Freitag, 27. Februar 2009

Christentum und Buddhismus

Es gehört zu den größten Aufgaben für die allernächste Zukunft, dass die Menschheit den eigentlichen und wahren Charakter des Christentums erkennt. Das Christentum ist - bei tieferer Betrachtung - die "Religion" des "Ich", besser die "Wissenschaft" des Individuums, da das Wort Religion in diesem Zusammenhang missverständlich wird.


Das menschliche Ich ist ein ganz im Irdischen erlebbares Wesen und ist zugleich doch rein geistig. Jeder Mensch kann dies beim Blick auf sein Innerstes sofort nachvollziehen. Und das Studium dieses eigenen Ichs, des eigenen Menschenwesens, ist gewissermaßen die neue Haupterkenntnisaufgabe aller Menschen.

Die gesamte, moderne, abendländische Kultur ist eine Folge der christlichen Zivilisation. Sie hat aus sich heraus den Freiheitsgesichtspunkt entwickelt. Dieser Freiheitsimpuls breitete sich und breitet sich immer noch über die Welt aus.

Es ist nicht ausreichend, zu sagen, dass das Christentum versagt habe, weil es noch immer Streit und Krieg in der Welt gibt. Wohl hat es seine eigenen moralischen Ziele noch nicht erreicht, da sich diese Ziele eben nicht von oben herab verordnen lassen.

Aber es befindet sich auf dem Weg in diese Richtung, weil es dabei ist, ein erstes Ziel zu erreichen, das die notwendige Vorbedingung für das Erreichen weiterer Fähigkeiten der Menschen ist: Das Christentum führt die Menschen zur Freiheit.

Dieses können östliche Völker nicht verstehen, die sich zutiefst verletzt fühlen, von der offensichtlichen Unmoral, die durch die westlichen Völker über die Welt flutet. Sie gehen noch davon aus, dass es eine Moral gäbe, die man einer ganzen Nation auferlegen kann.

In Wirklichkeit kann aber moralisch nur der individuelle, freie Mensch sein, nicht die Gemeinschaft an erster Stelle. Die Gemeinschaft bekommt ihre moralische Färbung dann durch die einzelnen Individuen.


So muss die Menschheit zunächst den Freiheitsimpuls entwicklen, denn nur der freie Mensch kann sich seine moralischen Gesetze selbst auferlegen und diese verwirklichen.

Nur wenige Menschen sehen heute diese Zusammenhänge. Viele übernehmen östliche Anschauungen und negieren intellektuell, den westlichen Boden, der sie doch trägt. Im folgenden Interview beurteilt der ehemalige Buddhist Paul Williams recht treffend christliche und buddhistische Phänomene:



"Böse Überraschungen"

10. Februar 2009


Der Ex-Buddhist Paul Williams warnt vor einer Dalai-Lama-Euphorie

Vor 30 Jahren bekehrte sich der britische Tibetologieprofessor Paul Williams zum tibetischen Buddhismus. Er übersetzte Dalai-Lama-Bücher und wirkte als spiritueller Lehrer. Doch dann wurde er wieder Christ. Nun warnt er vor naiver Dalai-Lama-Euphorie.


WELT:

Der Dalai Lama erhält heute den Deutschen Medienpreis, laut Umfragen ist er beliebter als der Papst, und bei jeder Deutschlandreise wird er frenetisch gefeiert ...Raten Sie denn zur Beschäftigung mit dem Dalai Lama?

Williams:

Warum nicht? Er ist eine faszinierende Persönlichkeit. Ich empfehle aber nicht, zum tibetischen Buddhismus zu konvertieren. Davor warne ich, weil das böse Überraschungen und psychologische Probleme mit sich bringen könnte.


Als da wären?

Williams:

Gerade Ex-Christen dürften eines Tages bemerken, dass sie viel tiefer in der christlichen Tradition verwurzelt sind, als sie ahnten. Jedenfalls fragte ich mich manchmal, ob Gott vielleicht doch existiere - obwohl Buddhisten bekanntlich nicht an Gott glauben. Wenn ich alte Kathedralen besichtigte, spürte ich diese Sehnsucht, wieder dazuzugehören. Und wenn ich eine anrührende Passion von Bach hörte, ging mir auf, dass ich als Buddhist diese Musik nicht angemessen würdigen kann.



Warum nicht?

Williams:

Weil der Geist, aus dem Bach komponierte, feurige Jesus-Liebe war. Jesus ist für tibetische Buddhisten aber allenfalls ein sehr mittelmäßiger Erleuchteter. Außerdem billigt der tibetische Buddhismus schöner Musik keinen spirituellen Wert zu.



Anders das Christentum.

Williams:

Dem Papst zufolge ist Gott vollkommene Schönheit. Wer dem Schönen begegnet, bekommt einen Vorgeschmack auf Gott.

Aber der Weg zu diesem Verständnis war Ihnen verbaut.

Williams:

Bis ich katholisch wurde.

Kann man nicht beides sein - Christ und Buddhist?

Williams:

Das ist einer der großen Mythen unserer Zeit, der jede unangenehme Entscheidung überflüssig machen soll. Er stimmt aber nicht. Die spirituellen Wege sind unterschiedlich, ja unvereinbar.



Ist Jesus optimistischer als Buddha?

Williams:

Allerdings! Jesus verheißt zum Beispiel, dass geliebte Menschen sich nach dem Tod wiedersehen werden. Der Buddha hingegen lehrt, der Einzelne verschwände mit seinem Tod für immer. Denn unsere Wiedergeburten haben nichts mit der vorherigen Person gemein.


Der Dalai Lama ist sympathisch ...

Williams:

Sympathisch? Er ist faszinierend! Tiefgründig! Pazifistisch ...


... wie der tibetische Buddhismus?

Williams:

Das würde ich so nicht sagen. Die tibetische Geschichte ist wie die der meisten Völker voller Gewalt. Und der Pazifismus des Dalai Lama ist eher auf den Einfluss Gandhis zurückzuführen.



Quelle:
http://www.welt.de/welt_print/article3176933/Boese-Ueberraschungen.html

Freitag, 20. Februar 2009

„Sternstunde Philosophie“


11:00 Uhr Die Rudolf Steiner Schulen sind bekannt. Weniger bekannt ist die Weltanschauung Rudolf Steiners (1861-1925), dem Begründer der Anthroposophie. Er suchte nach „Erkenntnissen der höheren Welten“ und wollte Erziehung und Pädagogik, Politik, Landwirtschaft, Architektur, Medizin und Religion radikal erneuern. Aus welchen Quellen schöpfte Rudolf Steiner seine „Geheimlehre“, und wie aktuell sind die Ideen der bedeutendsten esoterischen Bewegung der europäischen Geschichte? Was macht die Faszination der Anthroposophie aus? In der „Sternstunde Philosophie“ gibt der Historiker Helmut Zander Einblick in das Mysterium Anthroposophie und erläutert, welche Impulse diese Weltanschauung der modernen Gesellschaft vermitteln kann. Literaturhinweis: Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884-1945., 2 Bände, 1884 Seiten. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007.

VHS- oder DVD-Bestellung direkt: sternkopien@sf.tv

Siehe dazu auch Einblicke in das dicke Buch von Zander: hier


World Trade Center 2001 - Historische Zusammenhänge

Wenn man die Spur des Attentats auf die Türme des World Trade Centers 33 Jahre zurückverfolgt, dann stößt man auf das Attentat auf Martin Luther King.

Gewisse Mächte im Land wollten die Vorherrschaft einer bestimmten Hautfarbe sichern, indem sie diesen Mord begingen oder in Kauf nahmen.

33 Jahre später werden die großen Mächte des Landes, symbolisiert und repräsentiert durch die höchsten Gebäude New Yorks mit dem anspruchsvollen Namen World Trade Center, von Menschen einer anderen Hautfarbe und einer Herkunft aus fernab gelegenen Regionen der Welt vernichtend getroffen.



Welche Bewegung oder Geste zeigt sich? Es geschieht ein Mord, mit historischen Dimensionen. Die Wirkungen der Tat sind wie die Wellen, die im Wasser aufgeworfen werden, wenn man einen Stein hineinwirft. Sie branden bis an den Rand der Welt, von dort rollen sie zurück zum Ausgangspunkt und hinterlassen eine gesteigerte Wirkung. Die Vernichtung eines Menschen wird auf lange Frist hin zum Vernichtungschlag gegen das eigene System.



Man könnte das geisteswissenschaftlich noch weiter denken: Die Tat strahlt nicht nur bis an den Rand der Welt, sondern bis zu den Sternen hinauf. Dort wird sie eingeprägt. Nach 33 Jahren etwa stehen Sonne, Mond und Erde wieder im Prinzip in gleichen Verhältnissen innerhalb des Sternenreigens, auch andere Planeten nehmen wieder eine ähnliche Stellung ein. Und in diesem Augenblick strahlt der eingeprägte Impuls zurück.



Hier die entsprechenden historischen Notizen:

Die Terroranschläge am 11. September 2001 waren vier Selbstmordattentate auf symbolträchtige zivile und militärische Gebäude in den Vereinigten Staaten. Sie wurden von 19 Angehörigen der islamistischen Terrororganisation al-Qaida ausgeführt. Je fünf bzw. einmal vier Attentäter entführten zwischen 8.10 Uhr und etwa 9.30 Uhr Ortszeit (EDT) vier Verkehrsflugzeuge auf Inlandsflügen, lenkten zwei davon in die Türme des World Trade Centers in New York City und eins in das Pentagon in Arlington, Virginia. Das vierte Flugzeug mit unbekanntem Anschlagsziel stürzte nach Kämpfen zwischen Entführern, Besatzung und Fluggästen bei Shanksville in Pennsylvania ab.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Terroranschl%C3%A4ge_am_11._September_2001




Martin Luther King Jr. (* 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia; † 4. April 1968 in Memphis, Tennessee) war ein US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler. Er zählt weltweit zu den wichtigsten Vertretern im Kampf gegen die Unterdrückung der Afroamerikaner und Schwarzafrikaner und für soziale Gerechtigkeit. King, der immer die Gewaltlosigkeit predigte, wurde dreimal tätlich angegriffen, überlebte mindestens ein Bombenattentat und wurde zwischen 1955 und 1968 mehr als 30-mal inhaftiert. Am 4. April 1968 wurde er in Memphis, Tennessee, erschossen.


Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther_King



Freitag, 13. Februar 2009

Lob der Selbstständigkeit


Im folgenden ein Artikel, der in der momentanen Weltsituation besondere Bedeutung hat.

Niemals seit dem Ende des II.Weltkriegs war ein so radikales Umdenken gefordert wie heute. Das wirtschaftliche System hat so keine großen Zukunftschancen mehr.
Die Politik mischt sich ein und hat im Grunde auch keine andere Denkart als die im Wirtschaftsbetrieb Verantwortlichen. Außer dass der Politiker eben etwas weniger Talent zum Wirtschaften hat - deswegen ist er ja auch Politiker geworden. Der Politiker meint aber, alles besser zu wissen.

Wohin das moderne Denken gehen muss, damit etwas Gedeihliches herauskommt, verdeutlicht dieser Artikel:


Essay: Lob der Selbstständigkeit - DIE WELT - WELT ONLINE

Lob der Selbstständigkeit

Von Wolf Lotter 12. Januar 2009, 01:32 Uhr

In der Finanzkrise rufen alle nach Regeln - sie kennen nichts anderes. Doch nicht "das System" ist schuld. Es kommt auf das Verhalten des Einzelnen an, seine Kreativität und seinen Mut

Zur Finanzkrise ist alles gesagt - bis auf das Wesentliche. An diesem Wesentlichen oder Grundsätzlichen mag kaum jemand rühren, denn es trifft allzu oft die eigene Existenz. Wer da ranfasst, stellt sich in der Regel selbst infrage. Spekulanten und Investmentbanker, die hinter dem Debakel stecken, haben eines mit den allermeisten übrigen Protagonisten der Krise gemein. Es war nicht ihr Geld, denn sie handelten als Angestellte. Dienstnehmer, liebe Freunde, wie du und ich, Leute, die in einer Hierarchie mit ihren ganzen hübschen Regeln das sogenannte Richtige taten - also nichts weiter, als die andern tun. Vom leitenden Angestellten, Manager heißt das, bis zum kleinen Gehilfen in der Kreissparkasse handelten alle, wie sie es gelernt hatten. Einer fängt an. Die anderen machen mit. Bis es kracht. Der klare Vorteil: Nicht Menschen haben die Krise verursacht, sondern das "System". Je braver die Soldaten, desto höher die Verluste. So einfach ist das.

Nun rufen alle nach neuen Regeln, natürlich zu den bereits bestehenden Gesetzen. Denken wir, nur versuchsweise, einmal ganz anders. Was, wenn nicht das System, sondern Menschen in Verantwortung gingen für die Entscheidungen, die sie treffen. Mit Hab und Gut dafür eintreten. Selbstständig sind also.

Wie bitte?

Selbstständigkeit ist ein Unwort in Zeiten, in denen sich die breite indolente Mehrheit der Handlungsbeschränkten mehr Regeln ausbittet. Damit montiert man die Fallstricke für morgen. Ja, können die es nicht besser? Doch, nur dann müssten sie einen Schritt wagen. Sie müssten kreativ sein. Mit anderen Worten: Sie müssten eine Idee haben. Wussten Sie, dass bereits heute Ideen wertvoller sind als Produkte? Dass damit weltweit mehr Geld umgesetzt wird - und sich das noch weiterentwickelt? Nur regieren eben die alten Herren des industriekapitalistischen Systems weiter. Sie haben keine Idee, was das sein könnte, ein System kreativ verändern. Denn dazu müssten sie den größten und wesentlichsten Schritt wagen: nicht nur sich selbst mehr Verantwortung, mehr Unternehmertum und damit auch Risiko für die eigenen Finanzen und Karrieren abverlangen. Sondern gleichsam auch anderen - die man heute noch "Mitarbeiter", "Angestellte", "Dienstnehmer" und "Verbraucher" nennt - mehr Freiräume in der täglichen Arbeit einräumen.

Bizarr ist, dass Europa 2009 das Jahr der Kreativität feiert, eine Kraft, die weniger Regeln und mehr Verantwortung braucht, während die verantwortlichen Politiker aus Eigennutz genau das Gegenteil fordern. Wie schön für Berufspolitiker, dass es eine Krise gibt - jetzt können die Vaterländer wieder gerettet werden. Der Teufel wird mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Mit Kreativwirtschaft beschäftigt man sich indes nur ehrenhalber. Wissensgesellschaft, Innovationen, die Fähigkeit, statt Quantität mehr Qualität herzustellen (liebe Automobilindustrie!), bleiben Spielball für einige Verwirrte. Neumodisches Zeugs. Unberechenbar. In der Tat. Neumodisches Zeugs? Nein. Aufstieg und Fall von Kulturen waren immer der Fähigkeit zu Innovation und der Akzeptanz neuer Ideen geschuldet. Gesellschaften, die ideenfeindlich sind, die mit Kreativität nur die töpfernde Gattin assoziieren, haben verlernt, dass nur der Fortschritt, das Neue zu etwas führt. Uns ist der Preis - noch - zu hoch. Denn er heißt: Verantwortung übernehmen und gleichsam Verantwortung delegieren können.

Die allererste Studie über Kreativitätswirtschaft wurde in den USA zu Ende der 40er-Jahre durchgeführt. Der große Ökonom Fritz Machlup, dem wir auch die ersten Erkenntnisse zur Wissens- und Informationsgesellschaft verdanken, hat sie durchgeführt. Nicht mit Regisseuren, Schauspielern, Malern, Dichtern und Aktionskünstlern. Sondern mit Krankenschwestern. Machlup trennte nicht in "schöpferisch-intellektuelle" Menschen auf der einen und "Ausführende" auf der anderen Seite. Für Machlup bedeutet Kreativität selbstständiges Denken und Handeln, Entscheiden auf der Grundlage des eigenen Wissens. Machlup hat vor nun fast 60 Jahren festgestellt, was so vielen heute immer noch nicht in den Kopf will: Ja, es ist besser, bringt mehr Qualität, bringt mehr Leistung, bringt mehr Ergebnis für alle - und ist zudem ungleich befriedigender -, wenn Freiräume eröffnet werden. Bei Krankenschwestern und anderswo. Kreativarbeiter ist, wer anzuwenden versteht, was er kann. Der auf jede Situation individuell reagiert. Der sich sagt: neues Problem? Neue Lösung. Kein Schema F. Deshalb sind Selbstständige per se kreativer.

...Freiheit und Kreativität gehören zusammen, das kann man auch beim Mentor der Creative Economy, Richard Florida, nachlesen: "Kreativität ist ein Grundelement der menschlichen Existenz", schreibt er, "ein breit angelegter sozialer Prozess, der Zusammenarbeit erfordert. Sie wird stimuliert durch menschlichen Austausch und durch Netzwerke. Sie findet statt in tatsächlichen Gemeinschaften und an realen Orten." Die Kreativität ist das wirkliche Leben. Die schöpferische Idee ist die einzige Chance, einen Fehler nicht zu wiederholen. Und sie ist, in der praktischen Wirtschaft, die wichtigste Waffe gegen die Krise. Und was noch wichtiger ist: Selbstständig sein, Freiräume haben und aus diesen kreativ arbeiten, das ist ein Leben im Original. Keine Kopie. Das kostet Überwindung. Keine Frage.

Aber: Hat jemand eine bessere Idee?

Wolf Lotter ist Redakteur des Wirtschaftsmagazins "brand eins". Sein neues Buch "Die kreative Revolution" mit Beiträgen der führenden deutschsprachigen Creative-Economy-Vordenker erscheint diese Woche im Murmann Verlag Hamburg.

Mittwoch, 4. Februar 2009

Weltwirtschaftsforum: Die Zauderer vom Zauberberg

Weltwirtschaftsforum: Die Zauderer vom Zauberberg - Nachrichten Wirtschaft - WELT ONLINE

Kopfbereich überspringen(!)

Es ist Zeit für die DREIGLIEDERUNG:

Die Zauderer vom Zauberberg

(6)
Von Jörg Eigendorf und Olaf Gersemann 29. Januar 2009, 18:11 Uhr

Der Schockstarre des Jahres 2008 folgen Wut, Ratlosigkeit und Verunsicherung. Sie prägen die Stimmung beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Mitten in der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise stellt die versammelte Managerelite die Systemfrage – und findet keine Antwort.

Davos
Foto: DPA

2500 Manager, Politiker und Wissenschaftler treffen sich in Davos

Mehr als 200 Menschen saßen bereits eine Stunde im Saal des Davoser Kongresszentrums. Beim sogenannten World Economic Brainstorming, einer Runde, die Trends für das laufende Jahr aufzeigen soll. Da stand John Neill auf. Ein Mann, der sicher kein Gegner von Marktwirtschaft und Unternehmertum ist.


Was der Vorstandschef des britischen Logistikkonzerns Unipart dann sagte, passte so gar nicht in die früher übliche Rhetorik auf der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums: Die der 61-jProduzenten giftiger Finanzderivate sollten genauso behandelt werden wie andere Giftproduzenten – also nötigenfalls ins Gefängnis geworfen werden.


Hier, wo Thomas Mann den „Zauberberg" schrieb, herrscht nun Ratlosigkeit, ja Wut. Vor allem gegen die Banker, die in den Vorjahren die Stars von Davos waren. Und gegen die regellose Marktwirtschaft, die mit dem Kapitalismus amerikanischer Prägung gleichgesetzt wird. Die Davoser Pilger, jene globale Elite der Marktwirtschaft, stellt auf einmal die Systemfrage. Und hat keine Antwort darauf.

Wohl noch nie ist in Davos, wo eigentlich selbstbewusste und meinungsstarke Politiker, Manager und Wissenschaftler zusammen kommen, so oft der Satz „Ich weiß nicht" gefallen. Wie geht es weiter mit der Konjunktur? Wie sieht die Zukunft der Marktwirtschaft aus? Gibt es einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus? Auf kaum etwas gibt es konkrete Antworten. Sicher ist nur die Unsicherheit.

Jetzt muss sich die Welt um die Dreigliederung kümmern!