Dienstag, 15. Januar 2008

Ein Wissenschaftler bemüht sich um die Anthroposophie

Anmerkungen zu Helmut Zanders „Anthroposophie in Deutschland“

Vor kurzer Zeit erschien ein äußerst umfassendes Buch, in dem ein katholischer Wissenschaftler die „Anthroposophie in Deutschland“

Das auf zwei Bände verteilte Werk umfasst knapp 2000 Seiten. Die beiden Bände kosten fast 250 Euro und sind somit für Privatpersonen kaum erschwinglich. Wahrscheinlich wird man sie wohl eher in Universitätsbibliotheken wiederfinden. Es werden ja nur selten so umfangreiche Publikationen auf den Markt gebracht, und man fragt sich im Grunde: Was bewegt einen Religionswissenschaftler, über eine Sache, die er im eigentlichen Sinne gar nicht verstehen kann und trotzdem oder deswegen zutiefst ablehnt, eine so umfassende Arbeit zu schreiben?

Im Bereich der Geisteswissenschaften gibt es immer wieder Leute, die sich anmaßen, über Sachen urteilsfähig zu sein, für die sie nicht die nötigen Grundlagen mitbringen. Niemals würde ein Historiker ohne ein gründliches Zusatzstudium sich für kompetent halten, die Konstruktion eines Computerelementes kritisch zu beurteilen. Er könnte vielleicht sagen, dass ihm die Farbe oder Form des einen Teiles besser gefiele als die eines anderen Teiles.

Noch kurioser wird es, wenn einer grundsätzlich die Möglichkeit einer übersinnlichen Erkenntnis ablehnt, und er dennoch eine Wissenschaft, deren Voraussetzung eben diese Erkenntnisfähigkeit zur Grundlage hat, zu beurteilen versucht. Er könnte als Mensch wohl sagen: Diese Sache verstehe ich nicht; sollen sich Leute damit auseinandersetzen, die sie verstehen. Aber diese Art des redlichen Umganges mit Erkenntnissen anderer Menschen kennt er nicht. Also beginnt er sich mit der Anthroposophie zu beschäftigen und beurteilt sie auf dem äußerlichsten Niveau, das eben möglich ist. Etwa so, wie wenn man die Qualität und Funktionsfähigkeit eines Computers nach dessen Form und Farbe beurteilen würde.

Er müsste konsequenterweise auch sagen, dass ein Computer Lug und Trug sei, da sein Verstand nicht ausreicht, ihn zu begreifen. Er beschließt aus diesem Grunde, nie einen Computer anzuschalten. Ja, er beginnt nun sogar, die Computerhersteller zu bekämpfen und ihnen alle nur erdenklichen Vorwürfe zu machen, bis dahin, dass er sagt, dieser oder jener Computerhersteller habe z.B. sein eigenes Kind einmal ungerecht behandelt. Schon dieses sei Beweis genug für die Unhaltbarkeit der Computertechnik.

Wenn er aber einmal einen Computer praktisch einsetzen würde, dann bewiesen ihm hier eben die Fakten, dass er doch funktioniert.

Auch bei der Anthroposophie kann es sein, dass man sie nicht mit der eigenen Erkenntnis voll erschließen kann. Dennoch kann jeder, der sich unbefangen mit ihr beschäftigt, ihre Wirkung erleben. Diese beweist ihm, dass die Anthroposophie trotzdem funktioniert.

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