Freitag, 16. Mai 2008

...damit's ein Prachtkind wird!

30. April 2008, 04:00 Uhr

Von Detlef Gürtler

Essay

Nichts bleibt im Leben so konstant wie die Intelligenz. Und das schon ab dem 6. Lebensjahr. Wer soziale Gerechtigkeit in der Bildung will, muss deshalb für eine ambitionierte Vorschulpolitik streiten

Menschen verändern sich ihr Leben lang. Haben Angst- oder Glücksmomente, bekommen Schocks oder Kinder, stumpfen ab oder leben auf. Aber es gibt etwas, das verändert sich über alle Hochs und Tiefs praktisch nicht: der Intelligenzquotient (IQ). "Kein menschliches Merkmal bleibt über das ganze Leben so konstant wie der IQ", sagt der Marburger Psychologieprofessor und Bildungsforscher Detlef Rost. Abweichungen von mehr als zehn Punkten zwischen den Test-Ergebnissen als Grundschüler und als Erwachsener sind äußerst selten.

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Für Erziehungswissenschaftler, Eltern und Bildungspolitiker hingegen ist die Unveränderlichkeit des Intelligenzquotienten keine Erleichterung, sondern eine Herausforderung. Besser gesagt: Es sind zwei Herausforderungen - eine für die Zeit vor der Schule, und eine ganz andere für die Schulzeit selbst. Denn auch das ergeben Vergleichsstudien in aller Welt: Diese Zeit des konstanten IQ beginnt schon bei den ersten Messungen. Und das heißt: mit sechs Jahren. Der IQ, der bei Erstklässlern bei Tests gemessen wird, wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit durch die ganze Schullaufbahn hindurch und während des gesamten weiteren Lebens nicht wesentlich ändern. Selbst intensive Programme zur Intelligenzförderung erreichen allenfalls eine Steigerung von etwa zehn Punkten, und auch die ist nicht nachhaltig, sondern fällt nach einigen Jahren wieder ab.

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Die andere, bislang stark unterschätzte Herausforderung, die ein über die gesamte Lebenszeit konstanter IQ an die Bildungsverantwortlichen stellt, liegt jedoch in der Vorschulzeit. Denn wenn schon zum Zeitpunkt der ersten verlässlich durchführbaren IQ-Tests, also etwa mit sechs Jahren, der IQ für den Rest des Lebens feststeht, müssen ja zwangsläufig die prägendsten Ereignisse für die Intelligenzentwicklung eines Menschen vorher stattgefunden haben. Selbst wenn man davon ausgehen kann, dass ein großer Anteil der Intelligenz auf ererbten Faktoren beruht, müssen auch die zentralen, umweltbedingten Faktoren im Vorschulalter wirken. ...


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