Montag, 29. Dezember 2008

Fußball-Kapelle: Eine sakrale Loge für die Pilger des FC St. Pauli


11. Dezember 2008, 12:56 Uhr

Das Stadion am Millerntor hat eine neue Loge, an der sich die Geister scheiden. Im Stil einer sakralen Kapelle mit Engelsfiguren, Altar und Ikonen der Kiezkicker wurde ein einzigartiges Séparée eingerichtet. Angebetet wird dort ausschließlich Gott Fußball. Offizielle Kirchenkreise sind empört.


Foto: DPA

Bundesliga-Zweitligist FC St. Pauli ist stets für eine Überraschung gut. Jetzt hat der etwas andere Klub vom Hamburger Kiez die wohl ungewöhnlichste Loge in einer deutschen Fußball-Arena eingeweiht. In Zusammenarbeit mit der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt ist der exklusivste Zuschauerraum des Millerntor-Stadions als Kapelle gestaltet worden. In der Endetage der Südtribüne wurde das Séparée mit diversen Kirchenmotiven und einem Altar verziert. Ein sakraler Stilmix aus Gotik, Spätbarock und Rokoko sorgt für eine Atmosphäre, in der Fußball zum Gegenstand von Religion wird.

Auf dem Altar steht ein Schuh von Ex-Profi und Co-Trainer André Trulsen, außerdem liegen ein Stück Rasen und der Ball aus dem DFB-Pokalspiel St. Pauli gegen Hertha BSC im Jahr 2006 auf dem Boden der Kick-Kathedrale. Wie russische Ikonen werden der aktuelle Kader, die Mannschaften der Jahrgänge 1966, 1985 und 1988 und Idole wie Walter Frosch an der Wand gegenüber des Altars dargestellt.

Für die Gestaltung der Loge war der Künstler und Setbauer Ole Grönwoldt verantwortlich. Mit viel Liebe zum Detail setzte er die Idee einer Kirche für den Fußball um. "Wir sind wahnsinnig zufrieden mit der Arbeit", strahlt Jung von Matt-Geschäftsführer Christian Hupertz. „Wir lieben den Stadtteil St. Pauli, favorisieren klar den FC und sind vom Charme dieses Vereins einfach angetan. Alternativen gab es keine. Der FC St. Pauli ist ein toller Partner", so seine Begründung der Zusammenarbeit mit dem Kiezklub.