Montag, 26. Januar 2009

Sonnenring


Der Mond hat sich vor die Sonne geschoben und lässt nur noch einen schmalen Feuerring von unserem Stern übrig. Diese ringförmige Sonnenfinsternis wurde im indonesischen Bandar Lampung aufgenommen. Auf die nächste totale Sonnenfinsternis müssen wir noch warten: Sie wird am 22. Juli 2009 stattfinden - und mit 6 Minuten und 39 Sekunden die längste des 21. Jahrhunderts sein.

Quelle:http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,603592,00.html

Montag, 19. Januar 2009

33 Jahre - Die Vorbereitung der "Wende"

Ein weiteres bekanntes Beispiel für die Bedeutung der 33 Jahre im geschichtlichen Wirken ist die "Wende" 1989 und das Geschehen in der Sowjetunion und in Osteuropa im Jahre 1956. Damals wurde ein Anfang gemacht, der aber nicht zu einem positiven Fortgange führte. 33 Jahre später gelang, was damals angelegt wurde:



Wende in der DDR

Deutsche Wiedervereinigung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Unter der Deutschen Wiedervereinigung versteht man den Prozess der Jahre 1989 und 1990, der zum Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zur Bundesrepublik Deutschland (BRD) am 3. Oktober 1990 führte, und die damit verbundene Überwindung der über vierzig Jahre lang währenden Deutschen Teilung hin zur Deutschen Einheit.

Möglich geworden war sie nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 in Berlin, dem Zusammenbruch des politischen Systems der DDR in der Zeit der „Wende“ und nicht zuletzt dem Erlangen eines Einverständnisses der vier Mächte.


Am 2. Mai 1989 begann Ungarn die Grenzanlagen zu Österreich abzubauen. In der Folge versuchten Hunderte von DDR-Bürgern, über Ungarn in den Westen zu gelangen. Gleichzeitig begaben sich viele in die Botschaften der Bundesrepublik in Budapest, Prag und Warschau und in die Ständige Vertretung in Ost-Berlin, um bundesdeutsche Reisepapiere zu erhalten. Die bestürmten Botschaften mussten im August/September wegen Überfüllung geschlossen werden. Am 19. August kam es infolge des Paneuropäischen Picknicks zu einer Massenflucht von DDR-Bürgern nach Österreich; Ende August begannen in Bayern Vorbereitungen zur Errichtung von Notaufnahmelagern.

Am 10. September öffnete die ungarische Regierung die Grenzen nach Österreich und die Flüchtlinge konnten ausreisen. Dies geschah teilweise organisiert durch DRK-Bustransporte über österreichisches Gebiet ins Notaufnahmelager Freilassing. Am 30. September folgten die Botschaftsflüchtlinge in Prag und Warschau.[5] Sie wurden mit verschlossenen Sonderzügen im Transit über DDR-Gebiet nach Westen gefahren. Während der Durchfahrt wurden Bahnhöfe abgesperrt, da immer wieder Menschen versuchten, auf die Züge aufzuspringen. Auf dem Dresdner Hauptbahnhof gerieten Demonstranten und Sicherheitskräfte dabei in schwere Auseinandersetzungen. Im selben Monat hatte Ungarn bereits etwa 30.000 Ausreisewillige ohne Absprache mit der DDR ausreisen lassen.

Demonstrationen in der DDR, Bürgerbewegungen

In der DDR selbst kam es zu immer mehr Demonstrationen; vor allem die seit dem 4. September 1989 nach den wöchentlichen Friedensgebeten stattfindenden so genannten Montagsdemonstrationen in Leipzig gewannen starken Zulauf. Am 9. Oktober 1989 hörte man auf einer Montagsdemonstration mit 70.000 Teilnehmern erstmals den Ruf „Wir sind das Volk“, mit dem politisches Mitspracherecht eingefordert wurde.

Der 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989

Trotz allem lud die DDR-Regierung unter Erich Honecker zur Feier zum 40. Jahrestag der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik nach Berlin ein. Dabei wurden die Demonstrierenden gewaltsam von der offiziellen Parade ferngehalten.
Propagandatafel zum 40. Jahrestag

Selbst Gorbatschow deutete am 5. Oktober 1989 auf dem Flughafen zu Honecker mit seinem inzwischen sprichwörtlichen Hinweis „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“ an, dass er Reformen in der Deutschen Demokratischen Republik für längst überfällig halte, und dass von der UdSSR keine Hilfe zu erwarten sei. Er sagte zu Honecker „Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren.“

Die Folge war, dass sich die Parteiführung der SED darüber zerstritt, wie denn nun vorzugehen sei. Am 18. Oktober, einen Tag nach der zweiten großen Montagsdemonstration, trat Erich Honecker nach Aufforderung des Politbüros von allen Ämtern „aus gesundheitlichen Gründen“ zurück. Sein Nachfolger wurde Egon Krenz. Im November 1989 kam es zur Bildung eines neuen Politbüros und zur Wahl von Hans Modrow zum Vorsitzenden des Ministerrates der DDR. Allerdings bewirkten diese Veränderungen und Reformen kaum eine Beruhigung.

Fall der Mauer am 9. November 1989

Seit dem 3. November durften DDR-Bürger ohne Formalitäten über die Tschechoslowakei ausreisen, es kam zu einer erneuten Ausreisewelle. Am 4. November kam es auf dem Berliner Alexanderplatz mit etwa einer Million Teilnehmern zur größten Demonstration in der Geschichte des Staates, dies wurde vom Fernsehen live übertragen. Am 7. November traten die Regierung und das Politbüro zurück.
Pressekonferenz mit Günter Schabowski am 9. November 1989
Bürger der DDR und der BR Deutschland warten auf die Öffnung der Mauer vor dem Brandenburger Tor, Dezember 1989

Am 9. November um 18:57 Uhr verlas Günter Schabowski vor laufenden Kameras, dass ab sofort Privatreisen ins „Ausland“ (also auch in die Bundesrepublik und nach West-Berlin) ohne Vorliegen von Voraussetzungen wie Reiseanlässen oder Verwandtschaftsverhältnissen beantragt werden könnten.[7] Die Genehmigungen würden kurzfristig erteilt. Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur Bundesrepublik erfolgen. Tausende eilten an die Grenzen. Die
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Wiedervereinigung#Fall_der_Mauer_am_9._November_1989

"Der 20. Parteitag der KPdSU vom 14. bis zum 26. Februar 1956 in Moskau

war ein Wendepunkt in der Geschichte der Sowjetunion. Es war der erste nationale Parteitag nach dem Tod des Diktators Joseph Stalin am 5. März 1953. Dessen Nachfolger Nikita Chruschtschow machte dort mit einer fünfstündigen Geheimrede einige von Stalins Verbrechen, vor allem die „Säuberungen“ der 1930er Jahre an kommunistischen Parteimitgliedern, bekannt und verurteilte sie. Er wollte die KPdSU so auf eine Entstalinisierung vorbereiten und Handlungsspielraum für eine vorsichtige Reformpolitik gewinnen.

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Verlauf des Parteitags

Gemäß seinem Plan eröffnete Chruschtschow den Parteitag mit einer Rede, die Stalins Verdienste für die Sowjetunion hervorhob und die Kontinuität der jetzigen Politik mit seinen Zielen betonte. Am 18. Februar ließ er seinen Agrarminister in einer kritischen Rede über Stalins Personenkult die Stimmung der Delegierten testen. Diese reagierten erwartungsgemäß negativ auf die moderate und formale Kritik, ahnten nun aber, dass eine Kursänderung im Politbüro geplant sein musste.

Am 25. Februar, dem Tag vor dem Abschluss des Parteitags, ab 10:00 Uhr vormittags hielt Chruschtschow dann seine lange vorbereitete Geheimrede hinter verschlossenen Türen. Alle Journalisten und Gäste, die nicht der Partei angehörten, waren ausgeschlossen und alle Aufzeichnungen – auch die sonst üblichen Tonbandaufnahmen – streng verboten. Er belehrte die Parteimitglieder darüber, dass Stalin mit seinem ideologischen Kurs schwere „Irrtümer“ begangen habe. Er berichtete ihnen über die Massenmorde der 1930er Jahre an Kommunisten der ersten Generation, die die Oktoberrevolution mitgetragen hatten. Er kündigte an, eine Liste stalinscher Verbrechen zu veröffentlichen, die bisher von der Sowjetunion geleugnet worden waren. Von den Arbeitslagern und den weitaus größeren Massenmorden im Verlauf der Zwangskollektivierung an russischen Bauern und orthodoxen Priestern schwieg er jedoch ebenso wie von Verbrechen der Roten Armee während des Zweiten Weltkriegs und danach. Er legte besonderen Wert darauf, dass die Kritik allein auf Stalin und nicht auf das sowjetische System bezogen würde.

Zuhörer berichteten nach 1989, das Publikum habe die Rede in völligem Schweigen und mit lähmendem Entsetzen aufgenommen. Niemand habe gewagt, seinen Nachbarn anzublicken. Es habe keine Aussprache gegeben. Jede mündliche oder schriftliche Weitergabe des Gehörten wurde den Delegierten untersagt.

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In den Ostblockstaaten kam es nach der Bekanntmachung der Rede durch westliche Radiosender zunächst zur sogenannten Tauwetter-Periode. Die Reformflügel der Kommunistischen Ostblockparteien sahen sich ermutigt, ihre Vorstellungen offener zu vertreten.

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Am 23. Oktober sammelten sich in Budapest zehntausende Studenten, die von dem polnischen Triumph gehört hatten, am Stalindenkmal, stürzten dieses um und zerschlugen es. Damit brach sich anders als in Polen ein Hass auf die eigene kommunistische Regierung Bahn. Ungarn hatte lange unter einem stalinistischen Regime gelitten. Dieses forderte nun sowjetische Hilfe an. Am 24. Oktober erreichten die russischen Panzer Budapest, konnten die Situation aber nicht beruhigen. Der Reformkommunist Imre Nagy, der die Sympathien der Bevölkerung genoss, erreichte jedoch am 30. Oktober den Abzug der Panzer. Bei den Siegesfeiern kam es zu Ausschreitungen gegen die ungarischen Stasimitglieder, zu Menschenjagd und Lynchjustiz. Nachdem Nagy den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Pakt verkündete, ließ Chruschtschow die Rote Armee am 4. November erneut einmarschieren, um ein Auseinanderbrechen des Ostblocks zu verhindern. Bis zum 15. November dauerten die Kämpfe, bei denen 5000 Menschen ihr Leben verloren

Mit der Verhaftung von 60.000 Ungarn, der Deportation der gesamten ungarischen Regierung, geheimen Schauprozessen und Todesurteilen gegen Nagy u.a. kehrte Chruschtschow zu den stalinistischen Herrschaftsmethoden zurück. Damit war sein Entstalinisierungsversuch praktisch beendet. Die Glaubwürdigkeit der KPdSU sollte sich nie mehr von diesem Rückschlag erholen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/20._Parteitag_der_KPdSU

Sonntag, 18. Januar 2009

Ein Lernprozess

Ornamente


1. Ich habe einst Ornamente aus der Steinzeit gefunden. Es fiel mir auf, dass die ganze Fläche mit kongruenten hellen und dunklen Formen bedeckt war. Dies gilt für fast alle Ornamente aus der Steinzeit.


2. In der Folge versuchte ich, selbst etwas Ähnliches zu zeichnen, ohne die vorgefundenen Muster zu kopieren. Doch konnte mir dies nicht gelingen, wenn ich der Forderung nach Komplexität nachkommen wollte.


In der Schule hatte man mir beigebracht, die Menschen hätten vor etwa 5000 bis 8000 Jahren ein primitives Leben geführt, sie seien in halbtierischen Stammesgemeinschaften von Ort zu Ort gewandert und hätten vom Sammeln gelebt. Beim Versuch, ein Ornament wie die ihrigen zu konstruieren, traf mich die Erkenntnis, dass sie doch intelligenter waren als ich, dass wir aber mit unserer Denkweise ihre Intelligenz nicht fassen können. Ich gelangte zur Einsicht, dass es mir an äußerst wichtigem Wissen über den prähistorischen Menschen mangelt und dass das Versäumte offensichtlich selbst mit meinen bewährten Methoden nicht mehr nachzuholen ist.


So habe ich auch verstanden, dass das Ornament aus der Steinzeit nicht nur auf eine hohe Intelligenz hinweist, sondern uns auch dabei helfen kann, das Verhältnis des Menschen zur Welt zu deuten. Dunkel und Hell, Unten, und Oben, Kraft und Gegenkraft wären getrennt voneinander sinnlos. Haben wir aus unserem Alltag eine persönliche gegenseitige Verbindung mit der Welt einfach weggelassen? Sind wir dadurch für diese Zeichen blind geworden? Ist ihr Sinn für uns für immer im Abgrund verschwunden.


a.a.O. Imre Makovecz, Seite 90

Samstag, 10. Januar 2009

33 Jahre - Chinas Entwicklung

Den 33-Jahres-Rhythmus findet man auch in der aktuellen Entwicklung Chinas. Die erste Öffnung zum Westen kann man etwa im Jahre 1971 feststellen. China wird in die UN aufgenommen und der erste Besuch eines amerikanischen Präsidenten wird vorbereitet.

Die Folge ist dann die Abschaffung des Privateigentums im Jahre 2004 und die in diesen Zeiten einsetzende gewaltige Bedeutung für die Weltwirtschaft.

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1971

Die Außenpolitik jener Zeit war von Isolation, besonders dem Chinesisch-Sowjetischen Zerwürfnis gekennzeichnet. In den Vereinten Nationen war nach 1945 die Republik China (auf Taiwan) als Nachfolger der chinesischen Republik vertreten. Seit 1960 gab es von verschiedenen Staaten des Ostblocks, unter anderem Albanien, den Versuch, Taiwan den Status als einziger legitimer chinesischer Staat abzuerkennen und stattdessen die Volksrepublik anzuerkennen und als Mitglied in die UNO aufzunehmen. Dies hatte allerdings erst am 25. Oktober 1971 Erfolg (UN-Resolution 2758).


In July 1971, U.S. President Nixon's National Security Advisor Henry Kissinger secretly visited Beijing during a trip to Pakistan, and laid the groundwork for Nixon's visit to China.


President Richard Nixon's 1972 visit to China was the first step in formally normalizing relations between the United States and the People's Republic of China. It also marked the first time a U.S. president had visited the PRC, who at that time considered the U.S. one of its biggest enemies. The visit has become a metaphor for an unexpected and uncharacteristic action by a politican.

Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/1972_Nixon_visit_to_China
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2004
Vorläufiger Höhepunkt des marktwirtschaftlichen Kurses war der Beschluss des Volkskongresses am 14. März 2004, die Abschaffung des Privateigentums rückgängig zu machen und den Schutz des Privateigentums in der Verfassung zu verankern.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China#Geschichte

"Die Waldlichtung" - Imre Makovecz

Wir nennen es eine Waldlichtung, eine Lichtung im Wald. Warum wachsen gerade an diesem Ort weder Busch noch Baum? Vielleicht weil der Boden anders ist, der Grundwasserspiegel etwas höher steht? Mag sein. Ich allerdings glaube, dass da, wo heute keine Bäume wachsen, vor sehr langer Zeit etwas geschehen ist. Doch ist es schon so lange her, dass sich niemand mehr daran erinnern kann. Außer vielleicht die Bäume. Wenn ich am Rande einer solchen Lichtung stehe, unter den vordersten Bäumen oder auch ein wenig weiter hinten, so scheint es mir, als würden die Bäume auf diesen Fleck herabschauen. Eine Lichtung hat einen anderen Klang als der Wald, sie spricht in ihrer eigenen Sprache. Sie ist wärmer, denn sie wird von der Sonne beschienen. Andere Insekten fliegen und kriechen umher. Die Wärme steigt weit über die Lichtung hinauf, selbst die Stille tönt anders. Dieses hören die Bäume außerhalb der Zeit beziehungsweise in ihrer Zeit, die aus der Beziehung zwischen der wärmenden Sonne und den Mineralien lebt.

Erschütternd ist ihr Trieb, in einer derart fremden Welt zu überleben, sich zu erinnern, etwas zu sehen und zu überliefern. Ihre Welt ging unter, als ihre gewaltigen Urahnen, die hoheitsvollen Weisen der Huronen,, eines rätselhaften Sündenfalles wegen zu Kohle und Öl wurden. Ich wage es nicht, mir eine Vorstellung von der Größe dieser Urbäume zu machen oder von deren Rede oder Taten. Ihre Nachkommen aber stehen einfach da. Sie umgeben einen Ort, dessen Geheimnis sie genauso wenig verstehen wie wir. Jahr für Jahr gleiten ihre von Propellerchen getragenen Samen wie winzige Feen auf die Lichtung herab, doch keiner der zarten Keime fängt zu sprießen an. Die Bäume rühren nicht an das, was einst hier geschah.

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Doch die Zeit der Wandlung wird kommen. Einer von uns wird sich in die Mitte des Kreises stellen und das Lied anstimmen, in das der ganze Wald behutsam und ernst einstimmen wird. Und dann werden sich Grund und Sinn dieses langen Schweigens offenbaren.

Wenn ich nachträglich noch einmal lese, was ich gerade geschrieben habe, bedauere ich es zutiefst, dass ich über diese Dinge nur in derart pathetischer, nichtssagender Sprache schreiben kann. Dabei bemühe ich mich stets darum, aufmerksam und präzise zu sein und nur das niederzuschreiben, was ich tatsächlich gesehen habe oder was sich mir sichtbar gemacht hat.

Immer noch verspüre ich das Verlangen, geheimnisvolle Orte zu schaffen. Mit solchen Orten möchte ich einerseits an Vergangenes erinnern, andererseits Neues provozieren. Ich möchte die Menschen, die Erde und ihre Lebewesen dazu bringen, sich zu offenbaren und das Wissen zu erkennen, welches die unumgängliche Vielfalt der Lebewesen birgt. Ich glaube, dass wir Menschen an sich alle dasselbe denken, auch wenn wir es bis zur Unverständlichkeit zerreden. Auf dieser Welt gibt es Wesen mit auf den Rücken gefalteten Armen, die nicht greifen können,jedoch fliegen. Andere Wesen wiederum werden mächtig und voll von Erdschwere, ihre Glieder sind dick wie Säulen und ihre Finger schwellen unter dem gewaltigen Gewicht an, sodass sie nicht zum Greifen taugen. Doch diese Wesen sind weise, sie verlängern ihre Nasen und greifen damit so, wie kein anderes Lebewesen. Ich glaube, dass die Welt die Ursache all dieser Vielfalt und Fremdheit in sich trägt ‑ und damit auch die Möglichkeit, sie zu verstehen. Ich meine, dass in den Formen der Natur. In der Anordnung der Berge etwas liegt, das uns anzieht wie die Erinnerung an eine uralte Stadt. ...

Wie gut sich doch die Pappel, diese lebendige Säule, zur Markierung besonderer Orte eignet! Stürmisch wächst sie in die Höhe, und allein schon ihre Springbrunnenform kann für die Menschen ein Zeichen sein.

Ich vermute, dass meine mit unbehauenen Baum-Säulen gebauten Häuser die Architektur als solche schließlich sinnlos machen werden. Setzte der Mensch einfach Dächer aus natürlichem Material auf geeignete Baumgruppen, so würde der Baum zum Gehilfen des Menschen wie einst das Pferd. Aus gegenseitigem Vertrauen und und gegenseitiger Achtung entstand in jener Zeit zwischen Pferd und Mensch ein tiefes gemeinsames Wissen ... Der Baum in der Architektur könnte tatsächlich den Weg zu neuen Erkenntnissen weisen, zu einem gemeinsamen Wissen zwischen Baum und Mensch. Die echten, alten Obstgärten mit ihren ... nicht für die Massenproduktion geeigneten Obstsorten sind nämlich im Aussterben begriffen. Doch im Komitat Zala gibt es noch ein paar wahre alte Obstgärten. Lasst es euch nicht entgehen, einmal einen Tag in einem dieser alten Obstgärten zu verbringen! Und besucht dann zum Vergleichen eine Obstplantage in Nyirseg. Ihr werdet merken, dass am einen Ort Gruppen eigenständiger Individuen leben, am anderen dagegen Heerscharen von unselbstständigen Gnomen in Reih und Glied stehen, das im 19. Jahrhundert verelendete Proletariat.
Im Namen der Natur rufe ich euch zu: Seht ihr denn nicht, dass unter dem Deckmantel "sozialistischer Prinzipien" ein Teufelskreis um euch gezeichnet wird, der alles zerstört? Nehmt etwa die Pflanzenschutzmittel! Seht ihr denn nicht die Millionen von sterbenden und wildflüchtenden Insekten? Doch genug damit. Schon höre ich die überheblichen Angriffe gegen das "Prophetentum".

Auf der Suche nach geheimnisvollen lebendigen Orten bin ich im vulkanischen Gebirge oberhalb von Särospatak auf einen kleinen See gestoßen, der nur über einen schmalen Pfad zu erreichen ist. Seerosen blühen dort und senkrechte weiße Felswände spiegeln sich im stehenden Wasser. Ein anderer solcher Ort ist der von grauen Felsen umgebene Hügel, auf dem ich einst eine Schutzhütte errichten wollte. Der große Nussbaum vor dem Keller des Jöska Kiss versank eines Morgens in der Erde, weil ein unterirdischer Gang eingebrochen war. Auch solches muss bedenken, wer für den Sarospataker baut.

Wir sollten uns beim Erkunden darum bemühen, Fuß und Auge von der Umgebung und nicht vom Kopf lenken zu lassen. Wir dürfen uns nicht unseren Fantasiebildern hingeben, sondern müssen wie ein Geigerzähler mit erhöhter Aufmerksamkeit und Sensibilität alle Schwingungen auf nehmen, damit alles, die geologischen und die atmosphärischen Gegebenheiten wie auch der allzu schöne oder künstliche Wuchs der Bäume, gleichzeitig in uns erklingen kann. Wir sollten auch darauf achten, wo früher Bauten standen und wohin alte Pfade führen. Denn alles flüstert uns Geheimnisse zu, will von uns verstanden werden. Lange schon leidet die Welt unter unserem Unverständnis. Alles ist uns Menschen anvertraut, alles ist für uns da. Halb Tier, halb Engel sucht der Mensch nicht umsonst die Orte der Natur. Es gibt sie nämlich tatsächlich! Mit diesen auf besondere Weise harmonischen Orten ermöglicht es uns die Natur, aus der Zeit herauszutreten. Hier können wir die wahre Zukunft erahnen. An solchen Orten kann es uns gelingen, mit der Unterstützung der hilfreichen Aufmerksamkeit der Wache stehenden Bäume zu einer intuitiven Erkenntnis in Bezug auf die Möglichkeiten und Ziele der menschlichen Zivilisation -und damit auch des Architekten ‑zu gelangen.



a.a.O. Seite 138 f - Imre Makovecz, 1984

Freitag, 9. Januar 2009

33 Jahre irreale Finanzwirtschaft

Rudolf Steiner weist darauf hin, dass man für eine reale Geschichtsbetrachtung den Rhythmus von etwa 33 Jahren beachten solle. Ein gewisser Impuls zeigt seine Folgen gewöhnlich nach 33 Jahren. Dies entspricht der Dauer des Jesus-Christus-Lebens: Weihnachten setzt den Impuls, Ostern 33 Jahre später zeigt die Folge. Das gilt leider auch für negative Entwicklungen:

Zur Finanzkrise des Jahres 2008 findet man z.B. folgende Meldung:



1975
Der erste «Interest Rate Future»
wird von der Chicago Board of
Trade ausgegeben. Dies ist das
erste Future, dem kein festes
(reales) Produkt zugrunde liegt.



Also hat etwa im Jahre 1975 die Finanzwirtschaft den Boden der Realität verlassen:
"Dies ist das erste Future, dem kein festes(reales) Produkt zugrunde liegt."

Sonntag, 4. Januar 2009

Impulse - Imre Makovecz


"Die Anthroposophie, die ich 1959 kennenlernte und die mir das organische Denken vermittelte, bestärkte meine Neugier für die theoretischen Kenntnisse und führte mich wie zu einer Quelle, zum Studium der traditionellen, volkstümlichen Kunst. Ich betrachtete mich nie als Nachfolger der nationalen romantischen Bewegung vom Anfang des Jahrhunderts, aber es faszinierte mich sehr, wie Mitglieder dieser Bewegung von Sprache und Zeichen der Vorfahren aus einer längst vergessenen Zeit, den Zeiten vor der Geschichte erzählten."

Schon am Ende seiner Studienzeit wurde Makovecz durch seinen Freund Tamäs Szabo‑Sipos auf das Werk Rudolf Steiners und seine 'soziale Dreigliederung' aufmerksam. Erst nach seinem Studienabschluss sah er das Goetheanum auf Abbildungen. Das weckte sein Interesse an der Architektur Rudolf Steiners. Durch die Auseinandersetzung mit ihr wurden ihm allmählich Aspekte der ungarischen Volkskunst verständlich: "Sie hat mit dem Leben zu tun und folgt nicht Konzepten. ( ... ) Mein Kontakt mit der Anthroposophie kam nicht auf einmal. Ich habe einige Bücher gelesen und habe mich mit einigen Mitgliedern dieser Bewegung getroffen. Meine Gedanken haben sich durch persönliche Beziehungen gebildet, früher wie heute. 1964, mit 29 Jahren, konnte ich meine erste Reise nach Westeuropa unternehmen, und zwar in die Schweiz, um das Goetheanum zu besuchen. Es war ein phantastischer Schock. Noch nie zuvor hatte ich von einem architektonischen Werk einen solchen Eindruck verspürt. Bei meiner Ankunft in Basel nahm ich die Straßenbahn nach Dornach und fand dort ein Zimmer gegenüber dem Bahnhof. Es war schon dunkel, und ich wusste nicht, wo das Goetheanum war. So verschob ich meinen Besuch trotz meiner Ungeduld auf den anderen Tag. Am nächsten Morgen schaute ich, während ich mich wusch, gemütlich aus dem Fenster. Es war Frühlingsanfang. Auf einem Hügel erblickte ich durch den Nebel einen monströsen Elefanten. Ich kann diese versteinerte Gestalt nicht anders nennen. Ich rannte wie ein Verrückter, um es von nahem zu sehen. Es übertraf alle meine Vorstellungen ‑ eine unvergessliche und unsterbliche Vision. Ich kannte das Goetheanum von Bildern, aber es in der Realität zu sehen, war ganz anders ..." Hier im Goetheanum sah Makovecz die eurythmische Aufführung von Shakespeares Sommernachtstraum. "Von Rudolf Steiner habe ich gelernt, dass man die Ideen und die Sprache in Bewegungen umsetzen kann, dass Gesten eine Bedeutung haben können. Zu jedem Ton gibt es eine präzise Geste", sagt Makovecz zu den von ihm veranstalteten Bewegungsexperimenten.

"Das Wesentliche des Steinerschen Impulses ist, dass man kein Nachahmer Steiners sein darf." Für die orthodoxe Anthroposophie in der Architektur oder für das Nachahmen hat Makovecz kein Verständnis. Einige frühe Bauten weisen leicht abgewinkelte Elemente auf, hier ist anthroposophischer Einfluss zu sehen, ... Schnell verschwanden aber solche äußerlichen Merkmale, die mit den gängigen Vorstellungen der anthroposophischen Architektur assoziiert wurden. Bedeutender ist der zentrale Raum, der erst richtig in der Csäkänyosi Csärda zum Ausdruck kommt. Der kuppelbedeckte Raum und die Verbindung zweier Kuppeln wie im Holzbau des ersten Goetheanums ist eine Herausforderung, die Makovecz im Projekt Institut für Waldorfpädagogik in Witten und im Kulturzentrum Szigetvär annahm. Er versteht die Anthroposophie ähnlich wie Joseph Beuys oder Rudi Dutschke als eine Unterstützung, das "zu tun, was ich ohnehin tun musste ... Ich habe nichts mit der Anthroposophie zu tun, aber mit Rudolf Steiner ..." Nicht seine Person zählt, sondern das, worauf er hinweist, auf "die Welt und den Weltinhalt".

(a.a.O. Seite 18)

Donnerstag, 1. Januar 2009

Tagebuch-Aufzeichnungen von Imre Makovecz Tagebuch

"Der Wert eines Lebens wird nicht durch ein anderes Leben bestätigt. Das Leben ist überhaupt nicht zu bestätigen. Die Größe eines Volkes lässt sich nicht an der Größe eines anderen Volkes messen. Man sollte Völker nicht antasten. Ein Volk kann nicht festgelegt werden, weder als groß noch als klein, als Sieger oder Verlierer, noch als verstümmelt oder überlebensgroß. Ein Volk ist nicht da, um beurteilt zu werden, ein Volk lebt. Auch die lebende Architektur wird nicht durch andere Architektur bestätigt, die lebende Architektur lebt. Was ich mache, ist lebende Architektur. Ich nehme zur Kenntnis, dass meine Häuser zerstückelt, in Brand gesteckt und abgerissen werden, ich baue dennoch neue Häuser. Ich nehme zur Kenntnis, dass man mit gezinkten Karten mit mir spielt, dass ich verleumdet und in einem Atemzuge Söldner fremder Herren und Nationalist genannt werde, dass man mich auszeichnet, aber gleichzeitig erniedrigt, dass man mich ruft und gleich danach wegschickt. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass dieses Land uns und Fremden gleichermaßen gehört. Man hat schon oft versucht zu nehmen, was uns gehört. Man müsste einsehen, dass der Mensch selbst nicht zu nehmen ist, denn erfindet dafür einen letzten Fluchtweg: den Tod. Der Geist des ungarischen Volkes aber ist lebendig und sucht, auch in der Architektur, nach einem gesunden, kräftigen und freien Ausdruck."

(Oktober 1987)

Seite 209