Montag, 13. Dezember 2010

"Jeder hat eine Mission"

KINDERMUND TUT WAHRHEIT KUND

Filmszene (Bild: Starost Film)

"Das ist schon seltsam, Du wirst geboren, schließt die Augen und schon bist Du vier Jahre alt", sagt ein Junge in diesem Film. Dachten nicht immer nur wir Erwachsenen, die Zeit vergehe wie im Flug?


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2.12.2010, 23:00 Uhr

Information

Filmtipp

"7 oder Warum ich auf der Welt bin", D 2010, Regie: Antje Starost/Hans Helmut Grotjahn, 87 Min., Filmstart: 25.11.2010
Sieben Kinder aus sieben Ländern nehmen Stellung zu existentiellen Fragen des Lebens, unzensiert, verblüffend, poetisch. Sie machen sich Gedanken darüber, warum sie auf der Welt sind. Und zwar authentisch, ernsthaft und mit der Kraft kindlicher Phantasie - die beim Zuschauer manchmal befreiendes Gelächter auslöst.

Der Film von Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn zeigt, was es bedeutet, heute ein Kind zu sein.

"hauptsache kultur" hat die Regisseurin Antje Starost getroffen und nach ihren Erfahrungen mit den Kindern gefragt: Sieht sie die Welt jetzt mit anderen Augen?

Bericht: Tanja Küchle

Text des Beitrags

Albrecht: "Das ist wirklich eine gute Frage. Warum bin ich auf der Welt? Das frage ich mich auch manchmal."

Basil: "Das ist merkwürdig. Du wirst geboren, du schließt die Augen, und sofort bist Du vier Jahre alt. Das ist seltsam."

Vivi: "Ich denk oft mal nach: Warum gibt’s des alles? Wie kommt es, dass es eine Erde gibt, dass es eine Galaxie gibt. Wie kommt das? Es müsste doch eigentlich nichts geben."

Verblüffende Antworten auf schwierige Fragen. Warum sind wir auf der Welt? Was passiert nach dem Tod? Aber mal ehrlich? Welcher Erwachsene würde schon ein Kind danach fragen? Kinder machen sich über so etwas keine Gedanken oder sind damit überfordert, glauben viele. Anders die Filmemacher Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn. Sie haben Kinder befragt: über Leben und Tod und den Sinn ihres Daseins.

Ungewöhnliche Kinderantworten

Antje Starost: "Kinder sind auch Menschen. Und Kinder sind auch schon Persönlichkeiten. Und warum soll man denn mit Kindern über diese Fragen nicht reden? Die beschäftigen sich doch damit! Und wenn es wirklich Fragen wären, die sie nicht betreffen, oder über die sie nicht nachdenken, oder die sie nicht interessieren, dann würden die auch gar nicht darüber reden. Das machen die nicht. Auch nicht aus Höflichkeit."

Der Film begleitet sieben Jungen und Mädchen aus verschiedenen Teilen der Welt, von Ecuador bis Berlin. Sie sind zwischen 7 und 13 Jahre alt – und reden über ihre Wünsche und Ängste, über Umweltverschmutzung und Rassismus. Dass die Welt nicht nur schön ist, wissen diese kleinen Philosophen genau.

Video:

Phantasie, Witz und Humor

Oton Basil: "Es gibt zwei Optionen für die Zukunft. Die erste ist: Der Tod der Erde wegen der Umweltverschmutzung. Die zweite: Die Erde bleibt, weil die Umweltverschmutzung gestoppt wird. Ich ziehe die zweite Option vor."

Aber bei all den großen Fragen: der Film gibt auch Einblick in den Kosmos der Kinder-Spiele: in denen die Kinder sich selbst erproben und die Welt erobern.

Antje Starost: "Das Besondere ist die Lebendigkeit der Kinder und das Überraschende und die Phantasie, der Witz, der Humor, und zugleich diese Ernsthaftigkeit, die sie haben. Und eine Intensität, die mich eigentlich auch immer wieder umhaut, und wo ich denke, wann habe ich das letzte Mal mit einem Erwachsenen so ein intensives Gespräch geführt."

Behutsam nähert sich der Film den Kindern und erinnert auch daran, welche gewagten Vorstellungen man selbst als Kind hatte.

Albrecht: "Ich hab so die Idee, dass es eine Welt gibt, wo die Träume herkommen. Und, dass man dann immer da hingefahren wird, und dann kann man sich da einen Traum aussuchen."

Das Weltwissen der Kinder: Welchem Erwachsenen würden solch wunderbare Erklärungen einfallen? Die Regisseurin jedenfalls hat viel gelernt.

Von Kindern lernen

Antje Starost: "Diese Frische und trotzdem dieses Schauen auch auf die Probleme der Welt, das ist etwas, was ich - diesen Kosmos, den ich bei mir auch vergrößert habe."

Von Kindern lernen. Verbirgt sich doch in ihren Antworten oft eine tiefere Wahrheit. Und noch mal zur Frage aller Fragen: Warum sind wir denn nun auf der Welt?

Vanessa: "Ich glaube, dass meine Eltern sich entschieden haben, ein Wesen zu haben. Und dann haben sie mich erschaffen."

Vici: "Wieso bin ich auf der Welt. Naja, weil meine Mutter mich geboren hat."

Jeder hat eine Mission

Jonathan: "Also, von meiner Sicht aus bin ich auf der Welt, weil ich auch – nicht bestimmt, sondern auch von allen Menschen – versuchen soll, die Welt besser zu machen. Und das soll jeder Mensch."

Vivi: "Man muss aus seinem Leben was machen. Zum Beispiel: jeder hat eine Mission. Gell? Nein, eigentlich nicht. Aber eigentlich schon."

Basil: "Ja, ich bin da, um das Glück zu finden. Wie alle anderen auf dieser Erde. Aber ich weiß wirklich nicht, was mein Glück sein wird."

Der Dokumentarfilm "7 oder warum ich auf der Welt bin" zeigt uns, was Kinder sehen und was sie bewegt. Er nimmt uns mit auf eine Reise in ihre Welt. Erfrischend, witzig und einfühlsam.
Redaktion: cawo
Bild: © Starost Film
Letzte Aktualisierung: 3.12.2010, 14:20 Uhr
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Quelle+Link: http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=56469&key=standard_document_40294215

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