Besetzung von Paris – notiert er: „Hier rechnen alle damit, dass sie Ende Jahr wieder abziehen. Das bestätigen mir auch die deutschen Offiziere. So schnell wie Frankreich gefallen ist, wird England fallen. Und dann werden wir endlich wieder unseren Pariser Alltag zurückhaben – wenn auch als Teil von Deutschland.“

Wer heute ein Geschichtsbuch über den Zweiten Weltkrieg aufschlägt, wird mit einer ganz anderen Geschichte konfrontiert. Die vierjährige Besetzung Frankreichs scheint einer stringenten Kriegslogik zu folgen. Rückblickend erscheint der faktische Kriegsverlauf als das wahrscheinlichste unter allen denkbaren Szenarien. Warum? Weil wir Opfer des Rückschaufehlers sind.

Wer heute die Wirtschaftsprognosen des Jahres 2007 nachliest, ist überrascht, wie positiv damals die Aussichten für die Jahre 2008 bis 2010 ausgefallen sind. Ein Jahr später, 2008, implodierte der Finanzmarkt. Nach den Ursachen der Finanzkrise befragt, antworten dieselben Experten heute mit einer stringenten Geschichte: Ausweitung der Geldmenge unter Greenspan, lockere Vergabe von Hypotheken, korrupte Ratingagenturen, tiefe Eigenkapitalvorschriften und so weiter. Die Finanzkrise erscheint rückblickend als vollkommen logisch und zwingend. Und doch hat kein einziger Ökonom – es gibt weltweit rund eine Million Exemplare dieser Spezies – ihren genauen Ablauf vorausgesagt. Im Gegenteil: Selten ist eine Expertengruppe dem Rückschaufehler so sehr auf den Leim gekrochen.

Der Rückschaufehler ist einer der hartnäckigsten Denkfehler überhaupt. Man kann ihn treffend als Ich-hab’s-schon-immer-gewusst-Phänomen bezeichnen: Denn im Rückblick scheint alles einer leicht nachvollziehbaren Notwendigkeit zu folgen.

Ein CEO, der durch glückliche Umstände zum Erfolg gekommen ist, schätzt die Wahrscheinlichkeit seines Erfolgs rückblickend viel höher ein, als sie objektiv war. Kommentatoren fanden Ronald Reagans gigantischen Wahlsieg über Jimmy Carter im Jahr 1980 nachträglich nachvollziehbar, ja zwingend – obwohl die Wahl bis wenige Tage vor dem Stichtag auf Messers Schneide stand. Wirtschaftsjournalisten schreiben heute, dass die Dominanz von Google unabwendbar gewesen sei – obwohl jeder von ihnen gelächelt hätte, wenn dem Internet-Start-up 1998 eine solche Zukunft prognostiziert worden wäre. Und noch ein besonders krasses Beispiel: Dass ein einziger Schuss in Sarajevo 1914 die Welt komplett umpflügen und Abermillionen Menschenleben kosten würde, scheint rückblickend tragisch, aber plausibel. Jedes Kind lernt es in der Schule. Doch damals, 1914, hätte sich niemand vor einer solchen Eskalation gefürchtet. Zu absurd hätte sie geklungen.

Warum ist der Rückschaufehler so gefährlich? Weil er uns glauben macht, wir seien bessere Vorhersager, als wir es tatsächlich sind. Das macht uns arrogant und verleitet uns zu falschen Entscheidungen. Und das durchaus auch bei privaten „Theorien“: „Hast du gehört? Sylvia und Klaus sind nicht mehr zusammen. Das konnte ja nur schief gehen, so verschieden, wie die beiden sind.“ Oder: „Das konnte ja nur schiefgehen, die beiden sind sich einfach zu ähnlich.“ Oder: „Das konnte ja nur schiefgehen, die beiden klebten ja immer aneinander.“ Oder: „Das konnte nur schiefgehen, die sahen sich ja kaum.“

Den Rückschaufehler zu bekämpfen ist nicht einfach. Studien haben gezeigt, dass Leute, die ihn kennen, genauso häufig in die Falle tappen wie alle anderen. Insofern haben Sie beim Lesen dieser Kolumne Zeit verschwendet.

Doch noch ein Tipp, mehr aus persönlicher denn aus wissenschaftlicher Erfahrung: Führen Sie ein Tagebuch. Schreiben Sie Ihre Vorhersagen – zu Politik, Karriere, Körpergewicht, Börse – nieder. Vergleichen Sie Ihre Notizen von Zeit zu Zeit mit der tatsächlichen Entwicklung. Sie werden erstaunt sein, welch schlechter Prognostiker Sie sind. Und: Lesen Sie Geschichte ebenso. Nicht die nachträglichen, kompakten Theorien. Sondern lesen Sie die Tagebücher, Zeitungsausschnitte, Protokolle aus jener Zeit. Das wird Ihnen ein viel besseres Gefühl für die Unvorhersehbarkeit der Welt geben.

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06.12.2010 Seite 30

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Montag, 13. Dezember 2010

"Jeder hat eine Mission"

KINDERMUND TUT WAHRHEIT KUND

Filmszene (Bild: Starost Film)

"Das ist schon seltsam, Du wirst geboren, schließt die Augen und schon bist Du vier Jahre alt", sagt ein Junge in diesem Film. Dachten nicht immer nur wir Erwachsenen, die Zeit vergehe wie im Flug?


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2.12.2010, 23:00 Uhr

Information

Filmtipp

"7 oder Warum ich auf der Welt bin", D 2010, Regie: Antje Starost/Hans Helmut Grotjahn, 87 Min., Filmstart: 25.11.2010
Sieben Kinder aus sieben Ländern nehmen Stellung zu existentiellen Fragen des Lebens, unzensiert, verblüffend, poetisch. Sie machen sich Gedanken darüber, warum sie auf der Welt sind. Und zwar authentisch, ernsthaft und mit der Kraft kindlicher Phantasie - die beim Zuschauer manchmal befreiendes Gelächter auslöst.

Der Film von Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn zeigt, was es bedeutet, heute ein Kind zu sein.

"hauptsache kultur" hat die Regisseurin Antje Starost getroffen und nach ihren Erfahrungen mit den Kindern gefragt: Sieht sie die Welt jetzt mit anderen Augen?

Bericht: Tanja Küchle

Text des Beitrags

Albrecht: "Das ist wirklich eine gute Frage. Warum bin ich auf der Welt? Das frage ich mich auch manchmal."

Basil: "Das ist merkwürdig. Du wirst geboren, du schließt die Augen, und sofort bist Du vier Jahre alt. Das ist seltsam."

Vivi: "Ich denk oft mal nach: Warum gibt’s des alles? Wie kommt es, dass es eine Erde gibt, dass es eine Galaxie gibt. Wie kommt das? Es müsste doch eigentlich nichts geben."

Verblüffende Antworten auf schwierige Fragen. Warum sind wir auf der Welt? Was passiert nach dem Tod? Aber mal ehrlich? Welcher Erwachsene würde schon ein Kind danach fragen? Kinder machen sich über so etwas keine Gedanken oder sind damit überfordert, glauben viele. Anders die Filmemacher Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn. Sie haben Kinder befragt: über Leben und Tod und den Sinn ihres Daseins.

Ungewöhnliche Kinderantworten

Antje Starost: "Kinder sind auch Menschen. Und Kinder sind auch schon Persönlichkeiten. Und warum soll man denn mit Kindern über diese Fragen nicht reden? Die beschäftigen sich doch damit! Und wenn es wirklich Fragen wären, die sie nicht betreffen, oder über die sie nicht nachdenken, oder die sie nicht interessieren, dann würden die auch gar nicht darüber reden. Das machen die nicht. Auch nicht aus Höflichkeit."

Der Film begleitet sieben Jungen und Mädchen aus verschiedenen Teilen der Welt, von Ecuador bis Berlin. Sie sind zwischen 7 und 13 Jahre alt – und reden über ihre Wünsche und Ängste, über Umweltverschmutzung und Rassismus. Dass die Welt nicht nur schön ist, wissen diese kleinen Philosophen genau.

Video:

Phantasie, Witz und Humor

Oton Basil: "Es gibt zwei Optionen für die Zukunft. Die erste ist: Der Tod der Erde wegen der Umweltverschmutzung. Die zweite: Die Erde bleibt, weil die Umweltverschmutzung gestoppt wird. Ich ziehe die zweite Option vor."

Aber bei all den großen Fragen: der Film gibt auch Einblick in den Kosmos der Kinder-Spiele: in denen die Kinder sich selbst erproben und die Welt erobern.

Antje Starost: "Das Besondere ist die Lebendigkeit der Kinder und das Überraschende und die Phantasie, der Witz, der Humor, und zugleich diese Ernsthaftigkeit, die sie haben. Und eine Intensität, die mich eigentlich auch immer wieder umhaut, und wo ich denke, wann habe ich das letzte Mal mit einem Erwachsenen so ein intensives Gespräch geführt."

Behutsam nähert sich der Film den Kindern und erinnert auch daran, welche gewagten Vorstellungen man selbst als Kind hatte.

Albrecht: "Ich hab so die Idee, dass es eine Welt gibt, wo die Träume herkommen. Und, dass man dann immer da hingefahren wird, und dann kann man sich da einen Traum aussuchen."

Das Weltwissen der Kinder: Welchem Erwachsenen würden solch wunderbare Erklärungen einfallen? Die Regisseurin jedenfalls hat viel gelernt.

Von Kindern lernen

Antje Starost: "Diese Frische und trotzdem dieses Schauen auch auf die Probleme der Welt, das ist etwas, was ich - diesen Kosmos, den ich bei mir auch vergrößert habe."

Von Kindern lernen. Verbirgt sich doch in ihren Antworten oft eine tiefere Wahrheit. Und noch mal zur Frage aller Fragen: Warum sind wir denn nun auf der Welt?

Vanessa: "Ich glaube, dass meine Eltern sich entschieden haben, ein Wesen zu haben. Und dann haben sie mich erschaffen."

Vici: "Wieso bin ich auf der Welt. Naja, weil meine Mutter mich geboren hat."

Jeder hat eine Mission

Jonathan: "Also, von meiner Sicht aus bin ich auf der Welt, weil ich auch – nicht bestimmt, sondern auch von allen Menschen – versuchen soll, die Welt besser zu machen. Und das soll jeder Mensch."

Vivi: "Man muss aus seinem Leben was machen. Zum Beispiel: jeder hat eine Mission. Gell? Nein, eigentlich nicht. Aber eigentlich schon."

Basil: "Ja, ich bin da, um das Glück zu finden. Wie alle anderen auf dieser Erde. Aber ich weiß wirklich nicht, was mein Glück sein wird."

Der Dokumentarfilm "7 oder warum ich auf der Welt bin" zeigt uns, was Kinder sehen und was sie bewegt. Er nimmt uns mit auf eine Reise in ihre Welt. Erfrischend, witzig und einfühlsam.
Redaktion: cawo
Bild: © Starost Film
Letzte Aktualisierung: 3.12.2010, 14:20 Uhr
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Quelle+Link: http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=56469&key=standard_document_40294215

biber_plakat

Samstag, 11. Dezember 2010

Modell Berlusconi

Umberto Eco äußert in einem Interview mit der FAZ vom 11.12.2010 Seite Z6, dass er erwartet, dass das „Modell Berlusconi“ sich nach und nach auf der ganzen Welt durchsetzen wird.

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"Wie hält man es als Intellektueller unter Berlusconi in Italien aus? Haben Sie je erwogen, das Land zu verlassen?

Ja, aber das würde nichts bringen. Denn das Modell Berlusconi wird in ganz Europa siegen, ja, auf der ganzen Welt. Und das sehr bald. Mit ,seinem Medienpopulismus, wo das Parlament lnichts mehr zu sagen hat, hat Berlusconi ein La1boratorium erfunden, das die Zukunft bestimmen wird. Darum interessiert man sich überall so für Italien: weil man Angst um sein eigenes Land hat. Wenn Sarah Palin in Amerika gewinnt, wird es auch dort so weit sein. Und selbst, wenn Berlusconi eines Tages weg ist, wird das Fernsehen ihn längst ersetzt haben. Früher, wenn ein Mafiaboss erwischt wurde, führte man ihn mit gesenktem Haupt ab. Heute guckt er in die Kameras und winkt."

Umberto Eco
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Donnerstag, 9. Dezember 2010

Korruption

Solche Meldungen kann man in letzter Zeit öfter lesen:

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UMFRAGE

Korruption nimmt weltweit zu

Erstellt 09.12.10, 15:16h

Die weltweite Korruption lässt nicht nach. Bei einer Umfrage der Antikorruptions-Organisation Transparency International waren 60 Prozent der Befragten der Ansicht, Bestechung habe in den vergangenen drei Jahren zugenommen.


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Nach meiner Meinung ist das etwas anders zu beurteilen:
Das Bewusstsein der Menschen verändert sich. Sie empfinden heute etwas als Unrecht, was sie vor einigen Jahrzehnten noch als normal empfanden. 
Früher war ein Lehrer auf dem Land geradezu darauf angewiesen, dass die Eltern seiner Schüler ihn mit vielem versorgten. Heute sollte er im Prinzip auf alle Geschenke verzichten. 
Dies ist nur ein bescheidenes Beispiel für einen Bewusstseins-Wandel.

Mit dem Einziehen westlicher Werte in viele Länder, ändern ich auch die Gesichtspunkte beim Umgang mit Geld.

In vielen Ländern war es immer eine Selbstverständlichkeit, dass man einander half und auch eine lukrative Anerkennung dafür bekam.
Ich denke, dass also nicht die Korruption zunimmt, sondern dass man nur die Dinge kritischer beurteilt. 

Kosmische Dramatik




Ein massereicher Stern in NGC 6357
Credit:
 NASAESA und J. M. Apellániz (IAA, Spanien)
Beschreibung: Aus unbekannten Gründen bildet NGC 6357 einige der massereichsten Sterne, die je entdeckt wurden. Ein solcher massereicher Stern nahe der Mitte von NGC 6357 ist oben abgebildet; er gestaltet mit seinem energiereichen Licht aus dem ihn umgebenden Gas und Staub sein eigenes interstellares Schloss. Die aufwändigen Muster im größeren Nebel werden von komplexen Wechselwirkungenzwischen interstellaren WindenStrahlungsdruckMagnetfeldern und Gravitation erzeugt. Das allgegenwärtige Leuchten des Nebels stammt von den Lichtemissionen ionisierten Wasserstoffgases. Nahe dem besser erkennbaren Katzenpfotennebel beherbergt NGC 6357 den offenen Sternhaufen Pismis 24, Heimat vieler dieser ungeheuer hellen, blauen Sterne. Der hier gezeigte zentrale Teil von NGC 6357 umfasst etwa 10 Lichtjahre und steht ungefähr 8000 Lichtjahre entfernt im Sternbild Skorpion.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Die Inkarnation unseres Universums

"Der theoretische Physiker Roger Penrose glaubt, dass unser Universum bereits die soundsovielte Inkarnation einer Serie von Universen ist, die von Big Bang(Urknall)zu Big Bang reichen. Für diese Theorie unterstellt er, dass jedes Universum einen Punkt erreicht, an dem die Materie masselos wird und die Zeit deshalb stillsteht."


Eine "neue" Idee, mit der ein Wissenschaftler der Wirklichkeit langsam immer näher kommt.

 

Wie ein Mensch stirbt, sein Leib sich auflöst und dann nach einiger Zeit neu geboren wird, so wird es auch mit dem Universum sein.
Man kann sich den "Urknall" auch vorstellen wie den Spross einer Pflanze, die den harten Boden durchbricht. Auch das ist eine Art "Urknall". Und dann entfaltet sie sich nach und nach immer gewaltiger. Sie wird riesig. Bis sie eines Tages abstirbt. So wird einst auch das Universum absterben. 
Auf dem Bild sieht der Urknall ja schon fast wie eine Blüte aus. Ja, auch das Öffnen einer Blüte ist ein "Urknall".

Dienstag, 7. Dezember 2010

Sonnenströmungen

Astronomy Picture of the Day

Discover the cosmos! Each day a different image or photograph of our fascinating universe is featured, along with a brief explanation written by a professional astronomer.
2010 November 2




Spikulen: Strahlen auf der Sonne
Credit: K. Reardon (Osservatorio Astrofisico di Arcetri, INAFIBISDSTNSO



Beschreibung: Stellen Sie sich eine Röhre vor, die so breit wie ein Staat und so lang wie die Erde ist. Nun stellen Sie sich vor, dass sich in dieser Röhre heißes Gas mit einer Geschwindigkeit von 50.000 Kilometern pro Stunde bewegt. Versuchen Sie sich weiters vorzustellen, dass diese Röhre nicht aus Metall, sondern einem transparenten Magnetfeld besteht. Sie haben damit nur eine von Tausenden junger Spikulen auf der aktiven Sonne vor Augen. Oben ist eines der am höchsten aufgelösten Bilder zu sehen, die bislang von diesen rätselhaften solaren Flusskanälen gemacht wurden. Spikulen füllen das oben gezeigte Bildfeld der aktiven Sonnenregion 11092, welche letzten Monat über die Sonne zog, laufen jedoch besonders augenscheinlich beim Sonnenfleck unten links zusammen. Zeitlich aufeinanderfolgende Bilder zeigten unlängst, dass Spikulen etwa fünf Minuten lang bestehen, wobei sie als kleine Röhren aus rasch aufsteigendem Gas beginnen, dann aber schwinden, wenn das Gas den höchsten Punkt erreicht hat und zur Sonne zurückfällt. Was die Entstehung und das Kräftespiel der Spikulen bestimmt, bleibt weiterhin untersucht.

Tatsachen und Geschichten

Bei dem heutigen Beitrag von "Klarer Denken" von Rolf Dobelli  würde ich schlichtweg das Gegenteil meinen: Es geht im Leben nicht nur mit nüchterner Sachlichkeit. Erst wenn aus Lebensstückwerk Geschichten geworden sind, hat man etwas davon erfasst. Auch die Welt der Tatsachen verbirgt viele Geschichten:
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Klarer Denken
Warum selbst die wahren Geschichten gar nicht so selten lügen
Von Rolf Dobelli


Wir probieren Geschichten an, wie man Kleider anprobiert“, heißt es bei Max Frisch. Das Leben ist ein Wirrwarr, schlimmer als ein Wollknäuel. Stellen Sie sich einen unsichtbaren Marsmenschen vor, der mit einem ebenso unsichtbaren Notizbuch in der Hand neben Ihnen hergeht und alles notiert, was Sie tun und denken und träumen. Das Protokoll Ihres Lebens bestünde aus Beobachtungen wie „Kaffee getrunken, zwei Würfelzucker“, „auf einen Reißnagel getreten und die Welt verflucht“, „geträumt: Nachbarin geküsst“, „Urlaub gebucht, Malediven, schweineteuer“, „Haar im Ohr, gleich weggezupft“ und so weiter. Dieses Chaos von Einzelheiten zwirnen wir zu einer Geschichte. Wir wollen, dass unser Leben einen Strang bildet, dem wir folgen können. Viele nennen diese Leitschnur „Sinn“. Verläuft unsere Geschichte über Jahre hinweg halbwegs gerade, nennen wir sie „Identität“.


Dasselbe stellen wir mit den Details der Weltgeschichte an. Wir zwängen sie in eine widerspruchslose Geschichte. Das Resultat? Plötzlich „verstehen“ wir zum Beispiel, warum der Versailler Vertrag zum Zweiten Weltkrieg oder warum die lockere Geldpolitik von Alan Greenspan zum Zusammenbruch von Lehman Brothers geführt hat. Wir verstehen, warum der Eiserne Vorhang fallen musste oder Harry Potter zum Bestseller wurde. Was wir „Verstehen“ nennen, hat damals natürlich niemand verstanden. Konnte gar niemand verstehen. Wir konstruieren den „Sinn“ nachträglich hinein. Geschichten sind also eine fragwürdige Sache – aber scheinbar können wir nicht ohne.


Warum das so ist, ist unklar. Klar ist, dass Menschen die Welt zuerst durch Geschichten erklärt haben, bevor sie begannen, wissenschaftlich zu denken. Die Mythologie ist älter als die Philosophie. Das ist der Story Bias: Geschichten verdrehen und vereinfachen die Wirklichkeit. Sie verdrängen alles, was nicht so recht hineinpassen will.


In den Medien wütet der Story Bias wie eine Seuche. Ein Beispiel: Ein Auto fährt über eine Brücke. Plötzlich kracht die Brücke zusammen. Was werden wir am nächsten Tag lesen? Wir werden die Geschichte des Pechvogels hören, der im Auto saß, von wo er kam und wohin er fahren wollte. Wir werden seine Biographie erfahren: geboren in soundso, aufgewachsen in soundso, Beruf soundso. Wir werden, falls er überlebt hat und Interviews geben kann, genau hören, wie es sich anfühlte, als die Brücke zusammenkrachte. Das Absurde: Keine einzige dieser Geschichten ist relevant. Relevant ist nämlich nicht der Pechvogel, sondern die Brückenkonstruktion: Wo genau lag der Schwachpunkt? War es Materialermüdung und falls ja: wo? Falls nein, war die Brücke beschädigt? Falls ja, durch was? Oder wurde gar ein grundsätzlich untaugliches Konstruktionsprinzip angewandt? Das Problem bei all diesen relevanten Fragen: Sie lassen sich nicht in eine Geschichte packen. Zu Geschichten fühlen wir uns hingezogen, von abstrakten Tatsachen abgestoßen. Das ist ein Fluch, denn relevante Aspekte werden zugunsten irrelevanter abgewertet. (Und es ist gleichzeitig ein Glück, denn sonst gäbe es nur Sachbücher und keine Romane.)


An welche der folgenden Geschichten würden Sie sich besser erinnern? A) „Der König starb, und dann starb die Königin.“ B) „Der König starb, und dann starb die Königin vor Trauer.“ Wenn Sie so ticken wie die meisten Menschen, werden Sie die zweite Geschichte besser im Gedächtnis behalten. Hier folgen die beiden Tode nicht einfach aufeinander, sondern sind emotional miteinander verknüpft. Geschichte A ist ein Tatsachenbericht. Geschichte B hat einen „Sinn“. Nach der Informationstheorie sollte eigentlich Geschichte A einfacher zu speichern sein. Sie ist kürzer. Aber so tickt unser Hirn nicht.


Werbung, die eine Geschichte erzählt, funktioniert besser als das rationale Aufzählen von Produktvorteilen. Beispiele dafür gibt es zuhauf, etwa der amerikanische Super-Bowl-Spot von 2010, der auf YouTube unter „Google Parisian Love“ zu finden ist.


Fazit: Von der eigenen Biographie über das Weltgeschehen bis hin zu Nachrichten – alles drechseln wir zu „sinnhaften“ Geschichten. Damit verzerren wir die Wirklichkeit – und das beeinträchtigt die Qualität unserer Entscheidungen. Sie wollen gegensteuern? Dann pflücken Sie die Geschichten auseinander. Fragen Sie sich: Was will die Geschichte verbergen? Und zum Training: Versuchen Sie Ihre eigene Biographie einmal zusammenhangslos zu sehen. Sie werden staunen.


Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29.11.2010 Seite 30

Montag, 6. Dezember 2010

Ich habe dich getragen

Es könnte ja jemanden auf der Welt geben, der diese Geschichte noch nicht kennt:

Spuren   im   Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.


Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.


Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?"


Da antwortete er:
"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."



Originalfassung des Gedichts Footprints © 1964 Margaret Fishback Powers.
Deutsche Fassung des Gedichts Spuren im Sand © 1996 Brunnen Verlag, Gießen.

Samstag, 4. Dezember 2010

Astronomy Picture of the Day vom 4.12.2010




Sonnenuntergang bei der Spiral-Mole
Bildcredit und -rechte:
 Arne Erisoty
Beschreibung: In der dunkler werdenden Dämmerung am Ende eines Augusttages erschienen einen Moment lang diese breiten, dunklen Bänder am Himmel und waren bei Robert Smithsons Spiral-Mole an der östlichen Küste des Großen Salzsees in Utah zu sehen. Sie wurden von Strahlen aus Sonnenlicht umrissen, die als Dämmerungsstrahlen bekannt sind, und die eigentlich Schatten sind, die von Wolken am fernen, westlichen Horizont geworfen werden, nachdem die untergehende Sonne hinter ihnen aus der Sicht verschwunden ist. Die Wolkenschatten verlaufen parallel, scheinen aber wegen der Perspektive in der Ferne zusammenzulaufen. Smithsons berühmtester Erdwall, aufgewickelt an der salzverkrusteten Seeoberfläche, bildet einen dramatischen Kontrast zu den zusammenlaufenden Linien. Die Spiral-Mole wurde 1970 errichtet, als der Wasserspiegel ungewöhnlich niedrig war, und wurde innerhalb weniger Jahren völlig überschwemmt, als der Spiegel anstieg. Nun, da sie wieder knapp über dem Wasser liegt, war sie einen großen Teil ihres Bestehens im salzigen See untergetaucht.

Entschuldigung

Man kann sich nicht entschuldigen; man kann nur um Entschuldigung bitten!

Hamburg (dpa) - Der US-Botschafter in Deutschland, Philip Murphy, hat Forderungen nach seiner Abberufung zurückgewiesen. Diese Rufe waren nach den Wikileaks-Enthüllungen vor allem aus der FDP laut geworden. «Ich gehe nirgendwo hin», sagte Murphy dem «Hamburger Abendblatt». Er habe den kritischen FDP-Abgeordneten angeboten, mit ihnen privat zu reden, habe sich in der vergangenen Woche nach Kräften entschuldigt und werde das auch weiterhin tun. In den von Wikileaks veröffentlichten Depeschen der US-Botschaft hatte sich Murphy vor allem über Außenminister Westerwelle kritisch geäußert.
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In dieser Meldung weist Murphy darauf hin, dass er sich "nach Kräften entschuldigt habe". Er tut das mit dem Unterton, dass damit doch alles Nötige geschehen sei.

Der Begriff der "Entschuldigung" wird immer wieder in unserem Sprachgebrauch falsch verstanden oder missbraucht. Eine "Entschuldigung" ist so etwas, wie eine Schuld von einem anderen wegnehmen. Dieses kann aber nicht der Schuldner selber tun, sondern immer nur der andere, der Gläubiger, der, an dem man sich verschuldet hat. 

Die Menschen tun so, als könnten sie mit dem Aussprechen des Wortes "Entschuldigung", die Schuld selber bei sich tilgen. 
Das würde in der Finanzwelt als Vergleich heißen: Jemand hat bei einem anderen Schulden. Nun beschließt er bei sich selber, dass er sich diese Schulden erlässt. Was der andere dazu meint, ist ihm egal.

Eine wahrhaftige, ehrliche Ausdrucksweise kann immer nur lauten, dass man um Entschuldigung bittet. Durch die Annahme dieser Entschuldigung zeigt dann der andere, ob er den Verursacher einer Schuld auch wirklich "entschulden" möchte.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Prophezeiungen

"Im neunzehnten Jahrhundert hat man die Bewohner von New York einmal gefragt, was sie in fünfzig Jahren als das maßgebliche Hauptproblem ihrer Stadt ansehen. Die Antwort lautete: Pferdemist."

Das Problem aller wissenschaftlichen Zukunfts-Spekulationen ist immer, dass man nur die Gegenwart kennt und aus dieser Gegenwart die Schlussfolgerungen für die Zukunft zieht. Man rechnet dabei nicht mit dem menschlichen Genius, der immer wieder völlig neue, unvorhersehbare Dinge hervor bringt, die alles verändern.

Mit den Hochrechnungen in die Zukunft hinein schürt man gewöhnlich nur die Ängste von Menschen.

Eine Superzellen-Gewitterwolke über Montana

Astronomy Picture of the Day

Entdecke den Weltraum! Täglich ein Bild über Astronomie und Raumfahrt aus dem Universum, zusammen mit einer kurzen Erklärung eines Astronomen.
30. November 2010
Siehe Erklärung. Ein Klick auf das Bild lädt die höchstaufgelöste verfügbare Version.


Ein Superzellen-Gewitterwolke über Montana
Credit und Bildrechte:
 Sean R. Heavey

Beschreibung: Ist das ein Raumschiff oder eine Wolke? Auch wenn es wie ein außerirdisches Mutterschiff aussieht - es ist eine eindrucksvolle, als Superzelle bezeichnete Gewitterwolke. Solche kolossalen Sturmsysteme drehen sich um Mesozyklone - rotierende Aufwinde, die mehrere Kilometer umfassen können und sturzflutartigen Regen und starken Wind mit sich bringen, sogar Wirbelstürme. Zerklüftete Wolken schmücken den Rand der Superzelle, während vom Wind verwehter Staub und Regen das Zentrum dominieren. Ein Baum wartet geduldig im Vordergrund. Die obige Superzellenwolke, die im Juli westlich von Glasgow in Montana (USA) fotografiert wurde, verursachte geringe Schäden und blieb mehrere Stunden lang, ehe sie weiterwanderte.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Druiden

    Die folgende Abhandlung über die Druiden erscheint mir relativ kompetent zu sein - auch wenn sie im "Spiegel" erschien. Man findet hier eine Zusammenstellung der wichtigsten überlieferten Tatsachen. Den bei Wissenschaftlern üblichen Spekulationen muss man auch hier nicht folgen. Deutlich wird z.B., dass die Druiden etwas von der wahren Wiedergeburt wussten - in einem Menschenleib! Interessant ist auch der Zusammenhang mit Pythagoras; der hier wohl nicht ganz schlüssig erscheint. Er verweist aber auf die aus der Geisteswissenschaft bekannte Tatsache, dass es viel engere Beziehungen zwischen dem Norden und dem Süden gab, als man sich heute denkt. 

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    Druiden

    Mistelzweig und Menschenopfer

    Von Bernhard Maier
    Wer waren die Druiden? Ihre Rituale werden von den Chronisten der Antike in allen Facetten beschrieben, doch der Wahrheitsgehalt der Berichte ist dürftig. Allmählich gelingt es Historikern und Archäologen, die einst mächtige Elite der Kelten begreifbar zu machen. Mit ihren wilden Kriegerscharen hielten die Kelten in den vier Jahrhunderten vor Christi Geburt Griechen und Römer in Atem. Doch wenn zeitgenössische Autoren von den Kelten berichteten, durften sie nicht fehlen: die Druiden, jene mysteriösen Priester, die mit ihrer politischen Macht und ihrem geheimen Wissen auf eine Mischung aus Argwohn und Faszination stießen. "Manche behaupten, die Beschäftigung mit der Philosophie habe ihren Anfang bei den Barbaren genommen", schrieb vor rund 1800 Jahren der griechische Autor Diogenes Laertios in seinem Buch über Leben und Meinungen berühmter Philosophen. "Es habe nämlich bei den Persern die Magier, bei den Babyloniern und Assyrern die Chaldäer, bei den Indern die Gymnosophisten und bei den Kelten die so genannten Druiden gegeben." Doch wie so oft, wenn es um die Erforschung der Druiden geht, liefert uns auch Diogenes Laertios nur Wissen aus zweiter Hand. Und dessen Ursprünge sind unsicher. Gewiss ist aber, dass die keltischen Priester spätestens seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. bei den Griechen und Römern durchaus als Philosophen geachtet waren.

    Eines der ältesten Zeugnisse der druidischen Weltanschauung stammt aus der Feder von Julius Cäsar. In seinem "Gallischen Krieg" heißt es: "Viel disputieren sie über die Gestirne und ihren Lauf, die Größe der Welt und der Erde, die Natur der Dinge und das Walten und die Macht der unsterblichen Götter und geben das dann an die Jugend weiter." Funde wie der Bronzekalender von Coligny bestätigen diese Aussagen. ... Leider haben uns die Kelten selbst nur spärliche Anhaltspunkte über ihren Glauben hinterlassen. Eine Vielzahl von Götternamen finden sich zwar auf Weihinschriften - allerdings stammen sie fast ausnahmslos aus späterer Zeit, als längst die Römer in Gallien Fuß gefasst hatten. Vergleicht man diese gallorömischen Nennungen mit Cäsars Schilderung, fallen sogleich Ungereimtheiten ins Auge. Anders als Cäsars übersichtliches Pantheon erwarten ließe, finden sich Namen in Hülle und Fülle. Dass ein Name doppelt vorkommt, ist die Ausnahme, und noch seltener trifft man einen Namen an mehreren, weit voneinander entfernten Orten an. Wo das der Fall ist, könnte es sich tatsächlich um einen im ganzen Land verehrten Gott handeln, sofern die Erklärung nicht wesentlich banaler ist: Eine in Rom aufgetauchte Weihinschrift für die keltische Göttin Arduinna erklärt sich beispielsweise dadurch, dass ihr Stifter aus der gallischen Heimat der Göttin stammte.

    Quelle und Fortsetzung: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,728847,00.html

    Der Autor des Spiegelartikels:

    Prof. Dr. Bernhard Maier







  
    Prof. Dr. Bernhard Maier (*1963); Studium der Vergleichenden Religionswissenschaft, Vergleichenden Sprachwissenschaft, Keltischen Philologie und Semitistik in Freiburg, Aberystwyth, Bonn und London; 1989 Promotion zum Dr. phil.; 1998 Habilitation für Vergleichende Religionswissenschaft; 1999-2004 Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft; 2000 Preis der Historisch-Philologischen Klasse der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen; 2004-2006 Reader und Professor für Keltisch an der Universität Aberdeen; seit 2006 Professor für Allgemeine Religionswissenschaft und Europäische Religionsgeschichte an der Universität Tübingen.
    Forschungsschwerpunkte: Religionsgeschichte der Kelten und Germanen und ihre Rezeption seit der Frühen Neuzeit, Religionsgeschichte Nordafrikas, Geschichte der Religionswissenschaft im 19. Jahrhundert