Donnerstag, 29. Mai 2008

Mabel Collins "Licht auf dem Weg" - I.Teil

Geschrieben wurden diese Lehren für jeden, der die Wahrheit sucht. Beachte sie!

(In der Theosophischen Gesellschaft hatten diese Anweisungen für den Geistesschüler eine Bedeutung. In der Anthroposophischen Gesellschaft wurden sie dann abgelöst durch die Schrift "Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten" von Rudolf Steiner.)


Bevor das Auge sehen kann, muß es der Tränen sich entwöhnen. Bevor das Ohr
vermag zu hören, muß die Empfindlichkeit ihm schwinden. Eh' vor den Meistern kann
die Stimme sprechen, muß das Verwunden sie verlernen. Und eh' vor ihnen stehen
kann die Seele, muß ihres Herzens Blut die Füße netzen.
1. Ertöte den Ehrgeiz.
2. Ertöte die Liebe zum Leben.
3. Ertöte den Wunsch nach Behagen.
4. Wirke gleich denen, die ehrgeizig sind. Achte das Leben gleich denen, die's lieben.
Sei glücklich gleich dem, der dem Glücke nur lebt.
Such in dem Herzen die Wurzel des Bösen und reiße sie aus. Denn es treibt und es
wuchert im Herzen des eifrigen Jüngers gleichwie in den Herzen der Kindern der Welt.
Nur der Starke vermag es zu töten. Der Schwache jedoch muß sein Wachstum
erwarten, sein Reifen, sein Sterben.
Durch Weltenalter wächst dies Kraut im Menschen. Es wuchert, doch in Blüte tritt es
erst, wenn vieler Leben Unzahl er durchlaufen. Wer der Beherrschung Weg betreten
will, muß dieses Kraut aus seinem Herzen reißen. Wohl wird alsdann das Herzblut
reichlich fließen, das ganze Leben wird vernichtet scheinen. Die Prüfung aber muß
bestanden werden. Vielleicht tritt sie an dich heran schon bei dem ersten Schritt des
wagnisvollen Klimmens hinauf zum Lebensweg, vielleicht beim letzten. Bedenke wohl:
Sie muß bestanden werden, - und setze alle Kräfte ans Vollbringen. Nicht in dem
Augenblicke darfst du leben, nicht in der Zukunft, - nur im Ewigen. Dort kann dies
Riesenunkraut nicht gedeihen: der Hauch schon eines Ewigkeitsgedankens tilgt diesen
Flecken aus von deinem Dasein.
5. Ertöte den Sinn für das Sondersein.
6. Ertöte das Streben nach Sinnenwirkung.
7. Ertöte die Gier nach dem Wachstum.
8. Doch stehe einsam auf dich selbst beschränkt, weil nichts, was an dem Erdenkörper
haftet, nichts, was vom Sinn des Sonderseins erfüllt, nichts, was der Ewigkeit entfremdet
lebt, dir Hilfe bringt. Beachte die Empfindung. Nur wenn es dir gelingt, aus ihr zu
erlernen, erschließt du dir der Selbsterkenntnis Pforte und klimmst empor der Leiter
erste Stufe. Gleichwie die Blume unbewußt erwächst, doch sehnsuchtsvoll, dem Licht
sich zu erschließen, so wachse du; so strebe sehnsuchtsvoll, dem Ewigen die Seele zu
erschließen. Doch nur das Sehnen nach dem Ewigen darf Kraft und Schönheit dir
entwickeln, der Wunsch nach Wachstum nicht; denn während jenes zu höchster
Reinheit Schöne dich entfaltet, erstarrt des andren mächtige Leidenschaft dich zur
persönlichen Gestaltung.
9. Trachte nach dem nur, was in dir wohnt.
10. Trachte nach dem nur, was jenseits des Selbst liegt.
11. Trachte nach dem nur, was stets unerreichbar.
12. Denn in dir wohnt das Licht der Welt, - das einzige, das deinen Weg bestrahlt.
Vermagst du nicht es in dir zu erkennen, du wirst es anderwärts vergebens suchen. Und
dennoch liegt es jenseits deiner selbst. Dringst du zu ihm, hast du dich selbst verloren.
Und unerreichbar ist's denn immer weicht's zurück. In seinen Lichtkreis magst du
dringen, doch seine Flamme wirst du nie berühren.

Sonntag, 25. Mai 2008

Eckermann - Gespräche mit Goethe, 13.2.1831

Eckermann - Gespräche mit Goethe, 13.2.1831

"Johann Peter Eckermann - Gespräche mit Goethe (22)
(Über verschiedene Aspekte der Evangelien)

SONNTAG DEN 13. FEBRUAR 1831.

Bei Goethe zu Tisch. Er erzählt mir, dass er im vierten Akt des Faust fortfahre, und dass ihm jetzt der Anfang so gelungen wie er es gewünscht. [...]

Das Gespräch lenkte sich auf das Neue Testament, indem ich erzählte, dass ich die Stelle nachgelesen wo Christus auf dem Meere wandelt und Petrus ihm entgegengeht. Wenn man die Evangelisten lange nicht gelesen, sagte ich, so erstaunt man immer wieder über die sittliche Großheit der Figuren. Man findet in den hohen Anforderungen an unsere moralische Willenskraft auch eine Art von kategorischem Imperativ. »Besonders, sagte Goethe, finden Sie den kategorischen Imperativ des Glaubens, welches sodann Mahomet noch weitergetrieben hat.« Übrigens, sagte ich, sind die Evangelisten, wenn man sie näher ansieht, voller Abweichungen und Widersprüche, und die Bücher müssen wunderliche Schicksale gehabt haben, ehe sie so beisammengebracht sind, wie wir sie nun haben. »Es ist ein Meer auszutrinken, sagte Goethe, wenn man sich in eine historische und kritische Untersuchung dieserhalb einlässt. Man tut immer besser, sich ohne weiteres an das zu halten, was wirklich da ist, und sich davon anzueignen, was man für seine sittliche Kultur und Stärkung gebrauchen kann. [...]«"

Eckermann - Gespräche mit Goethe, 12.2.1831

Eckermann - Gespräche mit Goethe, 12.2.1831:

"Johann Peter Eckermann - Gespräche mit Goethe (21)
(Über eine biblische Allegorie)

SONNABEND DEN 12. FEBRUAR 1831.

Ich lese im Neuen Testament, und gedenke eines Bildes, das Goethe mir in diesen Tagen zeigte, wo Christus auf dem Meere wandelt, und Petrus, ihm auf den Wellen entgegenkommend, in einem Augenblick anwandelnder Mutlosigkeit sogleich einzusinken anfängt.

»Es ist dies eine der schönsten Legenden, sagte Goethe, die ich vor allen lieb habe. Es ist darin die hohe Lehre ausgesprochen, dass der Mensch durch Glauben und frischen Mut im schwierigsten Unternehmen siegen werde; dagegen bei anwandelndem geringsten Zweifel sogleich verloren sei.«

(Eckermann, Gespräche mit Goethe; Überschrift vom Herausgeber eingefügt)"

Freitag, 23. Mai 2008

Der Dialog

Produktivität und Empfänglichkeit in den dialogischen Prozessen


Auszug aus Karl -Martin Dietz, „Produktivität und Empfänglichkeit“, S.118 f


....Wenn jemand einen Gedanken äußert, frage ich mich nicht als erstes, was ich davon halte und ob ich mich damit identifizieren kann, sondern ob ich ihn überhaupt verstehe und was der Gedanke enthält. Verstehe ich nur, was der andere sagt, oder auch was er meint ? Welche Voraussetzungen und Konsequenzen hat der geäußerte Gedanke? Wie fügt er sich in einen größeren Zusammenhang ein? Finde ich selbst einen Zugang zu dem Gedanken (wozu ich meine geistige Produktivität bemühen muss) oder bleibt er für mich formal? Was kann ich tun, um einen eigenen Zugang zu finden? Welche Verständnisleistungen (nicht: Meinungsäußerungen) müssen erbracht werden?

Der Empfindung eines anderen Menschen gegenüber frage ich nicht in erster Linie, wie weit sie zu meinen eigenen Einstellungen, Erfahrungen, Gefühlen usw. passt, sondern ich versuche, sie vom anderen Menschen her zu verstehen: Wie ist seine Äußerung gemeint und worauf geht sie hinaus? Ich nehme sie nicht zum Anlass, mich in mein eigenes Empfindungsleben einzuspinnen. Indem ich mich für die Empfindung des anderen interessiere, befreie ich mich zugleich aus meinen eigenen emotionalen Verstrickungen.

Macht jemand einen bestimmten Handlungsvorschlag, dann versuche ich, bevor ich innerlich oder äußerlich dazu Stellung nehme, das dahinter stehende Motiv zu verstehen. Ich versuche weiter, die Konsequenzen zu überdenken, und frage mich schließlich, was mir an dem Vorschlag des anderen einleuchtet und was nicht. Ich frage mich aber vielleicht auch, inwieweit sich der andere selbst mit seinem Vorschlag identifiziert. Manchmal werden ja Vorschläge auch eingebracht, um zu provozieren oder weil jemand zu nervös war, um zu schweigen. Beides muss man bemerken. Letzten Endes geht es nicht nur darum, ob der Vorschlag sachlich passend und durchdacht, sondern auch darum, ob er willensgetragen ist. Es gibt hervorragende Vorschläge, mit denen sich aber keiner der Beteiligten wirklich identifiziert: dann sollte man sie nicht durchführen. Bevor etwas gemeinschaftlich getan wird, muss nicht nur nach Gedanken und Gefühlen, sondern auch nach dem Willenseinsatz gefragt werden. Dabei muss es gar nicht immer derjenige sein, der den Vorschlag eingebracht hat, der sich hinterher damit existenziell verbindet. Hier kann es Arbeitsteilung und Wechselseitigkeit geben. Auch das ist eine Frucht von Produktivität und Empfänglichkeit. ....


Der Sinn im Sinn

Hegel - aktuell

"Sinn" nämlich ist das wunderbare Wort, welches selber in zwei entgegensetzten Bedeutungen gebraucht wird. Einmal bezeichnet es die Organe der unmittelbaren Auffassung, das andere Mal aber heißen wir Sinn: Die Bedeutung, den Gedanken, das Allgemeine der Sache. Und so bezieht sich der Sinn einerseits auf das unmittelbar äußerliche der Existenz, andererseits auf das innere Wesen derselben.


Eine sinnvolle Betrachtung nun scheidet die beiden Seiten nicht etwa, sondern in der einen Richtung enthält sie auch die entgegengesetzte und fasst im sinnlichen, unmittelbaren Anschauen zugleich das Wesen und den Begriff auf. Da sie aber ebendiese Bestimmungen in noch ungetrennter Einheit in sich trägt, so bringt sie den Begriff nicht als solchen ins Bewusstsein, sondern bleibt bei der Ahnung desselben stehen. [ ... ]


Von solcher Art ist die Goethesche Schauung und Darlegung der inneren Vernünftigkeit der Natur und ihrer Erscheinungen. Mit großem Sinne trat er naiver Weise mit sinnlicher Betrachtung an die Gegenstände heran und hatte zugleich die volle Ahnung ihres begriffsgemäßen Zusammenhangs. Auch die Geschichte kann so erfasst und erzählt werden, dass durch die einzelnen Begebenheiten und Individuen ihre wesentliche Bedeutung, und ihr notwendiger Zusammenhang heimlich hindurchleuchtet.“


Aus: Das Goetheanum Nr. 19/20 08 -“Hegels Christusimpuls“ von Olaf Oltmann



Samstag, 17. Mai 2008

Simone Weil - Geist- Erfahrung

In einem ihrer letzten Briefe schrieb Simone Weil:

"Christus liebt es, dass man ihm die Wahrheit vorzieht, denn ehe er Christus ist, ist er die Wahrheit. Wendet man sich von ihm ab, um der Wahrheit nachzugehen, so wird man keine weite Strecke wandern, ohne in seine Arme zu stürzen. Danach habe ich empfunden, dass Plato ein Mystiker ist, dass die ganze "Ilias" von christlichem Licht durchflutet ist und dass Dionysos und Osiris in gewisser Weise Christus selber sind; und meine Liebe wurde hierdurch verdoppelt. (...) Im Frühjahr 1940 las ich die "Bhagavad-Gita". Seltsam, als ich diese wunderbaren Worte von einem derart christlichen Klange las, die einer Inkarnation Gottes in den Mund gelegt werden, da geschah es, dass mich das kräftige Gefühl überkam, dass wir der religiösen Wahrheit sehr viel mehr schulden als die Zustimmung, die man einer schönen Dichtung gewährt, eine Zustimmung von sehr viel kategorischerer Art. (...)

Die Kraft dieser Übung ist außerordentlich und überrascht mich jedes Mal, denn, obgleich ich sie jeden Tag erfahre, übertrifft sie jedes Mal meine Erwartung. Mitunter reissen schon die ersten Worte meinen Geist aus meinem Leibe und versetzen ihn an einen Ort außerhalb des Raums, wo es weder eine Perspektive noch einen Blickpunkt gibt. Der Raum tut sich auf. Die Unendlichkeit des gewöhnlichen Raumes unserer Wahrnehmung weicht einer Unendlichkeit zweiten oder manchmal auch dritten Grades. Gleichzeitig erfüllt diese Unendlichkeit der Unendlichkeit sich allenthalben mit Schweigen, mit einem Schweigen, das nicht die Abwesenheit des Klanges ist, sondern das der Gegenstand einer positiven Empfindung ist, sehr viel positiver als die eines Klanges. Die Geräusche, wenn deren da sind, erreichen mich erst, nachdem sie durch dieses Schweigen hindurch gegangen sind. Mitunter auch ist während dieses Sprechens oder zu anderen Augenblicken Christus in Person anwesend, jedoch mit einer unendlich viel wirklicheren, durchdringenderen, klareren und liebevolleren Gegenwart als jenes erstes Mal, da er mich ergriffen hat."

Freitag, 16. Mai 2008

...damit's ein Prachtkind wird!

30. April 2008, 04:00 Uhr

Von Detlef Gürtler

Essay

Nichts bleibt im Leben so konstant wie die Intelligenz. Und das schon ab dem 6. Lebensjahr. Wer soziale Gerechtigkeit in der Bildung will, muss deshalb für eine ambitionierte Vorschulpolitik streiten

Menschen verändern sich ihr Leben lang. Haben Angst- oder Glücksmomente, bekommen Schocks oder Kinder, stumpfen ab oder leben auf. Aber es gibt etwas, das verändert sich über alle Hochs und Tiefs praktisch nicht: der Intelligenzquotient (IQ). "Kein menschliches Merkmal bleibt über das ganze Leben so konstant wie der IQ", sagt der Marburger Psychologieprofessor und Bildungsforscher Detlef Rost. Abweichungen von mehr als zehn Punkten zwischen den Test-Ergebnissen als Grundschüler und als Erwachsener sind äußerst selten.

.........

Für Erziehungswissenschaftler, Eltern und Bildungspolitiker hingegen ist die Unveränderlichkeit des Intelligenzquotienten keine Erleichterung, sondern eine Herausforderung. Besser gesagt: Es sind zwei Herausforderungen - eine für die Zeit vor der Schule, und eine ganz andere für die Schulzeit selbst. Denn auch das ergeben Vergleichsstudien in aller Welt: Diese Zeit des konstanten IQ beginnt schon bei den ersten Messungen. Und das heißt: mit sechs Jahren. Der IQ, der bei Erstklässlern bei Tests gemessen wird, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit durch die ganze Schullaufbahn hindurch und während des gesamten weiteren Lebens nicht wesentlich ändern. Selbst intensive Programme zur Intelligenzförderung erreichen allenfalls eine Steigerung von etwa zehn Punkten, und auch die ist nicht nachhaltig, sondern fällt nach einigen Jahren wieder ab.

.......

Die andere, bislang stark unterschätzte Herausforderung, die ein über die gesamte Lebenszeit konstanter IQ an die Bildungsverantwortlichen stellt, liegt jedoch in der Vorschulzeit. Denn wenn schon zum Zeitpunkt der ersten verlässlich durchführbaren IQ-Tests, also etwa mit sechs Jahren, der IQ für den Rest des Lebens feststeht, müssen ja zwangsläufig die prägendsten Ereignisse für die Intelligenzentwicklung eines Menschen vorher stattgefunden haben. Selbst wenn man davon ausgehen kann, dass ein großer Anteil der Intelligenz auf ererbten Faktoren beruht, müssen auch die zentralen, umweltbedingten Faktoren im Vorschulalter wirken. ...


Original-Text: hier klicken!

Dienstag, 6. Mai 2008

Selbstverwaltung braucht aktive geistige Arbeit


Weitere Auszüge aus Karl-Martin Dietz, Produktivität und Empfänglichkeit


Daher setzt Teilnahme an der Selbstverwaltung in der Schule die aktive Mitarbeit im Geistesleben voraus... Selbstverwaltung fordert außerdem ganz spezifische Fähigkeiten von den einzelnen Beteiligten. (Dietz S.98)


...Was die Grundlagen der Selbstverwaltung ausmacht: gleichberechtigte Lehrer, unter denen aber eine naturgemäße Autorität herrscht und sich ein gewisses hierarchisches System herausbildet. Gleichberechtigt also im demokratischen Sinne; aber durch Gleichberechtigung allein ist ist im Geistesleben nichts zu bewirken. Dazu bedarf es spezifischer Fähigkeiten, und die sind unterschiedlich nach Qualität und Quantität. Im geistigen Leben kann nicht jeder ein Urteil haben, im geistigen Leben kann jeder nur das Urteil haben, zu dem er befähigt ist. Da muss alles aus der Individualität heraus kommen. ...


Wenige Monate nach dieser Äußerung wird... das Gleichberechtigte aller Lehrer relativiert und die Bildung eines engeren und eines erweiterten Kollegiums vorgeschlagen: Es ist gar nicht von vornherein ausgemacht gewesen, dass jeder Fachlehrer im Lehrerkollegium sitzen soll. Es sollte da sein ein engeres Kollegium, in dem die Klassenlehrer sind mit den älteren Fachlehrern, und daneben das erweitertes Kollegium.

...Und am Tag darauf erfährt die Ansicht, es müsse immer ein Gemeinschaftsbeschluss hergestellt werden, bevor der Einzelne handeln kann, einen Dämpfer:

...Wenn einer es tut, gewiss. All diese Dinge sind gut, wenn sie getan werden, sehr gut sogar. Das braucht man nicht zu beschließen, das kann jemand tun.

Geistesleben beruht auf der Initiative des Einzelnen, nicht auf Mehrheitsbeschlüssen! Kollegiumsbildung soll das Handeln der Einzelnen ermöglichen, nicht kontrollieren oder regulieren. (Dietz, S.101 f)


(Die kursiven Stellen sind wiederum Zitate von Rudolf Steiner)

Freitag, 2. Mai 2008

Zwischen "Null Bock" und " Generation Praktikum"

Süddeutsche Zeitung 26./27.4.2008


"Hände weg von unserer Kindheit!"


....Der Umbau der Schulen von Bildungs- zu Ausbildungsstätten etwa ist, angetrieben von Eltern und Wirtschaft, in vollem Gange. Die Politik ist eingeknickt angesichts hoher Arbeitslosigkeit und Globalisierung. Damit keine Zeit verschwendet wird in den besten Jahren. Damit nichts gelehrt wird, das nicht unmittelbar der baldigen professionellen Verwendbarkeit in die Hände spielt. Der Anteil der Schüler, die Nachhilfeunterricht nehmen, steigt entsprechend unaufhaltsam. Waren es 2002 noch 18 Prozent aller Schüler, sind es im vergangenen Jahr schon 23 Prozent gewesen. 50 Prozent aller Schüler haben inzwischen in ihrer Schullaufbahn schon einmal Nachhilfe absolviert.
"Hände weg von unserer Kindheit!" titelte zuletzt die Frankfurter Allgemeine Zeitung sehr zu Recht - aber angesichts all derer, die bereits die Hand auf Kindheit und Jugend haben, wirkt das fast etwas naiv. Genau genommen bedeutet jung zu sein heute, umstellt zu sein von Möglichkeiten, die natürlich nicht als die Optionen verkauft werden, die sie einmal waren, sondern als die schier unfassbaren Chancen, die sie mit Blick auf die Zukunft sein können.


http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/571/171070/6/